Kolumne von Stephen H. Segal: Die Weisheit der Nerds: Steven Wright

© Mario Zucca

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Steven Wright


Stand-up-Comedians stehen nicht einfach nur ein paar Nächte pro Woche auf der Bühne. Sie stehen auch permanent abseits des menschlichen Treibens. Wir stellen uns professionelle Spaßmacher immer als ganz eigene Sorte Mensch vor. In Wirklichkeit ähneln sie den Autoren, Romanschriftstellern oder Nachrichtenreportern. Sie betrachten die Dinge aus der Distanz, nur um uns im nächsten Moment mit ihren schonungslosen Beobachtungen aus der Reserve zu locken. Steven Wright verkörpert diese emotionale Distanz wie kein Zweiter. Erst murmelt er einen Zehn-Sekunden-Witz nach dem anderen vor sich hin – mit einer Stimme, die weit entfernt, gedämpft, fast schon roboterhaft klingt. Doch wenn er dann den Witz mit den Tarotkarten erzählt, ändert er bei der Pointe überraschend seine Stimmlage – so, als wolle er damit sagen: Hey, das ist ja gar nicht alles graue Theorie, ich bin ja wirklich mit der Welt verbunden! Ich bin wie ihr! Gerade in Zeiten von Facebook & Co., in denen unsere Mitmenschen manchmal nicht mehr sind als ein Name und ein briefmarkengroßes Foto auf einem Bildschirm, sollten wir uns daran erinnern, dass hinter den bunten Bildern echte menschliche Schicksale stecken.

 

Tarotkarten bilden den mythischen Kern von Promethea, einer Science-Fantasy-Serie des Comic-Autors Alan Moore (1999). Sie handelt von einer Superheldin, die allein durch die Vorstellungskraft eines Erzählers herbeibeschworen wird.


Die nächste Weisheit zur Wochenmitte gibt es wieder am kommenden Mittwoch. Dann erwartet euch eine neue nerdige Erkenntnis aus Stephen H. Segals Buch "Die Weisheit der Nerds".

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

Copyright © 2011 by Quirk Productions, Inc.
All rights reserved.
First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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