Neue Science-Fiction-Bücher

Foto: Greg Rakozy Spiral Jetty USA Unsplash

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Neue Science-Fiction-Bücher im Juni: Lesetipps aus der Buchhandlung Otherland


Braucht ihr Lese-Nachschub aus der Science Fiction? Hier sind frische Sci-Fi-Buchtipps aus der Berliner Fantasy und Science Fiction Buchhandlung Otherland

Mike Brooks - Keiko 1: Dark Run

Ichabod Drift und seine kleine Crew aus abgefahrenen Spezialisten sind Geistesverwandte von Han Solo: Sie fliegen durch das All und bewegen sich dabei meist nicht ganz auf der Sonnenseite von Recht und Gesetz. Ein besonders geheimnisvoller und lukrativer Auftrag führt sie zur Alten Erde, doch es läuft alles ganz gehörig anders als geplant. Da ist es gut, dass der Schmugglercaptain eine so fähige Crew hat, die ihn auch noch aus den haarigsten Situationen wieder rausboxt. Dummerweise kommt die Crew genau im brenzligsten Moment des »Dark Run« hinter das Geheimnis von Drifts reichlich dunkler Vergangenheit, und so droht ihm auch noch eine Meuterei. Verkrachte Typen, die mit viel Krach, aber auch Charme und Chuzpe durch die Sonnensysteme heizen und für den ein oder anderen Twist gut sind. Das ergibt am Ende eine sehr launige Lektüre, und die Figuren hätten auch die Serenity bemannen können, wenn die Originalmannschaft mal eine Auszeit gebraucht hätte. 

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Kim Stanley Robinson - New York 2140

Die Klimakatastrophe hat in zwei großen Wellen so richtig zugeschlagen, und zu den Städten, die dabei zumindest teilweise unter den Meeresspiegel abgesunken sind, gehört New York. Das hält die New Yorker natürlich nicht davon ab, die legendäre Metropole weiter zu bewohnen.Als Angelpunkt für seine Porträt des des abgesoffenen New York nimmt Robinson die Bewohner des halb unter Wasser stehenden Met Life Towers am Madison Square. Wie gewohnt politisch erzählt er durch sie Geschichten über Migration und Reichtumsgefälle, über Wohnraumkämpfe und Gentrifizierung, über ein irrwitziges Finanz- und Wirtschaftssystem und über sich wandelnde Ökologien. Bezeichnenderweise kann man über New York 2140 im Internet sowohl lesen, dass es Robinsons bisher pessimistischster Roman sei als auch sein optimistischster. Ich tendiere zu letzterer Einschätzung, und sei es nur, weil das Menschenbild, das Robinson mit den Figuren zeichnet, ein zutiefst humor- und hoffnungsvolles ist - mögen die Systeme, die diese Menschen sich erschaffen haben, auch noch so bescheuert sein ...

Annalee Newitz - Autonom

Die Pharmapiration Judith Chen baut patentierte Medikamente für den Schwarzmarkt nach, Militäragent Eliasz macht zusammen mit seiner künstlichen Intelligenz Paladin Jagd auf sie - und mit Zacuity ist eine ganz neue heiße Droge auf dem Markt, die die Menschen arbeitssüchtig bis in den Tod macht ... Der Debütroman der io9-Redakteurin und Sachbuchautorin (Scatter, Adapt and Remember) ist eine Dystopie über ein perverses Gesundheitssystem und eine Geschichte über Bewusstsein und Rechte künstlicher Intelligenz. Seit den besten Büchern von William Gibson, Neal Stephenson und John Brunner ist die Gegenwart wohl nicht mehr so gut mit den Mitteln der SF auf den Punkt gebracht worden. 

Cory Doctorow - Walkaway

Und noch einmal eine durch den Klimawandel radikal veränderte Welt ... aber Doctorow wagt das mindestens ungewöhnliche und schreibt tatsächlich von der unerwarteten - und unerwartet glaubwürdigen - Entwicklung hin zu einer gesellschaftlichen Utopie. Nachdem die Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel dank 3D-Printing und ähnlicher Technologien endlich in den Händen jeder und jedes Einzelnen liegt, entschließen sich immer mehr Menschen, die alte, kaputte Gesellschaft einfach hinter sich zu lasen ... und wegzugehen. Walkaway vollendet für diesen Newsletter die trinität der Romane, die man lesen sollte, wenn man sich dafür interessiert, was gerade so im Allgemeinen los ist in der Welt. 


Geschrieben von Otherlander Jakob Schmidt und Simon Weinert.

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