Kolumne von Stephen H. Segal: Die Weisheit der Nerds: Dawn of the Dead

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Dawn of the Dead


Gleich zweimal sagt Schauspieler Ken Foree diesen markanten Satz: Zuerst 1978 in George Romeros Dawn of the Dead – und dann auch 2004 im Remake von Zak Snyder. Der Satz zeigt, dass wir immer dann nach jenseitigen Erklärungen suchen, wenn wir im Diesseits keine Erklärung für etwas finden. Kein Wunder also, dass der Spruch dem zusammengewürfelten Haufen Trost spendet, der in der Zombie-Apokalypse ums Überleben kämpft. Er liefert nicht nur eine Erklärung für das Unerklärliche – er impliziert auch, dass die untoten Leckermäulchen eine Strafe für ein sündiges und verfehltes Leben sind, denn sie kamen ja nicht ohne Grund in die Hölle. Praktischerweise werden wir selbst damit auf einen Schlag von aller Schuld und Verantwortung freigesprochen. Wer das unsensibel oder gar völlig unverständlich findet, der sollte sich vielleicht mal bei denen beschweren, die Hurrikan Katrina als Strafe Gottes für Homosexualität ansehen; oder auch bei denen, die den Haitianern selbst die Schuld daran geben, dass ihr halbes Land einem Erdbeben zum Opfer fiel. Dass die Opfer einer Katastrophe selbst für ihr Leid verantwortlich gemacht werden, ist vorhersehbar wie sonst kaum etwas. Und es passiert immer und immer wieder, auch wenn es schlichtweg falsch ist.

 

Es ist faszinierend, wie ähnlich sich Zombie-Geschichten und das rationale Denken entwickelt haben: Frühe Geschichten stellten Untote stets als etwas Übernatürliches dar. Jüngere Erzählungen hingegen versuchen, Zombies wissenschaftlich zu erklären.


Die nächste Weisheit zur Wochenmitte gibt es wieder am kommenden Mittwoch. Dann erwartet euch eine neue nerdige Erkenntnis aus Stephen H. Segals Buch "Die Weisheit der Nerds".

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

Copyright © 2011 by Quirk Productions, Inc.
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First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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