Serpentinen der Sinnlichkeit: Durch die Galaxie mit Jenny-Mai Nuyen

NERD TALK

Serpentinen der Sinnlichkeit: Durch die Galaxie mit Jenny-Mai Nuyen


In unserer Interviewreihe »Durch die Galaxie« nehmen uns Autoren mit auf eine Reise durch ihren eigenen Kosmos. Heute hat Jenny-Mai Nuyen, Autorin von »Die Töchter von Ilian«, unser Raumschiff betreten.

Du kannst einen persönlichen Song auswählen, der immer dann abgespielt wird, wenn du einen Raum betrittst. Welcher wäre das?

Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, weil die Melodie in Aufzügen, Warteschleifen und öffentlichen Räumen diverser Art so omnipräsent ist, dass man sie eigentlich nicht mehr wahrnimmt, so wie das Hintergrundrauschen des Straßenverkehrs. Alles andere würde meine Freunde und vor allem mich selbst nach kürzester Zeit zu Tode nerven.

Four Seasons ~ Vivaldi

Welches ist dein absolutes Lieblingsmärchen?

Schwer zu sagen, weil es so viele faszinierende gibt! „Joringel und Jorinde“ wahrscheinlich, weil das verborgene Schloss voller verzauberter Mädchen mich immer an eine Universität, an gefährliche Lehren erinnert hat (sie werden in Vögel verwandelt; verleiht Wissen nicht Flügel?), und weil Joringel seine Jorinde mit einer Blume rettet – dem Symbol der Schönheit. Ästhetik besiegt Weisheit in der Liebe – diese Moral der Geschichte ist natürlich streitbar, aber sie lädt zu einem Streit ein, der Spaß macht.

Endlich hat die Menschheit Kontakt zu fremden Wesen aus einer anderen Galaxie aufgenommen. Was ist die erste Information, die du diesen Wesen über uns Menschen und die Erde mitteilen möchtest?

Hoffnungslos, sie klüger machen zu wollen. Das verwirrt sie nur. Man kann sie aber gut dressieren, siehe Salto und Ehe, und dann sind sie recht niedlich.

Welche Art von Apokalypse (Zombies, Roboter, Eiszeit, Meteoritenschauer, etc.) ist zu deinen Fähigkeiten zum Überleben am meisten kompatibel?

Zombies natürlich! Sie sind langsam und desorientiert. So wie ich, was einen fairen und auch unterhaltsam zu beobachtenden Kampf ermöglichen würde, anders als gegen Roboter, Kälte oder Meteoriten. Das wäre ziemlich schnell zu Ende.

Hast du einen Lieblingsroman aus dem Genre Science Fiction / Fantasy?

Diese Frage ist unbeantwortbar – aus Respekt vor den hundert Romanen, die ich nicht erwähnen könnte, dürfte ich nur einen nennen. Aber der letzte Roman aus dem Bereich Sci-Fi, der mich extrem beeindruckt hat, war „The Three Stigmata of Palmer Eldrich“ von Philip K. Dick. Aus dem Bereich Fantasy die „Nevernight“-Serie von Jay Kristoff.

Was ist dein Lieblingsmonster aus Literatur, Kino, TV?

Wahrscheinlich Quasimodo aus Victor Hugos „Notre-Dame de Paris“. An Hässlichkeit leidende, gutmütige Monster sind mir die liebsten.

Hast du ein Lieblingswort?

Das wechselt sich immer so ab und entzieht sich oft meiner Kontrolle. Ich ertappe mich momentan oft dabei, bei den unerwartbarsten Gelegenheiten von „Serpentinen“ zu sprechen … Ich habe seit Jahren ein zärtliches Verhältnis zu dem Wort „Fingerbeere“, womit man Fingerkuppen beschreibt. Und „Nasenflügel“. „Herumtapern“ ist süß, und „fidel“ mag ich … Wahrscheinlich sind Lieblingswörter ein Hauptgrund, warum ich Bücher schreibe. Sprache ist doch die schönste Serpentine der Sinnlichkeit …

Welche Technologie aus futuristischen oder phantastischen Roman- oder Filmstoffen sollte am besten jetzt schon existieren?

Die Schokolade, die Menschen klüger macht. Irgendein Autor muss sich das vor mir ausgedacht haben und irgendein Wissenschaftler muss das nach mir realisieren können. Aliens, irgendwo?

Share:   Facebook