Kolumne von Stephen H. Segal: Die Weisheit der Nerds: Wadsworth

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Wadsworth


Rätsel löst man, indem man Unregelmäßigkeiten erkennt und zu ihrer Quelle zurückverfolgt. Alle Mörder sind schon da, die endgültige Krimi-Parodie, besteht ausschließlich aus Unregelmäßigkeiten; eine Normalität, von der die Handlung abweichen könnte, gibt es gar nicht. Die Geschichte wird dadurch zu einer einzigen Farce, bietet aber auch reichlich Platz für wertvolle Weisheiten wie: „Du kannst ein Indiz nicht entschlüsseln, wenn du es nicht mal bemerkst.“ Die Sache mit den Affenhirnen enthüllt Wadsworth, der Butler des Boddy-Landhauses, gegen Ende des Films: Sie ist zentraler Bestandteil der Beweiskette, mit der er den Mord aufklären will. Das Ganze ist aber eine hundertprozentige Farce: Dass nämlich Affenhirne die Hauptspeise waren, hatte vorher überhaupt niemand erwähnt. Das Zitat ist typisch für eine Erzähltechnik des „Aus-dem-Hut-Zauberns“. In einem handelsüblichen Krimi wäre das ein klarer Regelverstoß, aber eine Krimi-Parodie bezieht genau daraus ihre Komik. Und im wirklichen Leben ist es oft genug das Einzige, was einem noch bleibt …


Geek-Kultregisseur John Landis (Blues Brothers, American Werewolf) wird nur selten im Zusammenhang mit Alle Mörder sind schon da erwähnt – obwohl er gemeinsam mit Regisseur Jonathan Lynn das Drehbuch schrieb.


Die nächste Weisheit zur Wochenmitte gibt es wieder am kommenden Mittwoch. Dann erwartet euch eine neue nerdige Erkenntnis aus Stephen H. Segals Buch "Die Weisheit der Nerds".

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

Copyright © 2011 by Quirk Productions, Inc.
All rights reserved.
First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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