Kolumne von Stephen H. Segal: Die Weisheit der Nerds: Star-Trek-Vorspann

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Star-Trek-Vorspann


Junge Geeks haben ein kompliziertes Verhältnis zum Militär. Wer als Jugendlicher epische Abenteuergeschichten verschlingt, entwickelt womöglich einen Hang zur Romantik – und findet dann auch die Vorstellung toll, gemeinsam mit ein paar Kameraden in eine epische Schlacht zu ziehen, in der ein Sieg mehr zählt als das eigene Leben. Außerdem lieben Geeks alle Arten von Technik – und wer hat bitte schön bessere Gadgets als das Militär? Andererseits neigen wir von Natur aus dazu, alle Autoritäten zu hinterfragen, uns gegen jede Art von Dogma aufzulehnen. Das bedeutet, wir haben ein erhebliches Problem mit Hierarchien, die uns zu Befehlsempfängern von kleingeistigen, niederträchtigen Leuten degradieren. Da verwundert es nicht, dass Gene Roddenberry das Science-Fiction-Genre nachhaltig veränderte, als er mit seiner Star-Trek-Saga beide Seiten gleichermaßen bediente. Die Sternenflotte ist eine militärisch straffe Organisation, ihr Hauptziel die friedliche Erforschung des Universums. Die Crew der Enterprise bricht bereitwillig Regeln, wann immer es notwendig ist, und wundersamerweise liegt sie damit fast immer richtig. In Star Trek gibt es keinen brüllenden Feldwebel, der Auszubildenden damit droht, ihnen die Augen auszudrücken, und es gibt auch kein Abu Ghraib. (Genau deshalb ist nicht Star Trek, sondern das rohe, ungehobelte Battlestar Galactica die Sci-Fi-Erfolgsgeschichte der Nullerjahre.) Wäre solch eine Sternenflotte in der Realität überhaupt möglich? Eine Militärmacht, die sich tatsächlich dafür einsetzt, dass die Menschen in ihrem Einflussbereich ein erfülltes Leben führen können? Zahllose desillusionierte Friedenskorps-Veteranen scheinen das Gegenteil zu belegen – und doch wünscht sich das Geek-Herz, dass es genau so ist.


Colonel Tigh, dem Feldwebel aus Galactica, wird ein Auge ausgedrückt. Wenn das mal keine Ironie ist ...


Die nächste Weisheit zur Wochenmitte gibt es wieder am kommenden Mittwoch. Dann erwartet euch eine neue nerdige Erkenntnis aus Stephen H. Segals Buch "Die Weisheit der Nerds".

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

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First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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