Jugend- und Kultbücher: Lesetipps aus der Buchhandlung Otherland

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Jugend- und Kultbücher: Lesetipps aus der Buchhandlung Otherland


Jeden Monat geben euch hier die Jungs der Berliner Fantasy und Science Fiction Buchhandlung Otherland Tipps über die besten neuen Bücher aller Verlage. Pünktlich zu Weihnachten dürfen natürlich Tipps zu Jugend- und Kultbüchern nicht fehlen - vielleicht fehlt ja dem ein oder anderen noch eine passende Geschenkidee.

Jugendbuch - unsere Weihnachtstipps

Joanne K. Rowling - Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (Schmuckausgabe)

Wenn man gemeinsam mit den Kindern gern ein wirklich schön ausgearbeitetes Buch am Heiligabend lesen möchte, empfehle ich die Schmuckausgabe von Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind. Die Illustrationen sind klasse, selbst wenn man noch nicht lesen kann. Und ganz nebenbei kann man die nächste Generation an die Welt von Harry Potter heranführen.

Kai Meyer - Die Spur der Bücher

Kai Meyer entführt seine Leser mal wieder in die fantastische Welt der Bibliomantik. Diesmal siedelt er seine Trilogie im viktorianischen England an. Man muss die Vorläufertrilogie Seiten der Welt nicht gelesen haben, um dieses neue Abenteuer zu genießen. Man kann auch hier direkt in die Welt der Bibliomanten eintauchen. Ein absolutes Muss für junge Leser und Junggebliebene, die finden, dass das Lesen und die Liebe dazu uns eigentlich magische Kräfte verliehen sollte oder sogar kann. 

Mira Bartók - Der Wunderling

Das Wesen, das später zum Wunderling wird, hat am Anfang überhaupt keinen Namen. In Miss Carbunkels Heim für widerspenstige und missratene Geschöpfe heißt der kleine Erdling, eine Mischung aus Fuchs und Menschenkind, einfach nur Nummer Dreizehn. Im Heim herrschen schreckliche Zustände, die Bewohner werden wie Sklaven gehalten und zum Gehorsam erzogen. Dem kleinen Fuchs-Erdling fehlt ein Ohr und alle halten ihn für stocktaub. Dabei kann er sehr gut hören! Er hört, wie sich draußen, jenseits der hohen Mauer, die Bäume im Wind wiegen, er hört Vögel singen und Bienen summen. Er hört sogar die Mäuse in den Wänden und kann als einziger verstehen, was sie sagen. Und dann hört er noch dieses Lied in seinem Innern, eine Melodie, zu der der Text verloren gegangen ist. Aber nichts ist im Heim so streng verboten wie Musik! Zum Glück findet Nummer Dreizehn bald eine kleine Freundin und vielleicht werden sie zusammen die Flucht wagen. Denn wie soll er sonst das Geheimnis des Liedes lüften und herausfinden, was seine Bestimmung ist?Neben den klassischen Waisenhaus-Elementen von der tyrannischen Chefin bis zu den mobbenden Mitgefangenen, lässt Mira Bartók ihrer Fantasie freien Lauf, erzählt mit sehr viel Liebe und Details von ihren kleinen Helden und ihrer wunderbaren Welt. Was das Buch zu einem wahren Kleinod abrundet, sind einerseits die Illustrationen, die in Sepia und irgendwie altertümlich daherkommen, zugleich kurios und besonders wirken und andererseits das Format: handlich und robust, dick, aber nicht zu schwer, mit einem so sympathischen Einband, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen will.Ideal zum Vorlesen! Aber auch für jeden, der an einem Buch nicht nur den Inhalt, sondern auch das Haptische schätzt.

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Kultbuch - Unsere Weihnachtstipps

Reinhard Kleist - Nick Cave – Mercy On Me

Desolates Niemandsland, das CERN in Genf, Sumpfland und ein berühmter Fluss, an dem wilde Rosen wachsen: Willkommen in Nick Caves Welt voll Mord und Totschlag, voller Täter und Opfer.Um den Durchbruch als Musiker zu schaffen, reist Cave mit seinen Musikerkumpels von Australien nach London, nach Berlin und wieder nach England und weiter und weiter und hadert doch gleichzeitig mit seinem Schaffen, weil das Ergebnis (noch) nicht die tiefsten Gründe durch gewaltige Erdbeben zuoberst wenden kann, wie er es sich wünscht. In seinem Innern brodelt diese Energie, dieses Verlangen, dieser Schaffenswahn. Ein peitschender, zwingender Rhythmus jagt den Leser und Betrachter durch die Panels, wie er einen auch durch so manchen Song treiben würde. Und endlich der erlösende Wolkenbruch. Man meint das Gewitter über Tupelo krachen und prasseln zu hören, wenn erst Worte und dann tatsächlicher Regen sich über die Bühne der Bad Seeds ergießt: “The Beast it Cometh. Cometh Down. Tupelo Bound. Oh TUPELO! Oh God help Tupelo!” Wie der Sänger selbst nimmt sich auch Reinhard Kleist die Freiheit, Biografie und Fiktion zu vermischen. Sein Nick Cave ist ein Unzufriedener, ein Getriebener, ein Besessener und er bekommt ständig Besuch von Figuren, die ihn fragen, warum sie alle so grausam sterben müssen, ohne wirklich gelebt zu haben. Sie alle: kleine Rädchen in einem katastrophalen Plan…Wer in letzter Zeit eines der Konzerte von Cave besucht hat, wird die Intensität dieses Ausnahmekünstlers gespürt haben. Die Graphic Novel versucht genau diese einzufangen, mit ihren eigenen Mitteln: in der sagenhaft getroffenen Physiognomie des Sängers, in den zahlreichen Anspielungen auf Songs und Erzählungen, in der gekonnten Vermischung von Leben und Werk, von Bild und Wort.Vor allem etwas für Fans, aber unbedingt auch etwas für jene, die es werden wollen! 

Leo Perutz - St. Petri-Schnee

Ich habe immer einen ungelesenen Roman von Leo Perutz auf Vorrat, für den Fall, dass mich ein starkes Verlangen nach einer elegant erzählten, spannenden Geschichte mit Hintersinn und eindrücklichen Figuren packt. Kürzlich war St.Petri-Schnee an der Reihe, der ab sofort mein Lieblings-Perutz-Roman ist. Der junge Arzt Doktor Amberg nimmt eine Stelle im Provinznest Morwede an, wo altertümliche Verhältnisse herrschen: Der Landadlige Malchin lässt die Bauern noch mit dem Dreschflegel zu Werke gehen und wacht streng über seine angestammten Vorrechte. Malchin weiht Amberg nach und nach in seine großen Pläne ein: Er will das Heilige Römische Reich deutscher Nationen neu erstehen lassen, unter seiner Regie und mit wissenschaftlichen Methoden. Dabei hilft ihm eine begabte Biochemikerin, die sich ausgerechnet als Ambergs von ferne verehrte Geliebte aus Studienzeiten entpuppt …

St. Petri-Schnee spielt virtuos mit Traum und Wirklichkeit - nicht nur scheinen Malchins Pläne einer größenwahnsinnigen Fiebervision entsprungen, auch die Wahrnehmungen des Ich-Erzählers-Amberg, der in den Bann dieses Mannes gerät, sind alles andere als verlässlich … ein Science-Fiction-Roman ist St. Petri-Schnee zwar nicht, aber einer, der in seinem Spiel mit den Wirklichkeitsebenen einem Philip K. Dick um nichts nachsteht. Und was der ursprünglich 1933 erschienene Roman zum nationalen Mythenpomp und zur Mobilisierung der Menschen in dessen Namen zu sagen hat, ist wohl leider immer noch aktuell.

Jetzt steht als nächster ungelesener Perutz-Roman Der Meister des jüngsten Tages bei mir im Regal; mir graut vor dem Tag, an dem mir der Perutz ausgeht …


Geschrieben von Otherlander Jakob Schmidt, Charleen und Caro.

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