Die Weisheit der Nerds - eine Kolumne von Stephen H. Segal

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Weird Al Yankovic


Der Vorreiter der musikalischen Mash-up-Kultur schenkte uns Musikparodien wie "Eat it" oder "I Think, I'm a Clone Now": Weird Al Yankowic! Zur Einstimmung auf unsere Weisheit zur Wochenmitte, bitte einmal Lautstärkepegel hochziehen:

Weird Al Yankowic: Eat it!

Jeder Geek kennt Weird Al  und zwar meist deutlich besser, als den Mitbewohnern des besagten Geeks lieb ist. Wenn Al nicht gerade aus Gangsta-Rap-Schnipseln eine Hymne für Computernerds bastelt, verwandelt er den denkbar derbsten, härtesten Rock in federnde Polka-Melodien. Und wenn es auf der Welt irgendeine Art von Gerechtigkeit gibt, wird Al noch die Lorbeeren einheimsen, die er als kreativer Visionär vollauf verdient. Man macht es sich zu einfach, wenn man Songs wie „Eat It“ oder „I Think I’m a Clone Now“ als alberne, pubertäre Parodien abtut. Denn bei genauerer Betrachtung war Al der Vorreiter eines musikalischen Trends, der das Grey Album von DJ Danger Mouse hervorbrachte – und später auch Stolz und Vorurteil und Zombies. Al vermischte die Elemente ganz verschiedener Genres miteinander und wurde so zum womöglich ersten Superstar der Mash-up-Kultur. Man mag jetzt einwenden, dass solche frankensteinschen Hybride das ursprüngliche Kunstwerk entwerten – dagegen spricht aber, dass sie die Verkaufszahlen des Originals meist in die Höhe treiben. Und wer behauptet, dass es für solche Mash-ups keinen echten Schöpfergeist braucht, der sollte sich wirklich mal selbst ans Mischpult setzen, damit er begreift, wie falsch er liegt.

 

Warum spielt Weird Al in Thinking ‘Bout Somethin, einem Musikvideo der Hanson Brothers von 2010, ein Tamburin? Vermutlich aus dem gleichen Grund, aus dem bei Buckaroo Banzai eine Wassermelone im Labor rumliegt.


Die nächste Weisheit zur Wochenmitte gibt es wieder am kommenden Mittwoch. Dann erwartet euch eine neue nerdige Erkenntnis aus Stephen H. Segals Buch "Die Weisheit der Nerds".

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

Copyright © 2011 by Quirk Productions, Inc.
All rights reserved.
First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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