Die Hugo Awards 1985: Das waren die Gewinner

KOLUMNE

Die Hugo Awards 1985: Das waren die Gewinner


Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 1985-2000” (erschienen 2016 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Genau diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. Die Verleihung der HUGO-Awards fand 1985 während der Aussiecon Two in Melbourne statt.

Toastmaster: Marc Ortleib

Novel

William Gibson: Neuromancer

(1984 bei Ace; dt. Neuromancer, 1987 als H 4400, H 5208, H 8449; auch enthalten in Gibson: Die Neuromancer-Trilogie, Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins und H 52615)

Die Hugo Awards 1985: Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards 1985: Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards 1985: Das waren die Gewinner

William Gibsons (*1948) Debütroman Neuromancer ist nicht nur der Auftakt zur SPRAWL-Trilogie, die mit Count Zero (dt. Biochips) und Mona Lisa Overdrive (dt. Mona Lisa Overdrive) fortgesetzt wurde, sondern es ist ein bahnbrechendes Werk, das ein ganz neues Genre initiierte: den Cyberpunk. Der legendäre erste Satz des Romans zeigt bereits, dass Gibson etwas gänzlich Neues präsentiert: »Der Himmel über dem Hafen hatte die Farbe eines Fernsehers, der auf einen toten Kanal geschaltet war.« Allerdings zeigt dieser Satz auch, wie schnell Visionen der nahen Zukunft veralten können, denn heutige Fernseher zeigen statt eines grauen Rauschens meist ein strahlendes Blau oder überhaupt nichts, wenn sie keinen Kanal finden.

Hauptfigur der Geschichte ist Henry Dorsett Case, ein Computerhacker, der seinen ehemaligen Auftraggeber bestohlen hat und dafür bestraft wurde, indem man sein Nervensystem mit Mykotoxin beschädigt hat, sodass es ihm unmöglich wurde, erneut in das globale Computernetzwerk, »Matrix« genannt, einzutauchen. Die Geschichte beginnt in Chiba City in Japan, wo Case nach einer Heilung für seine Beeinträchtigungen sucht. Dabei trifft er auf Molly Millions, eine Art Straßen-Samurai, die über einige Erweiterungen ihres Körpers verfügt, wie zum Beispiel ausfahrbare skalpellscharfe Messer unter ihren Fingernägeln und Gläser vor ihren Augen. Molly macht Case mit Armitage bekannt, der anbietet, Case zu heilen, wenn er im Gegenzug einen Job für ihn erledigt. Um Case unter Kontrolle zu halten, werden sich langsam auflösende Giftbläschen in seinen Blutkreislauf eingebracht, die irgendwann sein Nervensystem wieder in den vorherigen Zustand versetzen würden, wenn er nicht erneut behandelt wird. Darüber hinaus wird Case’ Bauspeicheldrüse manipuliert, sodass er gegen die meisten Drogen immun ist. Als ersten Job soll Case ein ROM-Modul beschaffen, auf dem die Erinnerungen des legendären Cyber-Cowboys McCoy Pauley, genannt Dixie Flatline, gespeichert sind.

Case und Molly finden heraus, dass Armitage früher Colonel Willis Corto hieß und an einer Operation beteiligt war, die sowjetische Computersysteme infiltrieren und zerstören sollte. Die Mission misslang, und Corto war der einzige Überlebende, der schließlich in den Untergrund abtauchte. Wie sich später herausstellt, wird Armitage von einer künstlichen Intelligenz namens Wintermute gesteuert, die Case für die Umsetzung ihrer Ziele benutzen will. Wintermute beabsichtigt, sich mit ihrem Gegenstück Neuromancer zu vereinigen, um eine Art Super-KI zu bilden, die die Beschränkungen der einzelnen KIs überwinden kann. Für Case wird diese Aufgabe zu einem Abenteuer, das ihn durch viele Städte führt und schließlich in der Orbitalstation Freeside endet, eine Art Las Vegas im Weltraum.

Am Ende gelingt die Vereinigung von Wintermute und Neuromancer, die eine neue digitale Lebensform innerhalb der Matrix bilden. Case erfährt, dass sie eine andere künstliche Intelligenz im Sternensystem Centauri entdeckt hat.

Gibson traf mit diesem Roman, der vor allem von der coolen Sprache, der Idee des Cyberspace und zahlreichen Gadgets lebt, den Nerv der Zeit. Er gewann mit Neuromancer nicht nur den Hugo, sondern auch den Nebula und den Philip K. Dick Award, doch nicht nur Science-Fiction-Leser waren begeistert. Die Auflage des Romans schoss in Millionenhöhe, und das TIME MAGAZINE nahm Neuromancer im Jahr 2005 in die Liste der »100 besten englischsprachigen Romane seit 1923« auf. Gibson prägte übrigens auch den Begriff »Cyberspace«, allerdings nicht erst in Neuromancer, sondern bereits in seiner Erzählung »Burning Chrome« (Juli 1982 in OMNI; dt. »Chrom brennt« bzw. »Chroms Ende«).

Bislang gab es eine ganze Reihe von Adaptionen des Werkes. 1988 erschien das Computerspiel Neuromancer, 1989 kam dann der gleichnamige Comic von Tom de Haven und Bruce Jensen heraus, und die BBC produzierte 2002 ein zweistündiges Hörspiel. Eine Verfilmung war mehrfach geplant, wurde jedoch immer wieder verworfen. Seit 2012 gibt es allerdings des Öfteren Meldungen, die darauf hindeuten, dass in den nächsten Jahren mit einer Verfilmung zu rechnen ist.

Obwohl Neuromancer der archetypische Cyberpunkroman ist und eine ganze Welle ähnlicher Werke auslöste, sollte es beinahe der einzige bleiben, der einen Hugo gewann.

Weitere Nominierungen:

David R. Palmer: Emergence

(1984 bei Bantam; nicht auf Deutsch)

Vernor Vinge: The Peace War

(4 Teile: Mai bis August 1984 in ANALOG; 1984 bei Bluejay; dt. Der Friedenskrieg, H 4565 und Deutscher Bücherbund)

Robert A. Heinlein: Job: A Comedy of Justice

(1984 bei Del Rey/Ballantine; dt. Das neue Buch Hiob, B 28132)

Larry Niven: The Integral Trees

(4 Teile: Oktober 1983 bis Januar 1984 in ANALOG; 1984 bei Del Rey/Ballantine; dt. Der schwebende Wald, B 22082)

 

Novella

John Varley: »Press Enter [ ]«

(Mai 1984 in ASIMOV’S; dt. »Terminal« in Donald A. Wollheim/Arthur W. Saha [Hrsg.]: World’s Best SF 4, B 24069; auch: »Drücke Enter« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Fernes Licht, H 2100)

Ein Mann namens Victor Apfel, Kriegsveteran des Koreakriegs im Ruhestand, erhält einen Anruf, bei dem ihn eine Bandansage dazu auffordert, in das Haus seines Nachbarn Charles Kluge zu gehen und »alles Nötige zu veranlassen«. Verunsichert geht Victor tatsächlich ins Nebenhaus und findet seinen Nachbarn, der sich anscheinend selbst eine Kugel in den Kopf geschossen hat. Er ruft die Polizei, die die mit Computern vollgestopfte Wohnung untersucht, jedoch aus der angehäuften Technologie und dem auf dem Bildschirm erscheinenden Abschiedsbrief nicht schlau wird. Die Polizei beauftragt die junge, asiatische Computerspezialistin Lisa damit, die Soft- und Hardware in Augenschein zu nehmen. Im Laufe der nächsten Wochen lernen sich Victor und Lisa näher kennen und Lisa erklärt ihm nach und nach, was man mit Computern alles anstellen kann. Und dabei ist das Hacken von Bankkonten und Datendiebstahl noch das geringste. Doch der verstorbene Kluge, von dem die Polizei annimmt, dass er ermordet wurde, muss sich noch mit anderen Dingen beschäftigt haben. Ein interessanter Absatz der Erzählung lautet: »… Und mit diesem Computer hier kann ich Millionen andere erreichen. Und dieses Netz ist noch größer als ein menschliches Gehirn, denn in diesem Netz stecken mehr Informationen, als die Menschheit in einer Million Jahre verarbeiten kann. Das Netz reicht von der Raumsonde Pioneer Zehn jenseits der Umlaufbahn Plutos bis hinein in jeden Haushalt, der über ein Telefon verfügt. Mit diesem Computer kann man sich tonnenweise Daten beschaffen, die gesammelt wurden, die aber bisher noch gar nicht begutachtet worden sind.«

Lisa äußert im Gespräch mit Victor, dass vernetzte Computer eine Intelligenz entwickeln könnten.

Victor leidet unter epileptischen Anfällen. Als er deswegen im Krankenhaus ist, stirbt Lisa plötzlich. Ihr Tod sieht nach Selbstmord aus, doch Victor glaubt nicht daran.

Am Ende der Geschichte bleibt offen, ob sich tatsächlich eine Computerintelligenz entwickelt hat oder ob womöglich ein Geheimdienst hinter den fingierten Selbstmorden steckt. Victor bleibt einsam und neurotisch zurück und lässt jegliche Technik aus seinem Haus entfernen.

Obwohl Varley hier auf fast prophetische Weise heutige Computernetzwerke beschreibt – man muss bedenken, dass diese Geschichte bereits im Mai 1984 erschien –, ist das Besondere dieser Erzählung nicht die technische, sondern die menschliche Komponente. Varley haucht seinen beiden Protagonisten echtes Leben ein, erzählt deren Biografien und erschafft eine glaubhafte Liebesgeschichte. Obwohl William Gibson stilistisch brillanter sein mag, so ist Varleys Geschichte lebensnaher und enorm lesenswert.

Weitere Nominierungen:

David Brin: »Cyclops«

(März 1984 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Joseph R. Delaney & Marc Stiegler: »Valentina«

(Mai 1984 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Charles L. Harness: »Summer Solstice«

(Juni 1984 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Geoffrey A. Landis: »Elementals«

(Dezember 1984 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Novelette

Octavia Butler: »Bloodchild«

(Juni 1984 in ASIMOV’S; dt. »Blutsbrut« in Donald A. Wollheim/Arthur W. Saha [Hrsg.]: World’s Best SF 4, B 24069, in Jonathan Gates [Hrsg.]: Die 20 besten SF-Stories, G 25029, »Blutsbande« in Friedel Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin 27, H 4294, in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Ikarus 2002, H 6390) 

Diese schwer zugängliche Geschichte erzählt vom komplizierten Zusammenleben Außerirdischer mit den Menschen. Die insektoiden Aliens sind den Menschen gar nicht ähnlich, so haben sie zum Beispiel Stachel und legen Eier.

Die Geschichte ist keine Science-Fiction-Erzählung im herkömmlichen Sinn. Die Autorin versucht aus dem Blickwinkel der Nichtmenschen zu erzählen, wobei diese stark vermenschlicht werden. Es wird nicht klar, wo die Geschichte stattfindet, wie es zu der gesellschaftlichen Konstellation gekommen ist oder welche Rolle die Menschen dabei tatsächlich spielen. Daher ist es möglich, dass viele Leser schnell das Interesse an der Geschichte verlieren und sich fragen, was die Autorin eigentlich bezweckte. Es ist anzunehmen, dass bei gleichen Nominierungen heute eine andere Geschichte den Preis gewonnen hätte.

Weitere Nominierungen:

Lucius Shepard: »The Man Who Painted the Dragon Griaule«

(Dezember 1984 in F&SF; dt. »Der Mann, der den Drachen Griaule bemalte« in Hans Joachim Alpers [Hrsg.]: Gefährten der Nacht, M 1821)

Timothy Zahn: »Return to the Fold«

(September 1984 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Connie Willis: »Blued Moon«

(Januar 1984 in ASIMOV’S; dt. »Blauer Mond-Tag« in Friedel Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin, 24. Folge, H 4178; auch »Geblauter Mond« in Willis: Brandwache, SL 660)

Hilbert Schenck: »Silicon Muse«

(September 1984 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Eric Vinicoff & Marcia Martin: »The Weigher«

(Oktober 1984 in ANALOG; dt. »Der Wäger« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: Entropie, H 4255)

Kim Stanley Robinson: »The Lucky Strike«

(1984 in Terry Carr [Hrsg.]: Universe 14, Doubleday; dt. »Lucky Strike« in Karl Michael Armer [Hrsg.]: Hiroshima soll leben!, H 4740; auch »Der Flug der Lucky Strike« in Robinson: Geschöpfe der Sonne, B 24104)

Short Story

David Brin: »The Crystal Spheres«

(Januar 1984 in ANALOG; dt. »Die Kristallhüllen« in Jonathan Gates [Hrsg.]: Die 20 besten SF-Stories, G 25029)

In sehr ferner Zukunft macht sich das bemannte Forschungsschiff Seeker auf, um das Sonnensystem zu verlassen und die nächsten Sterne zu erkunden. Doch am Rand des Sonnensystems zerschellt das Schiff an einer unsichtbaren Barriere, die sich als eine bisher unbekannte Kristallhülle herausstellt, die das ganze Sonnensystem umgibt. Die Kristallhülle platzt durch den Aufprall des Schiffs, was einen zweihundertjährigen Kometensturm verursacht. Die Menschheit ist lange Zeit damit beschäftigt, ihr Sonnensystem aufzuräumen.

Die Handlung der Geschichte beginnt rund zehntausend Jahre später. Man weiß inzwischen, dass alle Planetensysteme in der Milchstraße, die über Wasserplaneten verfügen, von Kristallhüllen umgeben sind. Der Erzähler erwacht aus einem langen Kälteschlaf und erfährt, dass eine unbemannte Sonde ein System mit einer zerschmetterten Kristallhülle entdeckt hat. Er wird auf die Expedition des Schiffs Pelenor berufen, die das neu entdeckte System erforschen soll. Der neue Planet wird Quest getauft, und man entdeckt Überreste einer fremden Zivilisation, den Nataral. Nach jahrelangen Forschungen und Studien der Hinterlassenschaften der Nataral findet man heraus, dass man die Kristallhüllen der Sterne nur von innen zerstören kann. Irgendjemand muss die Hüllen installiert haben, damit sich die Lebensformen in den jeweiligen Sternensystemen unbeeinflusst von anderen entwickeln können und damit sich keine aggressive Spezies unkontrolliert in der Milchstraße ausbreiten kann. Die Nataral haben sich offenbar einsam gefühlt und sind in die Nähe eines schwarzen Lochs geflohen, wo die Zeit nahezu still steht, um auf andere Zivilisationen zu warten, die vielleicht im Laufe der Jahrmillionen ihre eigenen Systeme verlassen.

Brins Ideengeschichte ist eine spekulative Antwort auf das Fermi-Paradoxon, das die Wahrscheinlichkeit intelligenten außerirdischen Lebens hinterfragt. Aufgrund des Alters des Universums und der hohen Anzahl an Sternen müsste Leben auch außerhalb der Erde verbreitet sein, und wir müssten Anzeichen davon finden können. Brins Kristallhüllen wären eine schlüssige Antwort auf Fermis Fragestellung.

Weitere Nominierungen:

George Alec Effinger: »The Aliens Who Knew, I Mean, Everything«

(Oktober 1984 in F&SF; dt. »Die Außerirdischen, die einfach alles wußten« in Ronald M. Hahn [Hrsg.]: The Magazine of Fantasy and Science Fiction, 73. Folge: Der Zeitseher, H 4265, auch »Die Alleswisser« in Donald A. Wollheim/Arthur W. Saha [Hrsg.]: World’s Best SF 4, B 24069)

Lucius Shepard: »Salvador«

(April 1984 in F&SF; dt. »Salvador« in Donald A. Wollheim/Arthur W. Saha [Hrsg.]: World’s Best SF 4, B 24069)

Lee Killough: »Symphony for a Lost Traveler«

(März 1984 in ANALOG; dt. »Sinfonie für einen Sternenwanderer« in Wolfgang Jeschke [Hrsg.]: L wie Liquidator, H 4410)

Kim Stanley Robinson: »Ridge Running«

(Januar 1984 in F&SF; dt. »Die Gratwanderung« in Ronald M. Hahn [Hrsg.]: The Magazine of Fantasy and Science Fiction, 72. Folge: Der Drachenheld, H 4208, auch »Gratwanderung« in Robinson: Geschöpfe der Sonne, B 24104)

Steven Gould: »Rory«

(April 1984 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Non-Fiction

Jack Williamson: Wonder’s Child: My Life in Science Fiction

(1984 bei Bluejay; nicht auf Deutsch)

Jack Williamson (1908–2006) gehört zu den wichtigsten Autoren der frühen Magazin-SF in den USA, und er ist einer der Väter der Space Opera. Er ist in einfachen Verhältnissen auf dem Land in Arizona, Texas und New Mexico aufgewachsen. Bereits 1927 beschloss er, Autor zu werden, lieh sich eine Schreibmaschine und tippte die ersten Geschichten. Nach mehreren Absagen wurde seine erste Erzählung »The Metal Man« im Dezember 1927 in AMAZING STORIES veröffentlicht. In den dreißiger Jahren wurde Williamson zu einem der beliebtesten und meistgedruckten Autoren in den SF-Pulps. In den fünfziger Jahren studierte er Englisch an der Eastern New Mexico University und promovierte 1964 über das Werk von H. G. Wells. Ab 1969 war er Professor für Literaturwissenschaft und publizierte seine Vorträge und Aufsätze, woraus die Science Fiction Research Association entstand, bei der noch heute die Zeitschrift SCIENCE FICTION STUDIES erscheint. Nach seiner Emeritierung war er für zwei Jahre Präsident der Schriftstellervereinigung Science Fiction Writers of America. Williamson veröffentlichte bis kurz vor seinem Tod Erzählungen und Romane und hatte mit insgesamt 78 Jahren (1927–2005) die wohl längste Autorenkarriere auf dem Gebiet der Science Fiction. Es gelang ihm über die vielen Jahrzehnte hinweg, sich dem Stil und den Themen der aktuellen SF anzupassen; seine wichtigsten Werke entstanden jedoch überwiegend zu Beginn seiner Karriere: The Legion of Space (6 Teile; April bis September 1934 in ASTOUNDING; Buchausgabe 1947; dt. Wächter des Alls), The Legion of Time (3 Teile; Mai bis Juli 1938 in ASTOUNDING; Buchausgabe 1952; dt. Die Zeitlegion), The Humanoids (unter dem Titel »… and Searching Mind« drei Teile; Februar, April und Mai 1948 in ASTOUNDING; leicht erweiterte Buchausgabe 1949; dt. Wing 4) und Darker Than You Think (Dezember 1940 in UNKNOWN; erweiterte Buchausgabe 1948; dt. Geschöpfe der Finsternis bzw. Die Herrscher der Nacht). Williamson wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Nebula Grand Master Award und dem World Fantasy Award für sein Lebenswerk. Im Alter von 93 Jahren erhielt er einen weiteren Hugo Award für die Novelle »The Ultimate Earth« (Dezember 2000 in ANALOG; dt. Kapitel 4 in Die Endzeit-Ingenieure).

In seiner Autobiografie Wonder’s Child erzählt er vor allem von seinem Werdegang als Autor, aber auch von ausgedehnten Reisen und zahlreichen interessanten Bekanntschaften, die er im Laufe seines Lebens machte. 2005 erschien eine um neunzig Seiten erweiterte Version von Wonder’s Child, die auch Williamsons Erinnerungen an den Zeitraum von 1984 bis 2005 enthält.

Weitere Nominierungen:

Patti Perret: Faces of Science Fiction

(1984 bei Bluejay; nicht auf Deutsch)

Harlan Ellison: Sleepless Nights in the Procrustean Bed

(1984 bei Borgo; nicht auf Deutsch)

George Turner: In the Heart or In the Head

(1984 bei Norstrilia Press; nicht auf Deutsch)

Willis McNelly: Dune Encyclopedia

(1984 bei Berkley/Putnam; dt. in zwei Bänden: Der Wüstenplanet – Enzyklopädie: Der autorisierte Führer zu Frank Herberts phantastischem Meisterwerk, H 4142 und H 4143)

Dramatic Presentation

2010 – The Year We Make Contact

(MGM; Drehbuch und Regie Peter Hyams; basiert auf dem gleichnamigen Roman von Arthur C. Clarke; dt. 2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen)

Dieser Spielfilm ist die Fortsetzung von 2001: Odyssee im Weltraum, den Stanley Kubrick 1968 drehte. Er basiert auf dem Roman 2010: Odyssey Two (1982; dt. Odyssee 2010: das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen) von Arthur C. Clarke, wobei für das Drehbuch einige Änderungen an der Handlung vorgenommen wurden.

Wie der Titel des Film bereits verrät, beginnt die Handlung neun Jahre nach den Ereignissen des ersten Films. Sowohl die Sowjetunion als auch die USA bereiten jeder für sich bemannte Flüge Richtung Jupiter vor, um den rätselhaften Monolithen zu erkunden und nach dem Raumschiff Discovery zu suchen, um herauszufinden, was tatsächlich im Jahr 2001 passiert ist. Doch die Discovery droht auf den Jupitermond Io abzustürzen, und da die Amerikaner mit dem Bau ihres Schiffes nicht rechtzeitig genug fertig werden, wird eine gemeinsame Mission von Russen und Amerikanern mit dem Raumschiff Leonow gestartet. Das Verhältnis der beiden Mannschaften ist aufgrund der politischen Verhältnisse auf der Erde zunächst angespannt, doch man nähert sich bald an und lernt einander zu schätzen.

In der Umlaufbahn des Jupitermondes Io angekommen, fliegen zwei Astronauten hinüber zum verlassenen Raumschiff Discovery, und es gelingt ihnen, die Bordsysteme wieder betriebsbereit zu machen. Beide Raumschiffe fliegen in die Nähe des Monolithen zwischen Jupiter und Io. Einer der Astronauten startet mit einer Sonde zum Monolithen, doch es kommt zu einer Energieentladung, und die Sonde verschwindet.

Währenddessen kann Dr. Chandra den Bordcomputer HAL 9000 wieder reaktivieren und findet heraus, dass dessen Fehlverhalten während der ersten Mission darauf zurückzuführen ist, dass er aufgrund seiner Programmierung der Besatzung Informationen vorenthalten musste, was damals dazu führte, dass er bis auf Bowman die gesamte Besatzung der Discovery getötet hat. Dr. Floyd erhält von HAL die Nachricht, die angeblich von dem verschollenen Astronauten Bowman stammt, dass die beiden Raumschiffe das Jupitersystem innerhalb von zwei Tagen verlassen müssen. Schließlich erscheint auch eine Art Geist von Bowman, der diese Nachricht wiederholt.

Die Astronauten nehmen die Warnung ernst, zumal der Monolith seine Position ändert und in die Atmosphäre des Jupiter eintaucht. Die Astronauten können während ihrer Flucht beobachten, wie der Jupiter schrumpft und schließlich zu einem neuen Stern wird. Durch HAL wird die Nachricht zur Erde gesendet: »All diese Welten sind euer – außer Europa. Versucht nicht, dort zu landen. Nutzt sie gemeinsam. Nutzt sie in Frieden.«

Die Menschheit auf der Erde hat nun ein neues, gemeinsames Ziel, das hoffentlich zum Frieden zwischen den Großmächten führen wird. Durch die Wärme des neuen Sterns bildet sich auf dem Mond Europa neues Leben.

Peter Hyams’ Film hat nicht die Erhabenheit und Bildgewalt von Stanley Kubricks Vorgänger, auch wenn Hyams viele Elemente von Kubrick übernommen hat. Dennoch ist es ein solider, wenn auch etwas zu lang geratener Science-Fiction-Film, der weitgehend die Ideen und Stimmungen der Romanvorlage einfängt.

Weitere Nominierungen:

Ghostbusters

(Black Rhino/Columbia; Drehbuch Dan Aykroyd & Harold Ramis; Regie Ivan Reitman; dt. Ghostbusters – Die Geisterjäger)

Star Trek III: The Search for Spock

(Cinema Group/Paramount; Drehbuch Harve Bennett; Regie Leonard Nimoy; dt. Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock)

Dune

(De Laurentiis/Universal; Drehbuch und Regie David Lynch; basiert auf dem gleichnamigen Roman von Frank Herbert; dt. Der Wüstenplanet)

The Last Starfighter

(Lorimar/Universal; Drehbuch Jonathan R. Betuel; Regie Nick Castle; dt. Starfight)

Professional Editor

Terry Carr

Die Hugo Awards 1985: Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards 1985: Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards 1985: Das waren die Gewinner

Nach zehn Nominierungen (seit 1973) in der Rubrik ›Best Professional Editor‹ wurde Terry Carr (1937–1987) diesmal endlich gewählt. Nachdem er seine Zusammenarbeit mit Ace Books wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Management beendet hatte, gab er zwei hochkarätige Anthologiereihen heraus, die in der SF-Welt große Beachtung fanden. Dabei handelte es sich zum einen um THE BEST SCIENCE FICTION OF THE YEAR (erschienen von 1973 bis 1987) und die ebenfalls jährlich erschienene Anthologieserie UNIVERSE (17 Bände von 1971 bis 1987). Beide Serien wurden nach Carrs überraschend frühem Tod eingestellt.

In The Best Science Fiction of the Year #13 (1984) waren unter anderem Erzählungen von Frederik Pohl, Ian Watson, Connie Willis, Robert Silverberg, John Sladek und Michael Bishop enthalten. Universe 14 (1984) enthielt Texte von Kim Stanley Robinson, Robert Silverberg, Damon Knight, Pat Murphy, Gregory Benford, Lucius Shepard und anderen.

Darüber hinaus gab er 1984 gemeinsam mit Martin H. Greenberg und Isaac Asimov den Band 100 Great Fantasy Short Short Stories heraus.

Weitere Nominierungen:

Stanley Schmidt
Shawna McCarthy
Edward L. Ferman
George Scithers

Professional Artist

Michael Whelan

Whelan hatte schon seit einigen Jahren einen Status als Titelbildkünstler erreicht, mit dem er sich die Autoren aussuchen konnte, deren Buchumschläge er gestaltete. Seinen inzwischen sechsten Hugo als bester professioneller Künstler erhielt er unter anderem für die Bilder zu Job: A Comedy of Justice von Robert A. Heinlein, The Final Encyclopedia von Gordon R. Dickson, The Robots of Dawn von Isaac Asimov und Black Star Rising von Frederik Pohl.

Weitere Nominierungen:

Vincent Di Fate
Val Lakey Lindahn
Barclay Shaw
Tom Kidd

Semiprozine

LOCUS (Charles N. Brown)

Locus hatte bereits neunmal den Hugo gewonnen, seit 1971 achtmal in der Rubrik ›Best Fanzine‹ bzw. ›Best Amateur Magazine‹ und einmal in der 1984 geschaffenen neuen Rubrik ›Best Semiprozine‹. Und das auch zurecht, denn der Herausgeber Charles N. Brown sorgte dafür, dass sein Magazin die neuesten und interessantesten Informationen über den Buchmarkt, Neuerscheinungen und Veranstaltungen brachte und dass seine meist sehr prominenten Gastautoren über die Themen berichteten, die die SF-Szene im Moment bewegten.

1984 erschienen 12 Ausgaben mit jeweils 44 bis 60 Seiten. Der sowjetische Autor Vladimir Gakov veröffentlichte zum Beispiel einen Mehrteiler mit dem Titel »Soviet Science Fiction: The Golden Age«, und es erschienen Interviews mit C. J. Cherryh, Brian W. Aldiss, Christopher Priest, James White, Jim Burns, Harlan Ellison, Ursula K. Le Guin, Jack Vance und J. G. Ballard. Gastautoren waren zum Beispiel Fritz Leiber, Terry Carr, Spider Robinson und Norman Spinrad. Die Rezensionen wurden von Faren Miller, Dan Chow und Debbie Notkin geschrieben, und es gab Briefe von Piers Anthony, Damon Knight, L. Sprague de Camp, John Brunner und vielen anderen.

Weitere Nominierungen:

SCIENCE FICTION CHRONICLE (Andrew I. Porter)
SCIENCE FICTION REVIEW (Richard E. Geis)
No Award
WHISPERS (Stuart David Schiff)
FANTASY REVIEW (Robert A. Collins)

Fanzine

FILE 770 (Mike Glyer)

Mike Glyers bereits 1979 gegründetes Fanzine FILE 770 wurde häufig für den Hugo nominiert und hatte ihn 1984 zum ersten Mal gewonnen.

Glyer berichtete in FILE 770 über Fanclubs, Conventions, fannische Projekte, einzelne Fan-Persönlichkeiten, andere Fanzines und Preisverleihungen. Darüber hinaus schrieb er auch für andere Fanzines Artikel und Conberichte.

Weitere Nominierungen:

RATAPLAN (Leigh Edmonds)
ANSIBLE (Dave Langford)
No Award
MYTHOLOGIES (Don D’Ammassa)
HOLIER THAN THOU (Marty & Robbie Cantor)

Fan Writer

David Langford

David Langford, der meist Dave Langford genannt wird, war bereits von 1979 bis 1984 jedes Jahr als ›Best Fan Writer‹ nominiert, aber 1985 konnte er seinen ersten Hugo in den Händen halten. Langford kann bis heute die meisten Nominierungen in der Geschichte des Hugos für sich verbuchen, und er hat auch die meisten Hugos gewonnen, ebenso viele wie LOCUS-Herausgeber Charles N. Brown.

Der 1953 geborene britische Kritiker, Herausgeber und Fan hat zwar auch eine Handvoll Romane und eine größere Anzahl Kurzgeschichten geschrieben, bekannt ist er jedoch für seine Fanaktivitäten und seine eigenen Fanzines, insbesondere das vielfach ausgezeichnete ANSIBLE (siehe 1987). Aber er schrieb auch für zahlreiche andere Fanzines und einige Magazine wie INTERZONE oder SFX.

1984 erschienen sein Romandebüt The Leaky Establishment (bei Frederick Muller Ltd), das gemeinsam mit Charles Platt verfasste Sachbuch Micromania: The Whole Truth About Home Computers (bei Gollancz) sowie eine Handvoll Kurzgeschichten, von denen es »The Thing in the Bedroom« sogar in The Year’s Best Horror Stories: Series XIII (Hrsg. von Karl Edward Wagner bei DAW Books) geschafft hat. Ein Dutzend kritische Kolumnen erschienen unter dem Titel »Critical Mass« bzw. »Critical Hits« in den Magazinen WHITE DWARF und GAMESMASTER. Langford war ein fleißiger Autor und schrieb auch weitere Rezensionen und Artikel für andere Fanzines außer seinem eigenen, überwiegend selbst verfassten ANSIBLE.

Weitere Nominierungen:

Leigh Edmonds
Richard E. Geis
Mike Glyer
No Award
Arthur D. Hlavaty

Fan Artist

Alexis Gilliland

Gillilands vierter und letzter Hugo wurde ihm hauptsächlich für seine zahlreichen Cartoons in FANTASY REVIEW verliehen, die in jeder Ausgabe des Jahres 1984 erschienen sind.

Weitere Nominierungen:

Brad W. Foster
Joan Hanke-Woods
Bill Rotsler
Stu Shiffman
No Award
Steven Fox

Campbell Award

Lucius Shepard

Der US-Amerikaner Lucius Shepard (1943–2014) hatte bereits als Kind einige Erzählungen veröffentlicht, sein erstes Buch war das lange Gedicht Cantata of Death, Weakmind & Generation (1967). Seine erste SF-Erzählung war »The Taylorsville Reconstruction« (1983 in Universe 13, hrsg. von Terry Carr). Von den sechziger bis in die achtziger Jahre war er viel auf Reisen, und so spielten viele seiner frühen Erzählungen in Mittelamerika. Allein 1984 erschienen acht Erzählungen in unterschiedlichen Magazinen und Anthologien. Hauptsächlich sorgte jedoch der Roman Green Eyes (1984; dt. Grüne Augen) für die entsprechende Aufmerksamkeit bei den Lesern. Die Wähler des Campbell Awards haben sich nicht getäuscht, denn auch später sollten noch viele wichtige Werke von ihm erscheinen. Leider wurden von Shepards zwölf Romanen nur fünf ins Deutsche übersetzt, darunter allerdings so wichtige Bücher wie Life During Wartime (1987; dt. Das Leben im Krieg), Kalimantan (1990; dt. Kalimantan) oder A Handbook of American Prayer (2006; dt. Ein Handbuch amerikanischer Gebete). Von seinen rund 100 Erzählungen schaffte es zumindest ein Drittel nach Deutschland. Shepard erhielt für seine Texte über 160 Nominierungen für alle wichtigen Genrepreise, gewann einen Hugo, einen Nebula, zwei World Fantasy Awards, acht Locus Awards und einmal den Kurd Laßwitz Preis.

Weitere Nominierungen:

Melissa Scott
Geoffrey A. Landis
No Award
Elissa Malcohn
Bradley Denton
Ian McDonald

 

 

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Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 1985-2000” (erschienen 2016 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Genau diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. 

 

© 2016 by Hardy Kettlitz

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