Die Verleihung der Hugo Awards 1983.

KOLUMNE

Die Hugo Awards 1983: Das waren die Gewinner


Die Hugo-Verleihung fand 1983 während des Worldcons Constellation in Baltimore statt.

Toastmaster: Jack L. Chalker

Novel

Isaac Asimov: Foundation’s Edge

(Buchausgabe bei Doubleday; dt. Auf der Suche nach der Erde, H 6401; Die Suche nach der Erde, H 87917)

Die Verleihung der Hugo Awards 1983.
Die Verleihung der Hugo Awards 1983.
Die Verleihung der Hugo Awards 1983.

Fast 30 Jahre nach Second Foundation erschien 1982 mit Foundation’s Edge die direkte Fortsetzung der klassischen Foundation-Trilogie. Schauplatz ist zunächst Terminus, das Zentrum der Foundation. In der Zeit, die nach den Ereignissen von Second Foundation vergangen ist, hat sich Terminus zu einer reichen und sehr einflussreichen Welt entwickelt.

Hari Seldons großer Plan, das herrschende Chaos in einem Zeitraum von 1000 Jahren zu überwinden und ein großes, geeintes Imperium zu errichten, ist bis zur Hälfte verwirklicht. Doch als der junge Ratsherr Golan Trevize zu zweifeln beginnt, ob dieser große Plan überhaupt existiert, gefährdet er diesen gerade dadurch. Seine Widersacherin ist die Bürgermeisterin Harla Branno, die mächtigste Frau der Foundation und damit der ganzen Galaxis. Sie klärt Trevize darüber auf, dass er sich zwar irrt, gleichzeitig aber wahrscheinlich eine andere große Bedrohung besteht: Die Zweite Foundation, die scheinbar zerschlagen worden ist, könnte sich möglicherweise in der Zwischenzeit erholt haben und insgeheim die galaktische Entwicklung manipulieren. Da Trevize durch unbedachte Äußerungen ebenfalls zu einer gewissen Gefahr geworden ist, stellt ihn die Bürgermeisterin vor die Wahl, entweder eliminiert zu werden oder sich auf die Suche nach der Zweiten Foundation zu begeben. Um sich unauffällig in der Galaxis bewegen zu können, soll Trevize zum Schein nach etwas ganz anderem suchen – nach der legendären Erde. Teil seiner Tarnung ist der Historiker Janov Pelorat, der von der Idee geradezu besessen ist, dass der Ursprungsplanet der Menschheit tatsächlich existiert. Nur mit dem weltfremden Wissenschaftler an seiner Seite, der zunächst in den eigentlichen Zweck der Mission nicht eingeweiht ist, macht sich Trevize auf die große Reise. Als erstes Ziel ist der verfallene Planet Trantor vorgesehen, in dessen noch bestehender gigantischer Bibliothek sich Pelorat Informationen über die Erde erhofft. Trevize ändert jedoch eigenmächtig den Kurs, da er es ablehnt, den Plänen der Bürgermeisterin zu folgen.

In der Zwischenzeit zeigt sich, dass tatsächlich eine Zweite Foundation existiert. Ihr getarnter Sitz befindet sich auf Trantor, das sich von einer in höchstem Maße blühenden Welt zu einem unbedeutenden Planeten gewandelt hat. Hervorstechende Eigenschaften der Mitglieder der Zweiten Foundation sind ihre ausgeprägten mentalen Fähigkeiten, die ihnen nicht nur Einblick in fremdes Bewusstsein, sondern auch Kontrolle darüber gestatten. Auch auf Trantor entstehen allmählich Zweifel an der Richtigkeit von Hari Seldons großem Plan. Jemand, der Interesse an einer positiven Entwicklung des Plans und damit des galaktischen Geschehens hat, scheint den Plan zu manipulieren. Man erinnert sich an den Fuchs, einen Mutanten, der von Seldon nicht vorhergesehen gewesen war und beinahe den Plan zum scheitern gebracht hätte. Es stellt sich die Frage, ob es nicht mehrere solcher Mutanten geben könnte, die eigene Ziele verfolgen. Offenbar handelt es sich dabei aber um »Anti-Füchse«, da es ihnen nicht um eigenen Machtgewinn zu gehen scheint.

Um die Entdeckung durch die technisch überlegene Erste Foundation abzuwenden und gleichzeitig das Rätsel der Anti-Füchse zu lösen, setzt die Zweite Foundation Stor Gendibal auf Trevize an. Genau wie dieser soll Gendibal von intriganten Kräften in den eigenen Reihen ins unfreiwillige Exil geschickt werden. Eine weitere Parallele zu seinem Gegenspieler besteht darin, dass er ebenfalls zu Tarnungszwecken Begleitung erhält. Ausgerechnet Sura Novi, eine der schlichten und ungebildeten Angehörigen des bäuerlichen Hamer-Volkes, das neben den Mitgliedern der Zweiten Foundation Trantor bewohnt, wird ihm zur Seite gestellt.

Als Trevize und Pelorat im Sayshell-System, das sie statt Trantor aufgesucht haben, tatsächlich Hinweise auf die legendäre Erde erhalten, spitzt sich die Lage zu. Verfolgt von Gendibal und Sura Novi auf der einen Seite, und einer Flotte der ersten Foundation mit Bürgermeisterin Harla Branno an der Spitze auf der anderen Seite, nehmen sie Kurs auf Gaia, eine Welt, die in keiner offiziellen Sternkarte verzeichnet ist. Vieles weist darauf hin, dass Gaia mit der Erde identisch ist, doch die Vermutung ist falsch. Dort angekommen stoßen sie auf eine seltsame Kollektivintelligenz, die das gesamte Geschehen eingefädelt hat. Als auch die anderen beteiligten Parteien eintreffen, muss Trevize eine folgenschwere Entscheidung treffen, die das Schicksal der gesamten Galaxis beeinflusst.

Isaac Asimov (1920–1992) hat mit Foundation’s Edge einen würdigen Nachfolger seiner Foundation-Trilogie verfasst. Eine Vielzahl gut ausgearbeiteter Figuren, eine sorgfältig konstruierte Handlung und eine gehörige Portion Sense of Wonder machen den Roman zu einem seiner besten späteren Werke. Besondere Bedeutung hat dabei die Verknüpfung mit Asimovs Robotergeschichten.

Weitere Nominierungen:

C. J. Cherryh: The Pride of Chanur

(Buchausgabe bei DAW; dt. Das Schiff der Chanur, H 4039)

Arthur C. Clarke: 2010: Odyssey Two

(Buchausgabe bei Del Rey; dt. Odyssee 2010 – Das Jahr in dem wir Kontakt aufnehmen, H 6680)

Robert A. Heinlein: Friday

(Buchausgabe bei Holt, Rinehart and Winston; dt. Freitag, H 4030)

Donald Kingsbury: Courtship Rite

(Buchausgabe bei Timescape; dt. Die Riten der Minne, G 8406)

Gene Wolfe: The Sword of the Lictor

(Buchausgabe bei Timescape; dt. Das Schwert des Liktors, H 4065)

Novella

Joanna Russ: »Souls«

(Januar 1982 in F&SF; dt. »Seelen«, in Wollheim/Saha [Hrsg.]: World’s Best SF 2, B 24044)

Schon der erste Satz der Erzählung verrät, worum es im Folgenden geht: »Dies ist die Geschichte von der Äbtissin Radegunde und von dem, was geschah, als die Wikinger kamen.« Erzählt wird die Geschichte von einem kleinen, etwa siebenjährigen Jungen namens Radulph, der von der Äbtissin immer nur als »Nachrichtenjunge« bezeichnet wird. Er ist so gut wie immer an ihrer Seite, sodass er alle Ereignisse aus nächster Nähe beobachten kann. Radegunde ist eine weise und freundliche Frau, die auch außerordentlichen Mut an den Tag legt. Als die Wikinger in der Nähe des Klosters landen, tritt sie ihnen allein entgegen, um zu verhandeln. Mit großem Geschick bringt sie die fremden Krieger dazu, das Kloster nicht zu stürmen und alle Bewohner zu töten, indem sie behauptet, dass den Wikingern sonst die versteckten Schätze entgehen würden. Doch als die Wikinger erst einmal im Kloster sind, geht ihre Natur mit ihnen durch. Sie töten und vergewaltigen die Nonnen und stehlen alles, dessen sie habhaft werden können. Radegunde redet weiter mit Thorvald, dem Anführer der Krieger, der bald bemerkt, dass Radegunde zwar die außergewöhnliche Fähigkeit hat, andere Menschen zu manipulieren, ihre Fähigkeiten jedoch für sich einsetzen will. Radegunde bietet an, Thorvald als seine Sklavin zu begleiten, wenn er dafür die Überlebenden des Massakers freilässt.

Doch in der folgenden Nacht verändert sich Radegunde. Der kleine Radulph kann belauschen, wie sie ein Selbstgespräch führt, dessen Sinn er nicht versteht. Am Ende stellt sich heraus, dass Radegunde kein Mensch ist, sondern ein fremdes Wesen mit übermächtigen Fähigkeiten, das von seinen Artgenossen abgeholt wird und in einem weißen Licht verschwindet. Radulph findet nicht heraus, ob sie ein Dämon oder eine Fee oder ein Wesen von einer anderen Welt ist. Zum Abschied verleiht sie Thorvald aus Rache die Eigenschaft der Friedfertigkeit. Und Radulph erhält das Glück, sodass er sich später Radulph der Glückliche nennt.

Die lange Novelle um die faszinierende Radegunde, die vermutlich eine Außerirdische war, die zur Beobachtung der Menschheit auf die Erde geschickt wurde, ist von einer außerordentlichen erzählerischen Eleganz. Joanna Russ (1937–2011) war eine der ersten Autorinnen, die mit feministischen Themen auf sich aufmerksam machte und heute vor allem für die Erzählung »When It Changed« (1972 in Ellison [Hrsg.]: Again, Dangerous Visions, dt. »Als es anders wurde« bzw. »Als alles anders wurde«) und den Roman The Female Man (1975 bei Bantam; dt. Planet der Frauen bzw. Eine Weile entfernt) bekannt ist.

Weitere Nominierungen:

David Brin: »The Postman«

(November 1982 in ASIMOV’S SF; dt. »Gordons Berufung«, in Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin, 33. Folge, H 4581)

George R. R. Martin: »Unsound Variations«

(Januar 1982 in AMAZING; dt. »Aussichtslose Varianten«, in Alpers [Hrsg.]: Kopernikus 7, M 3587)

Joseph H. Delaney: »Brainchild«

(Juni 1982 in ANALOG; dt. »Geisteskind«, Alpers [Hrsg.]: Kopernikus 10, M 3632)

Kim Stanley Robinson: »To Leave a Mark«

(November 1982 in F&SF; nicht auf Deutsch)

John Kessel: »Another Orphan«

(September 1982 in F&SF; dt. »Eine andere Waise«, in Hahn [Hrsg.]: The Magazine of Fantasy and Science Fiction, 68. Folge: Mythen der nahen Zukunft, H 4062)

Novelette

Connie Willis: »Fire Watch«

(Februar 1982 in ASIMOV’S SF; dt. »Brandwache«, in Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin, 18. Folge, H 3998; in Carr [Hrsg.]: Die schönsten SF-Stories des Jahres 3, H 4165; in Asimov/McCarthy/Moloney [Hrsg.]: Die Wunder der Welt, H 4332; in Willis: Brandwache, SL 660, in Jeschke [Hrsg.]: Heyne SF-Jahresband 2000, H 6342)

Die Geschichte beginnt ungefähr im Jahr 2040. Die Historiker in Oxford beauftragen den Studenten Bartholomew, in das Jahr 1940 zu reisen, um der Brandwache in der St. Pauls Kathedrale gegen den Blitzkrieg der Nazis beizustehen und darüber zu berichten. Bartholomew, der Ich-Erzähler, hat nur zwei Tage Zeit, um sich vorzubereiten. Natürlich reicht die Zeit nicht aus, um sich umfassend über das 20. Jahrhundert zu informieren. In Form eines Tagesbuchs berichtet Bartholomew über seine Erlebnisse im Spätherbst und dem beginnenden Winter 1940. Nazideutschland schickt Flieger mit Brandbomben, um die Kathedrale zu zerstören. Bartholomew ist jeden Tag damit beschäftigt, sich zum einem in der Zeit zurechtzufinden, zum anderen die Brandbomben zu löschen. Er hofft, die ehrwürdige Kathedrale erhalten zu können, obwohl er weiß, dass sie in 21. Jahrhundert zerstört wird, und andererseits will er sein Praktikum als zeitreisender Historiker bestehen. Er verdächtigt Langby, ein Spion der Gegenseite zu sein, und findet heraus, dass dieser ein Kommunist ist. Zur gleichen Zeit verliebt er sich in eine junge Frau, von der er weiß, dass sie nie Teil seines Lebens sein kann. Am Ende des Jahres 1940, während eines Fliegerangriffs, rettet er Langby das Leben, der eine Brandbombe mit seinem Körper gelöscht hat. Bartholomew wird schließlich in seine Zeit zurückgeholt und hat alle seine Prüfungen bestanden.

Connie Willis (*1945) hat mit dieser Geschichte aus ihrer OXFORD TIME-TRAVEL-Serie eine unterhaltsame und elegante Erzählung geschaffen, die historische Ereignisse des Zweiten Weltkriegs schildert. Willis vermag es, sympathische Figuren zu zeichnen, die einen Kampf zu bestehen haben und mit denen der Leser mitfiebern kann. Zur Serie gehörten später noch Romane, die ebenfalls einen Hugo gewonnen haben (Doomsday Book, 1992, und To Say Nothing of the Dog, 1997).

Weitere Nominierungen:

Phyllis Eisenstein: »Nightlife«

(Februar 1982 in F&SF; dt. »Nachtleben«, in Hahn [Hrsg.]: The Magazine of Fantasy and Science Fiction, 67. Folge: Dinosaurier am Broadway, H 4027)

Timothy Zahn: »Pawn’s Gambit«

(März 1982 in ANALOG; dt. »Ein seltsamer Freund«, in Wollheim/Saha [Hrsg.]: World’s Best SF 2, B 24044)

Somtow Sucharitkul: »Aquila«

(Januar 1982 in ASIMOV’S SF; dt. »Aquila«, in Armer [Hrsg.]: Hiroshima soll leben!, H 4740)

Bruce Sterling: »Swarm«

(April 1982 in F&SF; dt. »Der Schwarm«, in Wollheim/Saha [Hrsg.]: World’s Best SF 2, B 24044; auch: »Schwärmer«, in Sterling: Zikadenkönigin, H 4709)

Short Story

Spider Robinson: »Melancholy Elephants«

(Juni 1982 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

In der kurzen Geschichte geht es um eine junge Frau, die ein ausführliches Gespräch mit einem Senator führt. Das Thema ist dabei der Zusammenhang zwischen Urheberrecht und steigender Langlebigkeit und den möglichen Auswirkungen, wenn das Urheberrecht auf unbegrenzte Zeit erweitert wird. Und da schon das Copyright zum Thema gemacht wird, hat der Autor die Geschichte zur freien Verfügung für alle Leser auf seine Homepage gestellt. Der Titel der Geschichte bezieht sich übrigens darauf, dass Elefanten angeblich niemals etwas vergessen.

Weitere Nominierungen:

Ursula K. Le Guin: »Sur«

(1. Februar 1982 in THE NEW YORKER; dt. »Die Rose des Südens«, in Le Guin: Die Kompaßrose, HSFB 47)

James Tiptree jr.: »The Boy Who Waterskied to Forever«

(Oktober 1982 in F&SF; dt. »Das Tor zur Vergangenheit«, in Hahn [Hrsg.]: The Magazine of Fantasy and Science Fiction, 68. Folge: Mythen der nahen Zukunft, H 4062)

Bruce Sterling: »Spider Rose«

(August 1982 in F&SF; dt. »Spider Rose«, in Sterling: Zikadenkönigin, H 4709)

Howard Waldrop: »Ike at the Mike«

(Juni 1982 in OMNI; nicht auf Deutsch)

Non-Fiction Book

James Gunn: Isaac Asimov – The Foundations of Science Fiction

(Buchausgabe bei Oxford University Press; nicht auf Deutsch)

James Gunn (*1923) ist nicht nur ein SF-Autor, der vor allem in den sechziger und siebziger Jahren mehr als eine Handvoll recht beachtlicher Romane und Erzählungen verfasst hat, er hat sich vor allem als Akademiker auf dem Gebiet der Science Fiction hervorgetan und war Direktor des »Center for the Study of Science Fiction«. In seinem 228 Seiten umfassenden Sachbuch setzt er sich mit dem Werk Asimovs auseinander, stellt alle wesentlichen Romane und Erzählungen vor und wertet sie. Sein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Robotererzählungen und dem Hauptwerk Asimovs, dem FOUNDATION-Zyklus. Dabei untersucht Gunn Asimovs literarische Mittel, die Originalität der Ideen und Wirkung von Asimovs Werken auf andere Autoren.

Weitere Nominierungen:

J. I Llewellyn (Text) & Brian Froud (Illustrationen): The World of the Dark Crystal

(Buchausgabe bei Knopf; nicht auf Deutsch)

Baird Searles, Beth Meacham & Michael Franklin: A Reader’s Guide to Fantasy

(Buchausgabe bei Avon; nicht auf Deutsch)

Barry N. Malzberg: Engines of the Night

(Buchausgabe bei Doubleday; nicht auf Deutsch)

Tim Underwood and Chuck Miller, ed.: Fear Itself: The Horror Fiction of Stephen King

(Buchausgabe bei Underwood-Miller; nicht auf Deutsch)

Dramatic Presentation

Blade Runner

(Blade Runner Partnership; Drehbuch Hampton Fancher & David Peoples; Regie Ridley Scott; basiert auf dem Roman Do Androids Dream of Electric Sheep? von Philip K. Dick; dt. Der Blade Runner)

Rick Deckard (Harrison Ford) muss entflohene Replikanten – Androiden mit begrenzter Lebenszeit – jagen und unschädlich machen. Allerdings hat er Bedenken bei dieser Jagd, die ihn schließlich das eigene Menschsein infrage stellen lassen. Roy Batty (Rutger Hauer), der Anführer der Replikanten, will seinen Schöpfer finden und ihn zwingen, seine Lebenszeit zu verlängern. Die verschlungene Handlung bietet vielfältige Deutungsmöglichkeiten, die durch den 1991 erschienenen Director’s Cut noch verstärkt werden, sodass der Film bis heute viele Fans begeistert und weiterhin beschäftigt.

Blade Runner war die erste Verfilmung eines Romans von Philip K. Dick, der zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Films aber gerade verstorben war. Ridley Scott hat das richtige Gespür bewiesen, als er die filmische Umsetzung auf wenige Handlungsstränge des Romans beschränkte und damit keine reine Romanverfilmung, sondern ein eigenständiges Werk schuf.

Georg Seeßlen hat Blade Runner, ebenso wie Alien, als eine Art Science-Fiction-Noir-Film bezeichnet. Die düstere Atmosphäre, die unglaublich detailreichen Bauten, die stimmungsvolle Musik von Vangelis und die hervorragenden Schauspieler tun ihr Übriges, um diesen Eindruck zu vertiefen. Scotts stilbildender Spielfilm wird auch oft als Vorläufer des Cyberpunk bezeichnet.

Weitere Nominierungen:

Star Trek II: The Wrath of Khan

(Paramount; Drehbuch Jack B. Sowards & Nicholas Meyer; Story Harve Bennett & Jack B. Sowards, Samuel A. Peeples; Regie Nicholas Meyer; dt. Star Trek II: Der Zorn des Khan)

E.T.

(Amblin/Universal; Drehbuch Melissa Mathison; Regie Steven Spielberg; dt. E.T. – Der Außerirdische)

The Dark Crystal

(Henson/ITC/Universal; Drehbuch David Odell; Story Jim Henson; Regie Jim Henson,  Frank Oz & Gary Kurtz; dt. Der dunkle Kristall)

The Road Warrior

(Kennedy Miller/Warner Brothers; Drehbuch Terry Hayes, George Miller & Brian Hannant; Regie George Miller; dt. Mad Max II – Der Vollstrecker)

Professional Editor

Die Verleihung der Hugo Awards 1983.
Die Verleihung der Hugo Awards 1983.
Die Verleihung der Hugo Awards 1983.

Edward L. Ferman

Ein weiteres Mal wurde Edward L. Ferman ausgezeichnet, der nun seit siebzehn Jahren das MAGAZINE OF FANTASY AND SCIENCE FICTION herausgab. 1982 brachte er unter anderem die außergewöhnliche Novella »Souls« von Joanna Russ, »Swarm« und »Spider Rose« von Bruce Sterling sowie Kurzgeschichten von Timothy Zahn, Harlan Ellison, Thomas M. Disch, Gregory Benford, Isaac Asimov, Charles Sheffield, George Alec Effinger, Alan Dean Foster, Larry Niven, Connie Willis, Nancy Kress, James Tiptree jr., Avram Davidson, R. A. Lafferty, J. G. Ballard, Brian W. Aldiss, Kim Stanley Robinson, Lewis Shiner, Rudy Rucker, Pat Cadigan und Tim Powers. Außerdem gab es in jeder Ausgabe eine Wissenschaftskolumne von Isaac Asimov sowie Buchrezensionen und Essays von Michael Bishop, John Clute, George Zebrowski, Algis Budrys und Barry N. Malzberg.

Darüber hinaus gab Ferman 1982 die Anthologie The Best from Fantasy and Science Fiction 24th Series mit Erzählungen von 1979 bis 1981 heraus.

Weitere Nominierungen:

Terry Carr
Stanley Schmidt
George Scithers
David Hartwell

Professional Artist

Michael Whelan

Im Jahr 1982 sind allein 25 Coverillustrationen von Michael Whelan gedruckt worden. Die wichtigsten darunter waren The Dark Tower: The Gunslinger von Stephen King, The Pride of Chanur von C. J. Cherryh, mehrere Lovecraft-Erzählungsbände, Nor Crystal Tears von Alan Dean Foster und 2010: Odyssey Two von Arthur C. Clarke.

Weitere Nominierungen:

Frank Kelly Freas
Rowena Morrill
Don Maitz
Darrell Sweet
Barclay Shaw

Fanzine

LOCUS (Charles N. Brown)

1982 war das letzte Jahr, in dem LOCUS als reines Fanzine erschien, ab 1983 sollte es ein sogenanntes Semiprozine werden. Es wurden zwölf Ausgaben mit jeweils 32 bis 48 Seiten gedruckt. Neben zahlreichen Rezensionen und Marktberichten gab es u. a. Beiträge von Norman Spinrad, Gregory Benford, Fritz Leiber, James Gunn, Chelsea Quinn Yarbro sowie Briefe von Autoren wie Damon Knight, C. J. Cherryh, Robert A. Heinlein, Isaac Asimov, Harlan Ellison, Marion Zimmer Bradley, Ben Bova, Robert Silverberg, Ian Ballantine, Lester del Rey, Hal Clement und Gene Wolfe.

Weitere Nominierungen:

SCIENCE FICTION CHRONICLE (Andrew Porter)
SCIENCE FICTION REVIEW (Richard E. Geis)
FILE 770 (Mike Glyer)
FANTASY NEWSLETTER (Robert A. Collins)

Fan Writer

Richard E. Geis

Geis war unermüdlich und brachte 1982 wiederum vier Ausgaben seiner SCIENCE FICTION REVIEW heraus sowie 18 einzelne Rezensionen zu Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt. Beim Verfassen der Rezensionen wurde er, wie auch in den Jahren zuvor, von Gene DeWeese unterstützt und hatte viele Gastrezensenten.

Obwohl Geis noch in nachfolgenden Jahren nominiert war, erhielt er keinen weiteren Hugo Award. Die SCIENCE FICTION REVIEW erschien noch bis zur Nummer 61 im Winter 1986. Geis setzte sich danach mehr oder weniger zur Ruhe und schrieb gelegentlich noch in den 90er Jahren für andere Fanzines.

Weitere Nominierungen:

Mike Glyer
Dave Langford
Arthur D. Hlavaty

Fan Artist

Alexis Gilliland

Seinen zweiten Hugo erhielt Gilliland wiederum für seine Cartoons, die unter anderem im FANTASY NEWSLETTER erschienen.

Weitere Nominierungen:

William Rotsler
Joan Hanke-Woods
Stu Shiffman
Dan Steffan

Campbell Award

Paul O. Williams

Paul O. Williams (1935–2009) studierte an der University of Pennsylvania, promovierte, lehrte an der Duke University und kehrte in seine Heimatstadt zurück, wo er am College Englisch und Literatur unterrichtete. Außerdem schrieb er Gedichte und war Präsident der Haiku Society of America. Williams’ Hauptwerk ist der siebenbändige PELBAR-Zyklus, der tausend Jahre nach dem Atomkrieg in der matriarchalisch regierten Stadt Pelbar am Heartfluss, ehemals als Mississippi bekannt, spielt. Der Zyklus erschien bei Del Rey/Ballentine und beginnt mit den Romanen The Breaking of Northwall (1981; dt. Die Zitadelle von Nordwall, H 4151), The Ends of the Circle (1981; dt. Die Enden des Kreises, H 4152), The Dome in the Forest (1981; dt. Die Kuppel im Walde, H 4153) und The Fall of the Shell (1982; dt. Der Fall der Muschel, H 4154). Der letzte Band erschien 1985, alle sieben Bände wurden ins Deutsche übersetzt. Darüber hinaus veröffentlichte Williams fünf Bücher über Haikus, zwei weitere Romane und sieben Erzählungen.

Weitere Nominierungen:

Lisa Goldstein
David R. Palmer
Joseph H. Delaney
Sandra Miesel
Warren Norwood

 

 

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Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 1953-1984” (erschienen 2015 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Genau diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. 

 

© 2015 by Hardy Kettlitz

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