Kai Meyer: Meine persönlichen Buchhighlights 2017

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Kai Meyer: Meine persönlichen Buchhighlights 2017


Kai Meyer ist einer der wichtigsten deutschen Phantastikautoren, seine Bücher wurden in rund dreißig Sprachen übersetzt. Für uns hat er seine persönlichen Buch-Highlights 2017 herausgesucht.

Über Kai Meyer

Der mehrfach preisgekrönte Meyer ist einer der einfallsreichsten und wohl auch einflussreichsten Phantastikautoren deutscher Sprache. Nach der Jahrtausendwende etablierte er sich überaus erfolgreich mit seiner „Merle-Trilogie“, die als All-Age-Romane mehrere Generationen von Lesern gleichzeitig begeistern konnten. Damit erschloss er sich eine Leserschaft, die ihm auch in den Jahren darauf treu blieb und seine verschiedenen Trilogien bis hin zu den ebenfalls sehr erfolgreichen „Arkadien“ begleiteten.

Rund sechzig Romane hat er bis heute veröffentlicht. Mit „Die Seiten der Welt“ brach er ab 2014 in ein neues phantastisches Universum auf, das neben seiner spannenden Story eine Liebeserklärung an das Buch als solches darstellte. In „Die Krone der Sterne“ und der im kommenden Frühjahr erscheinenden Fortsetzung „Die Krone der Sterne – Hexenmacht“ hat er nun den Schritt in den Weltraum gewagt – mit einem phantastischen Abenteuer, das die Brücke zwischen Fantasy und Science-Fiction schlägt. Was Kai Meyer im vergangenen Jahr als Leser begeistert hat, berichtet er uns in seinen Lesetipps.

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Paperbacks from Hell: The Twisted History of '70s and '80s Horror Fiction von Grady Hendrix bei Amazon bestellen

Grady Hendrix – Paperbacks from Hell

Der massive Horrorboom der Achtzigerjahre in Amerika und England hat Deutschland nur gestreift. Zwar gab es seit den Siebzigern auch bei uns ein paar Horrorreihen, später dann neben King auch Koontz, Barker, Rice, Herbert und ein paar andere, aber im Vergleich zu den USA haben wir hier nur die Spitzen des Phänomens erlebt. Vor allem trauten sich unsere Verlage nicht an die schrille Optik der Originale: Ich erinnere mich an meine ersten Fahrten nach England, wo sich die Titelbilder an wildem Splatter gegenseitig überboten. Oft kaufte ich dort die Horrorromane nur nach Cover, manchmal stapelweise. Grady Hendrix hat dieser wilden Zeit jetzt ein Denkmal gesetzt und sammelt in „Paperbacks from Hell“ unzählige der wahnsinnigsten, großartigsten und scheußlichsten Cover des Horror-Booms. Doch er tut noch mehr: In informativen, teils sehr lustigen, aber niemals herablassenden Texten erzählt er die Geschichte der betreffenden Verlage und Autoren. Mit Abstand mein Non-Fiction-Lieblingsbuch des Jahres!

C. Robert Cargill – Sea of Rust

Nach „Dreams and Shadows“ und „Queen of the Dark Things“ hätte man C. Robert Cargill für den besseren Neil Gaiman halten können, zwei wunderbare Bücher, die das, was Gaiman meist in der Kurzform, aber selten auf Hunderten Seiten gelingt, sehr schön auf Romanlänge überträgt. Beide wurden leider nie ins Deutsche übersetzt (Hallo, Fischer Tor?). Cargill, der zudem Drehbuchautor von „Sinister“ und „Doctor Strange“ ist, kommt nun in seinem dritten Buch in einem neuen Subgenre daher: „Sea of Rust“ ist Post-Apoklypse pur, die Odyssee eines Roboters durch eine Welt, in der die letzten Menschen längst ausradiert wurden. Das ist episch, atmosphärisch und sehr filmisch erzählt. Der Mutantensohn von „WALL·E“ und „Terminator“ – und doch sehr viel mehr als das.

Brian Coldrick – Behind You

Ein Horrorbilderbuch, das jedem gefallen müsste, der „Stranger Things“ und die gruseligeren Amblin-Filme mag. Immer rechts auf jeder Doppelseite präsentiert Coldrick in einer einzelnen Illustration eine unheimliche Situation, links steht dazu ein Satz (den man zum Verständnis nicht braucht). Oft sind in sehr klarem, comic-haften Stil Kinder dargestellt, denen sich in einsamer Umgebung etwas Böses von hinten nähert. Gezeigt wird immer der Augenblick vor dem Zuschlagen, ein Moment der Ahnungslosigkeit der Figuren, obwohl wir als Betrachter bereits sehen, was sich gleich auf sie stürzen wird. Das ist immer geschmackvoll, ein bisschen märchenhaft, gelegentlich an der Grenze zum Surrealen. Wer die Fotos von Gregory Crewdson mag, findet hier das jugendliche Pendant dazu – lockerer, mit Spaß an der Gänsehaut, manchmal geradezu Spielberg-haft.

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