Zu den Sternen! PERRY RHODAN feiert ein großes Jubiläum

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ESSAY

Zu den Sternen! Autor Wim Vandemaan über PERRY RHODAN 3000


Die größte Science-Fiction-Serie der Welt feiert Jubiläum: Seit den Anfängen in den 60ern sind beeindruckende 3000 Hefte von Perry Rhodan erschienen. Wim Vandemaan, Co-Autor von Band 3000, über seine eigene Faszination für die Serie, die bis heute anhält.

Gegen Ende der 1960er Jahre wartete ich auf Perry Rhodan Nr. 500. Mit diesem Roman wollte ich in die Erstauflage einsteigen. Leser der Zweitauflage war ich längst, Atlan las ich seit Serienbeginn, die Planetenromane sowieso.

Was auch sonst? Das Lektüreangebot meiner Schule war – um es milde zu sagen – ich sage es lieber nicht. Unser Lesebuch hieß die »Silberfracht«, es wimmelte darin von Naturgedichten und Erzählungen, in denen stets das wackere Landvolk die Hauptrolle spielte, ganz so, als wäre Deutschland eine einzige landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft, wo Bauern und Knechte, Mägde und Melker, Förster und Jägersleut ihr Wesen in einer unberührten, heilen Natur trieben, da die Zeit stehen geblieben war, und zwar irgendwo in einem imaginären 19. Jahrhundert.

Im Musikunterricht sangen wir »Auf einem Baum eine Kuckuck – sim salabim bam ba saladu saladim – auf einem Baum ein Kuckuck saß«. Kurz darauf erschien ein Jägersmann und schoss den armen Kuckuck – saladu saladim – tot.

Weiß der Kuckuck, warum. Kuckucke kannte ich nur von unserer Kuckucksuhr, die mich in aller Herrgottsfrüh weckte.

Dann, wenn mein Vater zur Arbeit ging.

Nun ging aber mein Vater, wenn er kurz nach 5 Uhr in der Früh das Haus verließ, keineswegs zur Saat aufs Feld oder mit Futter in den Stall. Klar, er hatte in seiner Jugend auch als Gänsehirt gearbeitet, später als Bierkutscher, dann als Hafenarbeiter, jetzt aber fuhr er mit der Elektrischen nach Bochum, um in dem funkelniegelnagelneuen Opel-Werk am Band schnittige Autos zusammenzuschrauben, die aber leider unerschwinglich für Bandarbeiter blieben, selbst für Werksangehörige.

Dass die Zukunft auch für uns einmal – simsalabim – ein Fernsehgerät aus ihrem Füllhorn schütten würde, ein Telefon und endlich sogar einen gebrauchten Opel Rekord, wusste ich damals noch nicht.

Auch in den Perry-Rhodan-Romanen wurde geschossen, allerdings nicht auf zwar nervige, aber unschuldige Kuckucks, sondern auf die Raumschiffe boshafter Meister der Insel, auf die Werften und Welten, Raum- und Zeitstationen intergalaktisch operierender Schwerverbrecher.

Immerhin gab es hier so etwas wie eine Waffengleichheit, anders als bei der Auseinandersetzung Jäger vs. Kuckuck; und gefeuert wurde mit knallharten Transformkanonen ohne jedes Saladu und Saladim.

Ich habe immer geglaubt (und glaube es bis heute), dass die Verlogenheit, mit der damals eine heile Welt vorgegaukelt wurde, kaum überbietbar gewesen wäre, dass jeder Container an Bord der Freihändlerschiffe von Roi Danton & Co. mit mehr Wirklichkeit befrachtet war als diese silbergetünchten Lesebücher.

Viele unserer Lehrer waren schwierig, bei einigen schimmerte die abgelegte Uniform noch durch, mal feldgrau, mal braun. Es war ein so genanntes Jungengymnasium, der Ton rau, aber herzlos. Dass im Fernsehgerät meiner Großeltern die Welt schwarzweiß erschien, entsprach den Tatsachen. Farbe ins Leben brachten erst die Fix-und-Foxi-Hefte, Donald Duck, Spirou, Lucky Luke, Superman & Batman, vor allem aber die PERRY RHODAN-Romane – mit ihren Titelbildern wahre Augenweiden.

Nicht, dass sich damals niemand Mühe mit uns gegeben hätte: Willi, der mehr Demokratie wagen wollte, überhaupt die wackere SPD, mehr noch meine Großeltern, die voller Weitsicht erhebliche Teile ihrer Kriegerwitwen- und Kriegsversehrtenrente in den Erwerb dieser farbenfrohen Hefte investierten. Wie nun auch in den Kauf der lang ersehnten Nummer 500: Sie kamen aus dem Nichts. Ein Roman mit Überlänge, mit einem umlaufenden Titelbild, einem Poster und zwei Risszeichnungen, kurz: ein Wunderwerk.

Ob der Inhalt gefiel? Nun, es war auf weiten Strecken eine klassische Unser-Mann-im-All-fliegt-mit-seinem-Raumschiff-nach-Hause-und-bekommt-dabei-Probleme-Geschichte. Die im Titel annoncierten »Sie« kamen erst spät, nämlich auf der Seite 33 aus ihrem Nichts. Den damit einsetzenden Zyklus aber habe ich sehr geliebt: ein Perry Rhodan, der sich in einer Welt neu orientieren muss, die durch das Eintreffen des Sternenschwarms wie auf den Kopf gestellt erscheint; ein Alaska Saedelaere in Hochform, Gucky als Tambu-Gott, Tatcher a Hainu, Dalaimoc Rorvic und ihre gemeinsame Kaffeekanne, Schmitt und der wundersame Verräter Hesze Goort. Und dank Atlan, Reginald Bull und Icho Tolot: Action satt, und kein einziger Kuckuck als Kollateralschaden.

Im Vorfeld zum Roman durften die Autoren (Autorinnen gab es noch nicht) ein Statement abgeben. Mir war so, als hätte Walter Ernsting alias Clark Darlton behauptet: Er habe doch immer gesagt, mit Band 500 gehe die Serie erst richtig los!

Das klang in jenen Tagen ein wenig keck. Aber – hat er nicht recht behalten? Ich habe nur einmal mit ihm telefoniert, da war er schon sehr krank. Ja, hat er mir damals gesagt, PERRY RHODAN ist eine Space Opera. Aber eine gute.

Bescheidener und treffender hat niemand die Serie zusammengefasst.

Karl-Herbert Scheer schrieb in Band 500: »Entscheidend für meine Arbeit ist, dass es bereits heute (…) Menschen gibt, die (…) bereit sind, jetzt schon TERRANER zu sein.« Und dann: »Ich (…) verbleibe bis Band 1000 mit den besten Grüßen.«

Band 1000 – Der Terraner – schrieb dann William Voltz, Band 2000 – ES – Robert Feldhoff und Ernst Vlcek.

Nun also die Nummer 3000: Mythos Erde. Die heimatliche Milchstraße befindet sich in der Cairanischen Epoche. Was erwartet Perry Rhodan?

Was erwartet die Leser?

Neue Sternenvölker wie vertraute Sternenvölker, die sich weiterentwickelt haben. Neue Staaten, neue Allianzen. Mächtige Habitate wie das Habitat Gongolis, einst zum Schutz gegen den Weltenbrand erbaut, durchstreifen den interstellaren Raum; neue Raumschiffe durcheilen die Galaxis, darunter terranische Schiffe, ausgerüstet mit einer Technik, die selbst einen Perry Rhodan staunen lässt. Ein nie gesehenes Sternenkonstrukt, das aus den Tiefen des Raums aufgetaucht ist. Und, dank Atlan, Reginald Bull und Icho Tolot: Action satt.

Pessimisten hatten immer ihren Spaß, das baldige Ende der Welt oder wenigstens unserer Serie vorauszusagen. Die Welt hält sich, und wenn wir endlich behutsamer und kameradschaftlicher mit ihr umgehen, wohl noch eine ganze Weile.

Und Perry Rhodan?

Die Untergangsbeschwörer haben die unerschöpfliche Neugierde unserer Leserinnen und Leser doch ziemlich unterschätzt, ihre Freude am spannenden Weltraum-Abenteuer, ihre Lust auf den Sense of Wonder, auf Neues und Unerhörtes, ihre Treue zur großen Rhodan-Familie.

Würde mich Walter Ernsting anrufen und fragen, wie es um Rhodan steht, und würde er hören, dass bald die Nummer 3000 erscheint – er wäre nicht sehr erstaunt.

Er würde sagen: Nummer 3000? Wundert mich gar nicht. Mit der Nummer 3000 geht die Serie doch erst richtig los. Haben wir denn ein gutes Schiff?

Haben wir, würde ich antworten: eine Raumkugel aus blau leuchtendem Ynkalkrit mit über 3000 Meter Durchmesser; Heimat für etwa 30.000 Menschen, Akonen und Arkoniden, Gatasern, Topsidern und positronisch-biologischen Robotwesen; gesteuert von der Semitronik ANANSI; ein Trägerschiff, ausgerüstet mit schlagkräftigen MARS-Kreuzern; das schnellste, das wehrhafteste Schiff, das die Menschheit je gebaut hat: die RAS TSCHUBAI.

Und Walter würde sagen: Na, dann sollten wir ihm mal die Starterlaubnis erteilen: Auf in eine neue Epoche!

Der Kommandant: Perry Rhodan.

Was ihn antreibt: der Mythos Erde.

Sein Ziel: zu den Sternen!

Brechen wir auf. Halten wir Kurs.

Über den Autor

Wim Vandemaan

Als Jugendlicher las er PERRY RHODAN-Comics, als Literaturwissenschaftler analysierte er die PERRY RHODAN-Serie – derzeit ist Hartmut Kasper unter seinem Pseudonym Wim Vandemaan einer der zwei Autoren, die für die Inhalte der größten Science-Fiction-Serie der Welt verantwortlich sind. Mehr unter: www.perry-rhodan.net

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