Interview mit Mortal-Engines-Autor Philip Reeve

© Sarah Reeve

INTERVIEW

»Als Kind fand ich Science Fiction gruselig.« Autor Philip Reeve ("Mortal Engines") im Interview


Endlich erscheint auch der 4. und letzte Band der "Mortal Engines"-Reihe von Philip Reeve. Im Interview verrät uns der Autor mehr über seinen Besuch am Filmset von Peter Jackson und welches seine Lieblings-Science-Fiction-Bücher sind. 

TOR-ONLINE: Wenn Sie in einer Traktionsstadt leben würden, welcher Gilde würden Sie dann angehören?

Philip Reeve: Historiker!

Was inspiriert Sie mehr – Naturwissenschaft, Geschichte oder Technologie?

Bei den Mortal-Engines-Büchern war es wohl die Geschichte. Die Railhead-Romane sind etwas stärker von der Wissenschaft inspiriert – der Idee von fremden Planeten und so weiter. Aber selbst dabei sagt uns der Blick in die Geschichte, wie die Menschen mit Wissenschaft und Technologie umgehen und wie sie davon beeinflusst werden.

Wie sind Sie als Kind zur Fantasy und Sci-Fi gekommen?

Zur Fantasy bin ich wohl wie die meisten Kinder über Märchen, Bilderbücher und Nacherzählungen von Sagen und Legenden gekommen, aber der erste phantastische Stoff, der mich dann mit sieben Jahren wirklich gepackt hat, war Der König von Narnia. Ich habe alle Narnia-Bücher gelesen und bin relativ bald beim Herrn der Ringe gelandet. Als Kind fand ich Science Fiction gruselig und habe einen großen Bogen darum gemacht, bis ich elf war und Star Wars herauskam. Da merkte ich, dass sie genauso fesselnd ist wie Fantasy, ging gleich in die Bücherei und las sämtliche Science-Fiction-Geschichten, die mir in die Finger kamen.

Was sind Ihre Lieblings-Sci-Fi-Romane?

Ich habe vor allem Science Fiction aus den Fünfzigern und Sechzigern gelesen, und das war ja die Blütezeit der Kurzgeschichte (sogar die Romane, die ich gelesen habe, waren ziemlich kurz, so 150 bis 200 Seiten). Meine Eltern hatten ein paar Romane von John Wyndham – ich glaube, Mortal Engines ist vage von Wem gehört die Erde? beeinflusst, das in einer fernen Zukunft nach einem Atomkrieg spielt. In der Bücherei gab es viele Anthologien mit Kurzgeschichten aus alten Pulp-Magazinen, von denen einige mich stark geprägt haben – Ray Bradbury und J. G. Ballard waren und sind große Vorbilder für mich –, aber es waren auch viele tolle Geschichten dabei, deren Autoren ich vergessen habe. Und auch jede Menge grottenschlechte Geschichten, die genauso inspirierend waren, weil ich dann dachte: „Das kann ich auch!“

Welche ist Ihre Lieblingsfigur in "Mortal Engines", und warum?

Hester, weil sie so zornig und eine so untypische Heldin ist. Ihretwegen habe ich überhaupt die Folgebände geschrieben.

Welchen Band der Reihe mögen Sie persönlich am liebsten?

Jagd durchs Eis, glaube ich.

Viele Ihrer Figuren haben geniale und originelle Namen. Wie finden Sie die, und welche gefallen Ihnen besonders gut?

Ich bediene mich eigentlich überall – bei realen Personen, Ortsnamen und so weiter. Natsworthy ist ein Landgut im Dartmoor, in der Nähe meines Hauses, und Chudleigh Pomeroy ist aus zwei Dörfern aus der Umgebung zusammengesetzt. Shrike habe ich aus einem Buch über Vögel. Mir gefiel die Vorstellung, dass die Menschen in der Zukunft sich vielleicht noch vage an heutige Markennamen erinnern und ihre Kinder danach benennen – irgendwo im Mortal-Engines-Quartett gibt es zwei Brüder namens Lego und Duplo. Aber oft habe ich einfach zwei Wörter gesucht, die rhythmisch schön zusammenpassen – in Mortal Engines taucht einmal eine absolute Randfigur namens Dr. Wismer Splay auf, was mir ziemlich gut gefällt.

Sie haben "Mortal Engines" 2001 geschrieben. Was ist das für ein Gefühl, durch die Verfilmung wieder in diese Welt zurückzukehren?

Es ist ziemlich seltsam – es fühlt sich irgendwie an, als hätte jemand anders es geschrieben. Und der Film ist natürlich auch das Werk von anderen, etwas ganz Neues, das auf denselben Ideen beruht, und ich finde es sehr spannend zu sehen, was daraus wird. Aber es ist schön zu erleben, dass die Bücher durch den Film neue Leser finden.

Wie war Ihr Besuch bei den Dreharbeiten in Neuseeland?

Großartig. Ich habe mich schon immer für Filme interessiert, da war es natürlich faszinierend, bei den Dreharbeiten zu einem solchen Riesending dabei zu sein und die Schauspieler und die Filmcrew kennenzulernen. Die Kulissen waren unglaublich – als ich dort war, wurden gerade die Szenen in Airhaven und Batmunkh Gompa gedreht, und beide Städte sahen ganz genau so aus, wie ich sie mir vor all den Jahren vorgestellt hatte. Ich tauche sogar als Statist in Batmunkh Gompa auf. Damit es verstaubt und wirklich bewohnt aussieht, waren die Straßen und Treppen der Kulisse mit zerstampften Kakaobohnenschalen aus einer örtlichen Schokoladenfabrik berieselt worden, also roch es im ganzen Studio leicht nach Schokolade ...

Haben Sie vor, auch mal für Erwachsene zu schreiben, und wenn ja, worum würde es in dem Buch gehen?

Ich glaube, es gibt nichts, was ich gern schreiben würde, das ich nicht in einem Kinder- oder Jugendbuch machen könnte.

Was planen Sie als Nächstes?

Wer weiß?


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