Die Gewinner der Hugo Awards 1978.

KOLUMNE

Die Hugo Awards 1978: Das waren die Gewinner


In diesem Jahr wurde der Hugo auf dem IguanaCon II in Phoenix vergeben.

Toastmaster: F. M. Busby

Novel

Frederik Pohl: Gateway

(3 Teile, November und Dezember 1976 sowie März 1977 in GALAXY; dt. Gateway, G 23299, enthalten in Die Gateway-Trilogie, H 87905)

Die Gewinner der Hugo Awards 1978.
Die Gewinner der Hugo Awards 1978.
Die Gewinner der Hugo Awards 1978.

Der Erzähler des Romans heißt Robinette Broadhead, nennt sich aber wegen seines ungewöhnlichen Vornamens lieber Bob. Er ist sehr reich und bei einem virtuellen Psychiater namens Sigfried in Behandlung, der Broadheads Probleme zu lösen versucht. Während der langen Gespräche erzählt Broadhead von seiner Vergangenheit. Und so erfährt der Leser, dass Broadhead sechzehn Jahre zuvor in einer Schiefermine hart gearbeitet hat, wo wegen der erschöpften Bodenschätze der Erde mühselig Öl aus dem Schiefer gewonnen wurde.

Als Broadhead 250.000 Dollar im Lotto gewonnen hat, war dies seine einmalige Chance, der schweren Arbeit zu entfliehen und vielleicht sein Glück zu machen. Er kaufte sich ein Ticket nach Gateway, einem etwa zehn Kilometer großen Asteroiden, der vor fast vier Jahrzehnten weiter draußen im Sonnensystem entdeckt worden war. Gateway wurde von Außerirdischen, die Hitschi (in Original Heechee) genannt werden, ausgehöhlt und ist vollgestopft mit fast tausend kleinen Alienraumschiffen, die einen, drei oder fünf Passagiere fassen und deren Steuermechanismus nicht ausreichend erforscht ist. Die Raumschiffe können mit Überlichtgeschwindigkeit an die entlegendsten Orte des Universums fliegen, doch jeder Flug ist ein Glücksspiel, da man nie weiß, ob und wo man ankommt oder ob das Raumschiff wieder zurückkehrt. Die Piloten können an Rädern drehen, um irgendwelche Koordinaten einzustellen, und dann den Startknopf drücken – mehr Einfluss haben sie nicht auf den Kurs. Die Gateway-Gesellschaft setzt Prämien mit horrenden Summen aus, sodass Glücksspieler ihr Lebens als Piloten aufs Spiel setzen, um ein Vermögen zu gewinnen oder ihr Leben zu verlieren. Die Gateway-Gesellschaft macht ihren Profit mit den Technologien und Artefakten, die die Raumfahrer von fernen Planeten mitbringen.

Broadhead hat an drei Expeditionen teilgenommen. Die ersten beiden waren völlig erfolglos und haben ihn fast das Leben gekostet. Die dritte Expedition jedoch gelangte zu einem Schwarzen Loch, und Broadhead ist der Überzeugung, dass er dort das Leben von neun anderen Menschen geopfert hat, um sein eigenes zu retten. Dies ist der Grund, warum er sich in psychiatrischer Behandlung befindet, doch Sigfried findet heraus, was tatsächlich geschehen ist.

Pohl hat seinen Roman sehr geschickt konstruiert, denn es handelt sich gleichzeitig um eine moderne Space Opera und einen psychologischen Roman. Stilistisch bewegt er sich dabei zwischen New Wave und Hard SF, wobei seine Figuren glaubhaft sind und auch die Liebesgeschichte zwischen Broadhead und einer Frau namens Klara sehr stimmig ist.

Später ließ Pohl diesem Roman mehrere Fortsetzungen folgen.

Weitere Nominierungen:

Marion Zimmer Bradley: The Forbidden Tower

2. Platz – (Buchausgabe bei DAW; dt. Der verbotene Turm, M 3553)

Larry Niven & Jerry Pournelle: Lucifer’s Hammer

3. Platz – (Buchausgabe bei Playboy Press; dt. Luzifers Hammer, H 3700)

Gordon R. Dickson: Time Storm

(Buchausgabe bei St. Martin’s; dt. Sturm der Zeit, H 3871)

George R. R. Martin: Dying of the Light

(Buchausgabe bei Simon & Schuster; 4 Teile, April bis Juli 1977 in ANALOG unter dem Titel »After the Festival«; dt. Die Flamme erlischt, Kn 701, FanPro und Blanvalet)

Novella

Jeanne & Spider Robinson: »Stardance«

(März 1977 in ANALOG; dt. enthalten in Robinson: Sternentanz, H 4082)

Die junge Tänzerin Shara Drummond ist überaus begabt, doch kann sie es nicht zum Profi bringen, wie der ehemalige Tänzer und Erzähler der Geschichte Charlie Armstead schnell erkennt. Denn Shara ist zu groß und zu sexy, und die kleinen, dünnen, androgynen Tänzerinnen werden ihr immer vorgezogen werden. Charlie ist verbittert, denn durch eine alte Verletzung am Bein kann er selbst nicht mehr tanzen, sondern ist nun Kameramann. Trotzdem ist er fasziniert von Sharas Können und ihrer sexuellen Anziehungskraft. Einige Zeit später hat die Tänzerin eine unglaubliche Idee: Sie bringt den Milliardär Carrington, der die im Orbit kreisende Fabrik Skyfac besitzt, dazu, sie zusammen mit Charlie im Orbit filmen zu lassen. Auf Skyfac angekommen proben sie in der Schwerelosigkeit den »Sternentanz«, der schließlich ein großer Erfolg wird. Aber gesundheitliche Probleme zwingen Shara dazu, zur Erde zurückzukehren. Doch während des Rückflugs tauchen plötzlich außerirdische Energiewesen auf, die sich seltsam bewegen. Shara erkennt, dass es sich um eine Art Tanz handelt, und es gelingt ihr, mit den Aliens zu kommunizieren …

Das Ehepaar Robinson ist eigentlich die ideale Kombination für eine solche Geschichte: Spider (*1948) ist Autor und seine Frau Jeanne Robinson (*1948) Tänzerin und Choreographin. Und die Idee eines Tanzes in der Schwerelosigkeit ist großartig, ebenso getanzte Bewegungen zur Kommunikation zu nutzen. – Die beiden Autoren erweiterten die Geschichte später zum Roman Stardance (1979), dem noch zwei weitere Bände folgten, und zwar Starseed (1991) und Starmind (1995).

Weitere Nominierungen:

John Varley: »In the Hall of the Martian Kings«

2. Platz – (Februar 1977 in F&SF; dt. »Im Audienzsaal der Marskönige« in Kluge [Hrsg.]: F&SF 50 – Die Cinderella-Maschine, H 3605 und in Varley: Noch mehr Voraussichten, G 23383)

Vonda N. McIntyre: »Aztecs«

3. Platz – (1977 in 2076: The American Tricentennial; dt. »Azteken« in Jeschke [Hrsg.]: Science Fiction Story Reader 13, H 3685)

Gregory Benford: »A Snark in the Night«

(August 1977 in F&SF; nicht auf Deutsch)

Keith Laumer: »The Wonderful Secret«

(2 Teile, September und Oktober 1977 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Novelette

Joan D. Vinge: »Eyes of Amber«

(Juni 1977 in ANALOG; dt. »Bernsteinaugen« in Alpers [Hrsg.]: Bestien für Norn, Kn 5722)

Eine NASA-Sonde hat auf dem Saturnmond Titan höherentwickeltes intelligentes Leben entdeckt. Die nachfolgenden unbemannten Sonden sind dazu bestimmt, die Mondoberfläche zu beobachten und Daten und Signale zu übermitteln. Der Titan ist, wie in den Geschichten der Pulp-Ära, eine Art rückständige Fantasywelt, und die Titanbewohner haben Schwimmhäute und rudimentäre Flügel. Sie verständigen sich durch akustische Signale, die sich durch die Tonhöhe voneinander unterscheiden, ihre Sprache besteht also aus Akkorden und Melodien. Die NASA-Wissenschaftler konnten nach langer Arbeit diese Sprache entschlüsseln, automatische Übersetzungprogramme sind jedoch zu unflexibel, weshalb man einen linguistisch begabten, berühmten Musiker angeheuert hat, um bei der Informationsübermittlung zu helfen. Er steht schließlich in Kontakt mit der adeligen Auftragsmörderin Lady T’uupieh, die von Lord Chwiul angeheuert wurde, einen anderen Lord und dessen Frau, die T’uupiehs Schwester ist, zu töten. Der Musiker versucht durch die Sonde, die T’uupieh für einen Dämon hält, dem fremden Wesen klar zu machen, dass es Unrecht ist, seine eigene Schwester zu ermorden.

Zur Schilderung der Titanwesen hat die Autorin sämtliche allzu bekannten Klischees der Fantasy bemüht. Die Wesen sind amphibienartig und schleimig, aber gleichzeitig geflügelt. Es gibt Lords und Overlords, gefährliche Bestien und allerlei andere Fantasy-Staffage. Zu allem Überfluss tragen die meisten Titanbewohner in ihrem Namen ein Apostroph, was sie nicht fremdartiger, sondern leider nur alberner macht.

Wenn dies die beste Novelette des Jahres gewesen sein soll, dann müsste es sich um ein schlechtes Jahr gehandelt haben. Man kann sich nur darüber wundern, warum sich die Abstimmungsberechtigten nicht für die Texte von Orson Scott Card, Samuel R. Delany oder Racoona Sheldon entschieden haben.

Weitere Nominierungen:

Orson Scott Card: »Ender’s Game«

2. Platz – (August 1977 in ANALOG; dt. »Enders Spiel« in Card: Play Cosmos, B 22043)

Racoona Sheldon: »The Screwfly Solution«

3. Platz – (Juni 1977 in ANALOG; dt. »Schmeißfliegen« in Fuchs [Hrsg.]: Straße der Schlangen, Kn 5761; »Die Goldfliegen-Lösung« in Tiptree: Aus dem Überall und andere seltsame Visionen, H 4612, »Operation Goldfliegenlarve« in Der Rabe 22, Haffmans, »Die Screwfly-Solution« in Tiptree: Zu einem Preis, Septime)

Samuel R. Delany: »Prismatica«

(Oktober 1977 in F&SF; nicht auf Deutsch)

Carter Scholz: »The Ninth Symphony of Ludwig van Beethoven and Other Lost Songs —«

(1977 in Universe 7; dt. »Die Neunte Symphonie von Ludwig van Beethoven und andere verlorene Stücke« in Jeschke [Hrsg.]: Heyne Science Fiction Jahresband 1992, H 4865)

Short Story

Harlan Ellison: »Jeffty is Five«

(Juli 1977 in F&SF; dt. »Jeffty ist fünf« in Kluge [Hrsg.]: F&SF 56 – Jeffty ist fünf, H 3739, in Ferman [Hrsg.]: 30 Jahre Magazine of Fantasy & Science Fiction, H 3763; in Carr/Greenberg [Hrsg.]: Traumreich der Magie, H 4254 und in Ellison: Ich muss schreien und habe keinen Mund, H 53315)

Donny, der Erzähler dieser Geschichte, hatte, als er fünf Jahre alt war, einen gleichaltrigen Freund namens Jeffty. Doch als Donny heranwuchs, war Jeffty weiterhin fünf Jahre alt, selbst 15 Jahre später noch. Die Eltern des Jungen waren zuerst verwundert, dann erschrocken und schließlich verbittert darüber, dass ihr Jeffty nicht wuchs, sondern einfach ein Fünfjähriger blieb. Der erwachsene Donny ist der einzige Freund, den der aufgeweckte, freundliche und lustige kleine Jeffty hat. Donny findet schließlich heraus, dass Jeffty in einer Art eigenen Welt lebt, die durchaus real ist. Jeffty kann zum Beispiel Radiosendungen hören, die es schon seit Jahren nicht mehr gibt, wie etwa Captain Midnight oder The Shadow. Und Donny kann diese Sendungen auch hören, wenn er Jeffty besucht, und es sind offenbar keine alten Sendungen, sondern tatsächlich neue, die so klingen, als wären sie von den alten Autoren geschrieben und würden von den alten Sprechern vorgetragen. Als die beiden ins Kino gehen wollen, wo gerade eine Verfilmung von Alfred Besters The Demolished Man mit Filmstars aus den Vierzigern läuft, wird Donny abgelenkt und muss Jeffty für kurze Zeit allein lassen. Schließlich wird der Kleine von älteren Jungen verprügelt, weil er so seltsam ist. Donny bringt Jeffty nach Hause, doch die gegenwärtige Realität hat Jeffty eingeholt, und der Zauber der Kindheit ist plötzlich vorbei.

Diese Kurzgeschichte zeigt Harlan Ellison auf dem Höhepunkt seines erzählerischen Könnens. Der Autor preist die Unschuld der Kindheit in den Vierzigerjahren, ohne den Zauber der phantastischen Geschichte durch überflüssige Erklärungen zu verderben. Er schildert die Sehnsucht nach den Freuden eines kleinen Jungen mit einer Sentimentalität, wie man sie sonst nur in den besten Geschichten von Ray Bradbury findet.

Weitere Nominierungen:

John Varley: »Air Raid«

2. Platz – (Frühjahr 1977 in ASIMOV’S SF unter dem Pseudonym Herb Boehm; dt. »Luftpiraten« in Varley: Voraussichten, G 23381; »Luftangriff« in Gunn [Hrsg.]: Von Lem bis Varley, HSFB 98)

Spider Robinson: »Dog Day Evening«

3. Platz – (Oktober 1977 in ANALOG; dt. »Hundstagsabend« in Robinson: Für Zeitreisende nur gegen bar, H 4322)

Randall Garrett: »Lauralyn«

(April 1977 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

James Tiptree jr.: »Time-Sharing Angel«

(Oktober 1977 in F&SF; dt. »Geteiltes Leid« in Tiptree: Aus dem Überall und andere seltsame Visionen, H 4612, »Der Teilzeitengel« in Tiptree: Zu einem Preis, Septime)

Dramatic Presentation

Star Wars

(Lucasfilm; Drehbuch und Regie George Lucas; dt. Krieg der Sterne bzw. Krieg der Sterne – Episode IV: Eine neue Hoffnung)

Star Wars ist einer der finanziell erfolgreichsten Filme aller Zeiten und zu einem multimedialen, popkulturellen Phämonem geworden. Ob es sich bei Star Wars tatsächlich um Science Fiction oder eher eine Art Weltraum-Fantasy handelt, wird bis heute diskutiert. Tatsache ist, dass George Lucas sich auf sehr geschickte Weise bei Versatzstücken aus Comics, alten Serials, Western, Agentengeschichten, Märchen- und Kriegsfilmen bedient hat, um daraus etwas Neues zu schaffen. Doch nicht die simple Geschichte vom Kampf des Guten gegen das Böse hat die Zuschauer so sehr fasziniert, sondern die unglaublichen, nie gesehenen Special Effects mit riesigen Raumschiffen, Robotern und Weltraumschlachten. Und so akzeptierte das Publikum die Geschichte des jungen Luke Skywalker, der die Prinzessin aus den Fängen des galaktischen Imperiums befreien muss, wobei es den Todesstern zu zerstören gilt. Die übernatürliche »Macht« der Jedi-Ritter hilft ihm dabei.

Star Wars hatte nicht nur einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Films, im speziellen des SF- und Actionfilms, sondern auch auf die Programme der Buchverlage. Nach Star Wars erschienen deutlich mehr Space Operas, und das Interesse an gedruckter Science Fiction stieg allgemein so an, dass in Deutschland mehrere Taschenbuchverlage eigene Science-Fiction-Reihen starteten.

Weitere Nominierungen:

Close Encounters of the Third Kind

2. Platz – (Columbia/EMI; Drehbuch und Regie Steven Spielberg; dt. Unheimliche Begegnung der dritten Art)

Blood! The Life and Future Times of Jack the Ripper

(Hörspiel; Alternate Worlds Recordings; Drehbuch Robert Bloch & Harlan Ellison; Regie Shelley Torgeson, Produktion Roy Torgeson; nicht auf Deutsch)

Wizards

(20th Century Fox; Drehbuch und Regie Ralph Bakshi; dt. Die Welt in 10 Millionen Jahren)

The Hobbit

(Fernsehfilm; Rankin/Bass; Drehbuch Romeo Muller; Regie Jules Bass & Arthur Rankin jr.; basiert auf dem gleichnamigen Roman von J. R. R. Tolkien; nicht auf Deutsch)

Professional Editor

Die Gewinner der Hugo Awards 1978.
Die Gewinner der Hugo Awards 1978.
Die Gewinner der Hugo Awards 1978.

George Scithers

George Scithers (1929–2010) war Autor, Herausgeber und Verleger. Von 1959 bis 1982 gab der das Fanzine AMRA heraus, das 1964 und 1968 den Hugo gewonnen hat. Seine erste Erzählung war »Faithful Messenger« (März 1969 in IF). Im Frühjahr 1977 schließlich wurde ISAAC ASIMOV’S SCIENCE FICTION MAGAZINE gegründet, und Scithers wurde dessen Herausgeber. Das Magazin war von Anfang an sehr erfolgreich und beliebt, was nicht zuletzt an den klangvollen Namen der Autoren der ersten vier Ausgaben lag: Isaac Asimov, Arthur C. Clarke, John Varley, John Shirley, Michael Bishop, Barry N. Malzberg, Randall Garrett und anderen. Asimov schrieb das Editorial, illustriert wurden die Geschichten von Genregrößen wie Vincent Di Fate und Frank Kelly Freas, und die zahlreichen Rezensionen steuerte LOCUS-Herausgeber Charles N. Brown bei.

Weitere Nominierungen:

2. Platz – Edward L. Ferman
3. Platz – Ben Bova
Jim Baen
Terry Carr

Professional Artist

Rick Sternbach

Rick Sternbach erhielt bereits seinen zweiten Hugo als bester Künstler. 1977 hatte er eine Handvoll Buchcover sowie drei Magazincover für F&SF und zwei für ANALOG gestaltet, überwiegend mit astronomischen Motiven und Raumschiffen.

Weitere Nominierungen:

2. Platz – Frank Kelly Freas
3. Platz – Stephen Fabian
Vincent Di Fate
Michael Whelan

Fanzine

LOCUS (Charles and Dena Brown)

1977 erschienen zehn Ausgaben von LOCUS mit einem Umfang von 16 bis 20 Seiten. Neben Rezensionen von Buch- und Magazinneuerscheinungen und Marktberichten gab es Artikel von Jack Williamson (mit einem Nachruf auf Edmond Hamilton), Damon Knight, Frederik Pohl, Algis Budrys, Gregory Benford, Michael Moorcock und Harlan Ellison sowie Briefe von Ursula K. Le Guin, Harry Harrison, Spider Robinson, Arthur C. Clarke, John Brunner und anderen. Ab der letzten Ausgabe 1977 schied Dena Brown als Herausgeberin aus, und Charles Brown blieb bis zu seinem Tod alleiniger Herausgeber.

Weitere Nominierungen:

2. Platz – SCIENCE FICTION REVIEW (Richard E. Geis)
3. Platz – JANUS (Janice Bogstad & Jeanne Gomoll)
MAYA (Rob Jackson)
DON-O-SAUR (Don C. Thompson)

Fan Writer

Richard E. Geis

Zwar konnte sein Fanzine SCIENCE FICTION REVIEW in diesem Jahr nicht den Hugo erringen, aber Geis war nach wie vor beliebt. Er schrieb weiterhin seine festen Kolumnen, obendrein 44 einzelne Rezensionen und sechs längere Artikel, darunter auch Filmrezensionen.

Weitere Nominierungen:

2. Platz – Susan Wood
3. Platz – No Award
Charles N. Brown
Don D’Ammassa
Don C. Thompson

Fan Artist

Phil Foglio

Der zweite Hugo für Fogio (siehe 1977) bestätigte, dass sein Zeichenstil bei den Fanzinelesern sehr beliebt war. Außerdem hatte er das sehr schöne Titelbild für das Programmbuch des SunCon, des 35. WorldCon gestaltet, das ein Porträt des Ehrengastes Jack Williamson zeigt.

In den 80er Jahren wurde Foglio dann der Titelbildmaler für die MYTH-Romanreihe von Robert Asprin.

Weitere Nominierungen:

2. Platz – Grant Canfield
3. Platz – Alexis Gilliland
Jeanne Gomoll
Jim Shull

Campbell Award

Orson Scott Card

Auch bei Orson Scott Card (*1951) lagen die Abstimmenden richtig, denn er entwickelte sich in den nachfolgenden Jahren zu einem wichtigen und einflussreichen Autor. Dabei legte bereits seine Debütgeschichte das Fundament für die folgenden Jahrzehnte von Cards Karriere: »Ender’s Game« (August 1977 in ANALOG) wurde nicht nur zum gleichnamigen Roman erweitert, für den Card 1986 Hugo und Nebula Award erhielt, sondern er verfasste bis heute rund ein Dutzend weiterer Romane, die im gleichen Universum angesiedelt sind. Bis zum Anfang der 80er Jahre entwickelte sich Card zu einem der führenden neuen Autoren der SF. Card ist als Mormone geboren und aufgewachsen, und so brachte er viele Glaubensfragen in seine Geschichten ein, die der Science Fiction neue Impulse gaben. Zahlreiche seiner Hauptfiguren sind Messiasgestalten, so Ender Wiggin in den späteren Büchern der Serie, oder auch Alvin Maker in der bisher sechs Bände umfassenden ALVIN MAKER-Saga über ein Amerika in einer alternativen Realität, in der Magie existiert. In der fünfbändigen HOMECOMING-Serie, die mit dem Roman The Memory of Earth (1992 bei Tor; dt. Die verlorene Erde) beginnt, verarbeitet er das Buch Mormon zu einer SF-Saga.

Cards frühe Erzählungen sind in dem Band Unaccompanied Sonata gesammelt (1981 bei The Dial Press; dt. Play Cosmos). Aber auch seine einzelnen, serienumabhängigen Romane sind sehr unterhaltsam und eindrucksvoll, wie zum Beispiel Hot Sleep (1979 bei Ace; dt. Heißer Schlaf), A Planet Called Treason (1979 bei St. Martin’s Press; dt. Der Spender-Planet bzw. Treason – der Spender-Planet) oder Songmaster (1980 bei The Dial Press; dt. Meistersänger).

Die Verfilmung von Ender’s Game im Jahr 2013 führte dazu, dass Cards Bücher in den USA erneut auf den Bestsellerlisten landeten.

Weitere Nominierungen:

2. Platz – Stephen R. Donaldson
3. Platz – Jack L. Chalker
Elizabeth A. Lynn
Bruce Sterling

Gandalf Award (Grand Master)

Poul Anderson

Poul Anderson (1926–2001) ist der Sohn skandinavischer Eltern, wurde aber in den USA geboren. Er begann 1947 seine ersten Erzählungen in SF-Magazinen zu veröffentlichen, und bereits fünf Jahre später, als sein berühmter Roman Brain Wave (September 1953 in SPACE SCIENCE FICTION; Buchausgabe 1954 bei Ballantine; dt. Die Macht des Geistes bzw. Unter kosmischen Nebeln bzw. Der Nebel weicht) erschien, wurde er zu einem der führenden Autoren der SF. Im Laufe der nächsten Jahre arbeitete er an einer ganzen Reihe von Serien. Gemeinsam mit Gordon R. Dickson schrieb er drei amüsante Romane über die teddybärartigen Hoka, beginnend mit Earthman’s Burden (1957 bei Gnome Press; dt. Des Erdenmannes schwere Bürde). Bekannt sind auch die Psychotechnic League (sechs Bücher), die Polesotechnic League mit der Hauptfigur Nicholas van Rijn (sieben Bücher), die Romane um Dominic Flandry (neun Bücher) und die Geschichten um die Zeitpatrouille.

Den Gandalf Award jedoch erhielt er vor allem wegen seiner Verdienste auf dem Gebiet der Fantasy. Bereits 1954 erschien The Broken Sword (bei Ballentine; dt. Das zerbrochene Schwert bzw. Das geborstene Schwert), in dem er erstmals für amerikanische Leser die skandinavische Mythologie zu einem Roman verarbeitete. Ebenso erfolgreich war Hrolf Kraki’s Saga (1973 bei Ballantine; dt. Hrolf Krakis Saga). Anderson hat weit über hundert Bücher geschrieben, und auch wenn nicht alle zu den Besten des Genres gehören, hat er den Preis wohl verdient.

Weitere Nominierungen:

Ray Bradbury
Ursula K. Le Guin
Roger Zelazny
Michael Moorcock (zurückgezogen)

Gandalf Award (Book-Length Fantasy)

The Silmarillion by J. R. R. Tolkien (edited by Christopher Tolkien)

(Buchausgabe 1977 bei George Allen & Unwin sowie Houghton Mifflin; dt. Das Silmarillion, Klett-Cotta)

Dieses in der Erstausgabe 365 Seiten umfassende Werk enthält unvollendete Texte von J. R. R. Tolkien, die sein Sohn Christopher auf Tolkiens Wunsch posthum herausgegeben hat. Es bildet die Vorgeschichte zu den Romanen The Hobbit und The Lord of the Rings, sowohl in kosmogonischer als auch mythologischer Hinsicht; selbst die Entstehung der Welt wird erzählt. Dabei sind die Texte sehr unterschiedlich, und die Figuren darin werden mal mehr, mal weniger detailliert beschrieben. Die ersten Textentwürfe Tolkiens gehen bereits bis 1917 zurück, doch damals gab es für Tolkien keine Möglichkeit, die Geschichten zu veröffentlichten. Erst nach dem unglaublichen Erfolg von The Lord of the Rings wollte die Leserschaft immer mehr über die Hintergründe wissen. Bis kurz vor seinem Tod 1973 arbeitete Tolkien selbst noch an den Geschichten. In den Jahren danach war Christopher Tolkien damit beschäftigt, die Handschriften seines Vaters zu entziffern, die Texte aus sehr unterschiedlichen Jahrzehnten zusammenzutragen und in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen. Als eigenständiges Werk ist das Buch schwer zu lesen, wer sich aber mit Mittelerde und den Details in The Lord of the Rings weitergehend auseinandersetzen will, der kommt an The Silmarillion nicht vorbei.

Weitere Nominierungen:

Piers Anthony: A Spell for Chameleon

(Buchausgabe bei Del Rey; dt. Chamäleon-Zauber, B 20053)

Stephen R. Donaldson: Lord Foul’s Bane

(Buchausgabe bei Holt, Rinehart and Winston; dt. Lord Fouls Fluch, H 3740 und Knaur)

Fritz Leiber: Our Lady of Darkness

(Buchausgabe bei Berkley/Putnam; dt. Herrin der Dunkelheit, H 3775)

 

 

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Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 1953-1984” (erschienen 2015 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Genau diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. 

 

© 2015 by Hardy Kettlitz

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