Kolumne von Stephen H. Segal: Die Weisheit der Nerds: Drittes Clarkesches Gesetz

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Drittes Clarkesches Gesetz


Eines Tages wird man auf die Geschichte der Menschheit zurückblicken und erkennen, dass der Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke einer der größten Visionäre des 20. Jahrhunderts gewesen ist (mal ganz abgesehen davon, dass er bereits 1945 als Erster die Idee für ein modernes Satellitenkommunikationsnetz hatte – und das nicht etwa in einem Roman, sondern ganz offiziell in einer technischen Abhandlung).

Das Postulat des Dritten Clarkeschen Gesetzes sollte Atheisten wie auch Gläubige daran erinnern, ihre Weltbilder mit der nötigen Bescheidenheit zu vertreten. Nur mal angenommen, man könnte in der Zeit zurückreisen und mit einem Helikopter vor einer Gruppe Babylonier landen: Würden sie nicht denken, man wäre ein Gott oder ein Magier?

Daraus lassen sich zwei Schlüsse ziehen, wobei der erste recht naheliegt: Dinge, die magisch erscheinen, sind nicht übernatürlich, sondern beruhen auf Wissen, das sich dem Betrachter entzieht. Der zweite Punkt wird allzu oft vernachlässigt: Eine große Menge Wissen liegt zu jedem beliebigen Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte – also auch heutzutage – noch im Verborgenen. Das Dritte Clarkesche Gesetz fasst den Klassiker 2001 in gerade mal zehn Worten zusammen: Wir haben zwar wissenschaftliche Wunder vollbracht, sind aber nach kosmischen Maßstäben noch Kleinkinder. Dass wir glauben, wir könnten die Frage nach der letztgültigen Begründung unserer Existenz ein für alle Mal beantworten, ist so amüsant wie absurd.

 

 

In den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts formulierte Clarke drei Gesetze, die die Zukunft vorhersagten. Das dritte beschäftigt die Phantasie der Menschen besonders stark und wird gemeinhin auch einfach als „Clarkesches Gesetz“ bezeichnet.


Die nächste Weisheit zur Wochenmitte gibt es wieder am kommenden Mittwoch. Dann erwartet euch eine neue nerdige Erkenntnis aus Stephen H. Segals Buch "Die Weisheit der Nerds".

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

Copyright © 2011 by Quirk Productions, Inc.
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First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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