Shadowrun returns  Alte und neue Romane in der 6. Welt

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Shadowrun returns – Neue deutsche Romane in der 6. Welt


Shadowrun ist eines der bekanntesten Pen&Paper-Rollenspiele der Welt. Seit diesem Frühjahr dürfen sich auch deutsche Romanautoren wie Mike-Krzywik Groß und Bernd Perplies bei Shadowrun austoben. Henning Mützlitz über die neuen Romane in der 6. Welt.

Die Mischung aus Cyberpunk und Fantasy lockt seit 1989 Scharen von Spieler/innen in die neonbeleuchteten Straßenschluchten von Seattle, London oder Berlin, wo sie sich mit Straßengangs, übernatürlichen Phänomenen und brutalen Konzernen herumschlagen müssen. Genauso spannend und nicht minder erfolgreich waren die Romane, die der 6. Welt weitere Facetten hinzufügten – und die seit letztem Jahr auch wieder in Deutschland erscheinen.

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Nachdem das 1988 erschienene Rollenspiel Cyberpunk 2020 sehr direkt auf die Hintergrundwelt von William Gibsons „Neuromancer“ zurückgegriffen hatte, übernahm Shadowrun ebenfalls viele Ideen des Cyberpunk-Pioniers, wie zum Beispiel die „Megaplex“ genannten urbanen Moloche, globale MegaKonzerne als Quasi-Staaten, den Transhumanismus mit den „Cyberware“ genannten Körpermodifikationen oder die Matrix als virtuelle Realität, um nur die wichtigsten Einflüsse zu nennen. Kombiniert wurde das Ganze mit den Fantasyelementen einer „erwachten Welt“, in der Völker wie Zwerge, Elfen, Orks und Trolle als so genannte „Metamenschen“ wiederkehren, Drachen ganze Großkonzerne leiten, Magie praktiziert wird und die Geheimnisse eines untergegangenen Zeitalters der Erde darauf warten, entdeckt zu werden.

Doch es blieb nicht beim Pen&Paper: Schon ein Jahr nach der Lancierung des Rollenspiels legte man 1990 die von FASA- und WizKids-Gründer Jordan Weisman herausgegebene Anthologie „Into the Shadows“ vor, die das Shadowrun-Universum um stimmungsvolle Kurzgeschichten erweiterte. Danach startete man mit der Trilogie „Geheimnisse der Macht“ („Secrets of Power“) von Robert N. Charrette den Auftakt für eine langjährige Romanreihe, die ein Jahr später auch in Deutschland bei Heyne veröffentlicht wurde. Charrette gehörte zu den Mitbegründern von Shadowrun, hatte bereits innerhalb der erfolgreichen Romanreihe zum Tabletopspiel Battletech veröffentlicht und trug insgesamt fünf Romane zu Shadowrun bei.

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Die ersten neun Romane auf dem hiesigen Markt waren Übersetzungen der Originalreihe, jedoch emanzipierte man sich in Deutschland bald ein wenig vom US-amerikanischen Lizenzgeber: Mit Erscheinen der zweiten Rollenspieledition von Shadowrun erweiterte die Redaktion von Fantasy Productions das Regelwerk um nicht weniger als 80 Seiten und inkludierte in „Shadowrun V2.01D“ Stimmungstexte und weiteren Hintergrund für das Spiel in der „Allianz Deutscher Länder“, dem Deutschland des Jahres 2053. Begleitend dazu erschien auch die erste Romantrilogie eines deutschen Autors: Die „Deutschland in den Schatten“-Trilogie von FanPro-Mitbegründer und SF-Urgestein Hans-Joachim Alpers. Wenngleich es noch etwas dauern sollte, bis erneut Romane deutscher Autoren in der 6. Welt spielen sollten, war damit gewissermaßen der Grundstein dafür gelegt, dass man das heimische Setting nicht nur in Form lokal entwickelter Rollenspielquellenbücher, sondern auch in Romanen erleben konnte.

Bei Heyne erschienen zunächst nach und nach die erfolgreichen Titel bekannter Autoren wie Nigel Findley, Mel Odom oder Michael Stackpole. Letzterer hatte zwar schon in der Auftaktanthologie zwei Kurzgeschichten beigesteuert, war aber vor allem nach seiner bahnbrechenden „Krieger-Trilogie“ als Autor der Hauptlinie in der Battletech-Romanreihe extrem erfolgreich, stieg zu noch höheren Weihen auf und verantwortete u.a. die „X-Wing“-Romanreihe zu Star Wars, so dass er um die Jahrtausendwende so etwas wie der „König der Lizenzromane“ war.

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Mit Band 41 im Jahr 1998 war es in Deutschland bzw. dem deutschsprachigen Raum dann wieder soweit: In „Wiener Blei“ kehrte der österreichische Autor Leo Lukas in die namensgebende Stadt zurück. Dies war der erste Roman, der eine Fanpro-Eigenproduktion darstellte und 2001 auch bei Heyne erschien. Im Jahr darauf steigerte sich der Output von Romanen deutscher Autoren. „TAKC 3000“ von Markus Heitz stellte den Auftakt für zwanzig Romane dar, die ausschließlich in deutscher Eigenregie geschrieben und veröffentlicht wurden.

Diese wurden seit 1998 zum Teil zunächst bei Fanpro unter dem Imprint Phoenix Press veröffentlicht und erschienen bis 2008 zu einem Großteil als Nachdruck bei Heyne. Manche Romane kamen dort teilweise erst mit mehreren Jahren Verzögerung (z.B. Andre Wieslers „Im Namen des Herrn“ 2004 bei FanPro und 2008 bei Heyne), während andere ausschließlich bei dem im Publikumshandel kaum vertretenen Fanpro-Label verblieben und die Heitz-Romane nur über Heyne vertrieben wurden.

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Und dann? Dann wurde es still um die Shadowrun-Romane in Deutschland. Fanpro gab die Lizenz für das Rollenspiel an Pegasus Spiele ab, die davon getrennte Romanlizenz wurde jedoch nicht erneut vergeben. In den USA erwarb Catalyst Game Labs 2007 die Lizenz für Shadowrun und brachte seit 2010 insgesamt 19 Romane und Anthologien heraus, die jedoch zunächst keine deutsche Übersetzung erfuhren.

Seit 2008 waren also keine Romane mehr auf Deutsch erschienen, bis sich Pegasus die Lizenz auch für die Romane sicherte und seit 2017 nun wieder Übersetzungen herausbringt. Mit Mel Odom findet sich gleich ein alter Fahrensmann der Reihe darunter, den jeder Shadowrun-Leser kennt. Daneben bietet Russell Zimmermann mit „Für alle Fälle: Kincaid“ einen Noir-Krimi, und in „Feuer und Frost“ geht es um magische Geheimnisse.

Vor allem kommen in diesem Jahr erstmals seit zehn Jahren auch wieder deutsche Autoren zu Wort. Die Geschichten dieser neuen Romane, die eng mit der deutschen Shadowrun-Redaktion unter Mastermind Tobias Hamelmann abgestimmt sind, erfüllen die Schatten der ADL erneut mit Leben. „Iwans Weg“ von David Grade macht in diesem Frühjahr den Anfang, danach folgt „Alter Ego“ von Mike Krzywik-Groß, der bereits für Das Schwarze Auge und andere Rollenspiele geschrieben hat. Später im Jahr folgen weitere Romane von u.a. Jan-Tobias Kitzel, der bereits zu Fanpro-Zeiten mit „Flammenmeer“ (Bd. 81) einen Roman geschrieben hatte, und der ebenfalls von DSA bekannten Martina Nöth oder Bernd Perplies.

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