Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner

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KOLUMNE

Die Hugo Awards 2004: Das waren die Gewinner


Die Buchreihe „Die Hugo Awards 2001-2017” gibt einen Überblick über die wichtigsten Gewinner des berühmten Hugo Awards. Welche Preisträger gab es 2004?  

Die Verleihung der HUGO-Awards fand 2004 auf der Noreascon 4 in Boston statt.

Toastmaster: Neil Gaiman

Novel

Lois McMaster Bujold: Paladin of Souls

(2003 bei Eos; dt. Paladin der Seelen, B 20505)

Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner

Bujold ist vor allem für die vielfach ausgezeichnete Serie um ihren Helden Miles Vorkosigan bekannt, für die sie unter anderem bereits vier Hugos erhalten hatte. 1992 versuchte sie sich mit The Spirit Ring (dt. Fiamettas Ring) erstmals an Fantasy. 2001 folgte dann ein weiterer Fantasy-Roman mit dem Titel The Curse of Chalion (nominiert für den Hugo Award 2002; dt. Chalions Fluch), der von einem finsteren Fluch erzählt, der auf dem kleinen Königreich Chalion lastet. Hauptfigur ist Lupe dy Cazaril, der nach jahrelanger Gefangenschaft zum Königsschloss zurückkehrt und von der Königin Ista zum Privatschreiber der Prinzessin Iselle ernannt wird. Der Kanzler des Reiches und dessen verschlagener Bruder Dondo dy Jironal wollen die Macht endgültig an sich reißen und Prinzessin Iselle zwingen, Dondo zu heiraten. Cazaril findet heraus, dass Dondo durch eine Intrige für sein schweres Schicksal in Verbannung und Gefangenschaft verantwortlich ist. Nur durch den Einsatz eines Todeszaubers kann Dondo aufgehalten werden. Im Laufe der Handlung kann der Fluch vom Land genommen werden, Iselle findet einen angemessenen Gemahl, und der tapfere Cazaril wird schließlich der neue Kanzler von Chalion.

Zwei Jahre nach The Curse of Chalion veröffentlichte Bujold mit Paladin of Souls eine Fortsetzung der Geschichte. Da nun der Fluch vom Land Chalion genommen ist und Prinzessin Iselle zur neuen Königin gekrönt wurde, kehrt Ruhe im alten Schloss ein. Zu viel Ruhe, wie Iselles Mutter Ista befürchtet, denn ihr graut davor, den Rest ihrer Tage mit Handarbeiten und langweiligen Gesprächen mit ihren Hofdamen zu verbringen. Drei Jahre nach den Geschehnissen des ersten Buchs beschließt Ista deshalb, auf eine ausgedehnte Reise zu gehen, die sie, um unliebsamen Fragen auszuweichen, als Pilgerfahrt ausgibt. Und so verlässt sie unter falschem Namen mit einer kleinen Gefolgschaft ihre Heimatstadt Valenda. Einer ihrer Begleiter ist die junge Liss, die keinerlei Erfahrungen als Zofe hat, weil sie bisher als Pferdekurierin unterwegs war. Ihr fehlendes Wissen in höfischen Dingen gleicht sie jedoch durch praktisches Wissen über Reisen und Pferde aus, das Ista sehr zugutekommt. Ein weiterer wichtiger Gefährte ist dy Cabon, ein Priester des Bastard, eines der fünf Götter von Chalion.

Doch es dauert nicht lange, bis die Reisegesellschaft von einem Trupp feindlich gesonnener Roknari aus dem Nachbarland gefangen genommen wird. Durch eine glückliche Fügung können die Reisenden jedoch von einer Patrouille des Schlosses Porifors befreit werden. Ista ist dem faszinierenden und attraktiven Arhys, dem Herrn des Schlosses, dankbar, stellt aber fest, dass er äußerst seltsame Verhaltensweisen an den Tag legt, da er so gut wie nie etwas isst oder trinkt und auch bis auf einen kurzen Schlummer am Nachmittag niemals schläft. Außerdem findet sie heraus, dass Arhys der Sohn von Lord dy Lutez ist, des Liebhabers von Istas inzwischen verstorbenem Gemahl König Ias. Ista hat Schuldgefühle, da sie den Tod von Lord dy Lutez verursacht hat. Schließlich erführt sie, dass der attraktive Arhys eine Art Untoter ist, dessen Schicksal durch einen Fluch mit seinem Bruder Lord Illvin verbunden zu sein scheint.

Bald darauf wird Schloss Porifors, das nahe der Grenze liegt, von Streitkräften der Roknari belagert, die von Prinz Sordso und seiner Mutter Prinzessin Joen angeführt werden. Die Roknari verfügen über eine Reihe von Magiern, die dämonische Kräfte sammeln, um Porifors zu besiegen. Doch Ista hat das zweite Gesicht und ist in der Lage, die dämonischen Kräfte zu erkennen. Mutig macht sie sich auf in das feindliche Lager, und mithilfe des fünften Gottes Bastard gelingt es ihr, die Bedrohung abzuwenden, wodurch sie schließlich ungeahnte Kräfte erlangt.

Eine Besonderheit des Romans ist die Wahl der Protagonistin. Für gewöhnlich sind die Hauptfiguren von Fantasy-Romanen entweder sehr junge Auserwählte oder Männer, die über besondere Fähigkeiten verfügen. In Paladin of Souls hingegen ist die Heldin eine Frau mittleren Alters, die zwar willensstark, aber häufig hilfsbedürftig ist. Erst im Laufe der Handlung findet sie heraus, worin ihre besonderen Stärken bestehen.

Ein weiteres sehr interessantes Detail ist das religiöse Konzept der fünf Götter. Die ersten vier sind der Vater, der Sohn, die Mutter und die Tochter, die unterschiedliche Eigenschaften der Menschen repräsentieren. So beten ältere Männer den Vater an, jüngere Männer den Sohn, ältere Frauen die Mutter und jüngere Frauen die Tochter. Der fünfte Gott ist der Bastard, der für die Ausgestoßenen, vom Weg Abgekommenen und sogar für Mörder und Verbrecher da ist. Und im Übrigen auch für die Homosexuellen, die in beiden Bänden eine wesentliche Rolle spielen. Damit ist Chalion fortschrittlicher als die Nachbarländer, die nur die ersten vier Götter anbeten und für alle abweichlerischen Menschen lediglich die Verdammnis bereithalten.

Lois McMaster Bujold wurde für Paladin of Souls überraschenderweise gleich mit drei wichtigen Preisen ausgezeichnet, nämlich mit dem Hugo, dem Nebula und dem Locus Award, obwohl die Konkurrenz durch Romane wie Ilium von Dan Simmons, Singularity Sky von Charles Stross oder Blind Lake von Robert Charles Wilson groß war. Science-Fiction-Leser werden an den drei letztgenannten Büchern mehr Freude haben als an Bujolds Fantasy-Epos.

Übrigens verfasste Bujold noch den Roman The Hallowed Hunt (2005 bei Eos) und fünf längere Erzählungen, beginnend mit Penric’s Demon (2015 bei Create Space), die zeitlich vor Chalions Fluch angesiedelt sind, jedoch nicht ins Deutsche übersetzt wurden.

Weitere Nominierungen:

Dan Simmons: Ilium

(2003 bei Eos; dt. Ilium, H 8320)

Charles Stross: Singularity Sky

(2003 bei Ace; dt. Singularität, H 52016)

Robert Charles Wilson: Blind Lake

(2003 bei Tor; dt. Quarantäne, H 52316)

Robert J. Sawyer: Humans

(2003 bei Tor; nicht auf Deutsch)

Novella

Vernor Vinge: »The Cookie Monster«

(Oktober 2003 in ANALOG; dt. »Das Cookie-Monster« in Vinge: Die Tiefen der Zeit, H 52132)

Trotz des Titels hat die Geschichte nichts mit dem Krümelmonster aus der Sesamstraße zu tun. Erzählt wird von Dixie Mae Leigh, die ihren ersten Arbeitstag beim Kundendienst der Firma LotsaTech hat. LotsaTech ist größer und mächtiger als IBM und Microsoft, und es wurde festgestellt, dass ein guter, persönlicher Kundenservice den Umsatz deutlich steigern kann. Daher wurden zahlreiche neue Angestellte ausgebildet, die sich ohne Zeitdruck den Problemen der Kunden widmen sollen. Als Dixie Mae eine etwas schlüpfrige E-Mail erhält, die auf Geheimnisse ihrer Kindheit anspielt, die eigentlich niemand wissen kann, will sie gemeinsam mit ihrem Kollegen Victor herausfinden, wer diese E-Mail verfasst hat, und begibt sich auf dem LotsaTech-Campus auf die Suche. Sie trifft andere Angestellte und Studenten, mit denen gemeinsam sie weitere Seltsamkeiten herausfindet, bis sich schließlich herausstellt, dass alle anwesenden Personen wohl nur Simulationen innerhalb eines Computersystems sein können. LotsaTech hat offenbar Persönlichkeitskopien hergestellt, die auf virtuelle Weise den persönlichen Kundenservice bereitstellen sollen. Damit es nicht zu Unregelmäßigkeiten kommt, werden die Programme der virtuellen Personen alle 24 Stunden zurückgesetzt und neu gestartet.

Mit ihren neuen Erkenntnissen finden Dixie Mae und ihre Kollegen schließlich zwei Softwareentwickler, die ebenfalls als eine Art virtuelle Sklaven gehalten werden, um die Softwaresysteme weiterzuentwickeln. Diese beiden haben bereits eine Möglichkeit gefunden, ihre Erkenntnisse auch über den Neustart ihres Programms und die Löschung ihrer Erinnerungen hinweg zu retten, indem sie ein riesiges Cookie entwickelt haben, auf das sie nach jedem Neustart zugreifen können. Und die virtuellen Personen sind zuversichtlich, dass sie eines Tages einen Weg finden werden, sich an ihrem Schöpfer zu rächen.

Die spannend erzählte und versiert geschriebene Erzählung über virtuelle Realität und künstliche Intelligenz steht in einer langen Tradition ähnlich gelagerter Geschichten. Weil sich Vernor Vinge dessen bewusst ist, lässt er seine Protagonisten sogar entsprechende Vermutungen anstellen, in welcher Art von virtueller Realität sie sich befinden. Erwähnt werden dabei ›Der kleine Gott‹ in Theodore Sturgeons »Microcosmic God« (April 1941 in ASTOUNDING; dt. »Der Gott des Mikrokosmos«), Frederik Pohls »The Tunnel Under the World« (Januar 1955 in GALAXY; dt. »Der Tunnel unter der Welt«), John Varleys »Overdrawn at the Memory Bank« (Mai 1976 in GALAXY; dt. »Abgespeichert«), Robert Charles Wilsons Darwinia (1998 bei Tor; dt. Darwinia), Hans Moravecs »Schweine im Cyberspace«, Daniel F. Galouye Simulacron-3 (1964 bei Bantam; dt. Welt am Draht), die »Todeswürfel« aus den Erzählungen Vernor Vinges und David Brins Kiln People (2002 bei Tor; dt. Copy).

Weitere Nominierungen:

Kage Baker: »The Empress of Mars«

(Juli 2003 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Connie Willis: »Just Like the Ones We Used to Know«

(Dezember 2003 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Walter Jon Williams: »The Green Leopard Plague«

(Oktober/November 2003 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Catherine Asaro: »Walk in Silence«

(April 2003 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Novelette

Michael Swanwick: »Legions in Time«

(April 2003 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Protagonistin dieser Erzählung, für die Michael Swanwick bereits seinen fünften Hugo erhielt, ist Eleanor Voigt. Sie lebt im Jahr 1936 in New York und hat einen seltsamen Job: Sie muss den ganzen Tag in einem fast leeren Büroraum sitzen und einen Schrank beobachten. Ihr merkwürdiger Chef Mr. Tarblecko hat ihr eingeschärft, dass sie einen bestimmten Knopf drücken muss, sobald sich etwas Seltsames ereignet. Nachdem sie bereits ein ganzes Jahr den langweiligen Job ausgeführt hat, wird sie doch neugierig und öffnet den Schrank. Dahinter verbirgt sich eine ganze Welt, die offenbar in der fernen Zukunft liegt. Der Schrank ist also eine Art Zeitportal. In dieser Zukunftswelt, die alles andere als angenehm ist, trifft sie auf Nadine Shepard, die aus dem Jahr 2004 stammt. Beide finden heraus, dass in der Zukunft die unheimlichen »Aftermen« herrschen, und werden von der »Rationality« rekrutiert, um mit einem Zeittorpedo in einem komplizierten Zeitkrieg zu kämpfen. Schließlich erfahren sie von dem Siebtklon des Hauses Orpen, auf welch finstere Weise die Anführer der Aftermen, die Tarblecks, die Vergangenheit verändern, indem sie Massaker, Genozide und Weltkriege anzetteln. Eleanor und Nadine ziehen also wieder in den Kampf, um die Zeit zu retten.

Diese unkonventionelle und rasant erzählte Geschichte würde mit ihren skurrilen Ideen genug Stoff für mehrere Trilogien bieten. Swanwick wurde zu dieser Erzählung durch A. E. van Vogts Roman Masters of Time (1942; dt. Beherrscher der Zeit) inspiriert.

Weitere Nominierungen:

Jeffrey Ford: »The Empire of Ice Cream«

(26. Februar 2003 in SCI FICTION; nicht auf Deutsch)

Charles Stross: »Nightfall«

(April 2003 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Jay Lake: »Into the Gardens of Sweet Night«

(2003 in Budrys: L. Ron Hubbard Presents Writers of the Future Volume XIX, Galaxy Press; nicht auf Deutsch)

James Patrick Kelly: »Bernardo’s House«

(Juni 2003 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Robert Reed: »Hexagons«

(Juli 2003 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Short Story

Neil Gaiman: »A Study in Emerald«

(2003 in Pelan/Reaves [Hrsg.]: Shadows Over Baker Street, Del Rey/Ballantine; dt. »Eine Studie in Smaragdgrün« in Gaiman: Zerbrechliche Dinge, Klett-Cotta)

Neil Gaiman hatte bereits mit den Romanen American Gods und Coraline bewiesen, dass er ein preiswürdiger Erzähler ist. In »A Study in Emerald« verbindet er die Detektivgeschichten um Sherlock Holmes auf sehr geschickte Weise mit dem Cthulhu-Mythos von H. P. Lovecraft, wobei sich der Titel auf die klassische Holmes-Geschichte »A Study in Scarlet« bezieht. An den Anfängen der einzelnen Kapitel stehen Auszüge aus Werbeanzeigen von Zeitungen, die Hinweise auf Vlad Tepes, Victor Frankenstein und Dr. Jekyll liefern.

Der Erzähler, ein Veteran aus einem Krieg in Afghanistan, lernt den bedeutendsten Detektiv Londons kennen, der in der Baker Street residiert. Kurze Zeit später kommt Inspektor Lestrade von Scotland Yard zu Besuch und berichtet von einem rätselhaften Mord. Der Detektiv und der Erzähler besichtigen gemeinsam mit Lestrade den Tatort und finden eine Leiche vor, die mit grünem Blut überströmt ist. Der Detektiv findet heraus, dass es sich um einen Adligen aus Deutschland handeln muss, und kurz darauf wird er vom Gemahl der Königin Victoria höchstpersönlich aufgefordert, den Mord aufzuklären. Es stellt sich heraus, dass die Königin eine Kreatur ist, die von den Großen Alten eingesetzt wurde und bereits seit 700 Jahren über England regiert. Kaum jemand wagt es, gegen die Schreckensherrschaft zu rebellieren, der geniale Detektiv am allerwenigsten. Es kommt ans Tageslicht, dass ein Schauspieler namens Sherry Vernet aus einem eher drittrangigen Theater an dem Mord beteiligt sein muss. Der Detektiv gibt sich als Theateragent aus der ›Neuen Welt‹ aus, um den Schauspieler zu ködern und vor allem um den Autor eines höchst subversiven Stückes dingfest zu machen, der sich über die unheimlichen Herrscher lustig macht. Doch der Schauspieler ist weitaus gerissener als der Detektiv, und ihm gelingt es, sich dem Zugriff der Staatsgewalt und selbst dem genialen Detektiv zu entziehen.

Neil Gaiman vollbringt das Kunststück, eine alternativ-fiktive Welt zu erschaffen. Während der Leser zunächst glaubt, dass es sich bei den beiden Hauptfiguren um Sherlock Holmes und Dr. Watson handelt, stellt sich erst im Laufe der Handlung heraus, dass Holmes und Watson eher konspirative Anarchisten sind, die von ihren Widersachern verfolgt werden. Die raffinierte Geschichte nimmt Hinweise aus den Erzählungen von Arthur Conan Doyle auf, um den Leser auf eine falsche Fährte zu locken. Gaiman zeigt ein weiteres Mal, dass er zu den erfindungsreichsten Erzählern unserer Zeit gehört. Er hat den Hugo Award für diese Geschichte mehr als verdient. Die Erzählung wurde außerdem mit dem Locus Award 2004 ausgezeichnet.

Weitere Nominierungen:

Michael A. Burstein: »Paying it Forward«

(September 2003 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Mike Resnick: »Robots Don’t Cry«

(Juli 2003 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Joe Haldeman: »Four Short Novels«

(Oktober/November 2003 in F&SF; nicht auf Deutsch)

David D. Levine: »The Tale of the Golden Eagle«

(Juni 2003 in F&SF; nicht auf Deutsch)

Related Book

John Grant & Elizabeth L. Humphrey zusammen mit Pamela D. Scoville: The Chesley Awards for Science Fiction & Fantasy Art: A Retrospective

(2003 bei Artist’s & Photographer’s Press Ltd; nicht auf Deutsch)

Die Association of Science Fiction and Fantasy Artists vergibt seit 1985 den weltweit wichtigsten Preis für SF-Kunst, der zunächst ASFA Award hieß und nach Chesley Bonestells Tod 1986 ihm zu Ehren in ›Chesley Award‹ umbenannt wurde. Bonestell war zweifellos der wichtigste Künstler auf dem Gebiet der Weltraummalerei (siehe Hugo 2002).

Der Chesley Award wird ebenso wie der Hugo in einer gesonderten Veranstaltung auf der World Science Fiction Convention vergeben, und das in derzeit zwölf Kategorien.

Das schön gedruckte, großformatige Buch enthält, nach Jahren sortiert, Abbildungen der preisgekrönten Werke mit entsprechenden Kommentaren. Vorangestellt sind ein Vorwort von Ron Miller, in dem er Chesley Bonestell würdigt, sowie eine Einleitung von Elizabeth Humphrey, die die Wahlkriterien und die Einzelheiten zur Preisverleihung erläutert. Der Anhang enthält biografische Notizen der preisgekrönten Künstler sowie die Nominierungslisten der Jahre 1985 bis 2002. Insgesamt bietet dieses Buch also einen hervorragenden Überblick über die zeitgenössische phantastische Malerei und Grafik, wobei das Feld auch hier von angloamerikanischen Künstlern dominiert wird.

Weitere Nominierungen:

Jeff VanderMeer & Mark Roberts, Hrsg.: The Thackery T. Lambshead Pocket Guide to Eccentric & Discredited Diseases

(2003 bei Night Shade Books; nicht auf Deutsch)

Cathy Fenner & Arnie Fenner, Hrsg.: Spectrum 10: The Best in Contemporary Fantastic Art

(2003 bei Underwood Books; nicht auf Deutsch)

Brian Herbert: Dreamer of Dune: The Biography of Frank Herbert

(2003 bei Tor; nicht auf Deutsch)

John Clute: Scores: Reviews 1993–2003

(2003 bei Beccon Publications; nicht auf Deutsch)

William J. Widder: Master Storyteller: An Illustrated Tour of the Fiction of L. Ron Hubbard

(2003 bei Bridge; nicht auf Deutsch)

Dramatic Presentation – Long Form

The Lord of the Rings: The Return of the King

(New Line Cinema; Drehbuch Fran Walsh & Philippa Boyens & Peter Jackson; Regie Peter Jackson; basiert auf dem gleichnamigen Buch von J. R. R. Tolkien; dt. Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs)

Der dritte und abschließende Teil erfüllte alle Erwartungen und wurde zum erfolgreichsten Film der Trilogie. Er wurde allein mit elf Oscars ausgezeichnet und war der erste Fantasy-Film überhaupt, der einen Oscar in der Kategorie ›Bester Film‹ errang. Die Liste all der anderen Auszeichnungen ist unglaublich lang, sodass sie hier nicht aufgezählt werden können.

Peter Jackson hat mit The Lord of the Rings nicht nur einen Meilenstein des Fantasy-Films, sondern der Filmkunst insgesamt geschaffen. Für die Fans, die nicht genug bekommen konnten, erschienen bald darauf ›Extended Versions‹ auf DVD, die jeweils noch ausführlichere und zusätzliche Szenen und jede Menge Bonusmaterial enthielten.

Weitere Nominierungen:

Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl

(Disney; Drehbuch Ted Elliott & Terry Rossio; Story Ted Elliott & Terry Rossio & Stuart Beattie & Jay Wolpert; Regie Gore Verbinski; dt. Fluch der Karibik)

X2: X-Men United

(20th Century Fox/Marvel; Drehbuch Michael Dougherty & Dan Harris & David Hayter; Story Zak Penn & David Hayter & Bryan Singer; Regie Bryan Singer; dt. X-Men 2)

Finding Nemo

(Pixar Animation/Disney; Drehbuch Andrew Stanton & Bob Peterson & David Reynolds; Story Andrew Stanton; Regie Andrew Stanton & Lee Unkrich; dt. Findet Nemo)

28 Days Later

(DNA Films/Fox Searchlight; Drehbuch Alex Garland; Regie Danny Boyle; dt. 28 Tage später)

Dramatic Presentation – Short Form

»Gollum’s Acceptance Speech at the 2003 MTV Movie Awards«

(Wingnut Films/New Line; Drehbuch und Regie Fran Walsh & Philippa Boyens & Peter Jackson; nicht auf Deutsch)

Die MTV Movie Awards werden seit 1992 vergeben, und das nicht selten für phantastische Filme. Im Jahr 2003 gab es gleich drei Preise für Der Herr der Ringe: Die zwei Türme, und zwar für den ›Besten Film‹, die ›Beste Action-Sequenz‹ und nicht zuletzt für den ›Besten virtuellen Auftritt‹, der an die Figur Gollum ging. Die Macher des Films ließen es sich nicht nehmen, eine knapp zweiminütige Szene zu erstellen, bei der Gollum auftaucht und Andy Serkis – dem Schauspieler, der der virtuellen Figur Leben eingehaucht hat – den Preis aus der Hand reißt, um einen kurzen, witzigen Dialog mit seinem »guten« und seinem »bösen« Ich zu halten, wie man ihn auch aus dem Spielfilm kennt. Die Rede ist übrigens im Internet leicht zu finden.

Weitere Nominierungen:

FIREFLY: »The Message«

(Mutant Enemy Inc./20th Century Fox; Drehbuch Joss Whedon & Tim Minear; Regie Tim Minear; dt. »Die Botschaft«)

BUFFY THE VAMPIRE SLAYER: »Chosen«

(Mutant Enemy Inc./20th Century Fox; Drehbuch und Regie Joss Whedon; dt. »Das Ende der Zeit, Teil 2«)

FIREFLY: »Heart of Gold«

(Mutant Enemy Inc./20th Century Fox; Drehbuch Brett Matthews; Regie Thomas J. Wright; dt. »Leichte Mädchen«)

SMALLVILLE: »Rosetta«

(Tollin/Robbins Productions/Warner Brothers; Drehbuch Al Gough & Miles Millar; Regie James Marshall; dt. »Kal-El von Krypton«) 

Professional Editor

Gardner Dozois

Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner

Dozois konnte in diesem Jahr immerhin acht Nominierungen aus ASIMOV’S für die drei Kurztextkategorien verbuchen, und auch den Gewinner in der Kategorie ›Best Novelette‹: Michael Swanwick mit »Legions in Time«. Der überwiegende Teil der anderen Nominierten (Kage Baker, Walter Jon Williams, Charles Stross, Robert Reed und Mike Resnick) besteht aus Vertretern der »Kerngebiete« der Science Fiction, und ihre Geschichten sind überwiegend wissenschaftlich-technisch oder abenteuerlich orientiert. Lediglich Connie Willis und James Patrick Kelly, die aber beide ebenfalls Stammautoren in Dozois’ Magazin sind, stechen hier etwas heraus.

2003 gab Dozois weiter Anthologien heraus: The Year’s Best Science Fiction: Twentieth Annual Collection (St. Martin’s Press), The Best of Asimov’s Science Fiction Magazine 2002 (Dell, gemeinsam mit Sheila Williams) sowie Future Crimes (Ace Books, gemeinsam mit Jack Dann).

2004 hatte Dozois während einer Taxifahrt einen schweren Unfall und konnte daher nicht am Worldcon in Boston teilnehmen und seinen fünfzehnten und gleichzeitig letzten Hugo in Empfang nehmen. Im Dezember 2004 beendete er seine Herausgebertätigkeit bei ASIMOV’S; seine Nachfolgerin wurde Sheila Williams, die bereits seit Anfang der 90er-Jahre mit Dozois zusammenarbeitete. Bis zu seinem überraschenden Tod im Mai 2018 stellte Dozois weiterhin einzelne Anthologien zusammen, vor allem aber THE YEAR’S BEST SCIENCE FICTION.

Weitere Nominierungen:

Ellen Datlow | David G. Hartwell | Stanley Schmidt | Gordon Van Gelder

Professional Artist

Bob Eggleton

2004 erhielt Eggleton seinen bis heute letzten Hugo, wobei sein kreativer Ausstoß in den folgenden Jahren auch deutlich geringer werden sollte. Geehrt wurde er vor allem für seine rund zwanzig Titelbilder des Jahres 2003. Besonders schön waren das außerirdische Katzenwesen auf Transfinite: The Essential A. E. van Vogt, der Riesenschmetterling auf The Creatures of Man von Howard L. Myers, der Totenkopf mit Gasmaske auf der Neuausgabe von The Sheep Look Up von John Brunner und die vierarmige Tänzerin auf dem Cover der Juli-Ausgabe von THE MAGAZINE OF FANTASY AND SCIENCE FICTION.

Darüber hinaus erschien 2003 der sehr schöne Bildband Primal Darkness: The Gothic & Horror Art of Bob Eggleton.

Weitere Nominierungen:

Donato Giancola | Frank Kelly Freas | Frank Frazetta | Jim Burns

Semiprozine

LOCUS (Charles N. Brown, Jennifer A. Hall & Kirsten Gong-Wong)

2003 erschienen zwölf Ausgaben mit einem Umfang von 80 bis 96 Seiten. Interviewt wurden Connie Willis, Garth Nix, Harry Turtledove, Robert J. Sawyer, Michael Moorcock, Steven Barnes, Ramsey Campbell, Robert Charles Wilson, William Gibson, Karl Schroeder, Charles de Lint, Kage Baker, Alan Moore, Alastair Reynolds, Charles Stross, Robert Sheckley, Paul Di Filippo, Jonathan Carroll, Terri Windling, Tom Doherty, Howard Waldrop, Ian R. MacLeod, M. John Harrison und Jon Courtenay Grimwood. Neben den aktuellen Convention- und Marktberichten aus den USA gab es Informationen über SF in England, Israel, Polen, Spanien, Brasilien, Portugal, China, Mexiko, Bulgarien, Russland, Rumänien, Südkorea und Tschechien. Umfangreichere Nachrufe würdigten Harry Warner jr. und Hal Clement. Die zahlreichen Buchrezensionen wurden von Jonathan Strahan, Mark R. Kelly, Faren Miller, Russell Letson, Gary K. Wolfe, Nick Gevers, Jennifer A. Hall, Bill Sheehan, Edward Bryant, Carolyn Cushman und Karen Haber geschrieben.

Weitere Nominierungen:

THE NEW YORK REVIEW OF SCIENCE FICTION (Kathryn Cramer, David G. Hartwell & Kevin J. Maroney)
INTERZONE (David Pringle)
ANSIBLE (David Langford)
THE THIRD ALTERNATIVE (Andy Cox)

Fanzine

EMERALD CITY (Cheryl Morgan)

EMERALD CITY erschien von 1995 bis 2006 mit insgesamt 134 Ausgaben. Die Herausgeberin wohnte in der ersten Zeit in Australien, zog aber innerhalb der nächsten Jahre nacheinander in die USA und nach England um. Die frühen Ausgaben waren ein elektronisches Fanzine in Form von Word-Dateien, was den Vertrieb von Australien aus über elektronische Wege erleichterte.

Ab Anfang 1997 war EMERALD CITY dann auch online verfügbar und konnte von den Lesern heruntergeladen werden (siehe www.emcit.com). Papierausgaben waren auf Conventions und bei einigen SF-Clubs erhältlich.

Inhaltlich präsentierte EMERALD CITY hauptsächlich Buchrezensionen und Berichte von Conventions, die überwiegend von Cheryl Morgan verfasst wurden. In späteren Ausgaben kamen auch einige Gastautoren wie Gary K. Wolfe, Jeff VanderMeer oder Hal Duncan hinzu.

Weitere Nominierungen:

MIMOSA (Rich & Nicki Lynch)
PLOKTA (Alison Scott, Steve Davies & Mike Scott)
FILE 770 (Mike Glyer)
CHALLENGER (Guy H. Lillian III)

Fan Writer

Dave Langford

Im Jahr 2003 war Dave Langford noch immer der beliebteste Fanautor. Sein Buch He Do the Time Police in Different Voices erschien als Hardcover bei Cosmos Books/Wildside Press. Der gleiche Verlag veröffentlichte auch das Buch Up Through an Empty House of Stars, das Rezensionen und Essays aus dem Zeitraum 1980 bis 2002 enthält. ANSIBLE erschien nach wie vor pünktlich und informativ wie immer. Und auch die Rubriken in INTERZONE und THE NEW YORK REVIEW OF SCIENCE FICTION zeigten, dass Langford eine Menge zu sagen hatte.

Weitere Nominierungen:

Cheryl Morgan | Bob Devney | John L. Flynn | Jeff Berkwits

Fan Artist

Frank Wu

Der US-Amerikaner Frank Wu (*1964) war bereits 2002 und 2003 nominiert. Er arbeitet mit unterschiedlichen Techniken wie Acrylfarben und Digitalmedien. Darüber hinaus ist er auch Filmemacher und hat sich an Animationsfilmen versucht.

2003 gestaltete er den Erzählungsband Greetings from Lake Wu von Jay Lake und schuf mehrere Titelbilder für Fanpublikationen.

Weitere Nominierungen:

Sue Mason | Teddy Harvia | Brad Foster | Steve Stiles

John W. Campbell Award

Jay Lake

Der US-Amerikaner Joseph Edward Lake jr. (1964–2014) wurde in Taiwan geboren und wuchs in Taiwan und Westafrika auf, wo sein Vater als Diplomat tätig war. Die Schule besuchte er jedoch in Connecticut und machte 1986 seinen Abschluss an der Universität von Texas. Bis 2000 lebte er in Austin, danach in Portland. Er arbeitete lange Zeit im Marketing für ein Telekommunikationsunternehmen. Erst im Jahr 2000 begann er ernsthaft zu schreiben, seine erste Erzählung war »The Courtesy of Guests« (2001 in Bruce Holland Rogers [Hrsg.]: Bones of the World: Tales from Time’s End). In seiner viel zu kurzen Karriere verfasste er über 300 Erzählungen, die in neun Erzählungsbänden gesammelt wurden. »Into the Gardens of Sweet Night« (2003 in Budrys [Hrsg.]: L. Ron Hubbard Presents Writers of the Future Vol. XIX) wurde für den Hugo nominiert, »The Stars Do Not Lie« (Oktober/November 2012 in ASIMOV’S) sogar für den Hugo und Nebula Award sowie »The Weight of History, the Lightness of the Future« (Frühjahr 2012 in SUBTERRANEAN) für den Sturgeon Memorial Award. Wegen seiner hervorragenden Erzählungen wurde er 2004 als bester neuer Autor mit dem John W. Campbell Award ausgezeichnet. Im Fandom war Lake wegen seines Humors sehr beliebt, er besuchte zahlreiche Conventions und war 2011 gemeinsam mit Ken Scholes Toastmaster der Hugo-Verleihung während des Worldcons in Reno.

Hierzulande kannte man ihn – abgesehen von einer Erzählung in John Scalzis Anthologie Metatropolis – nur als Romanautor, obwohl es von seinen zwölf Romanen auch nur fünf nach Deutschland geschafft haben, nämlich die Trilogie Mainspring (2007; dt. Die Räder der Welt, B 20656), Escapement (2008; dt. Die Räder des Lebens, B 20664) und Pinion (2010; dt. Die Räder der Zeit, B 20685) sowie die ersten beiden Bände der GREEN-Trilogie Green (2009; dt. Der verborgene Hof, B 20717) und Endurance (2011; Der stumme Gott, B 20753).

Lakes letztes großes Projekt war die Space-Opera-Serie SUNSPIN, aus der bereits sechs Erzählungen verstreut erschienen sind und zu der er an dem Roman Calamity of So Long a Life gearbeitet hat. 2008 wurde bei ihm jedoch Krebs diagnostiziert, und er musste sich mehreren Chemotherapien unterziehen. Er ging sehr offen mit der Krankheit um und bloggte längere Zeit darüber. Über seinen Kampf gegen den Krebs gibt es den Dokumentarfilm Lakeside – A Year with Jay Lake. Am 1. Juni 2014 erlag er jedoch der Krankheit.

Weitere Nominierungen:

David D. Levine | Karin Lowachee | Tim Pratt | Chris Moriarty

 

 

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Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 2001-2017” (erschienen 2018 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Genau diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. 

 

© 2018 by Hardy Kettlitz

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