Die Hugo Awards 1994: Das waren die Gewinner

KOLUMNE

Die Hugo Awards 1994: Das waren die Gewinner


Die Buchreihe „Die Hugo Awards 1985-2000” gibt einen Überblick über die wichtigsten Gewinner des berühmten Hugo Awards. Welche Preisträger gab es 1994?  

Die Verleihung der HUGO-Awards fand 1994 während der ConAdian in Winnipeg statt.

Toastmaster: Barry Longyear

Novel

Kim Stanley Robinson: Green Mars

(1993 bei HarperCollins [UK] und 1994 bei Bantam Spectra [US]; dt. Grüner Mars, H 5362, H 31697)

Die Hugo Awards 1994: Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards 1994: Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards 1994: Das waren die Gewinner

Im Vorjahr war Robinson bereits für den ersten Band seiner Mars-Trilogie mit dem Titel Red Mars für den Hugo nominiert und hatte den Nebula Award gewonnen. Erzählt wurde darin, wie im Jahr 2026 die ersten hundert Männer und Frauen als Kolonisten auf dem Mars eintreffen. Die Wissenschaftler haben bei ihren Entscheidungen weitgehend freie Hand und diskutieren ausführlich, wie bei der Terraformung vorzugehen ist. Man entscheidet sich für radikale Methoden, wie zum Beispiel die Abdunklung der Polkappen, um sie zum Schmelzen zu bringen. Dabei gibt es immer wieder Auseinandersetzungen zwischen den »Roten«, die den Zustand des Mars weitgehend erhalten wollen, und den »Grünen«, die durch radikale Terraformung irdische Verhältnisse schaffen möchten. Die Schätzungen der benötigten Zeit, um auf dem Mars eine »menschengerechte Oberfläche« herzustellen, reichen dabei von einem Jahrhundert bis zu zehntausend Jahren. Politische Kräfte auf der Erde sehen den Mars aber auch als eine Art Erweiterung des Heimatplaneten, um auf lange Sicht das Überbevölkerungsproblem zu lösen.

Schon bald landen weitere Kolonisten, die ersten Städte entstehen, und transnationale Konzerne sowie die Vereinten Nationen auf der Erde unterstützen die Siedler massiv mit finanziellen und materiellen Mitteln. Nach Jahrzehnten kommt schließlich der Zeitpunkt, wo bereits mehr als eine Million Menschen auf dem Mars leben. Doch nicht alles entwickelt sich zur Zufriedenheit. Durch die steigende Zahl der neuen Siedler entstehen neue politische Strömungen und Reibereien zwischen den Nationalitäten. Die kommunale Gesellschaft, die die ersten Siedler aufgebaut hatten, gerät aus dem Gleichgewicht, nicht zuletzt durch die Einmischung der Großkonzerne von der Erde. Es entbrennt ein Krieg um die Ressourcen, und es kommt zu einer blutigen Revolution.

Der zweite Band, Green Mars, beginnt einige Jahrzehnte später im Jahr 2081 und erzählt die Geschehnisse bis zum Jahr 2127. Die meisten der ersten Hundert Siedler sind, trotz Langlebigkeit, inzwischen verstorben – viele auch während der gewaltsamen Auseinandersetzungen. Einer Handvoll ist es jedoch gelungen, ihre Erinnerungen und ihr Bewusstsein in eine KI zu transferieren und sich unter dem Südpol des Mars zu verstecken, wo sie trotz einiger Zwischenfälle jahrelang leben können. Nach und nach lernt der Leser mit den Protagonisten mehrere Untergrundgruppen kennen, die unterschiedliche Ideologien vertreten.  Eine zweite Revolution wird in den frühen 2120er Jahren vorbereitet, nicht zuletzt mit Unterstützung eines transnationalen Konzerns von der Erde.

Währenddessen wird das Terraforming des Mars vorangetrieben, indem man die Atmosphäre mit Kohlendioxyd anreichert, was zu einer schnellen Erwärmung führen soll, die Atmosphäre jedoch für lange Zeit vergiftet. Dadurch kann man die Siedler auch auf lange Sicht in den Städtekuppeln festhalten und kontrollieren. Die Untergrundgruppen dagegen setzen sich für ein sanfteres Terraforming ein, durch das allerdings über einen längeren Zeitraum eine atembare Atmosphäre entstehen soll. Als einer der ersten Hundert unter falschem Namen auf die Oberfläche zurückkehrt, um an einem gemäßigten Terraformingprojekt zu arbeiten, wird er verraten und verhaftet. Die Sicherheit des Untergrunds ist in Gefahr, und man muss reagieren. So finden sich die unterschiedlichen Untergrundgruppen zusammen, um in einer Konferenz einen gemeinsamen Standpunkt zu suchen, für den es sich gemeinschaftlich zu kämpfen lohnt.

Auf der Erde mehren sich inzwischen die ökologischen Katastrophen. Der Meeresspiegel steigt durch den Treibhauseffekt, und unter der Antarktis brechen Vulkane aus, die die Eisschicht zerstören. Riesige Eisschollen treiben auf die Meere hinaus.

Wie auch schon im ersten Roman der Trilogie bleiben die Figuren relativ blass und uninteressant, der eigentliche Protagonist ist der Mars selbst. Robinson geht es vor allem um die vielfältigen philosophischen, politischen, ökologischen und naturwissenschaftlichen Aspekte der Besiedlung und des Terraformings. All die Ideen des Autors sind so außergewöhnlich, dass sie den Roman auch ohne die spärliche Handlung tragen. Von vielen Lesern werden die seitenlangen Beschreibungen der Marswelt und der geologischen Beschaffenheit der Planetenoberfläche gelobt. Freunde handlungsreicher Geschichten sollten allerdings lieber die Finger von der Mars-Trilogie lassen.

Der US-Amerikaner Kim Stanley Robinson (*1952) debütierte 1976 kurz nach einem Literaturstudium mit ersten Erzählungen, promovierte über die Werke von Philip K. Dick und veröffentlichte eine überarbeitete Version der Promotion als Sachbuch unter dem Titel The Novels of Philip K. Dick (1984; dt. Die Romane des Philip K. Dick, Shayol). Zeitgleich erschienen auch seine ersten eigenen Romane, bis zum Jahr 2016 insgesamt achtzehn an der Zahl, die sich vorwiegend mit ökologischen und soziologischen Themen auseinandersetzen. Außerdem schrieb er über siebzig Erzählungen, für die er allein im Zeitraum 1983 bis 1991 neunmal für den Hugo nominiert wurde.

Weitere Nominierungen:

Greg Bear: Moving Mars

(1993 bei Tor; dt. Heimat Mars, H 5922)

Nancy Kress: Beggars in Spain

(1993 bei Morrow AvoNova; dt. Bettler in Spanien, H 5881)

David Brin: Glory Season

(1993 bei Bantam Spectra; dt. Die Clans von Stratos, H 5931)

William Gibson: Virtual Light

(1993 bei Bantam Spectra; dt. Virtuelles Licht, H 5355 und Rogner & Bernhard)

 

Novella

Harry Turtledove: »Down in the Bottomlands«

(Januar 1993 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Harry Turtledove (*1949) ist Historiker und gehört zu den wichtigsten Autoren des Genres Alternativhistorie. Von seinen mehr als 85 Romanen wurde jedoch bislang kein einziger ins Deutsche übersetzt, was vermutlich mit seiner sehr konservativen Gesinnung zu tun hat.

Auch die Erzählung »Down in the Bottomlands« ist in einer alternativen Geschichte angesiedelt. In dieser Zeitlinie hat der Atlantik im Miozän vor fünfeinhalb Millionen Jahren nicht das Becken unseres heutigen Mittelmeers geflutet. Stattdessen gibt es die »Bottomlands«, eine riesige heiße Wüste mit einigen ausgedehnten Salzseen. Die Hauptfigur heißt Radnal vez Krobir und arbeitet als Biologe im Trench Park. Radnal kommt eigentlich aus Tartesh, einem Neanderthaler-Staat im westlichen Teil der Bottomlands. Radnals Job ist es, Touristen durch den Trench Park zu führen, um ihnen die Flora und Fauna zu erklären. Bei einer dieser Führungen wird ein Offizier aus dem Königreich von Morgaf ermordet. Radnal muss die Behörden verständigen, um den Todesfall aufklären zu lassen. Man findet heraus, dass der Tote ein Schriftstück bei sich trug, in dem der Plan eines anderen Landes beschrieben wird, die Barrier Mountains – die in unserer Welt bei Gibraltar liegen – mit einer nuklearen Bombe zu sprengen, um die Bottomlands zu fluten und ein neues, zentrales Meer zu schaffen. Dass die Bombe gar nicht detonieren kann, wissen die Protagonisten nicht. Nun gilt es, die Touristen zu evakuieren, was den größten Teil der Erzählung ausmacht. Am Ende wird Radnal für seinen Einsatz vom König ausgezeichnet.

Besonders interessant an der Erzählung ist der Umstand, dass Neandertaler nicht ausgestorben sind, sondern mit den Menschen zusammenleben, jedoch unter einem ausgeprägten Rassismus zu leiden haben. Der Autor hat sich viele interessante Details über die Bottomlands ausgedacht, die erst im Laufe der Handlung verständlich werden.

Weitere Nominierungen:

Walter Jon Williams: »Wall, Stone, Craft«

(Oktober/November 1993 in F&SF; dt. »Wall, Stone, Craft« in Ronald M. Hahn [Hrsg.]: The Magazine of Fantasy and Science Fiction, 93. Folge: Die Untiefen der Sirenen, H 5429)

G. David Nordley: »Into the Miranda Rift«

(Juli 1993 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Jack Cady: »The Night We Buried Road Dog«

(Januar 1993 in F&SF; dt. »Die Nacht, als wir Pistenhengst begruben« in Ronald M. Hahn [Hrsg.]: The Magazine of Fantasy and Science Fiction, 92. Folge: Ansleys Dämonen, H 5341)

Pat Murphy: »An American Childhood«

(April 1993 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Harlan Ellison: »Mefisto in Onyx«

(Oktober 1993 in OMNI; dt. Mephisto in Onyx, G 8135 und in Ellison: Ich muss schreien und habe keinen Mund, H 53315)

 

Novelette

Charles Sheffield: »Georgia on My Mind«

(Januar 1993 in ANALOG; dt. »Die Rechenmaschine von South Georgia« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Heyne Science Fiction Jahresband 1997, H 5648)

Der Erzähler der Geschichte arbeitete bereits 1958 an einer kommerziellen elektronischen Rechenanlage, eine jener elektronischen Maschinen, die noch einen ganzen Raum füllten und außerordentlich schwer zu programmieren und zu bedienen waren. Dort lernte er einen Kollegen namens Bill Rigley kennen, mit dem er noch Jahre später immer wieder in Kontakt stand. Eines Tages meldet sich Rigley beim Erzähler, denn er hat eine außerordentliche Entdeckung gemacht. In Neuseeland hat Rigley im Farmhaus des Ehepaars Trevelyan die Überreste einer ›Analytischen Rechenmaschine‹ gefunden, genau so eine, wie sie Charles Babbage konstruiert, aber nie fertiggestellt hatte. Der Erzähler reist sofort zu Rigley nach Neuseeland, beide untersuchen die Überbleibsel und finden eine Menge Tagebücher und Briefe, die auf die Zeit zwischen 1850 und 1855 datiert sind. Allerdings geben die Schriftstücke Rätsel auf, zum Beispiel sind alle nur mit den Initialen L. D. signiert. Dank alter Bilder, die Mrs. Trevelyan aufgehoben hatte, finden sie die Namen heraus: Luke und Louisa Derwent. Luke war ein Künstler, während seine Frau Louisa offenbar Mathematikerin gewesen ist, die auch mit den Schriften von Ada Lovelace vertraut war und einige Programmierungsprinzipien entwickelt hat. In seinen Tagebüchern berichtet Luke von Seereisen, auf denen er von den Maori über ein Volk seltsamer, kälteliebender »Leute« erfahren hat, die gänzlich anders als Menschen aussahen, offenbar in der Lage waren, mit Menschen mittels künstlich geschaffener Geräte zu kommunizieren und sogar schwerwiegende Krankheiten zu heilen. Als Louisa erkrankte, beschloss Luke, mit ihr zu den Fremden zu fahren, die er Heteromorphe nannte. Offenbar hatten die beiden ihre fertiggestellte Rechenmaschine mitgenommen.

Die beiden Computerspezialisten stehen nun vor der Frage, wohin die Derwents gereist sind. Sie haben wenige Anhaltspunkte, doch mit Hilfe ihrer Freunde an wissenschaftlichen Instituten und entsprechender Rechenkapazität bekommen sie heraus, dass das Ziel der Derwents die verlassene Insel South Georgia gewesen sein muss. Die Erzählung endet damit, dass sich die beiden auf die Reise machen, obwohl aus aller Welt bereits auch andere Wissenschaftler unterwegs sind, die von dem Geheimnis erfahren haben und bei der Lösung des Rätsels dabei sein wollen.

Charles Sheffield (1935–2002) gewann mit dieser Erzählung nicht nur den Hugo, sondern auch den Nebula Award. 1995 erschien sein Erzählungsband Georgia on My Mind and Other Places (1995 bei Tor), in dem noch dreizehn weitere Geschichten aus der Zeit von 1987 bis 1994 enthalten sind.

Weitere Nominierungen:

Nancy Kress: »Dancing on Air«

(Juli 1993 in ASIMOV’S; dt. »Ein Tanz in der Luft« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Heyne Science Fiction Jahresband 1996, H 5398)

Bruce Sterling: »Deep Eddy«

(August 1993 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Terry Bisson: »The Shadow Knows«

(September 1993 in ASIMOV’S; dt. »Der Schatten weiß es« in Bisson: Die Bären entdecken das Feuer, H 5994)

John Kessel: »The Franchise«

(August 1993 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

 

Short Story

Connie Willis: »Death on the Nile«

(März 1993 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine Gruppe US-amerikanischer Touristen, die sich in einem Passagierflugzeug auf dem Weg nach Ägypten befinden. Sie beschäftigen sich während des Fluges mit den übliche Dingen: Die Männer ordern einen Drink nach dem anderen, die Frauen lesen in Reiseführern und Taschenbüchern und unterhalten sich. Die Gespräche kreisen dabei immer wieder um den Tod, jedoch nicht den Tod realer Personen, sondern den Tod in Legenden, Erzählungen und Filmen. So liest eine Frau lange Passagen aus dem Reiseführer über ägyptische Totenrituale und den Gott Anubis, die Erzählerin spricht über Agatha Christies Tod auf dem Nil und einen Spielfilm, in dem Passagiere eines Schiffes bereits tot waren, es selbst aber nicht wussten.

In Kairo angekommen beschließen die Frauen, so schnell wie möglich die Pyramiden zu besichtigen, doch es gibt außer ihnen keine anderen Touristen, und die Grabkammern sind geschlossen. Die Gruppe fährt weiter ins Tal der Könige, um das Grab von Tutanchamun zu besuchen. Die Erzählerin verläuft sich jedoch in den Grabkammern und ist am Ende überzeugt, dass sie schon seit Längerem tot sein muss. Vielleicht wurde sie bereits von einer Bombe im Flugzeug getötet? Vielleicht an einem anderen Ort?

Connie Willis erzählt die Geschichte auf eine sehr raffinierte Weise und baut nach und nach eine beängstigende und beklemmende Stimmung auf. So hat die Touristengruppe während der gesamten Geschichte keinerlei Kontakt zu anderen Menschen. Während am Anfang noch von einer japanischen Touristengruppe die Rede ist, die sich ebenfalls im Flugzeug aufhält, scheint die Reisegruppe im Laufe der Handlung immer mehr zu schrumpfen. Am Ende ist die Erzählerin mit ihrer Freundin Zoe allein, bis Zoe schließlich auch verschwunden ist. Die Erzählerin findet schließlich in der Grabkammer des Pharaos eine Treppe, die nach unten führt und die eigentlich gar nicht existieren dürfte.

Die im Laufe der Handlung immer beängstigender werdende, glänzend geschriebene Horrorstory erinnert in ihrer Erzählweise an die Filme von M. Night Shyamalan.

Weitere Nominierungen:

Mike Resnick: »Mwalimu in the Squared Circle«

(März 1993 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Martha Soukup: »The Story So Far«

(1993 in Full Spectrum 4; nicht auf Deutsch)

Bridget McKenna: »The Good Pup«

(März 1993 in F&SF; nicht auf Deutsch)

Terry Bisson: »England Underway«

(Juli 1993 in OMNI; dt. »England unterwegs« in Bisson: Die Bären entdecken das Feuer, H 5994)

 

Non-Fiction Book

John Clute and Peter Nicholls (Hrsg.): The Encyclopedia of Science Fiction

(1993 bei Orbit [UK] und St. Martin’s [US]; nicht auf Deutsch)

Die erste Ausgabe der Encyclopedia of Science Fiction erschien 1979, wurde allein von Peter Nicholls herausgegeben und enthielt rund 2800 Einträge. Peter Nicholls wurde dafür 1980 mit dem Hugo und dem Locus Award ausgezeichnet.

Bei der 1993 von John Clute und Peter Nicholls zusammengestellten Enzyklopädie handelt es sich nun also um die zweite Ausgabe. Es ist allerdings das erste Werk, das diese Bezeichnung tatsächlich verdient und das völlig neue Standards gesetzt hat. Das großformatige Buch umfasst 1370 eng bedruckte Seiten, und in der »Checklist of Contributors« sind 101 Autoren aufgeführt. Die mehr als 4300 Einträge – 1500 mehr als in der ersten Ausgabe – umfassen folgende Gebiete: Autoren, Themen der Science Fiction, Terminologie, SF in unterschiedlichen Ländern, Filme, Filmschaffende, Fernsehen, Magazine, Fanzines, Comics, Illustratoren, Buchverlage, Originalanthologien und Preise. Der überwiegende Teil der Einträge stammt von den beiden Herausgebern selbst, die sich hauptsächlich mit der gedruckten englischsprachigen Science Fiction auseinandergesetzt haben, wobei die anderen beteiligten Autoren vor allem Beiträge zu anderssprachiger SF sowie Comics, Film und Fernsehen beisteuerten.

Bis zur »Third Edition« im Jahr 2011 (siehe Hugo 2012) war dies das umfangreichste Standard- und Referenzwerk für Informationen zur Science Fiction.

Weitere Nominierungen:

Michael Whelan: The Art of Michael Whelan: Scenes/Visions

(1993 bei Bantam Spectra; nicht auf Deutsch)

Robert Bloch: Once Around the Bloch: An Unauthorized Autobiography

(1993 bei Tor; nicht auf Deutsch)

Scott McCloud: Understanding Comics: The Invisible Art

(1993 bei Tundra; Kitchen Sink; Harper Perennial; dt. Comics richtig lesen, Carlsen)

Theodore R. Cogswell (Hrsg.): PITFCS: Proceedings of the Institute for Twenty-First Century Studies

(1993 bei Advent; nicht auf Deutsch)

 

Dramatic Presentation

Jurassic Park

(Universal/Amblin; Drehbuch Michael Crichton & David Koepp; Regie Steven Spielberg; basiert auf dem gleichnamigen Roman von Michael Crichton; dt. Jurassic Park)

Jurassic Park gehört zu der Sorte Filmen, die nicht aufgrund einer großartigen Story, sondern wegen einer neuartigen Effekttechnik entstanden sind, obwohl natürlich die Romanvorlage von Michael Crichton die Basis für die Geschichte und die wissenschaftlichen Details lieferte. Es gibt im Film computergenerierte und animatronische Dinosaurier, die absolut realistisch aussehen.

Die Handlung ist schnell erzählt: Nachdem in Bernstein eingeschlossene Insekten aus der Saurierzeit gefunden wurden, konnte man aus ihnen Saurierblut extrahieren und mit der dadurch zur Verfügung stehenden DNA Klone erschaffen. Der Multimilliardär John Hammond (gespielt von Sir Richard Attenborough) hat auf einer pazifischen Insel in der Nähe von Costa Rica einen Erlebnispark errichten lassen, den er »Jurassic Park« nennt und in dessen riesigen Gehegen ein knappes Dutzend unterschiedlicher Saurierarten leben – dummerweise auch einige sehr gefährliche Fleischfresser. Weil ein Arbeiter zu Tode gekommen ist, fordern die Investoren eine Sicherheitsüberprüfung, und John Hammond engagiert einige Wissenschaftler für diese Tätigkeit. Einer der Wissenschaftler, Dr. Ian Malcolm (gespielt von Jeff Goldblum), sagt übrigens im Film: »Der Mangel an Demut vor der Natur, der hier offen gezeigt wird, erschüttert mich.« Für Spannung sorgt ein verräterischer Mitarbeiter, der Saurier-Embryos stehlen will und deshalb die Sicherheitssysteme des Parks abschaltet. Es kommt, wie es kommen muss: Die gefährlichen Saurier brechen aus und bedrohen die Wissenschaftler. Es wäre kein Spielberg-Film, wenn nicht auch zwei Kinder dabei wären, nämlich die Enkel von John Hammond, um die sich der Zuschauer besonders sorgen soll. Zwar überleben am Ende die Protagonisten, aber es wird klar, dass der Park nie eröffnet werden wird. Oder vielleicht doch irgendwann?

Jurassic Park war bis Titanic (1998) der erfolgreichste Film weltweit und erhielt drei Oscars, natürlich in technischen Kategorien. Später folgten die Fortsetzungen Vergessene Welt: Jurassic Park (1997), Jurassic Park III (2001) und Jurassic World (2015).

Weitere Nominierungen:

The Nightmare Before Christmas

(Skellington Productions/Touchstone; Drehbuch Caroline Thompson; Adaptation Michael McDowell; Story Tim Burton; Regie Henry Selick; dt. Nightmare Before Christmas)

Groundhog Day

(Columbia; Drehbuch Danny Rubin & Harold Ramis; Story Danny Rubin; Regie Harold Ramis; dt. Und täglich grüßt das Murmeltier)

Babylon 5: »The Gathering«

(Babylonian Productions; Drehbuch J. Michael Straczynski; Regie Richard Compton; dt. »Space Center Babylon 5 – Die Zusammenkunft«, Pilotfilm der Serie BABYLON 5)

Addams Family Values

(Orion Pictures/Paramount; Drehbuch Paul Rudnick; Regie Barry Sonnenfeld; basiert auf den Figuren von Charles Addams; dt. Die Addams Family in verrückter Tradition)

Professional Editor

Kristine Kathryn Rusch

Die Hugo Awards 1994: Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards 1994: Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards 1994: Das waren die Gewinner

Nachdem Gardner Dozois den Hugo in dieser Rubrik sechs Jahre in Folge erhalten hat, konnte sich diesmal Kristine Kathryn Rusch (*1960) behaupten. Die Autorin hatte im Juli 1991 die Herausgeberschaft von THE MAGAZINE OF FANTASY & SCIENCE FICTION übernommen und übte diese Tätigkeit bis Mai 1997 aus.

1993 erschienen in F&SF unter anderem die für den Hugo nominierten Erzählungen »Wall, Stone, Craft« (dt. »Wall, Stone, Craft«) von Walter Jon Williams, »The Night We Buried Road Dog« (dt. »Die Nacht, als wir Pistenhengst begruben«) von Jack Cady und »The Good Pup« von Bridget McKenna. Darüber hinaus gab es Texte von Ben Bova, Algis Budrys, Orson Scott Card, Gregory Benford, Bruce Sterling, Kate Wilhelm, Kij Johnson, David Brin, Ron Goulart, Barry N. Malzberg, Robert Reed, Kristine Kathryn Rusch, Linda Nagata, Charles de Lint, Allen Steele, Jonathan Lethem, Jack Williamson, Harlan Ellison und anderen.

Weitere Nominierungen:

Gardner Dozois
Mike Resnick
Ellen Datlow
Stanley Schmidt

 

Professional Artist

Bob Eggleton

Bob Eggleton (*1960) ist seit 1984 regelmäßig als Illustrator und Coverkünstler in Erscheinung getreten. Neben Buchgestaltungen stammen auch Illustrationen auf dem Sammelkartenspiel Magic: The Gathering von ihm. Zu seinen Motiven zählen Drachen und Echsen ebenso wie stimmungsvolle Weltraumszenen.

1993 zierten seine Bilder die Umschläge von nicht weniger als achtzehn Genrebüchern, darunter Foundation and Earth von Isaac Asimov, Hard Landing von Algis Budrys, Fossil Hunter von Robert J. Sawyer, Timelike Infinity und Flux von Stephen Baxter, Barrayar von Lois McMaster Bujold und The Turing Option von Marvin Minsky und Harry Harrison.

Weitere Nominierungen:

Michael Whelan
Don Maitz
David Cherry
Thomas Canty

 

Original Artwork

Space Salutary Commemorative Stamp Booklet by Stephen Hickman (U.S. Postal Service)

Stephen Hickman (*1949) hat seit 1976 mehr als 400 Coverbilder für fast alle großen US-amerikanischen Buchverlage gemalt. Die hier ausgezeichnete Briefmarkenserie dürfte allerdings die auflagenstärkste Publikation sein, die Hickmans Werke jemals erreichten. Er selbst schreibt auf seiner Homepage, dass die Briefmarken »die erste offizielle Wahrnehmung des SF-Genres durch die Regierung« sei.

Weitere Nominierungen:

Cover of F&SF, October/November 1993 by Thomas Canty
Cover of ASIMOV’S, November 1993 by Keith Parkinson

 

Semiprozine

SCIENCE FICTION CHRONICLE (Andrew Porter)

Ein zweites Jahr in Folge (siehe 1993) konnte Andrew Porter die Wähler überzeugen, dass der SCIENCE FICTION CHRONICLE das beste semiprofessionelle Magazin auf dem SF-Markt war.

Weitere Nominierungen:

LOCUS (Charles N. Brown)
INTERZONE (David Pringle)
THE NEW YORK REVIEW OF SCIENCE FICTION (David G. Hartwell, Donald G. Keller, Robert K. J. Killheffer & Gordon Van Gelder)
TOMORROW SPECULATIVE FICTION (Algis Budrys)
PULPHOUSE (Dean Wesley Smith & Jonathan E. Bond)

 

Fanzine

MIMOSA (Dick & Nicki Lynch)

In diesem Jahr erhielt MIMOSA bereits den dritten Hugo in Folge. Herausgeber Dick Lynch heißt mit bürgerlichem Namen Richard Lynch und begann seine Fankarriere in Chattanooga, Tennessee. Später zog er mit seiner Frau Nicki in die Umgebung von Washington D. C. Vor MIMOSA gaben die beiden das Fanzine CHAT heraus. Dick war Mitglied in mehreren Clubs und Vereinigungen, so etwa in der Washington Science Fiction Association, der Southern Fandom Confederation und der Chattanooga Science Fiction Association. Darüber hinaus schrieb er bei drei APAs (Amateur Press Associations) mit.

Weitere Nominierungen:

ANSIBLE (Dave Langford)
FILE 770 (Mike Glyer)
LAN’S LANTERN (George »Lan« Laskowski)
STET EDITED (Leah Zeldes Smith & Dick Smith)

 

Fan Writer

Dave Langford

In diesem Jahr war Langfords Fanzine ANSIBLE auch wieder, nach langer Pause, für den Hugo nominiert. In INTERZONE erschien weiterhin die Kolumne »Ansible Link«. Außerdem war 1993 das letzte Jahr, in dem Langfords Kolumne CRITICAL MASS in SF COMMENTARY erschien. VECTOR, THE NEW YORK REVIEW OF SCIENCE FICTION und QUANTUM druckten seine Essays und Rezensionen.

Weitere Nominierungen:

Mike Glyer
Sharon Farber
Evelyn C. Leeper
Andy Hooper

 

Fan Artist

Brad W. Foster

Bereits zum fünften Mal konnte Foster den Hugo erringen (siehe 1987, 1988, 1989 und 1992). Er zeichnete nach wie vor für Fanzines und arbeitete an Comics.

Weitere Nominierungen:

Teddy Harvia
Linda Michaels
Peggy Ranson
William Rotsler
Stu Shiffman

 

Campbell Award

Amy Thomson

Die US-Amerikanerin Amy Thomson (*1958) schrieb von 1985 bis 1988 die Kolumne »Small Wonders« und einige Rezensionen für LOCUS. Als Autorin debütierte sie mit dem Roman Virtual Girl (1993 bei Ace), dessen Geschichte über die Künstliche Intelligenz Maggie für so viel Aufmerksamkeit sorgte, dass die Autorin mit dem Campbell Award ausgezeichnet wurde. Seither erschienen die beiden zusammengehörigen Erstkontakt-Romane The Color of Distance (1995) und Through Alien Eyes (1999; beide bei Ace) sowie der Roman Storyteller (2003 bei Ace). Thomsons Kurzgeschichtenwerk ist noch schmaler als ihr Romanwerk, seit 1996 wurden lediglich zwei Erzählungen veröffentlicht.

Weitere Nominierungen:

Holly Lisle
Carrie Richerson
Elizabeth Willey
Jack Nimersheim

 

 

__

Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 1985-2000” (erschienen 2016 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Genau diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. 

 

© 2016 by Hardy Kettlitz

Share:   Facebook