Neue Fantasy-Bücher im November: Niemalsland, Briefe vom Weihnachtsmann, Im Schatten des Himmels, Götterkriege-Sammelband

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Neue Fantasy-Bücher im November: Niemalsland, Blausteinkriege, Winterkaiser und viele mehr


Jeden Monat geben euch hier die Jungs der Berliner Fantasy und Science Fiction Buchhandlung Otherland Tipps über die besten Neuerscheinungen aller Verlage. Los geht's also mit den Buchtipps aus dem Bereich Fantasy.


Und das sind die Otherland-Fantasy-Buchtipps für November

 

Viel Gutes gibt es diesen Monat in der Fantasy (neu) zu entdecken - einen ganz besonderen Tipp haben wir ausgelagert (siehe unten), und auch der Rest kann sich sehen lassen.

Da wären zum einen Neuauflagen teils lange vergriffener Klassiker: Neil Gaimans erster Roman Niemalsland um eine magische Nebenwelt in der Londoner U-Bahn ist bei Eichborn in einer erweiterten Neuausgabe erschienen - Gaiman hat ja schon bei seinem großen Roman American Gods nach der Erstveröffentlichung noch einmal an den Details gefeilt. Genauso hat er es auch bei Niemalsland gemacht, und so liegt auch hier nun der “Author’s Final Cut” vor.

Wieder mal in einer neuen, gediegenen und diesmal von Alan Lee farbig illustrierten Ausgabe liegt Tolkiens Der Herr der Ringe vor (in der geliebten Carroux-Übersetzung!) - und passend zur Jahreszeit gibt es auch von Tolkiens Briefe vom Weihnachtsmann eine Neuauflage.

Noch einmal im Rückgriff auf Niemalsland ist festzustellen, dass magisch unterwanderte Metropolen nicht immer London sein müssen; in Lars Simons Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen ist Göteborg dran. Ein sprechender Mops verwickelt Lennart Malmkvist in die Welt der zauberkräftigen Leierkastenmänner, erklärt ihn zum Auserwählten und verwickelt ihn in einen Mord ….

Spin-Offs wirbeln ja in alle möglichen Richtungen, vom Comic zum Roman ist allerdings nach wie vor eher selten. Fables-Schöpfer Bill Willingham hat’s jetzt aber so gemacht und einen Roman über Peter Piper verfasst. Für Fables-Fans sowieso Pflichtprogramm, aber auch für andere Freunde von Fantasy, die schräges Zeug mit vertrauten Märchenmotiven anstellt, sicher interessant.

Leonie Swanns Dunkelsprung rutscht uns ein wenig von der Seite ins Programm. Die Autorin kennt man vor allem von ihrem schrägen Schafskrimi Glennkill, in Dunkelsprung ist das Getier noch etwas kleiner, denn es geht um einen bedrohten Flohzirkus und seinen Dompteur Julius Birdwell, der die Tierchen um jeden Preis retten will. Das bringt ihn in gefährliche Geschäfte mit Magiern und Meerjungfrauen, und die wiederum sorgen dafür, dass das Buch seinen Platz in unserem Fantasy-Regal findet.

Es geht aber auch klassisch-episch, so zum Beispiel im zweiten Band der Blausteinkriege des Autorenduos T.S. Orgel, Sturm aus dem Süden, bei Alexey Pehov, der seine neue Reihe, die Chroniken der Seelenfänger, mit Dunkler Orden fortsetzt, oder bei Frank Rehfeld, der mit Der Weg des Inquisitors ein düsteres, moralisch ambivalentes Szenario mit höchst finsterer Bedrohung im Hintergrund liefert.

Ein besonders empfehlenswertes Schmankerl für alle, die nicht mehr auf eine Fortsetzung von Susanna Clarkes Jonathan Strange & Mr. Norrell hoffen, ist Zen Chos Die Magier seiner Majestät. Auch hier haben wir eine herrlich britische Geschichte über zaubernde Ladies und Gentlemen, die allesamt auch aus einem Roman von Jane Austen stammen könnten, hätte diese Fantasy geschrieben. Im Gegensatz zum verspielt und dickensianisch gewunden erzählten Meisterwerk von Clarke, setzt Zen Cho tatsächlich mehr auf die Tugenden der Autorin von Stolz und Vorurteil: Sie peitscht den Leser mit flott gezeichneten Figuren und gewitzten Dialogen durch ihr fantastisches Empire voller exzentrischer Typen und spannender Wendungen.  

Und gleich noch ein Highlight, denn endlich kommt mal wieder ein Buch eines der Alt- und Großmeister der Fantasy auf den deutschen Markt: Im Schatten des Himmels von Guy Gavriel Kay! Für dieses Epos hat Kay sich vom historischen China inspirieren lassen. Ein Kriegermönch, der sich in der Schlacht bewährt, wird über Nacht zu einem wohlhabenden und einflussreichen Mann am Kaiserhof und in die dortigen Intrigen hineingezogen. Kay ist ein hervorragender Erzähler, der den Leser mit viel Spannung auf der Figurenebene fesselt und in die Exotik eines fantastischen Fernen Ostens entführt. Das Ganze liest sich halb wie ein historischer Roman, halb wie epische Fantasy. Wer von Kays Reich Kitai angefixt ist, kann anschließend mit dem jüngst erschienenen Auftakt von Ken Lius Seidenkrieger-Saga weitermachen und vergleichen. Der Fantasy-Leseherbst scheint unter einem fernöstlichen Stern zu stehen!

Zum Abschluss kommen wir nun zu den Neuauflagen: Bei Eriksons Spiel der Götter hat die Taschenbuch-Neuausgabe mit Band 14 nun fast die alten Paperpacks eingeholt; wir fragen uns aber immer noch: Wo bleiben die Abschlussbände? Leider haben wir dazu mal wieder keine gesicherte Auskunft …

An die Askir-Sammelbände von Richard Schwartz knüpft nun ein nicht weniger gewichtiger Götterkriege-Sammelband an - ordentlich Lesestoff, aber man braucht schon kräftige Handgelenke, um das Ding im Bett festzuhalten.

Schließlich gibt es auch mal wieder eine aktualisierte Neuausgabe des Scheibenwelt-Lexikons von Terry Pratchett und Stephen Briggs - das nun, nach Pratchetts traurigem Tod, wohl auf dem abschließenden Stand sein dürfte … 


Geschrieben von Otherlander Simon Weinert und Jakob Schmidt.

Fantasy - die Auslese: Der Winterkaiser von Katherine Addison


Diesen Monat feiert der neue SF- und Fantasy-Imprint des Fischer-Verlags Einstand in unserem Fantasy-Regal, und zwar mit dem Roman Der Winterkaiser von Katherine Addison, der uns schon in der englischen Originalausgabe schwer begeistert hat. Maia, der ungeliebte Halbkobold-Sohn des Kaisers, rückt mit einem Mal auf den Thron auf, als seine gesamte Familie bei einem Anschlag auf einer Luftschifffahrt ums Leben kommt. Von der einsamen Burg im Sumpf, auf die man ihn abgeschoben hat, wird er direkt an den intrigenreichen Hof verfrachtet. Keiner rechnet damit, dass er lange überleben wird …

Addison erzählt mit Der Winterkaiser ein wunderbar humorvolles und humanistisches Märchen. Maia ist kein großer Held und auch kein gewiefter Intrigant, aber dumm oder naiv ist er auch nicht, denn seine eigentliche Stärke liegt darin, die wenigen vertrauenswürdigen Personen um sich herum zu erkennen, auf ihren Rat zu hören und damit ihre Loyalität zu gewinnen. Kein Buch mit großer Action also, sondern eine ruhig, fast schon bedächtig erzählte Geschichte, in der das Handlungstempo dennoch hoch ist, denn jeder Dialog, jede Geste bedeutet etwas im Geflecht der Beziehungen, die Maia bei Hofe entwickelt. Sprachlich ist der Winterkaiser virtuos einfach; und auch die leicht steampunkige Fantasy-Welt wird eher in den kleinen Details entwickelt als in großen Panoramen.
Ein kleines, kluges und liebenswertes Buch also, mit dem verzeihlichen Manko, dass es manchmal vielleicht ein wenig zu liebenswert ist … übrigens ist Der Winterkaiser ein ganz und gar eigenständiger Roman mit abgeschlossener Handlung.

Geschrieben von Otherlander Jakob Schmidt.

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