Die Hugo Awards 1991: Das waren die Gewinner

KOLUMNE

Die Hugo Awards 1991: Das waren die Gewinner


Die Buchreihe „Die Hugo Awards 1985-2000” gibt einen Überblick über die wichtigsten Gewinner des berühmten Hugo Awards. Welche Preisträger gab es 1991?  

Die Verleihung der HUGO-Awards fand 1991 während der Chicon V in Chicago statt.

Toastmaster: Marta Randall

Novel

Lois McMaster Bujold: The Vor Game

(1990 bei Baen; dt. Der Prinz und der Söldner, H 5109, auch in Bujold: Der junge Miles, H 52014)

Die Hugo Awards 1991: Das waren die Gewinner

Die Handlung dieses Romans schließt chronologisch an The Warrior’s Apprentice (1986; dt. Der Kadett) sowie die Erzählung »The Mountains of Mourning« (1989; dt. »Die Berge der Trauer«, siehe Hugo 1990) an, kann aber auch für sich gelesen und verstanden werden. In der Chronologie der Veröffentlichungen handelt es sich um den sechsten Roman der Vorkosigan-Saga.

Miles Vorkosigan hat die Kaiserliche Militärakademie von Barrayar abgeschlossen und erhält nun die Versetzung in eine Einheit. Während seine Kameraden zur Raumflotte oder in den Generalstab kommen, wird Miles Chefoffizier für Meteorologie der unwichtigen Basis Lazkowski auf der Insel Kyril. Ausgerechnet er, der Sohn des Regenten Admiral Graf Aral Vorkosigan! Angeblich will man feststellen, ob der bislang recht aufmüpfige Miles mit der militärischen Routine und Disziplin umgehen kann. Von seinem Vorgänger erhält Miles eine kurze Einweisung in sein neues Arbeitsgebiet sowie eine eindringliche Warnung, dem Kommandeur der Basis Lazkowski, General Metzov, nicht in die Quere zu kommen. Miles erleidet einen durch Unwissenheit verschuldeten Unfall, bei dem er knapp mit dem Leben davonkommt und ein wertvolles Transportgerät im Schlamm versinkt. Zur Strafe für den Verlust des Fahrzeugs muss Miles Arbeiten in der Kanalisation beaufsichtigen, wobei undichte Fässer des gefährlichen Kampfstoffs Fetain gefunden werden. Die Techniker weigern sich in berechtigter Sorge um ihre Gesundheit, die unterirdischen Räume zu betreten. General Metzov will aufgrund dieser »Meuterei« ein Exempel statuieren, und Miles kann nur dadurch ein Gemetzel verhindern, indem er sich auf die Seite der Techniker stellt. Daraufhin wird Miles in die Hauptstadt zurückgeschickt, wo Simon Illyan, der Chef des Sicherheitsdienstes, sowie Miles Vater Aral feststellen, dass sich Miles moralisch richtig verhalten hat, als Offizier aber nicht mehr tragbar ist und stattdessen für den barrayaranischen Sicherheitsdienst arbeiten soll. Miles wird Hauptmann Ungari unterstellt und tarnt sich als betanischer Waffenhändler namens Victor Rotha. Seine Mission lautet erstens, Informationen über die gegenwärtige Krise in der Hegen-Nabe zu sammeln und zweitens die Dendarii-Söldner, mit denen er früher bereits zu tun hatte, von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Aufgrund eines Komplotts wird Miles beschuldigt, für die Ermordung eines gewissen Sydney Liga verantwortlich zu sein, dem er unter seiner Tarnidentität Waffen verkaufen wollte. Miles wird inhaftiert und zum Arbeitssklaven gemacht. Während seines Dienstes trifft er auf seinen Cousin Gregor Vorbarra, den Kaiser von Barrayar, der in betrunkenem Zustand aus dem heimischen Palast geflohen war und den es durch viele seltsame Umstände über Komarr in die Hegen-Nabe verschlagen hat. Natürlich darf niemand Gregors wirkliche Identität erfahren, und so gibt er sich als einfacher Arbeiter namens Greg Bleakman aus. Die Ereignisse überschlagen sich: Den beiden gelingt die Flucht, und nach vielen Wirrnissen geraten sie an die gefährliche Cavilo, die Kommandantin der Randall’s Rangers, einer unabhängigen Söldner-Truppe. Nur indem sie ihre wahre Identität verraten, gelingt es Miles und Gregor zu überleben. Cavilo erwägt erst die Erpressung von Lösegeld, plant dann jedoch Gregor zu heiraten, um Kaiserin von Barrayar zu werden. Sie behält Gregor als Geisel und schickt Miles aus, um das Kommando über die konkurrierenden Dendarii-Söldner an sich zu bringen, die derzeit vom gefährlichen General Oser angeführt werden. Durch List und Verhandlungsgeschick gelingt es Miles, diesen Auftrag zu erfüllen; er wechselt erneut die Identität und wird Admiral Naismith, Kommandant der Freien Dendarii-Söldnerflotte. Und schließlich kann er Gregor befreien, Cavilo außer Gefecht setzen und sogar mit seiner Flotte einen militärischen Konflikt gegen eine Invasionsflotte von Cetaganda lösen.

Nach seiner Rückkehr nach Barrayar wird Miles davon überzeugt, dass er weiterhin unter seiner Tarnidentität Miles Naismith als Kommandant der Dendarii-Söldnerflotte im Auftrag des Geheimdienstes tätig sein soll.

Der handlungsreiche Roman lebt vor allem von der interessanten Hauptfigur des 1,45 Meter großen Miles, dessen unterschiedliche Identitäten als Vor-Lord, Offizier, Admiral und Cousin des Kaisers für glaubhafte Spannung sorgen. Interessant sind aber auch die starken Frauenfiguren in Bujolds Romanen. Sie dürfte die erste Autorin sein, die weibliche Führungsfiguren in die Military-SF eingebracht hat. Besonders hervorgehoben wird die Rolle der Frauen sogar durch das patriarchalische und chauvinistische Frauenbild der Barrayaraner. Der erste Roman über die wohl bekannteste Frauenfigur der Military-SF, Honor Harrington, erschien erst 1993.

Jo Walton schrieb in ihrem mit dem Locus Award ausgezeichneten Buch What Makes This Book So Great über Bujold: »Leute, die Bujold nicht mögen, sagen über ihre Fans, dass sie ein hirnloser Haufen seien, der ohne Nachzudenken für den Hugo stimmt, nur weil sie Bujold ist. Das ist völliger Quatsch. Wenn sie etwas Gutes schreibt, dann wird es nominiert, und oftmals gewinnt sie. Die schwächeren Bücher, auch die schwächeren Miles-Bücher, werden nicht nominiert.« Von den bisher vierzehn Büchern der Reihe haben es allerdings mehr als die Hälfte auf die Nominierungslisten geschafft.

Weitere Nominierungen:

David Brin: Earth

(1990 bei Bantam Spectra; dt. Erde, H 5145)

Dan Simmons: The Fall of Hyperion

(1990 bei Doubleday Foundation; dt. Das Ende von Hyperion, H 01/8322; auch Simmons: Der Sturz von Hyperions, H 06/8006; enthalten in Simmons: Die Hyperion-Gesänge, H 06/8216, H 52978))

Michael Kube-McDowell: The Quiet Pools

(1990 bei Ace; dt. Diaspora, H 4910)

Greg Bear: Queen of Angels

(1990 bei Warner Questar; dt. Königin der Engel, H 4954)

 

Novella

Joe Haldeman: »The Hemingway Hoax«

(April 1990 in ASIMOV’S; dt. »Der Schwindel um Hemingway« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Heyne Science Fiction Jahresband 1992, H 4865)

Der Hemingway-Spezialist John Baird lernt in einer Bar den Gauner Sylvester Castlemaine kennen und erzählt ihm von den gestohlenen und noch immer verschollenen frühen Manuskripten Hemingways. Castlemaine kommt auf die Idee, dass man die Manuskripte fälschen könnte, um damit eine Menge Geld zu machen. Baird, der eigentlich ein ehrlicher Mann ist, missfällt die Idee eines Betruges, aber seine Frau Lena kommt auf die Idee, dass man die Manuskripte fälschen und mit Kenntnis des Verlages am 1. April veröffentlichen könnte, um später, sobald das Buch auf der Bestsellerliste ist, den Schwindel zu entlarven. Baird geht darauf ein und beginnt mit dem Sammeln von Ideen. Er weiß auch, welche Probleme es mit Fälschungen geben kann, nicht zuletzt durch den Skandal um die Hitler-Tagebücher in Deutschland. Er besorgt sich eine Schreibmaschine, wie sie Hemingway benutzt hat. Während der Reise von Boston nach Key West hat Baird plötzlich eine Erscheinung: Ein Phantom in Gestalt von Hemingway erklärt ihm, dass Baird die Fälschung nicht anfertigen darf, weil sie fatale Auswirkungen auf die Zukunft haben wird. Es gibt viele parallele Welten und einige Zeitlinien enden im Jahr 2006 in einem nuklearen Krieg, der eine Folge der Manuskripte sein könnte. Baird glaubt dem Phantom nicht, woraufhin er getötet wird und in einer anderen Zeitlinie wieder zu sich kommt. Das Phantom ist überrascht, denn so etwas ist bisher noch nie geschehen. In der parallelen Zeitlinie entwickeln sich die Dinge anders, aber nicht unbedingt besser. Das Phantom taucht wieder auf und nimmt Baird auf eine Zeitreise mit, um ihm zu zeigen, wie die echten Hemingway-Manuskripte abhanden gekommen sind. Nach weiteren Verwicklungen und mehreren Toden Bairds, die ihn in immer neue parallele Zeitlinien befördern, stellt sich heraus, dass Baird selbst das Phantom ist, das sein ursprüngliches Ich heimgesucht hat. Haldeman lässt das Ende offen, zumal es aufgrund der vielen Zeitlinien kein einzelnes Ende der Geschichte geben kann.

Mit rund 150 Buchseiten hat diese Novella fast die Länge eines Romans. Die Idee, dass die verschwundenen Hemingway-Manuskripte eine so gravierende Auswirkung auf die Zukunft haben könnten, ist interessant. Leider verstrickt sich der Autor in den unterschiedlichen Zeitlinien, und man gewinnt den Eindruck, dass ihm keine befriedigende Auflösung des Problems eingefallen ist, weshalb die Geschichte reichlich verworren endet. Das Thema der parallelen Zeitlinien ist George Alec Effinger zwei Jahre zuvor mit »Schrödinger’s Kitten« (siehe 1989) deutlich eleganter gelungen.

Weitere Nominierungen:

Mike Resnick: Bully!

(1990, Axolotl Press; nicht auf Deutsch)

Kim Stanley Robinson: »A Short, Sharp Shock«

(November 1990 in ASIMOV’S; dt. »Eine kurze, heftige Erschütterung« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Heyne Science Fiction Jahresband 1994, H 5100)

Pat Murphy: »Bones«

(Mai 1990 in ASIMOV’S; dt. »Knochen« in Friedel Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin, 49. Folge, H 5666)

Pat Cadigan: »Fool to Believe«

(Februar 1990 in ASIMOV’S; dt. »Der mehrfache Sovay« in Friedel Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin, 47. Folge, H 5481)

 

Novelette

Mike Resnick: »The Manamouki«

(Juli 1990 in ASIMOV’S; dt. »Manamouki« in Friedel Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin, 38. Folge, H 4855)

1989 hatte Mike Resnick bereits für die Erzählung »Kirinyaga« einen Hugo bekommen. »The Manamouki« spielt auf derselben Raumstation und wieder ist der Medizinmann Koriba die Hauptfigur. Ein Ehepaar aus Kenia will auf Kirinyaga einwandern und ist bereit, sich den Gesetzen und Traditionen unterzuordnen. Der Mann Nkobe gehört zum Stamm der Kikuyu, doch seine Frau Wanda stammt ursprünglich aus den USA. Sie erhält den neuen Namen Mwange und ist bereit, als Manamouki zu leben, ohne zu wissen, welche Verpflichtungen auf sie zukommen. Manamouki bedeutet, dass sie weibliches Eigentum ihres Mannes ist, genauso wie die Haustiere und das Nutzvieh. Mwange gibt sich größte Mühe, eine gute Manamouki zu sein. Doch die anderen Frauen des Dorfes sind missgünstig, denn Mwange sieht jünger aus, als sie ist, sie hat schönere, selbstgemachte Kleider, und ihr Gemüse gedeiht besser als das der anderen. Die Frauen des Dorfes wollen, dass Mwange wieder von Kirinyaga verschwindet. Sie wollen, dass Nkobe sich gemäß den Traditionen eine zweite Frau nimmt, und obwohl Nkobe und Mwange sich sonst allen Traditionen unterordnen, lehnen sie diesen Vorschlag ab. Als herauskommt, dass Mwange nicht beschnitten ist, kommt es zum Eklat. Sie will sich nicht verstümmeln lassen, und so bleibt dem Ehepaar am Ende nur die Möglichkeit, Kirinyaga wieder zu verlassen. Doch die jungen Mädchen des Dorfes haben sich bereits von der Lebensweise Mwanges beeindrucken lassen und die Aufrechterhaltung der Traditionen ist in Gefahr …

Resnick diskutiert in seiner straff erzählten Geschichte den Konflikt zwischen Tradition und Moderne, der nicht nur auf afrikanische Stämme zutrifft. Obendrein stellt er in Frage, ob man den Fortschritt tatsächlich künstlich unterdrücken darf oder sollte.

Weitere Nominierungen:

Charles Sheffield: »A Braver Thing«

(Februar 1990 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Ted Chiang: »Tower of Babylon«

(November 1990 in OMNI; dt. »Der Turmbau zu Babel« in Chiang: Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes, Golkonda)

Dafydd ab Hugh: »The Coon Rolled Down and Ruptured His Larinks, A Squeezed Novel by Mr. Skunk«

(August 1990 in ASIMOV’S; dt. »Wie der Waschbär rollte und sich den Hals aufriß« in Friedel Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin, 43. Folge, H 5141)

Martha Soukup: »Over the Long Haul«

(März 1990 in AMAZING; nicht auf Deutsch)

 

Short Story

Terry Bisson: »Bears Discover Fire«

(Juli 1990 in ASIMOV’S; dt. »Die Bären entdecken das Feuer« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Die Zeitbraut, H 4990 und in Bisson: Die Bären entdecken das Feuer, H 5994)

Nach einem Besuch der Mutter im Altersheim ist der Erzähler zusammen mit seinem Bruder und dessen Sohn abends auf der Heimfahrt, als sich eine Reifenpanne ereignet. Der Erzähler will den Reifen wechseln, doch die Taschenlampe versagt. Da tauchen unweit am Waldrand zwei Bären auf, die Fackeln tragen. Im schwachen Lichtschein repariert der Mann schnell die Reifen, und sie setzen ihre Fahrt fort. Bald darauf gibt es im Fernsehen immer mehr Berichte über Bären, die das Feuer für sich entdeckt haben. Man macht den Klimawandel für diese Entwicklung verantwortlich, denn seit die Winter immer wärmer werden, verfallen die Bären nicht mehr in den Winterschlaf, und man vermutet, dass sich die Tiere daher immer mehr an ihre gesammelten Erfahrungen erinnern und somit eine gewisse Art von Intelligenz entwickeln. Vielleicht liegt es aber auch an der neuen Beerensorte, die noch nicht lange in den Wäldern und auf den Grünstreifen der Autobahnen wächst und die von den Bären mit Vorliebe verzehrt werden.

Einige Zeit später erhält der Erzähler einen Anruf, dass seine Mutter aus dem Altersheim verschwunden sei. Er fährt zusammen mit seinem Neffen sofort los, um sie zu suchen, und findet sie tatsächlich im Wald – im Kreis einer Gruppe Bären, die ruhig um ein Lagerfeuer sitzen. Sie setzen sich zu der alten Frau und beobachten das friedliche Beisammensein der Bären. Am nächsten Morgen ist die Mutter gestorben und am Ende bringt der Erzähler etwas Feuerholz zu den Bären in den Wald.

Terry Bisson (*1942) war von 1991 bis 2000 mit sieben Erzählungen für den Hugo nominiert und erwies sich als erstaunlich guter Erzähler in der kurzen Form. Doch gerade die sehr ruhige Erzählung »Bears Discover Fire«, in der er auf jeglichen Erklärungsversuche für den Intelligenzschub der Bären verzichtet, begeisterte die Leser sehr. Bisson wurde für die Erzählung nicht nur mit dem Hugo ausgezeichnet, sondern auch mit dem Nebula, dem Theodore Sturgeon Memorial und dem Locus Award. Daher nannte er seine äußerst lesenswerte erste Erzählungssammlung auch Bears Discover Fire and Other Stories (1993 bei Tor; dt. Die Bären entdecken das Feuer); darin sind  achtzehn weitere Geschichten zu finden.

Weitere Nominierungen:

Connie Willis: »Cibola«

(Dezember 1990 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Charles Sheffield: »Godspeed«

(Juli 1990 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Robert Reed: »The Utility Man«

(November 1990 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

W. R. Thompson: »VRM-547«

(Februar 1990 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

 

Non-Fiction Book

Orson Scott Card: How to Write Science Fiction and Fantasy

(1990 bei Writer’s Digest Books; nicht auf Deutsch)

Orson Scott Card war zu diesem Zeitpunkt bereits vierzehn Mal für den Hugo nominiert und hatte ihn drei Mal gewonnen, sodass man ihn hauptsächlich als Erzähler kannte. Allerdings war sein Tätigkeitsspektrum deutlich breiter: Ein Dutzend seiner Theaterstücke liefen in regionalen Theatern, der historische Roman Saints war recht erfolgreich, er schrieb außerdem hunderte Hörspiele und Scripts für Computerspiele. Er hatte Bücher, Anthologien und Magazine herausgegeben und vom Mai 1987 bis Dezember 1993 für jede Ausgabe von F&SF die Kolumne »Books To Look For« verfasst. Card hat einen Master-Abschluss in Literatur, gab Kurse für Kreatives Schreiben an mehreren Universitäten und lehrte auch bei den Workshops Clarion, Clarion West und dem Cape Cod Writers Workshop. Er benannte sogar seine Kinder Geoffrey, Emily und Charles nach Schriftstellern (Chaucer, Brontë und Dickens). Da liegt es nur nahe, dass er auch Bücher über das Schreiben verfasste. Zunächst erschien Characters and Viewpoint (1988) und zwei Jahre später How to Write Science Fiction and Fantasy (1990, beide bei Writer’s Digest Books).

Das hier ausgezeichnete Buch besteht aus fünf Teilen. In »The Infinite Boundary« geht es um die Definition des Genres sowie die Eigenschaften und Unterschiede von Science Fiction und Fantasy. »World Creation« zeigt Wege auf, wie man den Hintergrund einer Geschichte aufbaut. In »Story Construction« geht es um die Charakterisierung der Figuren und die Führung der Handlung. »Writing Well« beschäftigt sich mit dem der Story angemessenen Stil, und in »The Life and Business of Writing« gibt Card Tipps, wie man seine Geschichte am besten verkauft, wer einem dabei helfen kann und welche Märkte jeweils sinnvoll sind. Card schreibt sehr anschaulich und mit vielen Beispielen. Auch heute kann dieses Buch angehenden Autoren helfen, selbst wenn die Beispiele längst nicht mehr aktuell sind.

Weitere Nominierungen:

Norman Spinrad: Science Fiction in the Real World

(1990 bei So. Illinois University Press; nicht auf Deutsch)

Kristine Kathryn Rusch & Dean Smith, eds: SFWA Handbook

(1990 bei Writers Notebook Press; nicht auf Deutsch)

Brian Aldiss: Bury My Heart at W. H. Smith’s

(1990 bei Averhus [limited edition] und Hodder & Staughton [paperback]; nicht auf Deutsch)

David J. Skal: Hollywood Gothic

(1990 bei Norton; nicht auf Deutsch)

 

Dramatic Presentation

Edward Scissorhands

(20th Century Fox; Drehbuch Caroline Thompson; Story Tim Burton & Caroline Thompson; Regie Tim Burton; dt. Edward mit den Scherenhänden)

Edward ist ein künstlich erschaffener Mensch, der anstelle von Händen über Scheren verfügt. Eigentlich sollte er normale Hände bekommen, doch Edwards Schöpfer (verkörpert von Vincent Price) stirbt vorzeitig. Edward lebt allein, bis eines Tages eine Avon-Beraterin auftaucht und ihn aus Mitleid kurzerhand zu sich nach Hause mitnimmt. Edward verliebt sich in Kim, die Tochter der Avon-Beraterin, und die Leute gewöhnen sich langsam an den seltsamen Edward. Doch dann geschehen einige unglückliche Ereignisse und Edward muss fliehen …

Johnny Depp war durch die Serie 21 JUMP STREET zu einem Teenie-Idol geworden und nahm die Rolle des seltsamen Edward mit Freuden an, um dadurch sein Image zu ändern. Es war seine erste Hauptrolle in einem Film von Tim Burton und der Beginn einer sehr fruchtbaren Freundschaft zwischen den beiden Männern, die bis heute anhält.

Edward mit den Scherenhänden gehört zu der Sorte modernes Märchen, das man sich problemlos immer und immer wieder anschauen kann, zumindest wenn man sich für Tim Burtons verdrehten Sinn für Romantik begeistert.

Weitere Nominierungen:

Total Recall

(Carolco/TriStar; Drehbuch Ronald Shusett & Dan O’Bannon & Gary Goldman; Story Ronald Shusett & Dan O’Bannon & Jon Povill; Regie Paul Verhoeven; inspiriert von der Erzählung »We Can Remember It For You Wholesale« von Philip K. Dick; dt. Total Recall – Die totale Erinnerung)

Ghost

(Paramount; Drehbuch Bruce Joel Rubin; Regie Jerry Zucker; dt. Ghost – Nachricht von Sam)

Back to the Future III

(Amblin/Universal; Drehbuch Bob Gale; Story Robert Zemeckis & Bob Gale; Regie Robert Zemeckis; dt. Zurück in die Zukunft III)

The Witches

(Henson/Lorimar; Drehbuch Allan Scott; Regie Nicolas Roeg; basiert auf dem gleichnamigen Buch von Roald Dahl; dt. Hexen hexen)

Professional Editor

Gardner Dozois

Die Hugo Awards 1991: Das waren die Gewinner

Dozois war weiterhin Herausgeber bei ASIMOV’S. Er brachte als Zweiteiler Michael Swanwicks Roman Stations of the Tide (dt. In Zeiten der Flut) sowie unter anderem Joe Haldemans »The Hemingway Hoax« (dt. »Der Schwindel um Hemingway«), Kim Stanley Robinsons »A Short, Sharp Shock« (dt. »Eine kurze, heftige Erschütterung«), Pat Murphys »Bones« (dt. »Knochen«), Mike Resnicks »The Manamouki« (dt. »Manamouki«) und Terry Bissons »Bears Discover Fire« (dt. »Die Bären entdecken das Feuer«).

Außerdem stellte Dozois die Anthologien Dinosaurs! (Ace Books, gemeinsam mit Jack Dann), The Year’s Best Science Fiction: Seventh Annual Collection (St. Martin’s Press), Transcendental Tales from Isaac Asimov’s Science Fiction Magazine (Starblaze) und Time Travelers from Isaac Asimov’s Science Fiction Magazine (Ace Books) zusammen.

Weitere Nominierungen:

Ellen Datlow
Kristine Kathryn Rusch
Edward L. Ferman
Stanley Schmidt

 

Professional Artist

Michael Whelan

Auch 1991 konnte Whelan die Hugo-Wähler überzeugen, dass er der beste SF-Künstler des Jahres ist. 1990 erschienen wiederum zehn Buchtitelbilder von ihm, so zum Beispiel zu Grumbles from the Grave von Robert A. Heinlein, The New Springtime von Robert Silverberg, The Martian Chronicles von Ray Bradbury, Tales from Planet Earth von Arthur C. Clarke und Stone of Farewell von Tad Williams.

Ein ganz besonderer Höhepunkt seines Schaffens war übrigens das Titelbilder zu dem Roman The Snow Queen von Joan D. Vinge, das bereits 1989 erschienen war.

Weitere Nominierungen:

David Cherry
Don Maitz
Thomas Canty
Bob Eggleton

 

Semiprozine

LOCUS (Charles N. Brown)

Auch wenn es für Charles N. Brown vielleicht schon zur Routine geworden war, hat er sich mit Sicherheit gefreut, auch in diesem Jahr den Hugo zu gewinnen. 1990 erschienen wiederum zwölf Ausgaben mit einem Umfang zwischen 74 und 96 Seiten. Interviewt wurden diesmal unter anderem Ursula K. Le Guin, Charles Sheffield, Pat Cadigan, Dan Simmons, Peter Straub, Suzy McKee Charnas, Walter Jon Williams, Stephen R. Donaldson, Philip José Farmer, Robert Silverberg, Mike Resnick, Megan Lindholm, Kristine Kathryn Rusch, David Wingrove, Wolfgang Jeschke und Guy Gavriel Kay. Über internationale SF berichtete man aus Spanien, Deutschland, Australien, Frankreich, der Sowjetunion, Brasilien, Ungarn, China und Holland. Fritz Leiber publizierte wieder in jeder Ausgabe die Rubrik »Moons & Stars & Stuff«, es gab einige Nachrufe, insbesonderen auf Donald A. Wollheim. Die Buchrezensionen wurden von Faren Miller, Edward Bryant, Tom Whitmore, Scott Winnett, Carolyn Cushman und Dan Chow geschrieben und es gab Briefe von F. Paul Wilson, Ramsey Campbell, Norman Spinrad, Forrest J. Ackerman, Robert L. Forward, Pat Cadigan, David Brin, Philip José Farmer, Terry Pratchett, Orson Scott Card, Arthur C. Clarke, Robert Silverberg und anderen.

Weitere Nominierungen:

SCIENCE FICTION CHRONICLE (Andrew I. Porter)
INTERZONE (David Pringle)
NEW YORK REVIEW OF SCIENCE FICTION (David G. Hartwell, Kathryn Kramer, Gordon Van Gelder)
QUANTUM (ehemals THRUST - D. Douglas Fratz)

 

Fanzine

LAN’S LANTERN (George »Lan« Laskowski)

In diesem Jahr erhielt George Laskowski bereits seinen zweiten Hugo (siehe 1986) für sein hochgeschätztes Fanzine LAN’S LANTERN. Er hatte sich weiterhin mit dem Werk klassischer und moderner Autoren beschäftigt, so zum Beispiel mit Lester del Rey, Theodore Sturgeon, A. E. van Vogt, Fritz Leiber, Isaac Asimov und Arthur C. Clarke, um nur einige zu nennen. Die letzte Ausgabe des Fanzines war die Nummer 47 und erschien im Dezember 1998, kurz vor Laskowskis Tod.

Weitere Nominierungen:

FILE 770 (Mike Glyer)
MIMOSA (Dick & Nicki Lynch)
FOSFAX (Janice Moore & Timothy Lane)
MAINSTREAM (Jerry Kaufman & Suzanne Tompkins)

 

Fan Writer

Dave Langford

Langfords Popularität war ungebrochen, auch wenn sein Fanzine ANSIBLE zu diesem Zeitpunkt nicht erschien. Er schrieb jede Menge fundierte Kolumnen und Artikel für Fanzines und Magazine wie SF COMMENTARY, QUANTUM, FOUNDATION, INTERZONE, THE NEW YORK REVIEW OF SCIENCE FICTION und andere.

Weitere Nominierungen:

Mike Glyer
Teresa Nielsen Hayden
Arthur D. Hlavaty
Avedon Carol
Evelyn C. Leeper

 

Fan Artist

Teddy Harvia

Teddy Harvia ist ein Anagramm des bürgerlichen Namens des US-Amerikaners David Thayer. Er ist seit den 1980er Jahren im Fandom aktiv und organisierte mehrere Conventions. Außerdem war er in der Rubrik ›Best Fan Artist‹ von 1988 bis 2008 in jedem Jahr nominiert. 1997 zog er die Nominierung selbst zurück, weil er an der Organisation des Worldcons beteiligt war. Er gewann den Hugo vier Mal.

Harvias Spezialität sind Cartoons und kurze Comics in Fanzines, von denen auch unzählige auf seiner Homepage teddyharvia.wordpress.com zu finden sind. Außerdem erschienen seine lustigen Außerirdischen, Tiere und Fabelwesen auch auf vielen Fanzine-Titelbildern.

Weitere Nominierungen:

Stu Shiffman
Peggy Ranson
Diana Stein
Merle Insinga

 

Campbell Award

Julia Ecklar

Die US-Amerikanerin Julia Ecklar (*1964) wurde als Songwriterin und Filk-Sängerin vor allem durch ihr Album Divine Intervention (1986) bekannt. Als Autorin debütierte sie mit der Erzählung »The Music Box« (September 1989 in ANALOG). Im selben Jahr erschien ihr erster Roman, Kobayashi Maru (1989 bei Titan Books; dt. Kobayashi Maru), der zur STAR TREK CLASSIC-Serie gehört. 1990 folgten dann drei weitere Erzählungen, zwei davon in ANALOG.

Seit 1991 wurden nur noch eine Handvoll Erzählungen veröffentlicht sowie von 1992 bis 1994 vier Geschichten, die zum Zyklus NOAH’S ARK gehören (alle in ANALOG). Sie verfasste allein den Roman Regenesis (1995 bei Ace) und gemeinsam mit Karen Rose Cercone mehr als ein Dutzend weitere STAR TREK-Romane unter dem Pseudonym L. A. Graf.

Weitere Nominierungen:

Nancy A. Collins
John Cramer
Michael Kandel
Scott Cupp

 

Special Committee Award

Elst Weinstein as Best Hoax, for keeping humor alive in fandom

Elst Weinstein hatte gemeinsam mit dem bekannten Fan Mike Glyer die »Hogus« erfunden, eine Art Anti-Hugo, mit dem die schlechtesten Leistungen ausgezeichnet werden sollten, zum Beispiel der schrecklichste Fanzine-Titel. Die »Wahl« des Hogu wurde von einer Gruppe von Fans während des WorldCons in einem Fastfood-Restaurant durchgeführt. Der Preis bestand nur aus einem Holzsockel mit einem Brandmal in der Mitte – als wäre die Rakete auf der Hugo-Statuette bereits in den Weltraum gestartet.

Andrew Porter, for excellence in editing SCIENCE FICTION CHRONICLE

Der SCIENCE FICTION CHRONICLE war der ewige Zweite in der Hugo-Rubrik ›Best Semiprozine‹ hinter LOCUS.

SCIENCE FICTION CHRONICLE war ab 1978 eine Rubrik in Andrew Porters (*1946) Fanzine ALGOL und wurde im Oktober 1979 ein eigenständiges Magazin. Ähnlich wie LOCUS war es ein Nachrichtenmagazin, enthielt allerdings mehr Fanmaterial. 1993 und 1994 schließlich sollten Porters Bemühungen jeweils mit einem Hugo belohnt werden. 

 

 

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Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 1985-2000” (erschienen 2016 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Genau diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. 

 

© 2016 by Hardy Kettlitz

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