Kolumne von Stephen H. Segal: Die Weisheit der Nerds: Robert Heinlein

© Mario Zucca

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Robert Heinlein


Denk mal kurz an dein Lieblingshandheld. Wetten, du nutzt es nicht nur als Telefon, Kamera oder automatischen Kaffeerührer? Wahrscheinlich kann es noch viel mehr – und genau dafür liebst du es. Wenn aber die Technik so viele unglaubliche Dinge beherrscht – warum sollte es dann nicht ein Gerät geben, das alles auf einmal kann? Robert Heinlein fand, das sollte auch beim Mensch so sein – und er hatte recht. Heinlein war ein hemdsärmeliger Libertärer unter Liberalen – und zwar Jahrzehnte, bevor das überhaupt in Mode kam. Für seine radikalen Ansichten erntete er ordentlich Kritik – man kann ihm aber nicht vorwerfen, die menschliche Leistungsfähigkeit unterschätzt zu haben. Brilliert in vielen Dingen, riet er uns. Leistet viel. Seid versiert, seid schlau und stark und fokussiert. Das ist unsere Bestimmung als Mensch – und Heinleins Geschichten strotzen nur so vor Beispielen davon. Man kann über seine Ansichten sagen, was man will, zum Beispiel über seine Einstellung zum Krieg. Es spricht aber wenig gegen sein Streben nach Vielseitigkeit und danach, die eigenen Talente auszuschöpfen. Na dann mal los, liebe Geeks: Bringt euch bei, wie man ein Fahrrad repariert, worum es in antiker Geschichte geht, wie man in Ecken staubsaugt und wie man eine Zahlenreihe berechnet. Ihr werdet damit glücklicher sein.


Der Rest des Zitats aus Die Leben des Lazarus Long (1973) ist umfangreich, das Auswendiglernen lohnt sich aber: „Ein Mensch sollte in der Lage sein, eine Windel zu wechseln, eine Invasion zu planen, ein Schwein zu schlachten, ein Schiff zu steuern, ein Gebäude zu entwerfen, ein Sonett zu verfassen, ein Konto abzurechnen, eine Mauer zu bauen, einen Knochen zu schienen, Sterbende zu trösten, Befehle zu befolgen, Befehle zu erteilen, zu kooperieren, eigenständig zu handeln, Gleichungen zu lösen, neue Probleme zu analysieren, Mist zu schaufeln, Computer zu programmieren, eine gute Mahlzeit zu kochen, effizient zu kämpfen, galant zu sterben.“


Die nächste Weisheit zur Wochenmitte gibt es wieder am kommenden Mittwoch. Dann erwartet euch eine neue nerdige Erkenntnis aus Stephen H. Segals Buch "Die Weisheit der Nerds".

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

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First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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