Kolumne von Stephen H. Segal: Die Weisheit der Nerds: Powerpuff Girls

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Powerpuff Girls


Geek-Frauen – also echte Geek-Frauen und nicht die übersexualisierten Phantasiegeschöpfe der Geek-Männer – sind wahrhaft außergewöhnliche Wesen. Wie könnten sie sonst Tag für Tag dem Sexismus der Gesellschaft trotzen, der Frauen auf ihr Äußeres reduziert? Geek-Frauen spielen da nicht mit, sondern fordern Anerkennung für ihre geistigen Leistungen. Sie wollen für ihr Leetspeak in Games bewundert werden, für klug geschriebenen Code und für stabile Konstruktionsentwürfe. Mit anderen Worten: Sie unterscheiden sich kaum von männlichen Geeks. Umso unangenehmer ist es, wenn sie ein Videospiel starten oder ein Comic-Heft zur Hand nehmen – und dabei auf weibliche Charaktere mit BH-Größe 44F und mit solch schmalen Taillen stoßen, dass dazwischen unmöglich funktionierende Organe sitzen können. Genau deshalb sind die Powerpuff Girls so beißend ironisch: Sie sehen nicht aus wie Menschen, sie haben nicht die gleichen Proportionen wie die anderen Figuren des Comics, ja, sie haben nicht mal Finger und Zehen. Sie sind sozusagen der jugendliche Zerrspiegel des Lustobjekts Frau. Und sie vermöbeln Vollidioten und Monster, passen aufeinander auf und machen die Welt zu einem lebenswerteren Ort – allerdings nur für die paar Menschen, die die Girls als Individuen wahrnehmen und als Persönlichkeiten schätzen.


Powerpuff Girls lief in den USA sechs Jahre, von 1998 bis 2004 – im April wurde die Serie sogar rebooted.


Die nächste Weisheit zur Wochenmitte gibt es wieder am kommenden Mittwoch. Dann erwartet euch eine neue nerdige Erkenntnis aus Stephen H. Segals Buch "Die Weisheit der Nerds".

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

Copyright © 2011 by Quirk Productions, Inc.
All rights reserved.
First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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