Kolumne von Stephen H. Segal: Die Weisheit der Nerds

KOLUMNE

Die Brautprinzessin


Warum ist Die Brautprinzessin besonders bei Frauen so beliebt? Hier mal eine These: Weil der Held, Westley, die Rolle des stürmisch-romantischen Abenteurers genauso gut spielt wie die des hingebungsvollen, ja manchmal fast schon pantoffelheldartigen Verlobten. Butterblume kennt ihn zunächst nur als servilen Bauern, der auf all ihre Anfragen mit „Wie du wünschst“ antwortet. Natürlich hätte jede Frau gerne einen solch ergebenen Diener, und dass der von Butterblume so eifrig und gutaussehend ist, gefällt ihr natürlich ausgezeichnet. Westley aber weiß, dass er unabhängig werden muss, bevor sie heiraten können – andernfalls wird ihn seine Liebste nie wirklich respektieren. Also zieht er von dannen und kehrt erst wieder zurück, als sich seine Großtaten längst in der Welt herumgesprochen haben. Butterblume dagegen kann kaum glauben, dass dieser Obermacho ihr Bauernjunge von früher ist – bis sie begreift, dass er immer noch alles für sie tun würde. Sich ganz in die Hände eines anderen zu begeben ist ein überwältigendes Geschenk. Damit Vertrauen und Respekt gedeihen können, muss das Ganze auf völliger Wechselseitigkeit beruhen. Sonst entsteht ein Machtungleichgewicht, das zu nichts Gutem führen kann – siehe King Kong und Ann Darrow. Butterblume und Westley aber führten eine wirklich vertrauensvolle Beziehung, aus der schließlich das erwuchs, was man als „wahre Liebe“ bezeichnet.


Die nächste Weisheit zur Wochenmitte gibt es wieder am kommenden Mittwoch. Dann erwartet euch eine neue nerdige Erkenntnis aus Stephen H. Segals Buch "Die Weisheit der Nerds".

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

Copyright © 2011 by Quirk Productions, Inc.
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First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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