Die Hugo Awards 1989: Das waren die Gewinner

KOLUMNE

Die Hugo Awards 1989: Das waren die Gewinner


Die Buchreihe „Die Hugo Awards 1985-2000” gibt einen Überblick über die wichtigsten Gewinner des berühmten Hugo Awards. Welche Preisträger gab es 1989?  

Die Verleihung der HUGO-Awards fand 1989 während Noreascon III in Bosten statt.

Toastmaster: Frederik Pohl

Novel

C. J. Cherryh: Cyteen

(1988 bei Warner; dt. in drei Teilen: Cyteen: Der Verrat, H 4710, Cyteen: Die Wiedergeburt, H 4711 und Cyteen: Die Rechtfertigung, H 4712; in einem Band: Geklont, H 5287)

Die Hugo Awards 1989: Das waren die Gewinner

Cyteen ist einer der wichtigsten und gleichzeitig der umfangreichste Romane innerhalb von C. J. Cherryhs UNION-ALLIANZ-Zyklus. Wie bei vielen anderen Werken der Autorin ist die eigentliche Handlung nicht allzu kompliziert. Das Buch stellt aber dennoch wegen der Vielzahl an Protagonisten, häufigen Perspektivwechseln und vor allem Cherryhs stilistischen Besonderheiten eine – durchaus positive – Herausforderung für den Leser dar. So werden beispielsweise sehr oft Ereignisse zunächst indirekt geschildert. Genau wie die Figuren erfährt der Leser häufig erst später, was tatsächlich geschehen ist.

Ort der Handlung ist der titelgebende Planet Cyteen, eine Hauptwelt der Union, einem der miteinander konkurrierenden Sternenreiche der Menschen. Dort befindet sich das Forschungszentrum Reseune, in dem vor allem Klone, sogenannte Azis, erschaffen und durch eine Mischung aus Biofeedback, Konditionierung und Hypnose für bestimmte Aufgaben ausgebildet werden. Im ersten Teil des Romans wird das Leben und Wirken der mächtigen Wissenschaftlerin Ariane Emory geschildert, die in allerlei politische Ränke verstrickt ist. Emory arbeitet an einem besonderen Projekt, nämlich dem Klonen von Menschen mit herausragenden Fähigkeiten, wobei der Klon nach seiner »Geburt« zu einer seinem genetischen Vorbild möglichst ähnlichen Person gemacht werden soll. Dies geschieht, indem schon von frühester Kindheit an möglichst identische Bedingungen und Einflüsse geschaffen werden. Das ursprüngliche Experiment liefert jedoch kein befriedigendes Ergebnis, da der Klon des Wissenschaftlers, der die Gleichung für die überlichtschnelle Raumfahrt erschuf, nicht im Ansatz so genial ist wie erwartet. Als Emory plötzlich ermordet wird, zeigt sich, dass sie längst die Wiederholung des Experiments geplant hat. Entgegen der Zweifel und des teilweise offenen Widerstandes einiger anderer Fraktionen wird nun Ariane Emory selbst geklont und in einer Umgebung großgezogen, die für eine möglichst genaue Wiederholung ihrer Entwicklung sorgen soll. Im zweiten Teil von Cyteen wird der Werdegang der kleinen Ariane Emory geschildert, die in ständiger Begleitung ihrer beiden Azis Florian und Catlin, die ihrerseits exakte Kopien der Leibwächter der »alten« Ariane sind, in ihre Rolle als neue Chefwissenschaftlerin und Machthaberin Reseunes hineinwächst. Der dritte Teil konzentriert sich auf die Machtspiele, mit der sich die junge Ariane konfrontiert sieht. Obwohl sie mehr und mehr erkennt, dass sie einen genauestens geplanten Lebensweg befolgen soll, versucht sie einerseits ihre eigene Persönlichkeit zu finden und zu verteidigen, andererseits ihr schweres Erbe anzutreten.

Obwohl C. J. Cherryh auf Action weitgehend verzichtet, dafür aber zahlreiche psychologische Probleme und schwer durchschaubare politische Verwicklungen schildert und dem Leser einige Konzentration abverlangt, ist Cyteen ein durchaus fesselnder Roman. Cherryh nutzt immer wieder bravourös den Hintergrund abenteuerlicher Hard-SF dazu, philosophische, politische und psychologische Themen aufzugreifen. Besonders die Frage, ob ein Klon, der nicht nur genetisch mit seinem »Vorgänger« identisch ist, sondern auch unter nahezu exakt gleichen Umständen aufwächst, als bloße Kopie oder eigenständige Persönlichkeit gesehen werden kann, wird auf bestechende Weise behandelt. Allerdings hat Cyteen auch einige Längen, die besonders dann den Lesegenuss mindern, wenn Cherryh den Leser im Ungewissen darüber lässt, was eigentlich gerade wirklich geschieht und welche Auswirkungen dies hat.

Cyteen wurde nicht nur mit dem Hugo, sondern auch mit dem Locus Award und dem SF Chronicle Award ausgezeichnet. 2009 erschien mit Regenesis eine Fortsetzung, die leider nicht ins Deutsche übersetzt wurde.

Weitere Nominierungen:

Orson Scott Card: Red Prophet

(1988 bei Tor; dt. Der Rote Prophet, B 20123)

Lois McMaster Bujold: Falling Free

(3 Teile, Dezember 1987 bis Februar 1988 in ANALOG; 1988 bei Baen; dt. Die Quaddies von Cay Habitat, H 5243)

Bruce Sterling: Islands in the Net

(1988 bei Ace; dt. Inseln im Netz, H 4702)

William Gibson: Mona Lisa Overdrive

(1988 bei Bantam Spectra; dt. Mona Lisa Overdrive, H 4681)

Novella

Connie Willis: »The Last of the Winnebagos«

(Juli 1988 in ASIMOV’S; dt. »Der letzte Winnebago« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Heyne Science Fiction Jahresband 1991, H 4770)

Die Geschichte spielt im Jahr 2008 in den USA. David McCombe ist Fotoreporter und arbeitet für die Agentur Sun-Co, die ihre Storys an ein halbes Dutzend Zeitungen verkauft. Da es inzwischen auf den US-amerikanischen Highways so gut wie keine Wohnmobile mehr gibt, hat McCombe den Auftrag bekommen, den letzten Winnebago zu fotografieren. Auf dem Weg dorthin sieht er auf der Straße einen überfahrenen Schakal und meldet diesen Vorfall schließlich der »Gesellschaft«, die für Umweltbelange zuständig ist und über ähnliche Befugnisse wie die Polizei verfügt. McCombe fühlt sich durch den Schakal an seinen eigenen Hund erinnert, der vor vielen Jahren überfahren wurde.

Die Welt hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Ressourcen wie Wasser und Erdöl sind knapp geworden. Niemand kann es sich leisten, nur zum Vergnügen mit dem Auto zu fahren, weshalb auch Wohnwagen zu einer Seltenheit geworden sind. In den 90er Jahren hat eine Seuche namens Neoparvo alle Hunde ausgerottet. Es gibt in den ganzen USA nicht mehr als hundert Tiere. Die »Gesellschaft« überwacht den Tierbestand, und Tötungen werden ähnlich streng verfolgt wie Delikte an Menschen.

McCombe findet das alte Ehepaar Ambler, denen der Winnebago-Wohnwagen gehört, und interviewt und fotografiert die beiden. Kurz darauf wird McCombe von der Gesellschaft wegen des toten Schakals verhört und sogar verdächtigt, ihn selbst überfahren zu haben. Auf eigene Faust findet McCombe anhand von Indizien heraus, dass die Amblers das Tier mit ihrem Wohnwagen überfahren haben müssen, doch es handelte sich mit Sicherheit um einen absichtslosen Unfall. Um das sympathische Ehepaar zu schützen, lenkt McCombe den Verdacht auf einen Truck der Wassergesellschaft. Da von dem Wasser sehr viele Menschen abhängig sind, ist McCombe überzeugt, dass dem Fahrer des Trucks keine weitere Strafverfolgung drohen wird.

Connie Willis zeichnet in ihrer meisterhaft erzählten Novelle ein realistisches Bild einer möglichen nahen Zukunft. In zahlreichen Rückblenden auf das persönliche Leben des Protagonisten gewinnt der Leser Einblicke in die schleichende Veränderung der Welt. Das Aussterben der Hunde durch eine Seuche mag keine globale Katastrophe sein, hat aber Auswirkungen auf die Gefühle der ehemaligen Hundebesitzer, besonders auf den Protagonisten, der auch nach vielen Jahren den Tod seines vierbeinigen Gefährten betrauert.

Weitere Nominierungen:

Lucius Shepard: »The Scalehunter’s Beautiful Daughter«

(September 1988 in ASIMOV’S; dt. »Des Schuppensammlers schöne Tochter« in Friedel Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin 33, H 4581)

Bradley Denton: »The Calvin Coolidge Home for Dead Comedians«

(Juni 1988 in F&SF; nicht auf Deutsch)

Norman Spinrad: »Journals of the Plague Years«

(1988 in Full Spectrum; nicht auf Deutsch)

Walter Jon Williams: »Surfacing«

(April 1988 in ASIMOV’S; dt. »Aus der Tiefe« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Heyne SF-Jahresband 1990, H 4650)

Novelette

George Alec Effinger: »Schrödinger’s Kitten«

(September 1988 in OMNI; dt. »Schrödingers Katze« in Donald A. Wollheim/Arthur W. Saha [Hrsg.]: World’s Best SF 8, B 24120)

Die zentrale Figur der Erzählung ist die 1899 geborene Jehan Fatima Ashûfi. In kurzen Abschnitten werden unterschiedliche mögliche Lebenswege des Mädchens skizziert, die obendrein selbst Visionen ihrer möglichen Zukünfte hat. Als Zwölfjährige droht ihr, von einem Fremden vergewaltigt zu werden. In einer Variante wird sie vergewaltigt, entehrt und endet als Prostituierte. In einer zweiten Variante tötet sie den Mann vor der Vergewaltigung und wird als Mörderin hingerichtet. In einer dritten Variante wird sie von einem europäischen Touristen, dem Göttinger Mathematiker David Hilbert, vor der Hinrichtung gerettet, indem er das Blutgeld bezahlt, und sie nach Deutschland mitnimmt. In anderen Kapiteln ist die ältere Jehan Physikerin und arbeitet in Göttingen und Berlin mit Schrödinger und Heisenberg zusammen. Wieder in einem anderen Kapitel ist Jehan eine Arierin »ehrenhalber« und verhindert 1942 durch eine gefälschte Einladung, dass die Nazi-Führungselite von den Fortschritten bei der Entwicklung der deutschen Atombombe erfährt. Als sie Kenntnis von Hugh Everetts Viele-Welten-Hypothese erlangt, erklären sich für sie die unterschiedlichen Visionen ihres eigenen Lebens, die sie im Laufe der Jahre immer wieder hatte.

Interessant sind an der Geschichte nicht nur die unterschiedlichen Möglichkeiten im Leben der Protagonistin, sondern auch Verweise auf Quantenmechanik und Religion, die zahlreiche Denkanstöße bieten.

George Alec Effinger (1947–2002) gewann mit dieser Erzählung nicht nur den Hugo, sondern auch den Nebula und den japanischen Seiun Award. 1992 erschien die Geschichte als Pulphouse Short Story Paperback.

Weitere Nominierungen:

Steven Gould: »Peaches for Mad Molly«

(Februar 1988 in ANALOG; dt. »Pfirsiche für Mad Molly« in Wollheim & Saha [Hrsg.]: World’s Best SF 8, B 24120)

Howard Waldrop: »Do Ya, Do Ya, Wanna Dance«

(August 1988 in ASIMOV’S; nicht auf Deusch)

Harlan Ellison: »The Function of Dream Sleep«

(Dezember 1988 in ASIMOV’S; dt. »Warum wir träumen« in Ellison: Ich muss schreien und habe keinen Mund, H 53315)

Neal Barrett jr.: »Ginny Sweethips’ Flying Circus«

(Februar 1988 in ASIMOV’S; dt. »Ginny Sweethips’ fliegender Zirkus« in Friedel Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin 33, H 4581)

Short Story

Mike Resnick: »Kirinyaga«

(November 1988 in F&SF; nicht auf Deutsch)

Die Geschichte spielt in einem großen Habitat namens Kirinyaga im Orbit, in dem in einer Nachbildung der afrikanischen Savanne der Stamm der Kikuyu lebt. Erzähler der Geschichte ist Koriba, der am Anfang vom Ursprung seines Stammes berichtet: Ngai, der allein auf dem Berg Kirinyaga lebte, erschuf drei Söhne, die die Väter der Stämme Maasai, Kamba und Kikuyu wurden. Heute wird der Berg nur noch Mount Kenya genannt.

Koriba ist der Mundumugu, was Medizinmann bedeutet. Er ist ein kluger Mann und hat an westlichen Universitäten studiert. Später dann gründete er die Station Kirinyaga, um dort mit anderen Mitgliedern seines Stammes die Traditionen der Kikuyu aufleben zu lassen, weil das in Kenia auf der Erde nicht mehr möglich ist.

Am Anfang der Geschichte tötet Koriba ein neugeborenes Kind, das mit den Füßen voraus den Mutterleib verlassen hat und daher ein Dämon sein muss. Als dies bekannt wird, sendet die Maintenance – die Organisation, die sich um die Aufrechterhaltung und Wartung der Weltraumhabitate kümmert – eine Frau namens Barbara Eaton aus, die Koriba zur Rechenschaft ziehen soll. Doch Koriba ist uneinsichtig, denn seine Religion schreibt die Tötung eines Dämons vor, egal welche Gesetze die Weißen haben mögen. Er vertritt die Ansicht, dass er nicht nachgeben darf, weil sonst immer mehr Einfluss von außen auf seinen Stamm ausgeübt wird. Das Ende der Geschichte ist überraschend.

Mike Resnick (*1942) schrieb bis 1996 noch neun weitere Erzählungen über Koriba und die afrikanischen Kikuyu in der Weltraumstation, von denen mehrere für den Hugo nominiert wurden und »The Manamouki« ihn ebenfalls gewonnen hat (siehe 1991). 1998 schließlich fügte er die einzelnen Episoden zu dem Roman Kirinyaga zusammen. Damit war Resnick einer der ersten Autoren, der ein Interesse für afrikanische Kultur innerhalb der Science Fiction entwickelte, ähnlich wie Ian McDonald sich in seinen Werken seit den 1990er Jahren verstärkt mit asiatischen Kulturen beschäftigt.

Weitere Nominierungen:

David Brin: »The Giving Plague«

(Frühjahr 1988 in INTERZONE; dt. »Die Spender-Pest« in Wollheim & Saha [Hrsg.]: World’s Best SF 8, B 24120)

Geoffrey A. Landis: »Ripples in the Dirac Sea«

(Oktober 1988 in ASIMOV’S; dt. »Untiefen im Meer der Zeit« in Wollheim & Saha [Hrsg.]: World’s Best SF 8, B 24120; »Wellen im Diracschen Meer« in Friedel Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin 35, H 4690)

Bruce Sterling: »Our Neural Chernobyl«

(Juni 1988 in F&SF; nicht auf Deutsch)

Eileen Gunn: »Stable Strategies for Middle Management«

(Juni 1988 in ASIMOV’S; dt. »Perfekte Personalplanung« in Friedel Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin 41, H 5018)

Jack McDevitt: »The Fort Moxie Branch«

(1988 in Full Spectrum; nicht auf Deutsch)

Non-Fiction Book

Samuel R. Delany: The Motion of Light in Water

(1988 bei Arbor House/Morrow; dt. erweiterte Ausgabe Die Bewegung von Licht in Wasser, Golkonda)

Dieses Buch des US-Amerikaners Samuel R. Delany (*1942) wird oft als Autobiografie bezeichnet, tatsächlich erzählt der Autor jedoch nur etwas mehr als fünf Jahre aus seinem Leben (1957 bis 1965). Allerdings sind das auch die prägenden Jahre, in denen er seine ersten Romane schrieb. Doch um die Romane geht es nur am Rande, vielmehr erzählt er vom Leben im Greenwich Village, von Kunst, Musik und jeder Menge Sex. Delany war damals mit der Dichterin Marilyn Hacker verheiratet, lebte jedoch seine Homosexualität hemmungslos aus. Die drei zentralen Themen des Buches sind »schwul«, »schwarz« und »Autor«. In den zahlreichen Anekdoten erzählt er zum Beispiel, wie er am ersten Happening in der Reuben Gallery teilgenommen hat, was er mit Bob Dylan zu tun hatte oder wie er ein umfangreiches Manuskript verlor. Dabei sind die Schilderungen so prall voller Leben, dass man das Gefühl hat, dabei zu sein.

1993 erschien eine zweite, um über 200 Seiten erweiterte Fassung des Buches, die der deutschen Übersetzung im Golkonda Verlag zugrunde liegt.

Weitere Nominierungen:

Don Maitz: First Maitz

(1988 bei Ursus; nicht auf Deutsch)

James Gunn, ed.: The New Encyclopedia of Science Fiction

(1988 bei Viking; nicht auf Deutsch)

Robert Weinberg: A Biographical Dictionary of Science Fiction and Fantasy Artists

(1988 bei Greenwood Press; nicht auf Deutsch)

Charles N. Brown and William G. Contento: Science Fiction, Fantasy, and Horror: 1987

(1988 bei Locus Press; nicht auf Deutsch)

Dramatic Presentation

Who Framed Roger Rabbit?

(Amblin/Touchstone; Drehbuch Jeffrey Price & Peter S. Seaman; Regie Robert Zemeckis; basiert auf dem Roman Who Censored Roger Rabbit? von Gary K. Wolf; dt. Falsches Spiel mit Roger Rabbit)

Die Geschichte spielt im Jahr 1947 in Los Angeles. Zeichentrickfilme werden nicht gezeichnet, sondern mit Cartoonfiguren direkt gefilmt. Roger Rabbit ist einer der Stars des Studios Maroon, doch es fällt auf, dass er in letzter Zeit sehr unkonzentriert ist. Der Studioboss Maroon setzt den Privatdetektiv Eddie Valiant auf Rogers Ehefrau Jessica Rabbit an, um herauszufinden, ob sie Roger hintergeht. Valiant erwischt Jessica zusammen mit dem Industriellen Marvin Acme und fotografiert die beiden. Als Roger davon erfährt, dreht er durch. Einen Tag später wird Acme ermordet, und der Verdacht fällt natürlich auf Roger. Valiant, dessen Bruder von einem Toon ermordet wurde, findet heraus, dass Roger vermutlich unschuldig ist und hinter dem Mord an Acme eine Verschwörung steckt, die ganz Toonstadt bedroht. Der finstere Richter Doom – grandios gespielt von Christopher Lloyd – hat dabei seine Finger im Spiel. Und er ist sogar der Mörder von Valiants Bruder.

So phantasievoll die Idee ist, so turbulent ist die Umsetzung dieses Films. Die Special Effects sind auch heute noch beeindruckend, insbesondere wenn man bedenkt, dass alle Cartoonfiguren von Hand gezeichnet wurden und noch keine Computertechnik zum Einsatz kam. Bemerkenswert ist, dass Zeichentrickfiguren von unterschiedlichen Produktionsfirmen ihre Auftritte haben: So gibt es eine Barszene mit Donald Duck und Daffy Duck, Betty Boop taucht auf, und in anderen Szenen sind Schweinchen Dick, Tweety, Yosemite Sam, Droopy, Micky Maus, Goofy, Dumbo und Bugs Bunny zu sehen. Ein herrliches Vergnügen!

Weitere Nominierungen:

Beetlejuice

(Geffen/Warner Brothers; Drehbuch Michael McDowell & Warren Skaaren; Story Tim Burton & Michael McDowell & Larry Wilson; Regie Tim Burton; dt. Lottergeist Beetlejuice)

Big

(20th Century Fox; Drehbuch Gary Ross & Anne Spielberg; Regie Penny Marshall; dt. Big)

Willow

(Imagine/Lucasfilm/MGM; Drehbuch Bob Dolman; Story George Lucas; Regie Ron Howard; dt. Willow)

Alien Nation

(20th Century Fox; Drehbuch Rockne S. O’Bannon; Regie Graham Baker; dt. Spacecop L.A. 1991)

Professional Editor

Gardner Dozois

Die Hugo Awards 1989: Das waren die Gewinner

1988 war Dozois weiterhin Herausgeber von ASIMOV’S und brachte dort unter anderem so wichtige Erzählungen wie Connie Willis’ »The Last of the Winnebagos« (dt. »Der letzte Winnebago«), Lucius Shepards »The Scalehunter’s Beautiful Daughter« (dt. »Des Schuppensammlers schöne Tochter«), Walter Jon Williams’ »Surfacing« (dt. »Aus der Tiefe«), Harlan Ellisons »The Function of Dream Sleep« (dt. »Warum wir träumen«), Geoffrey A. Landis’ »Ripples in the Dirac Sea« (dt. »Untiefen im Meer der Zeit«), Eileen Gunns »Stable Strategies for Middle Management« (dt. »Perfekte Personalplanung«) und Robert Silverbergs »Gilgamesh in Uruk«. Außerdem stellte Dozois die Anthologien Dogtales! (Ace Books, gemeinsam mit Jack Dann), The Year’s Best Science Fiction: Fifth Annual Collection (St. Martin’s Press), Ripper! (Tor, gemeinsam mit Susan Casper) und The Best of Isaac Asimov’s Science Fiction Magazine (Ace Books) zusammen.

Weitere Nominierungen:

David Hartwell
Edward L. Ferman
Stanley Schmidt
Charles C. Ryan

Professional Artist

Michael Whelan

Whelan war bereits Dauergast bei den Hugo-Verleihungen, was er der gleichbleibend hohen Qualität seiner Werke zu verdanken hatte. 1988 erschienen mindestens zehn schöne Titelbilder, unter anderem für 2061: Odyssey Three von Arthur C. Clarke, Exil’s Gate von C. J. Cherryh, At Winter’s End von Robert Silverberg, Ivory von Mike Resnick, Dragonsdawn von Anne McCaffrey und The Dragonbone Chair von Tad Williams.

Weitere Nominierungen:

Don Maitz
David Cherry
Bob Eggleton
Thomas Canty

Semiprozine

LOCUS (Charles N. Brown)

1988 erschien LOCUS weiter konstant auf hohem Niveau monatlich mit einem erneut gesteigerten Umfang von 74 bis 94 Seiten. Interviewt wurden unter anderem Clive Barker, Bruce Sterling, Lewis Shiner, Kim Stanley Robinson, Howard Waldrop, J. G. Ballard, Octavia E. Butler, Pat Murphy, Ursula K. Le Guin, Michael Bishop und Norman Spinrad. Über internationale SF berichtete man hauptsächlich aus England, Japan, Deutschland, Frankreich, Polen, der Sowjetunion, China und Argentinien. Würdigungen gab es zum Tod von Randall Garrett, C. L. Moore, Clifford D. Simak und Robert A. Heinlein. Fritz Leiber publizierte wieder in jeder Ausgabe die Rubrik »Moons & Stars & Stuff«, die Buchrezensionen wurden von Faren Miller, Dan Chow, Tom Whitmore und Carolyn Cushman verfasst und es gab Briefe von David Brin, Robert A. Heinlein, Andre Norton, Isaac Asimov, Marion Zimmer Bradley, Robert Silverberg, Poul Anderson, Gregory Benford, Brian W. Aldiss, Ben Bova, Piers Anthony, Lester del Rey, Arthur C. Clarke, Jack Williamson, Joe Haldeman, Thomas Schlück und anderen.

Weitere Nominierungen:

SCIENCE FICTION CHRONICLE (Andrew Porter)
THE NEW YORK REVIEW OF SCIENCE FICTION (Kathryn Cramer, David G. Hartwell, Patrick Nielsen Hayden, Teresa Nielsen Hayden, Susan Palwick)
INTERZONE (Simon Ounsley & David Pringle)
THRUST (D. Douglas Fratz)

Fanzine

FILE 770 (Mike Glyer)

Nach den Jahren 1984 und 1985 konnte Mike Glyer nun schon den dritten Hugo für sein Fanzine verbuchen. Inzwischen war er so beliebt, dass er auch als Ehrengast zu Conventions eingeladen wurde, so 1989 als »Fan Guest of Honor« zum Norwescon XI in Tacoma.

Weitere Nominierungen:

LAN’S LANTERN (George Laskowski)
NIEKAS (Edmund R. Meskys, Mike Bastraw, Anne Braude)
FOSFAX (Timothy Lane)
OTHER REALMS (Chuq Von Rospach)

Fan Writer

Dave Langford

Obwohl sein Fanzine ANSIBLE 1988 gar nicht erschien und daher auch nicht als ›Best Fanzine‹ nominiert wurde, war Langford trotzdem sehr aktiv. Er schrieb eine Handvoll Erzählungen, die in Publikationen von Kleinverlagen und in Langfords eigener Sammlung The Dragonhiker’s Guide to Battlefield Covenant at Dune’s Edge: Odyssey Two (Drunken Dragon Press) erschienen. Bereits ein Jahr zuvor war die Essaysammlung Platen Stories für den WorldCon 1987 als Heft produziert worden. Außerdem erschienen weiterhin die Kolumne CRITICAL MASS sowie Kritiken in Magazinen und Fanzines wie INTERZONE, THRUST, FOCUS und anderen.

Weitere Nominierungen:

Mike Glyer
Arthur D. Hlavaty
Avedon Carol
Chuq Von Rospach
No Award
Guy H. Lillian, III.

Fan Artist

Brad W. Foster und Diana Gallagher Wu (punktgleich)

Foster hatte 1988 weitere Ausgaben des Comics MECHTHINGS herausgebracht (insgesamt waren es vier), die sich großer Beliebtheit erfreuten.

Die US-Amerikanerin Diana G. Gallagher (*1946) ist hauptsächlich als Autorin von Kinder- und Jugendbüchern, die auf Fernsehserien basieren, in Erscheinung getreten. So schrieb sie von 1995 bis heute rund sechzig Romane zu Serien wie STAR TREK, BUFFY THE VAMPIRE SLAYER, CHARMED, SMALLVILLE oder SABRINA, THE TEENAGE WITCH. Für ihre fannischen Aktivitäten verwendete sie allerdings den Namen Diana Gallagher Wu. Insbesondere in den Jahren 1987 und 1988 zeichnete sie einige Illustrationen, die in Convention-Fanzines erschienen sind. Darüber hinaus schrieb sie auch Gedichte und Songtexte und war in der Filk-Szene sehr aktiv.

Weitere Nominierungen:

Stu Shiffman
Teddy Harvia
Taral Wayne
Merle Insinga

 

Campbell Award

Michaela Roessner

Michaela Roessner ist das Pseudonym der US-Amerikanerin Michaela-Marie Roessner-Herman (*1950). Sie debütierte mit dem Roman Walkabout Woman (1988 bei Bantam Spectra), einer Fantasygeschichte, die ihre Wurzeln in der Mythologie der australischen Ureinwohner hat. Mit diesem Buch belegte sie auch den zweiten Platz beim Locus Award in der Rubrik ›Best First Novel‹. Von 1989 bis heute erschienen rund ein Dutzend Erzählungen in unterschiedlichen Magazinen und Anthologien. Darüber hinaus schrieb sie noch drei weitere Romane, die jedoch keine größere Beachtung fanden: Vanishing Point (1993) sowie die inhaltlich zusammengehörigen The Stars Dispose (1997) und The Stars Compel (1999; alle bei Tor).

Weitere Nominierungen:

Delia Sherman
Christopher Hinz
Kristine Kathryn Rusch
Melanie Rawn
P. J. Beese & Todd Cameron Hamilton
William Sanders

 

Special Awards

SF-Lovers Digest (Saul Jaffe, mod.), an sf computer network

In einem Interview mit Karen Ann Yost von strangenewworlds.com erzählte Saul Jaffe über die Entstehungszeit des SF-Lovers Digest. Ursprünglich startete Roger Duffy vom MIT eine Science-Fiction-Mailing-Liste. Diese war unmoderiert, und jede Nachricht ging an den gesamten E-Mail-Verteiler.

Bereits um 1980 wurde das Datenaufkommen zu groß, sodass man sich neue Technologien überlegen musste. Man nutzte das Digest-Format: Das System sammelte Nachrichten aus einem bestimmten Zeitraum und generierte daraus automatisch Sammel-E-Mails, die an die Nutzer verschickt wurden.

Saul Jaffe wurde im Oktober 1983 Moderator des Systems, das sich ständig technisch weiterentwickelte. SF-Lovers Digest hatte rund 1500 Empfänger, unter denen jedoch zahlreiche Multiplikatoren waren. Die Zahl der Leser ließ sich also nicht bestimmen, war aber sicherlich ein Vielfaches von 1500.

Alex Schomburg, Noreascon III Special Art Award

Alex Schomburg (1905–1998) wurde unter dem Namen Alejandro Schomburg y Rosa in Puerto Rico geboren, zog jedoch schon in den zwanziger Jahren nach New York City. Er war über siebzig Jahre lang als Künstler, Comiczeichner und Maler tätig. Während der dreißiger Jahr zeichnete er Illustrationen für THRILLING WONDER STORIES, sein erstes SF-Magazincover erschien 1939 auf der September-Ausgabe von STARTLING STORIES. Ab den vierziger Jahren schuf er Titelbilder für Timely Comics, dem Vorgänger von Marvel, insbesondere für CAPTAIN AMERICA und andere Superheldenhefte. Während des Golden Age der Comics schuf er zwischen fünfhundert und sechshundert Cover, die er oft mit dem Kürzel »Xela« signierte.

Ab den frühen fünfziger Jahren wandte sich Schomburg von den Comics ab und arbeitete als Illustrator und Titelbildmaler für Astrologiebücher, Jugendbuchreihen und SF-Magazine (hauptsächlich STARTLING STORIES, FANTASTIC UNIVERSE, SATELLITE SCIENCE FICTION und AMAZING STORIES). 

 

 

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Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 1985-2000” (erschienen 2016 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Genau diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. 

 

© 2016 by Hardy Kettlitz

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