Kolumne von Stephen H. Segal: Die Weisheit der Nerds: Kurt Vonnegut

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Kurt Vonnegut


So seltsam das klingt: Das Verstörendste und Tragischste an Kurt Vonneguts Darstellung von Krieg, Unmenschlichkeit und Leid sind nicht die dargestellte Gewalt und der Schrecken, sondern die leidenschaftslose Distanz, mit der er von all dem berichtet. Menschen werden geboren. Sie leiden. Sie töten andere Menschen, bevor sie irgendwann selbst sterben – und das oft ebenfalls von Menschenhand. So geht das. Nur: Wenn wir uns diese Gleichgültigkeit zu eigen machen – sind wir dann nicht selbst leere, gefühllose Hüllen? So zynisch Vonnegut auch gewesen sein mag, ist es doch irgendwie tröstlich, dass er uns genau davor bewahren wollte. Es ist ja so: Wir können uns diese grauenhafte Gewalt gar nicht richtig vorstellen – und würden es auch gar nicht ertragen, wenn wir uns ihr willig aussetzen. Aber: Wir können nüchtern zur Kenntnis nehmen, dass dieses Grauen existiert. Denn irgendwie müssen wir uns schließlich mit den Taten auseinandersetzen, zu denen wir Menschen fähig sind. Wir sind eine schöne, schreckliche, ruhelose Spezies – und manchmal sind wir noch Tiere. So geht das.


Schlachthof 5 (1969) wird oft in einem Atemzug mit zwei anderen Geek-Romanen der 1950er und -60er genannt: Ray Bradburys Fahrenheit 451 und Joseph Hellers Catch-22. Fazit: Intelligente Satire und Buchtitel mit Zahlen drin lassen sich prima kombinieren.


Die nächste Weisheit zur Wochenmitte gibt es wieder am kommenden Mittwoch. Dann erwartet euch eine neue nerdige Erkenntnis aus Stephen H. Segals Buch "Die Weisheit der Nerds".

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

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First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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