Kolumne von Stephen H. Segal: Die Weisheit der Nerds

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Lost, Einer von ihnen


Die TV-Serie Lost überlebte sechs reichlich verworrene Staffeln und gedieh dabei prächtig – indem sie die Zuschauer dazu brachte, festgefahrene Vorstellungen von „uns“ und „denen“ zu hinterfragen. Keine Figur aus der Serie demonstriert das besser als Sayid Jarrah. Der Iraker. Der Muslim. Der selbst erklärte „Folterer“. Zwar hat uns eine manichäische Medienkultur darauf getrimmt, eine Figur wie Sayid zu hassen und zu fürchten. Doch im Lauf der Serie lernten wir auch Sayid den Techniker, Sayid den Kämpfer, Sayid den Liebhaber und Sayid den Dichter kennen. Diese unterschiedlichen Facetten von Sayids Persönlichkeit zeigen, wie fließend die menschliche Identität sein kann, Begriffe wie „wir“ und „die“ sind letztlich nur willkürliche Zuschreibungen. Die Figur des Sayid gewann durch ihre Komplexität universelle Gültigkeit: Es entstand das Porträt eines Individuums, das gegen seine inneren Dämonen kämpft und versucht, das Richtige zu tun. Mit anderen Worten: Sayid ist wie wir.

 

Eine persönliche Bitte des Autors: Schaut euch Lost an, wenn ihr das noch nicht getan habt ... aber bitte nur die ersten paar Staffeln. Wenn ihr keine Masochisten seid, meidet den Rest. Ihr würdet es bereuen. Wirklich.


Die nächste Weisheit zur Wochenmitte gibt es wieder am kommenden Mittwoch. Dann erwartet euch eine neue nerdige Erkenntnis aus Stephen H. Segals Buch "Die Weisheit der Nerds".

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

Copyright © 2011 by Quirk Productions, Inc.
All rights reserved.
First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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