Diese Bücher solltest du lesen, wenn dir "Die Nebel von Avalon" gefallen hat

KOLUMNE

Welche Bücher kannst du lesen, wenn dir "Die Nebel von Avalon" gefallen hat?


Die letzte Seite ist umgeblättert, die Geschichte findet ihr Ende und ein Gedanke kommt auf: Was lese ich als nächstes? Wir geben euch (Anschluss)-Lesetipps für konkrete Bücher. Dieses Mal: "Die Nebel von Avalon".

Einer der Meilensteine der phantastischen Literatur ist Die Nebel von Avalon, Marion Zimmer Bradleys Adaption des Sagenkreises um König Artus aus dem Blickwinkel der beteiligten Frauen. Der über tausend Seite starke Wälzer berichtet von den Lebensumständen und Glaubensvorstellungen keltischer Priesterinnen und hat stark mystische und emotionale Komponenten. Damit traf die Autorin den Nerv des Publikums und landete weltweit einen Bestseller. Auch ich war begeistert und halte nach der (mehrfachen) Lektüre des Romans immer Ausschau nach ähnlichen Büchern, die mich ebenso begeistern könnten. Folgende kann ich euch ans Herz legen.

Mondfeuer von Donna Gillespie bei Amazon bestellen
Wodans Fluch von Stephan Grundy bei Amazon bestellen
Das rote Zelt der Frauen von Anita Diamant bei Amazon bestellen

Mondfeuer von Donna Gillespie

Donna Gillespies Heldin Auriane ist keine Magierin, sondern eine Kriegerin. Sie wird nicht auf den britischen Inseln geboren, sondern während des 1. Jhd. n. Chr. im germanischen Westerwald. Trotzdem dürften sie und ihre Geschichte Fans der Priesterin Morgaine gefallen.

Schon bei ihrer Geburt sagt eine Seherin Auriane eine ungewöhnliche Zukunft voraus: Kampfglück, Mut und eine harte Zeit in einem fremden Land soll die Tochter eines germanischen Stammesführers erwarten. Und tatsächlich weiht sich Auriane bereits in ihrer Jugend als Schwertbraut dem Donnergott Wotan. Mit den Männern zieht sie gegen die Römer, die immer wieder versuchen, neues Gebiet zu erobern. Viele Schicksalsschläge steht sie tapfer durch, bis die Soldaten Roms ihren Stamm vernichtend schlagen. Auriane wird nach Rom verschleppt und gezwungen, als Gladiatorin in der Arena um ihr Leben zu kämpfen. Wie Marion Zimmer Bradley verwebt auch Donna Gillespie mythische Elemente und historisch gut recherchierte Fakten zu einer packenden Geschichte.

Das rote Zelt der Frauen von Anita Diamant

In Das rote Zelt der Frauen nutzt Anita Diamant geschickt eine kurze Passage aus der Bibel als Ausgangspunkt für eine emotionale Erzählung über die Frauen in alttestamentarischer Zeit. Viele kennen die Geschichte des Traumdeuters Joseph, der von seinen Brüdern verraten und in die Sklaverei verkauft wird. Die wenigsten wissen, dass Joseph auch eine Halbschwester hatte: Dinah. Sie steht im Zentrum von Diamants Roman. Als einzige Tochter von Jakob, Erzvater der Israeliten, wächst sie bei ihren Müttern im roten Zelt der Frauen auf. Ja, Mütter, denn Jakob hatte vier Frauen. Gemeinsam erziehen sie das Mädchen und bilden sie zur Geburtshelferin aus. Dinah erzählt im Roman auch von ihrem Leben, ihrem gleichsam schwierigen wie liebevollen Verhältnis, mal von Eifersucht, mal von Zuneigung bestimmt. Die Autorin vermittelt sensibel ein Bild davon, wie Frauen vor 3.500 Jahren gelebt haben könnten – und erzählt eine dramatische Geschichte, denn auch Dinah erfährt Verrat und Leid und lernt schließlich, für ein selbstbestimmtes Leben zu kämpfen.

Der Roman wurde – hochkarätig besetzt u. a. mit Morena Baccarin, Iain Glen und einer beeindruckend starken Rebecca Ferguson – als aufwändiger TV-Zweiteiler verfilmt (derzeit auf Netflix):

The Red Tent Opening Scenes

Wodans Fluch von Stephan Grundy

Wodans Fluch ist das einzige Buch in dieser Aufzählung, das nicht eine Frau in den Fokus rückt, sondern einen Mann: Hagan, Prinz von Burgund, den meisten besser bekannt als Hagen von Tronje. Grundy erzählt von den Jugendjahren der ambivalenten Sagenfigur und folgt dabei nordischen Mythen und dem Waldhari-Lied. Ein Großteil der Handlung spielt im Land der Hunnen, wo Hagan als Mündel des Heerführers Attila viele Jahre verbringt. Dort lernt er sich den gleichaltrigen Walther von Aquitanien und die Fürstentochter Hildegund kennen, die wie er Geiseln in der Fremde sind. Die drei knüpfen freundschaftliche Bande, die im Lauf der Zeit auf eine harte Probe gestellt werden. Avalon-Fans dürfte das Buch vor allem deshalb gefallen, weil Hagan, erklärter Lieblingssohn der Wormser Hexenkönigin, von dieser heimlich unterrichtet wird. Zudem lässt sich Hagan von den hunnischen Schamanen in alten Künsten ausbilden. Wie Morgaine bei Zimmer Bradley verteidigt der junge Mann seinen Glauben gegen das aufkommende Christentum.

Die Mutter der Königin von Philippa Gregory

Eigentlich werden die Bücher von Philippa Gregory im Genre Historischer Roman verortet.

Seit dem mehrfach verfilmten Bestseller Die Schwester der Königin ist sie aus den Bestsellerlisten nicht mehr wegzudenken. Ihre Romane um die Zeit der Rosenkriege lesen sich jedoch mitunter sehr mystisch, weil ihre Protagonistinnen oft fest an die Existenz übernatürlicher Mächte glauben. Das trifft vor allem auf Die Mutter der Königin zu; ein Wälzer, der die Lebensgeschichte von Jacquetta von Luxemburg (ca. 1415 bis 1472) erzählt.

Jacquetta ist von Natur aus eine faszinierende Gestalt. Nach dem Tod ihres ersten Gatten heiratete sie heimlich ihre große Liebe und bekam sechzehn Kinder. Ihre älteste Tochter Elizabeth wurde 1464 zur Königin von England gekrönt und Jacquetta selbst kurz vor ihrem Tod der Hexerei bezichtigt. Gregory verstärkt den Mythos um ihre Hauptfigur noch dadurch, dass sie sie zur Nachkommin der sagenhaften Melusine macht, von der sie magische Gaben geerbt haben soll. Im Verlauf des Romans greift Jacquetta immer wieder auf ihre übernatürlichen Fähigkeiten zurück, um den Lauf des Schicksals zu verändern. Ob sie tatsächlich Magie wirken kann oder dies nur glaubt, darf jeder Leser für sich entscheiden.

In folgenden Interview spricht die Autorin über dieses Thema: 

The Role of Magic in THE WHITE QUEEN

Die Wälder von Albion von Marion Zimmer Bradley

Wer bisher gar nicht fündig wurde, kann es schließlich mit einem anderen Roman aus dem Avalon-Zyklus von Marion Zimmer Bradley versuchen. Dieses Buch spielt etliche Jahrhunderte vor Zimmer Bradleys Erfolgsroman. Das schmerzvolle Aufeinanderprallen von Christen- und Keltentum sowie von römischer und britischer Kultur bilden auch hier den zentralen Konflikt. In Grundzügen folgt die Autorin der tragischen Oper Norma, die von der zum Scheitern verurteilten Liebe einer keltischen Priesterin und eines römischen Soldaten handelt. Heldin ist Eilan, Tochter eines hochangesehenen keltischen Barden, die in der Gemeinschaft der Priesterinnen der Muttergöttin zu einer jungfräulichen Seherinnen ausgebildet wird. Ihr Schicksal wendet sich, als sie dem schwer verwundeten Römer Gaius das Leben rettet und die beiden Gefühle füreinander entwickeln.

Nach Die Nebel von Avalon hat Marion Zimmer Bradley eine Handvoll Avalon-Romane geschrieben, leider von wechselnder Qualität. Die Wälder von Albion halte ich neben Die Nebel von Avalon aber für den stärksten und für durchaus lesenswert!

Share:   Facebook