Die Hugo Awards 1988: Das waren die Gewinner

KOLUMNE

Die Hugo Awards 1988: Das waren die Gewinner


Die Buchreihe „Die Hugo Awards 1985-2000” gibt einen Überblick über die wichtigsten Gewinner des berühmten Hugo Awards. Welche Preisträger gab es 1988?  

Die Verleihung der HUGO-Awards fand 1988 während NolaCon II in New Orleans statt.

Toastmaster: Mike Resnick

Novel

David Brin: The Uplift War

(1987 bei Bantam Spectra; dt. Entwicklungskrieg, H 4634 und H 31451)

Die Hugo Awards 1988: Das waren die Gewinner

The Uplift War ist der dritte Roman des UPLIFT-Zyklus von David Brin (*1950). Die ersten beiden Bände heißen Sundiver (1980 bei Bantam; dt. Sonnentaucher, H 5278) und Startide Rising (1983 bei Bantam; dt. Sternenflut, Kn 5794 und diverse Ausgaben bei Heyne, siehe Hugo 1984).

In seiner komplexen Space-Opera-Serie geht Brin von der Prämisse aus, dass sich raumfahrende Völker im gesamten Universum niemals von alleine entwickeln, sondern von sogenannten Patronatsrassen künstlich »upgeliftet« werden. Eine Ausnahme scheint die Menschheit zu bilden, die aus eigener Kraft den Sprung nicht nur zur höheren Intelligenz, sondern auch in den Weltraum geschafft hat. Ansonsten verhalten sich die Menschen jedoch den Gesetzen des Kosmos konform, da sie aus Schimpansen und Delphinen bereits eigene »Klientenrassen« erschaffen haben, die einerseits unter ihrem Schutz stehen, andererseits als loyale Verbündete dienen. Doch wo kein Konflikt, da kein Roman, und es sollte daher nicht wundern, dass einige Aliens Anstoß am Auftauchen der Menschen auf der galaktischen Bühne nehmen. Immerhin geht es um politischen und wirtschaftlichen Einfluss, was eine Verschiebung der fragilen Machtverhältnisse zur Folge haben könnte. In Entwicklungskrieg überfallen deshalb die vogelähnlichen Gubru die terranische Kolonie auf dem Planeten Garth, um ihren Machtbereich auszudehnen und gleichzeitig das Patronat über die Neo-Schimpansen zu übernehmen. Letztere bleiben jedoch loyal und ziehen gemeinsam mit den überlebenden Menschen in den Guerillakrieg gegen die technisch überlegenen Aliens. Auf über 900 Seiten schildert Brin diesen Kampf, wobei er nichts, aber auch gar nichts auslässt, was zu einer derartigen Auseinandersetzung gehören könnte. Da gibt es Agenteneinsätze, diplomatische Verwicklungen, Kämpfe ums Überleben in der außerirdischen Landschaft, Kämpfe gegen die Invasoren und nebenbei immer wieder Kämpfe um das Erringen der Gunst diverser angeschmachteter Damen und Herren der verschiedenen Spezies. Dabei schafft es Brin meistens tatsächlich, seinen Figuren eine gewisse Tiefe zu verleihen, auch wenn diese Tiefe dann und wann die von abgründigen Klischees hat. Trotzdem muss man ihm besonders bei der Darstellung der Aliens Respekt zollen. So besteht die große Schwäche der Gubrus im Grunde in ihrer merkwürdigen Gesellschaftsform, die auf einem streng ritualisierten und damit überkommenen Regelwerk beruht. Während manche Passagen, in denen etwa das letztlich verklemmte semi-erotische Verhältnis des jugendlichen irdischen Helden Robert Oneagle und der außerirdischen Diplomatentochter Athaclena ausführlich beleuchtet wird, auf Dauer eher langweilen, macht die Schilderung der internen Machtkämpfe der Gubru durchaus Spaß. Damit ist Entwicklungskrieg wie so oft bei derart umfangreichen Romanen eine zwiespältige Angelegenheit, bei der sich gleichzeitig die Stärken und Schwächen seines Verfassers zeigen. Auch die Prämisse der gesamten UPLIFT-Serie, die im Grunde eine eindeutige Abwendung von der Evolutionstheorie nach Darwin darstellt und an die kruden Theorien Erich von Dänikens erinnert, erscheint ein wenig problematisch. Doch zumindest dies macht Brin wett, indem er in seinem Nachwort unseren »haarigen Vettern«, womit er die schützenswerten nichtmenschlichen Primaten auf unserem Planeten meint, freundlicherweise eine Banane und ein Bier ausgibt.

Weitere Nominierungen:

George Alec Effinger: When Gravity Fails

(1987 bei Bantam Spectra; dt. Das Ende der Schwere, H 4842)

Orson Scott Card: Seventh Son

(1987 bei Tor; dt. Der siebente Sohn, B 20115)

Greg Bear: The Forge of God

(1987 bei Tor; dt. Die Schmiede Gottes, H 4617)

Gene Wolfe: The Urth of the New Sun

(1987 bei Tor; dt. Die Urth der Neuen Sonne, H 4655)

 

Novella

Orson Scott Card: »Eye for Eye«

(März 1987 in ASIMOV’S; dt. »Auge um Auge« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Heyne Science Fiction Jahresband 1988, H 4477)

Der Erzähler der Geschichte heißt Mick Winger und berichtet einem, dem Leser anfangs unbekannten Zuhörer von den Schlüsselerlebnissen seines erst siebzehnjährigen Lebens. Er hat eine ungewöhnliche Gabe, mit der er anderen Menschen, sobald er wütend wird, tödliche Krankheiten wie Krebs oder Leukämie an den Hals wünschen kann. Mick wuchs in einem Waisenhaus auf und hatte als Kleinkind seine Gefühle nicht unter Kontrolle, sodass viele Menschen in seinem Umfeld an plötzlich auftauchenden Krankheiten starben. Als er fünfzehn wurde, erkannte er die Auswirkungen seiner Gabe, die er selbst als »Funkeln« beschreibt, floh aus dem Waisenhaus und fand in einer Werkstatt bei einem Mann namens Kaiser Arbeit. Dieser war sehr verständnisvoll, selbst als Mick zwei Jahre später beschloss, die Arbeit aufzugeben.

In einem Bus lernt er eine junge Frau kennen, von der er sich sexuell sehr angezogen fühlt. Sie scheint seltsamerweise vieles über Mick zu wissen, ohne dass er es ihr erzählt hätte.

Bald darauf trifft Mick auf seine leiblichen Eltern, von denen er erfährt, dass sie ihn in das Waisenhaus geben mussten, weil seine Gabe so unkontrollierbar stark war, dass er die Familie getötet hätte. Jetzt als junger Mann hat er sich besser unter Kontrolle. Die Eltern verfügen auch über die Gabe, jedoch in weit geringerem Maße. Sie nennen sie »Staub«, denn sie nehmen die »bio-elektrische Kraft« nicht als Funkeln, sondern nur als Staubkörner wahr. Sie nehmen Mick in eine geheime Siedlung mit, in der eine streng religiöse, inzestuöse Gruppe von Menschen lebt. Das Oberhaupt namens Papa Lem will Mick mit seiner Tochter verheiraten, um Nachkommen mit noch stärkeren Kräften zu züchten. Doch Mick weigert sich, vor allem aus Misstrauen gegenüber den verborgenen Zielen von Papa Lem. In der folgenden Nacht versuchen die Siedler, Mick zu töten. Er kann sich zur Wehr setzen, tötet einen Mann und flieht. Dabei trifft er auf die junge Frau, die er aus dem Bus kannte. Sie hat ein Auto und erzählt während der Flucht, dass sie zu einer geheimen Gruppe von Wissenschaftlern gehört, die Micks Gabe erforschen wollen und ihn schon länger beobachten. Das Auto wird von den Siedlern verfolgt, und sie werden beschossen. Als die junge Frau getroffen wird, findet Mick erstmals heraus, dass er mit seiner Gabe nicht nur Menschen töten, sondern auch heilen kann.

Die Wissenschaftlergruppe bringt Mick in Sicherheit, und man verspricht ihm, dass ihre Forschung sich nicht auf seine destruktiven Kräfte, sondern die Möglichkeiten der Heilung konzentrieren wird. Und Mick wird auch die junge Frau wiedersehen …

Orson Scott Cards spannende Erzählung um den jungen Mann mit den »bio-elektrischen Kräften« und seine religiös-fanatische Familie erscheint umso interessanter, wenn man berücksichtigt, dass Card Mormone ist. Die Geschichte gehört zu den am meisten nachgedruckten Texten des Autors. Typisch für Card ist das Motiv des jungen Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, die wir auch in zahlreichen anderen seiner Werken finden, wie zum Beispiel in Songmaster (1980; dt. Meistersänger), in Ender’s Game (1985; dt. Das große Spiel bzw. Enders Spiel) oder in der ALVIN MAKER-Saga (1987–2003).

Weitere Nominierungen:

Robert Silverberg: »The Secret Sharer«

(September 1987 in ASIMOV’S; dt. »Vox« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Heyne Science Fiction Jahresband 1989, H 4570)

Kim Stanley Robinson: »The Blind Geometer«

(August 1987 in ASIMOV’S; dt. »Der blinde Geometer« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Heyne Science Fiction Jahresband 1988, H 4477, in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Ikarus 2001, H 6370)

Kim Stanley Robinson: »Mother Goddess of the World«

(Oktober 1987 in ASIMOV’S; dt. »Mutter, Göttin der Welt« in Robinson: Flucht aus Katmandu, B 24137)

Michael Flynn: »The Forest of Time«

(Juni 1987 in ANALOG; dt. »Im Wald der Zeit« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Heyne Science Fiction Jahresband 1992, H 4865)

 

Novelette

Ursula K. Le Guin: »Buffalo Gals Won’t You Come Out Tonight«

(November 1987 in F&SF; dt. »He, Büffelmädchen, kommt ihr nicht raus heut’ nacht?« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Heyne Science Fiction Jahresband 1990, H 4650, in Ellen Datlow & Terri Windling [Hrsg.]: Das neue Buch der Fantasy, B 28191 und B 13558)

Ein kleines Mädchen namens Myra ist allein in der Wüste. Sie ist anscheinend die einzige Überlebende eines Flugzeugabsturzes und hat sich bei dem Unglück ein Auge verletzt. Sie trifft auf Coyote, die sich um Myra kümmert, mit ihr spricht und sie schließlich zu einem Ort mit vielen anderen bringt. Streifenhörnchen, Meise, Eule, Häher, Pferd und weitere sorgen nun für das Wohlergehen des Mädchens. Als sich Myra darüber wundert, warum die Tiere sprechen können, erklärt Coyote, dass es zwei Arten von Leuten gibt: die alten Leute, die mit der Natur leben und bei denen Tiere sprechen können, und die neuen Leute, die alles aus Eisen und Stein bauen. Kinder gehören zu den alten Leuten, und deshalb kann Myra mit den Tieren sprechen. Schließlich reisen Myra und Coyote zu einem Ort der neuen Leute, aber dort wird auf sie geschossen, und schließlich isst Coyote ein vergiftetes Stück Lachs …

Der Titel der Geschichte ist übrigens eine Zeile aus einem Lied, das Coyote für Myra singt. Le Guins sinnliche Erzählung ist weit mehr als ein Tiermärchen, denn die oft seltsamen Dialoge mit den Tieren offenbaren vieles über das Zusammenleben und die Liebe zur Natur. Die großartige Schriftstellerin Le Guin schafft es ein weiteres Mal, den Leser nachdenklich zu stimmen.

Noch 1987 erschien der Erzählungsband Buffalo Gals and Other Animal Presences (Capra Press) mit zahlreichen kurzen Geschichten und Gedichten Le Guins.

Weitere Nominierungen:

Pat Murphy: »Rachel in Love«

(April 1987 in ASIMOV’S; dt. »Rachel ist verliebt« in Friedel Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin, 31. Folge, H 4495)

Bruce Sterling: »Flowers of Edo«

(Mai 1987 in ASIMOV’S; dt. »Die Blumen von Edo« in Friedel Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin, 31. Folge, H 4495)

Walter Jon Williams: »Dinosaurs«

(Juni 1987 in ASIMOV’S; dt. »Dinosaurier« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Heyne Science Fiction Jahresband 1989, H 4570)

Bruce McAllister: »Dream Baby«

(Oktober 1987 in ASIMOV’S; dt. »Dream Baby« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Johann Sebastian Bach Memorial Barbecue, H 4697)

 

Short Story

Lawrence Watt-Evans: »Why I Left Harry’s All-Night Hamburgers«

(Juli 1987 in ASIMOV’S; dt. »Warum ich Harrys nachts durchgehend geöffnetes Hamburger-Lokal verließ« in Friedel Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin, 50. Folge, H 5921)

Der sechzehnjährige Erzähler dieser Kurzgeschichte wohnt in der Nähe von Sutton in West Virginia und braucht dringend einen Job, um sich sein Taschengeld aufzubessern. Obwohl sich Harrys Hamburger-Lokal etwas abseits der großen Hauptverkehrsstraßen befindet, scheint es recht gut zu laufen und der Inhaber Harry stellt ihn als Kellner ein. Der Erzähler wird für die zunächst ruhig scheinende Nachtschicht eingeteilt, doch mitten in der Nacht tauchen merkwürdige Gestalten auf, die ganz anders als die erwarteten Fernfahrer aussehen – zum Beispiel Männer in metallischen Anzügen oder halbnackte Frauen. Harry fordert den Jungen auf, sich nichts anmerken zu lassen, auch wenn die nächtlichen Gäste seltsam sind und mit fremdartigen Währungen bezahlen. Es dauert einige Zeit, bis der Junge herausfindet, dass die Gäste aus Parallelwelten stammen. Offenbar ist der Standort von Harrys Hamburger-Lokal besonders gut zum Wechsel zwischen den Welten geeignet. Ein Reisender kann zwar in immer neue Parallelwelten wechseln, jedoch niemals in eine zuvor bereiste zurückkehren. Den Jungen, der nie aus seiner Heimatstadt herausgekommen ist, packt das Fernweh und er sucht nach einer Mitreisegelegenheit. Er will auch »hundert Stockwerke hohe Gebäude, fremdartige Tempelstädte, tausend Meilen breite Ozeane, meilenhohe Berge, seltsame Tiere und noch seltsamere Menschen« sehen, über die sich die fremden Besucher unterhalten. Doch am Ende der Geschichte rät ein Reisender dem Jungen, lieber seine eigene Welt zu erkunden, denn all die ersehnten Sensationen gibt es auch in fernen Ländern zu sehen und zu erleben. Und solange er nicht in eine Parallelwelt wechselt, hat er stets die Möglichkeit, in seine Heimat zurückzukehren – ein Privileg, das die Weltenreisenden nicht haben. Schließlich bleibt ihm auch später noch die Möglichkeit, in Harrys Restaurant zurückzukehren und nach einer Mitreisemöglichkeit in eine Parallelwelt zu fragen. Und dieser weise Rat des Fremden war der Grund, warum der Junge Harrys nachts durchgehend geöffnetes Hamburger-Lokal verließ.

Lawrence Watt-Evans (*1954) weist in seiner charmanten Erzählung darauf hin, dass unsere eigene Erde über sehr exotischer Orte verfügt, die es nur zu entdecken gilt, für einen Science-Fiction-Autor eine überraschende Aussage. Watt-Evans hat seit 1980 über vierzig Romane und über 130 Erzählungen verfasst. Zehn seiner Romane, die vorwiegend der Fantasy zuzurechnen sind, wurden auch ins Deutsche übersetzt. Von 1994 bis 1996 war er Vorsitzender der Horror Writers Association.

Weitere Nominierungen:

Kate Wilhelm: »Forever Yours, Anna«

(Juli 1987 in OMNI; dt. »In Liebe, Anna« in Donald A. Wollheim/Arthur W. Saha [Hrsg.]: World’s Best SF 7, B 24108)

Pat Cadigan: »Angel«

(Mai 1987 in ASIMOV’S; dt. »Engel« in Friedel Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin, 31. Folge, H 4495)

Howard Waldrop: »Night of the Cooters«

(April 1987 in OMNI; nicht auf Deutsch)

Karen Joy Fowler: »The Faithful Companion at Forty«

(Juli 1987 in ASIMOV’S; dt. »Ein Mensch mit Seltenheitswert« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Heyne Science Fiction Jahresband 1989, H 4570)

Lisa Goldstein: »Cassandra’s Photographs«

(August 1987 in ASIMOV’S; dt. »Cassandras Fotografien« in Friedel Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin, 32. Folge, H 4536)

 

Non-Fiction Book

Michael Whelan: Michael Whelan’s Works of Wonder

(1987 bei Del Rey; nicht auf Deutsch)

Bei diesem oppulenten, großformatigen Bildband handelt es sich nicht nur um eine Werkschau des bis zu diesem Zeitpunkt mit acht Hugos ausgezeichneten Künstlers. Im Vorwort schreibt Isaac Asimov über die stimmungsvollen Bilder, die Whelan für die Neuausgabe der FOUNDATION-Romane geschaffen hat, in einem zweiten Vorwort lobt Don Munson die Technik und Detailtreue von Whelans Arbeiten. Die folgenden hundert Seiten sind nach einem festen Schema aufgebaut: Rechts befindet sich das fast seitenfüllende Originalbild, auf der gegenüberliegenden linken Seite ist das zugehörige Buchcover, Skizzen oder Vorarbeiten für das Bild sowie ein Text von Michael Whelan über seine Inspirationen oder die Figuren der Romane abgedruckt. Whelan lobt in seinen Texten die Phantasie der Autoren, erzählt aber auch von den unterschiedlichen Techniken, mit denen er arbeitet. Abgebildet sind Titelbilder zu Romanen von Robert A. Heinlein, Isaac Asimov, Arthur C. Clarke, Alan Dean Foster, Piers Anthony, Anne McCaffrey und anderen. Gesonderte Kapitel gibt es zu den Bildern zu Asimovs FOUNDATION-Serie und Burroughs’ MARS-Serie. Im Nachwort berichtet Whelan über den Entstehungsprozess seiner Arbeiten, von der ersten Skizze bis zum fertigen Bild. Durch diese Werkstattberichte wird Michael Whelan’s Works of Wonder zu mehr als nur einem simplen Bildband.

Weitere Nominierungen:

David A. Cherry: Imagination: The Art and Technique of David A. Cherry

(1987 bei Donning; nicht auf Deutsch)

Jack Matthews: The Battle of Brazil: The Authorized Story & Annotated Screenplay of Terry Gilliam’s Landmark Film

(1987 bei Crown; nicht auf Deutsch)

Neal Barron: Anatomy of Wonder, Third Edition

(1987 bei Bowker; nicht auf Deutsch)

Charles N. Brown & William G. Contento: Science Fiction, Fantasy and Horror: 1986

(1987 bei Locus Press; nicht auf Deutsch)

 

Other Forms

Alan Moore and Dave Gibbons: WATCHMEN

(12 Teile 1986/1987 bei D. C./Warner; dt. WATCHMEN, in 6 Teilen sowie als Gesamtausgabe bei Carlsen & Panini)

Der Brite Alan Moore (*1953) war Comiclesern als Autor nicht unbekannt, hatte er doch bereits einige bemerkenswerte Arbeiten veröffentlicht. Doch als die Leser die ersten Ausgaben von WATCHMEN in den Händen hielten, wurde schnell klar, dass es sich um etwas bahnbrechend Neues handelte. Zusammen mit dem Zeichner Dave Gibbons hatte Moore das Genre des Superhelden-Comics neu definiert und auf das Niveau der Graphic Novel gehoben. WATCHMEN wurde als abgeschlossene, zwölfteilige Serie veröffentlicht. Erzählt wird die Geschichte einer größeren Anzahl von Superhelden, von denen die ersten bereits in den 1930er Jahren auftauchten, aber nur geringe Fähigkeiten hatten. In den 1960er Jahren gab es dann eine neue Generation, die über echte Superkräfte und bessere technische Möglichkeiten verfügten. Der Regierung waren die Watchmen jedoch suspekt, und so wurde in den 1970er Jahren ein Gesetz verabschiedet, das den Helden offiziell ihre Tätigkeit untersagte. Im folgenden Jahrzehnt werden schließlich einige der Helden ermordet und es gilt herauszufinden, wer hinter der offensichtlichen Verschwörung steckt.

2009 wurde der Stoff unter dem Titel Watchmen (dt. Watchmen – Die Wächter) aufwendig und halbwegs werkgetreu verfilmt.

Die Hugo-Rubrik ›Other Forms‹, in der 1988 eine Comic-Serie, eine Shared-World-Reihe, ein Drehbuch, ein Best-Of-Band und ein Bilderbuch nominiert waren, gab es nur ein einziges Mal. Comics konnten regelmäßig erst ab 2009 in der Rubrik ›Best Graphic Story‹ nominiert werden.

Weitere Nominierungen:

George R. R. Martin [Hrsg.]: Wilds Cards, Vol. 1–3

(1987 bei Bantam Spectra; Band 1: Wild Cards; dt. Vier Asse, 5601, Asse und Joker, H 5602; Band 2: Aces High, dt. Asse Hoch!, H 5603, Schlechte Karten, H 5604; Band 3: Jokers Wild, dt. Wilde Joker, H 5605, Asse im Einsatz, H 5606)

Harlan Ellison: I Robot: The Movie

(Drehbuch, 3 Teile, November bis Dezember 1987 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Harlan Ellison: The Essential Ellison

(hrsg. von Terry Dowling, Richard Delap und Gil Lamont; 1987 bei Nemo Press)

Tom Weller: Cvltvre Made Stvpid

(1987 bei Houghton Mifflin; nicht auf Deutsch)

 

Dramatic Presentation

The Princess Bride

(Act III/20th Century Fox; Drehbuch William Goldman; Regie Rob Reiner; basiert auf dem gleichnamigen Roman von William Goldman; dt. Die Braut des Prinzen)

William Goldman hatte seinen sehr erfolgreichen Roman The Princess Bride bereits 1973 veröffentlicht und auch selbst das Filmdrehbuch geschrieben, was nicht verwunderlich ist, denn er verfasste in seiner Karriere mehr als dreißig Drehbücher für zum Teil sehr erfolgreiche Filme. Dabei veränderte er einige Elemente, wie zum Beispiel die Rahmenhandlung. Während im Buch der Autor selbst zu Wort kommt, so zeigt der Film einen kranken Jungen, dessen Großvater ihm das Märchen Die Brautprinzessin vorliest. Gelegentlich, wenn der Junge mit einigen Handlungspassagen nicht einverstanden ist, kommen Großvater und Enkel zu Wort, die Haupthandlung erzählt jedoch das Märchen über den Stalljungen Westley und seine Geliebte Buttercup. Nachdem Westley sich auf die Suche nach dem Glück begeben hat, erhält Buttercup die Nachricht, dass er vom grausamen Piraten Roberts getötet wurde. Buttercup wird vom Prinzen Humperdinck gegen ihren Willen zur Braut erwählt, doch noch vor der Hochzeit in ein anderes Land entführt. Die Entführer verfolgt jedoch ein schwarz maskierter Mann, der zunächst der Pirat Roberts zu sein scheint, sich aber schließlich als der überlebende Westley zu erkennen gibt. Dem bösen Prinzen Humperdinck gelingt es, die beiden Liebenden gefangen zu nehmen, und Buttercup willigt ein, Prinz Humperdinck zu heiraten, wenn dieser Westley am Leben lässt. Dennoch wird Westley zu Tode gefoltert, dann aber von zwei Gefährten, die er auf der Reise kennengelernt hat, befreit und wieder zum Leben erweckt, damit alle drei gemeinsam das Schloss erstürmen, Buttercup befreien und an den Bösewichten Rache nehmen können.

Der Regisseur Rob Reiner, den man von Filmen wie Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers, Harry und Sally und Misery kennt, erzählt diese Mischung aus Märchen, Fantasy und Mantel-und-Degen-Film überaus amüsant und ironisch, mit witzigen Dialogen und rasanten Fechteinlagen. Sehr empfehlenswert!

Weitere Nominierungen:

Robocop

(Orion Pictures; Drehbuch Michael Miner & Edward Neumeier; Regie Paul Verhoeven; dt. RoboCop)

Star Trek – The Next Generation: »Encounter at Farpoint«

(Paramount; Drehbuch D. C. Fontana & Gene Roddenberry; Regie Corey Allen; dt. »Mission Farpoint«, Pilotfilm der Serie Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert)

Predator

(20th Century Fox; Drehbuch Jim Thomas & John Thomas; Regie John McTiernan; dt. Predator)

The Witches of Eastwick

(Guber-Peters/Kennedy Miller/Warner Brothers; Drehbuch Michael Cristofer; Regie George Miller; basiert auf dem gleichnamigen Roman von John Updike; dt. Die Hexen von Eastwick)

Professional Editor

Gardner Dozois

Die Hugo Awards 1988: Das waren die Gewinner

Gardner Dozois (*1947) wuchs in Massachusetts auf, übersiedelte aber Anfang der siebziger Jahre nach New York. Er veröffentlichte in den zehn Jahren von 1970 bis 1980 rund zwanzig Kurzgeschichten und zwei Romane, war aber vor allem als Lektor und Herausgeber von einzelnen Anthologien tätig und arbeitete für die Magazine GALAXY, IF, WORLDS OF FANTASY und WORLDS OF TOMORROW. 1977 war er an der Gründung von ISAAC ASIMOV’S SCIENCE FICTION MAGAZINE beteiligt, dessen erste Herausgeber George H. Scithers (1977–1982), Kathleen Moloney (1982) und Shawna McCarthy (1983–1985) waren. Ab Januar 1986 wurde Gardner Dozois Herausgeber des Magazins und blieb es bis Dezember 2004. In diesen neunzehn Jahren gewann er fünfzehn Mal den Hugo als bester professioneller Herausgeber.

Neben ASIMOV’S hat Dozois zahlreiche Anthologien zusammengestellt. Die wichtigste Anthologiereihe darunter ist THE YEAR’S BEST SCIENCE FICTION, die bis heute ununterbrochen erscheint und tatsächlich auf jeweils über 600 großformatigen Paperbackseiten ganz besonders wichtige Erzählungen des Jahres enthält. Weitere Anthologiereihen sind THE EXCLAMATORY SERIES (22 Bände von 1980 bis 1998, gemeinsam mit Jack Dann, die jeweils Drachen, Einhörnern, Aliens, Meerjungfrauen und anderen phantastischen Wesen gewidmet sind) und ISAAC ASIMOV’S SCIENCE FICTION MAGAZINE ANTHOLOGIES (21 Bände von 1991 bis 2001, überwiegend gemeinsam mit Sheila Williams). Hinzu kommen noch rund fünfzig weitere Einzelanthologien.

Im für Dozois’ ersten Hugo relevanten Jahr 1987 brachte er in ASIMOV’S zwei Dreiteiler: den Roman Vacuum Flowers (dt. Vakuumblumen) von Michael Swanwick sowie I, Robot: The Movie, das nie verfilmte Drehbuch von Harlan Ellison zu Isaac Asimovs Robotergeschichten. Wichtige Erzählungen waren Orson Scott Cards »Eye for Eye« (dt. »Auge um Auge«), Robert Silverbergs »The Secret Sharer« (dt. »Vox«), Kim Stanley Robinsons »The Blind Geometer« (dt. »Der blinde Geometer«), Bruce Sterlings »Flowers of Edo« (dt. »Die Blumen von Edo«), Walter Jon Williams’ »Dinosaurs« (dt. »Dinosaurier«) und Lawrence Watt-Evans’ »Why I Left Harry’s All-Night Hamburgers« (dt. »Warum ich Harrys nachts durchgehend geöffnetes Hamburger-Lokal verließ«).

Außerdem stellte Dozois 1987 die Anthologien Demons! (Ace Books, gemeinsam mit Jack Dann) und The Year’s Best Science Fiction: Fourth Annual Collection (St. Martin’s Press) zusammen.

Weitere Nominierungen:

David G. Hartwell
Edward L. Ferman
Stanley Schmidt
Brian Thomsen

 

Professional Artist

Michael Whelan

Den Hugo verdankte Whelan nicht nur seinen ausgezeichneten Titelbildarbeiten, sondern zweifellos auch seinem Bildband Michael Whelan’s Works of Wonder, der ebenfalls 1988 mit einem Hugo ausgezeichnet wurde (siehe Rubrik ›Non-Fiction Book‹).

1987 erschienen rund ein Dutzend neue Buchtitelbilder von Whelan, darunter für Romane von Autoren wie C. J. Cherryh, Patricia A. McKillip, Tanith Lee, Larry Niven, David Brin, Isaac Asimov, Stephen R. Donaldson und Piers Anthony.

Weitere Nominierungen:

David A. Cherry
Don Maitz
Tom Kidd
Bob Eggleton
J. K. Potter

 

Semiprozine

LOCUS (Charles N. Brown)

1987 erschien LOCUS weiter monatlich mit einem Umfang von 58 bis 82 Seiten. Interviewt wurden unter anderem Boris Strugatzki, C. J. Cherryh, James Blaylock, Orson Scott Card, Colin Wilson, Raymond E. Feist, Piers Anthony, Gregory Benford, Bob Shaw, Brian W. Aldiss und Patrick Tilley. Fritz Leiber publizierte in jeder Ausgabe die Rubrik »Moons & Stars & Stuff«. Es wurden wiederum mehrere Berichte über internationale SF veröffentlicht, insbesondere über Japan, England und Frankreich. Zum Tod von Terry Carr, Alfred Bester und James Tiptree jr. gab es mehrere Nachrufe von Autoren und Herausgebern. Die Buchrezensionen wurden von Faren Miller, Dan Chow, Trevin Matlock, Fritz Leiber und Debbie Notkin geschrieben und es gab Briefe von Avram Davidson, George Alec Effinger, Arthur C. Clarke, K. W. Jeter, Ian Ballantine, Gregory Benford, Michael Swanwick, Stephen King und anderen.

Weitere Nominierungen:

SCIENCE FICTION CHRONICLE (Andrew I. Porter)
ABORIGINAL SF (Charles C. Ryan)
INTERZONE (Simon Ounsley & David Pringle)
THRUST (D. Douglas Fratz)

 

Fanzine

TEXAS SF INQUIRER (Pat Mueller)

Pat Mueller war bereits im Jahr zuvor für den Hugo nominiert und konnte ihn diesmal gewinnen. Der TEXAS SF INQUIRER wurde von der Fandom Association of Central Texas gesponsort und war ein Nachrichtenfanzine, das sich auf SF-Ereignisse in Texas konzentrierte.

Weitere Nominierungen:

FILE 770 (Mike Glyer)
LAN’S LANTERN (George »Lan« Laskowski)
MAD 3 PARTY (Leslie Turek)
FOSFAX (Timothy Lane)

 

Fan Writer

Mike Glyer

In den letzten Jahren zeigte sich, dass Dave Langford und Mike Glyer fast gleich beliebt bei den Fans waren, denn sie wechselten sich mit dem Gewinn des Hugos seit 1984 ab. Glyers Fanzine FILE 770 erschien weiterhin regelmäßig. 1987 publizierte er aber auch einige seiner Texte in LOCUS. Im Programmbuch des BayCon ’87 in San José wurde Glyers Kurzgeschichte »The Six Who Are Boring« abgedruckt.

Weitere Nominierungen:

Dave Langford
Leslie Turek
Arthur D. Hlavaty
Guy H. Lillian III

 

Fan Artist

Brad W. Foster

Der zweite Hugo für Foster (siehe 1987) basiert nicht nur auf seinen beliebten Zeichnungen in diversen Fanzines, sondern vor allem auf seinem Comic MECHTHINGS (Renegade Press), den er selbst textete und zeichnete. Darüber hinaus erschienen mehrere seiner Illustrationen in AMAZING.

Weitere Nominierungen:

Diana Gallagher Wu
Steve Fox
Teddy Harvia
Taral Wayne
Merle Insinga

 

Campbell Award

Judith Moffett

Die US-Amerikanerin Judith Moffett (*1942) ist nicht nur Autorin, sondern war ab 1979 Dozentin an der University of Pennsylvania. In den siebziger und achtziger Jahren veröffentlichte sie zahlreiche Gedichte, die in den Bänden Keeping Time (1976) und Whinny Moor Crossing (1984) gesammelt wurden. Ihr Debüt in der Science Fiction war die Erzählung »Surviving« (Juni 1986 in F&SF; dt. »Überleben«), mit der sie auch gleich den Theodore Sturgeon Memorial Award gewann. Zusammen mit der späteren Erzählung »Not without Honor« (Mai 1989 in ASIMOV’S; dt. »Rendezvous mit Micky«) wurde die Geschichte in Two that Came True (1991 bei Pulphouse) wiederveröffentlicht.

Durch ihren ersten Roman Pennterra (1987 bei Congdon & Weed) wurde Moffett bekannt, nicht zuletzt wegen einiger freizügiger Sexszenen zwischen Menschen und Aliens.

Nachdem sie den Campbell Award erhalten hatte, erschien noch die HOLY GROUND-Trilogie, deren erster Band The Ragged World (1991 bei St. Martin’s Press; dt. Die Rückkehr der Hobbs) auch auf Deutsch erschienen ist. Die weiteren Bände heißen Time, Like an Ever-Rolling Stream (1992) und The Bird Shaman (2008). Außerdem erschienen von 1988 bis 2007 neun zu diesem Zyklus gehörige Erzählungen, vorwiegend in ASIMOV’S und F&SF.

Zu Moffetts schmalem SF-Werk gehören darüber hinaus noch weitere sieben Kurzgeschichten, die in Magazinen und Anthologien abgedruckt wurden.

Weitere Nominierungen:

Rebecca Ore
Martha Soukup
C. S. Friedman
Loren MacGregor

 

Special Award

The Science Fiction Oral History Association

Die Science Fiction Oral History Association (SFOHA) ist eine ehrenamtliche Organisation, die ein Archiv von Video- und Audioaufnahmen, die mit SF und Fantasy im Zusammenhang stehen, pflegt und unterhält. Die SFOHA wurde 1975 während der Convention ConFusion (Michigan) gegründet, und Mitglieder des ersten Vorstands waren Lloyd Biggle, Frederick Pohl, Howard DeVore und Thomas Clareson. Der überwiegende Teil der Aufnahmen sind Mitschnitte von Veranstaltungen auf Conventions sowie Interviews mit Con-Ehrengästen. Die Homepage der SFOHA ist zu finden unter www.sfoha.org.

 

 

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Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 1985-2000” (erschienen 2016 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Genau diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. 

 

© 2016 by Hardy Kettlitz

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