Annalee Newitz: Autonom

Annalee Newitz: Autonom

FISCHER TOR

Leseprobe: Autonom (Annalee Newitz)


Lest hier die ersten Seiten aus »Autonom«, dem Debütroman von Wissenschaftsredakteurin Annalee Newitz. 

Darum geht's im Buch: Wir schreiben das Jahr 2144. Die Welt ist geprägt von Hyperkapitalismus, einem ausufernden Arbeitssklavenmarkt, autonomen Robotern und Konzernen, die in den Freihandelszonen eine beinahe uneingeschränkte Macht ausüben. Die Patentpiratin Jack verdient ihr Geld damit, die neuesten Medikamente nachzubauen und auf dem Schwarzmarkt zu verticken. Als die ersten Opfer einer neuen Arbeitsdroge namens Zacuity auftauchen, gibt man ihr die Schuld ...

*** Leseprobe ***

1 - Piratenschiff

1. Juli 2144

Die Schülerin hörte einfach nicht mehr auf mit den Hausauf­gaben, obwohl es sie umbrachte. Selbst nachdem die Ärzte sie mit Beruhigungsmitteln vollgepumpt hatten, versuchte sie immer wieder krampfhaft, ihren Körper in eine sitzende Position zu bringen, um auf eine nicht vorhandene Tastatur einzuhämmern. Antiobsessiva waren genauso wirkungslos wie die Manipulation des Serotoninspiegels, und es schien sich auch nicht um einen dissoziativen Zustand oder um Halluzinationen zu handeln. Die Schülerin war im Grunde bei Verstand, konnte aber einfach nicht aufhören, für ihren Programmierkurs neue Funktionen in ein Betriebssystem einzugeben. Das Einzige, was sie noch am Leben hielt, war eine Magensonde, die ihr die Ärzte zwangsweise durch die Nase eingeführt hatten.

Die Eltern des Mädchens waren außer sich. Sie lebten in ­einer guten Wohngegend in Calgary, und ihre Tochter hatte ­immer die besten Pillen bekommen, die es für Geld zu kaufen gab. Wie konnte da mit ihrem Hirn etwas derart schieflaufen?

Gegenüber der Presse erklärten die Ärzte, dass es bei diesem Fall alle Anzeichen eines Drogenmissbrauchs gebe. Im Gehirn des Mädchens hatte man die klassischen Muster einer Ab­hängigkeit gefunden: Das Belohnungssystem feuerte aus vollen Rohren, in einer Endlosschleife strömten Neurotransmitter zwischen Mittelhirn und Großhirnrinde hin und her. Die biochemische Konfiguration war allerdings eigenartig, denn ihr Gehirn sah so aus, als wäre sie schon seit Jahren süchtig nach Hausaufgaben. Alles war genau für diese eine spezielle Belohnung verdrahtet, und die Dopaminrezeptoren zeigten Muster, die normalerweise erst nach einer sehr langen Phase der Abhängigkeit auftraten. Familie und Freunde der Schülerin beharrten allerdings darauf, dass sie dieses Problem bis vor ein paar Wochen nie gehabt hätte.

Für den All Wonder-Feed erwies sich das medizinische Rätsel als viraler Goldklumpen. Inzwischen lief die Story aber auch in allen großen Nachrichtenmodulen.

 

Jack Chen nahm die Brille ab und stopfte das deaktivierte Gerät in die Brusttasche ihres Overalls. Sie hatte so lange in der gleißenden Sonne gearbeitet, dass sich blasse Ringe um ihre dunkelbraunen Augen abzeichneten. Es war die Sonnenbräune ­eines Farmers, ganz wie im Gesicht ihres Vaters, nachdem er ­einen langen Tag in den Feldern mit genoptimiertem Raps verbracht und durch seine Datenbrille auf die winzigen gelben Blüten geblickt hatte. Wahrscheinlich, so überlegte Jack, war seit Generationen jeder Chen von der Sonne verbrannt worden, bis zurück zu den Tagen, als ihre Ururgroßeltern von Shenzhen über den Pazifik gekommen waren und nahe Saskatoon eine Agrarlizenz erstanden hatten. Manche Dinge änderten sich eben nie, egal wie fern der Heimat man war.

Andere hingegen schon. Jack saß im Schneidersitz mitten im Nordpolarmeer, balancierte auf dem sanft geschwungenen und verblüffend unsichtbaren Rumpf ihres Unterseeboots. Der negative Brechungsindex des U-Boots beugte die Lichtstrahlen so weit, dass sie für die Überwachungssatelliten, die ein paar hundert Kilometer über ihr dahinzogen, wundersamerweise auf den Wellen zu schweben schien. Neben ihr trieb ein ausge­breitetes nichtreflektierendes Solarpaneel auf den Wellen. Jack machte eine knautschende Geste, woraufhin sich der Sonnenkollektor in seine Dockingstation zurückzog und unter einer Rumpfplatte verschwand.

Die Batterien des U-Boots waren wieder aufgeladen, die Netzverbindungen von einer Wolke legitimer Daten überdeckt, und der Laderaum war angefüllt mit Medikamenten. Zeit zum Abtauchen.

Jack öffnete die Luke und polterte die Leiter zum Kontrollraum hinunter. An den Wänden erwachten Bakterienkolonien zum Leben und erhellten den Weg mit ihrem trüben, grünlichen Schein. Unter einem Gewirr von Rohrleitungen an der Decke blieb sie stehen. Ein Eingabefenster materialisierte sich auf Augenhöhe, dank Tausender in der Luft zirkulierender Projektoren organisierten sich seine Photonen zur Form eines Bildschirms. Mit einem Wischen rief sie das Navigations­system auf und änderte den Kurs, um die dichtbefahrenen Schiffsrouten zu umgehen. Ihr Ziel war ein relativ ruhiger Streifen der arktischen Küste jenseits der Beaufortsee, wo Süßwasser auf den Ozean traf und ein gewaltiges Puzzle aus Flüssen und Inseln entstanden war.

Allerdings fiel es Jack schwer, sich auf ihre alltäglichen Aufgaben zu konzentrieren. Irgendetwas an der Geschichte mit der Hausaufgabensucht nagte an ihr. Sie setzte die Brille wieder auf und tauchte noch einmal in die Feeds ein, um nach weiteren Informationen zu suchen. »Verdacht auf Schwarzmarktpillen im Fall der Hausaufgaben-Fanatikerin«, lautete eine der Schlag­zeilen. Jack blieb die Luft weg. Steckte hinter der Boulevard­meldung am Ende die Zacuity-Lieferung, die sie vor einem Monat nach Calgary gebracht hatte?

 

Im Frachtraum des U-Boots stapelten sich im Moment zwanzig Kisten mit frisch raubkopierten Medikamenten. Neben vielen Mitteln gegen Genmutationen und bakterielle Infektionen befanden sich dort auch Schachteln mit kopiertem Zacuity, der neuen, heißbegehrten Blockbuster-Pille zur Leistungssteigerung. Genau genommen war sie noch gar nicht auf dem Markt, was den Bedarf erst recht anheizte. Noch dazu stammte das Zeug aus der Schmiede von Zaxy, dem Unternehmen hinter Smartifex, Brillicent und anderen beliebten Arbeitsdrogen. Ein Ingenieur von Quick Build Wares, Vancouvers größtem Bio­techentwickler, hatte Jack eine Betaprobe zugespielt. Wie zahl­reiche andere Firmen gab Quick Build neue Aufmerksamkeitsverstärker kostenlos in der Kantine an seine Angestellten aus. Mit Zacuity arbeiteten die Leute einfach schneller und lieferten bessere Ergebnisse.

Jack hatte sich nicht die Mühe gemacht, Zacuity selbst auszuprobieren – sie brauchte keine Drogen, um ihren Job spannend zu finden – , doch der Ingenieur, von dem die Probe stammte, hatte ihr die Wirkung mit geradezu religiöser Verzückung angepriesen. Man schob sich die Pille unter die Zunge, und schon fühlte sich die Arbeit einfach gut an. Das Mittel steigerte nicht nur die Aufmerksamkeit, alles war plötzlich das reinste Ver­gnügen. Man konnte es gar nicht erwarten, an den Computer, die Steckplatinen, den Gestentisch, ins Labor oder zum 3-D-­Drucker zurückzukommen. Unter Zacuity verschaffte einem das Arbeiten eine so tiefe emotionale Befriedigung wie sonst nichts auf der Welt. Perfekt für ein Unternehmen wie Quick Build, das in kurzen Abständen neue Produkte auf den Markt warf und dessen Mitarbeiter zuweilen innerhalb einer Woche neue Hardware von Grund auf hacken mussten. Mit Zacuity gab es keine Skrupel mehr – und keinerlei Zweifel daran, dass die Welt durch einen weiteren Klumpen vernetzter Atome zu einem besseren Ort wurde. Mit Vollendung eines Projekts wurde das Gefühl der Befriedigung so intensiv, dass man sich vor lauter Wonne minutenlang heftig atmend in den Polstern des Schreibtischstuhls wand und dabei die Tischplatte umklammerte. Es war kein Orgasmus, nicht wirklich. Aber es war um Längen besser als alles, was einem die Nervenenden sonst so aus der physischen Welt zurückspielten. Und das Beste: Nach einer von Zacuity angetriebenen Arbeit wollte man nichts anderes, als ein neues Projekt in Angriff zu nehmen. Kein Wunder, dass sich das Zeug wie warme Semmeln verkaufte.

Die Sache hatte allerdings einen Haken, dem Jack bislang keine Beachtung geschenkt hatte. Zaxy hatte die Daten zu den klinischen Versuchsreihen bislang nicht veröffentlicht, es gab also keinerlei Informationen über mögliche Nebenwirkungen. Normalerweise brachten Nachrichten über den ein oder anderen Drogenabhängigen Jack nicht um den Schlaf, doch dieser Fall war etwas Besonderes. Ihr fiel keine andere Substanz ein, die süchtig nach Hausaufgaben hätte machen können. Natürlich hätte jedes Feld-Wald-Wiesen-Stimulans das zwanghafte Verhalten der Schülerin auslösen können, doch dann wäre der Fall kaum als medizinisches Rätsel gehandelt worden – die Ärzte hätten den Wirkstoff sofort nachgewiesen. Jack brummte allmählich der Schädel, sie fühlte sich, als hätte sie ein besonders fieses Nervengift abbekommen. Wenn es sich bei dieser Droge um ihr kopiertes Zacuity handelte, was war schiefgelaufen? Eine Überdosis? Hatte die Schülerin das Mittel vielleicht mit etwas anderem kombiniert? Oder hatte Jack bei der Rekonstruktion Mist gebaut und ein Monster in die Welt gesetzt?

Sie spürte ein seltsames Zucken in Rücken und Beinen und hielt das zunächst für eine psychosomatische Stressreaktion auf die Feeds. Doch dann merkte sie, dass der Boden leicht ­vibrierte, obwohl sie den Motor noch gar nicht gestartet hatte. Sie riss sich die Brille vom Kopf, und als sie die Orientierung wiedererlangt hatte, begriff sie, dass jemand im Frachtraum her­umstapfte. Was zum Henker? Zwar gab es achtern eine Notluke, aber wie …? Hatte sie vergessen abzuschließen? Es blieb keine Zeit zum Nachdenken. Mit einer raubtierhaften Kopf­bewegung startete Jack ihr Perimetersystem, dessen straff gespannte Nanodrähte mit den Nervenenden ihrer Haut vernetzt waren. Dann ließ sie die Hülle ihres Messers aufschnappen. Den Geräuschen nach zu urteilen, handelte es sich um nur eine Person, die zweifellos im Begriff stand, alles mitzunehmen, was sie tragen konnte. Nur ein Drogensüchtiger oder ein wahrhaft verzweifelter Mensch wäre zu einer solchen Dummheit imstande.

Lautlos öffnete Jack die Tür und glitt mit gezücktem Messer in den Frachtraum. Was sie sah, ließ sie einen Augenblick irritiert innehalten. Es war nicht nur ein Dieb, sondern zwei: ein Kerl mit der schuppigen Haut und dem schütteren Haar eines ­Pharmajunkies und sein Roboter, der einen Sack voller Medikamente in Händen hielt. Der Bot war ein armseliges Ding, das der Dieb wohl irgendwo abstaubt hatte – stellenweise war seine Haut regelrecht verschmort. Dennoch stellte er eine Gefahr dar. Es blieb keine Zeit, über nichttödliche Optionen nachzudenken – mit geübtem Überhandwurf schleuderte Jack das Messer und traf den Mann in der Kehle. Geleitet durch einen Algorithmus zur Erkennung von Körperteilen fuhr die Klinge durch seine Luftröhre und bohrte sich in die Arterie. Er brach röchelnd zusammen – Blut, Luft und Kacke strömten aus seinem Körper.

Mit einer fließenden Bewegung riss Jack das Messer wieder heraus und wandte sich dem Bot zu. Das Ding starrte sie mit ­offenem Mund an, als würde es unter einem ernsthaften Systemfehler leiden. Was wahrscheinlich auch der Fall war. Umso besser für Jack – vielleicht kümmerte es den Bot nicht, wer die Befehle gab, solange sie nur bestimmt genug gegeben wurden.

»Gib mir den Sack«, sagte sie versuchsweise und streckte die Hand aus. Der Sack war voll mit kleinen Medikamentenschachteln. Sofort händigte der Bot ihn aus, der Mund stand ihm immer noch offen. Er war einem Jungen im Teenageralter nachempfunden, konnte allerdings weit älter sein. Oder weit jünger.

Und er schien zu gehorchen, das war schon mal gut. Zumindest würde sie heute nicht zwei Wesen töten müssen, und womöglich sprang dabei sogar ein brauchbarer Bot für sie heraus. Mit Hilfe eines befreundeten Admins in Vancouver würde sie ihn vielleicht wieder flottkriegen. Auf den zweiten Blick sah seine Haut gar nicht so übel aus. Zwar war er an manchen Stellen ganz schön zerschrammt und blutig, doch es schienen keine Komponenten herauszuragen.

»Setz dich«, befahl sie ihm, und augenblicklich ließ er sich auf den Boden des Frachtraums nieder – seine Beine knickten ein, als wäre bei elektromagnetisch verbundenen Tragebalken plötzlich der Saft abgedreht worden. Mit ausdruckslosen Augen blickte der Bot sie an. Jack würde sich später um ihn kümmern. Im Augenblick musste sie die Leiche seines Herrn entsorgen, aus der immer noch Blut auf den Boden sickerte. Sie packte den Mann bei den Achseln und schleifte ihn durch die Tür in den Kontrollraum; den Bot ließ sie im verschlossenen Frachtraum zurück. Viel anstellen konnte er da drinnen nicht, schließlich würde er sich wohl kaum über die Drogen hermachen.

Unterhalb des Kontrollraums befand sich am Fuß einer ­engen Wendeltreppe ihr Labor, das zugleich als Küche diente. In einer Ecke stand ein wuchtiger, hochauflösender Drucker, mit drei geschlossenen Magazinen für die verschiedenen Materialien: Metalle, Gewebe, Hartschaum. Jack rief in der Luft eine weitere Anzeige auf und stellte die Druckerköpfe für Hartschaum so ein, dass sie zwei Zementblöcke ausspucken würden – fein säuberlich mit Löchern versehen, an denen sie die Füße des toten Junkies befestigen konnte. Während das Adre­nalin in ihrem Blut allmählich verebbte, sah sie zu, wie die Köpfe durchs ­Druckerbett rasten und die mattgrauen Brocken aufschichteten. Sie spülte das Messer im Waschbecken ab und steckte es zurück in die Hülle. Dann wurde ihr klar, dass sie von Kopf bis Fuß mit Blut beschmiert war. Sie ließ Wasser ins Waschbecken einlaufen und durchwühlte die Schränke auf der Suche nach einem Lumpen.

Mit einem Zucken ihrer Schulter löste sie die molekularen Verbindungen ihres Overalls und spürte gleich darauf, wie sich entlang unsichtbarer Nähte das Gewebe auflöste und der Anzug in einen Haufen zu ihren Füßen zusammenfiel. Ihr Körper unter der grauen Thermounterwäsche hatte noch ungefähr die gleiche Form wie vor zwei Jahrzehnten, und ihr kurzgeschnittenes schwarzes Haar wurde nur von wenigen weißen Strähnen durchzogen. Einer von Jacks Verkaufsschlagern war die molekülgenaue Reproduktion des Langlebigkeitsmedikaments Vive, und sie hatte immer großen Wert darauf gelegt, für die Qualität ihrer Produkte mit der eigenen Gesundheit einzustehen. Nur Zacuity hatte sie nicht genommen. Während Jack sich das Gesicht wusch, versuchte sie im Geiste, gleich mit zwei Schrecken fertig zu werden: Oben in ihrem Schiff lag ein toter Mann, und in Calgary schwebte eine Schülerin in Lebensgefahr, wegen etwas, das verdächtig nach Schwarzmarkt-Zacuity klang. Auf den ­Arbeitstisch tropfend stand sie da und sah dabei zu, wie die ­Zementblöcke um ihre zentralen Löcher herum in die Höhe wuchsen.

Sie war nachlässig geworden, das musste Jack sich einge­stehen. Als sie Zacuity rekonstruiert hatte, war dessen Molekularstruktur nahezu identisch mit dem gewesen, was sie von Dutzenden anderen Arbeitsdrogen und Wachmachern kannte, und daher hatte sie weitere Nachforschungen nicht für nötig gehalten. Natürlich konnte Zacuity ein paar unerwünschte Nebenwirkungen haben, doch die Arbeitsdrogen ermöglichten ihr, antivirale Wirkstoffe und Gentherapien quasi umsonst abzugeben. Sie brauchte das schnelle Geld durch den Verkauf von Zacuity, um Menschen mit Medikamenten zu versorgen, die darauf dringend angewiesen waren. Es war Sommer, und von der Asiatischen Union schwappte gerade eine neue Seuche über den Pazifik. Ihr war die Zeit davongelaufen. Menschen ohne Credits würden bald sterben, und die Pharmaunternehmen kümmerte das einen Scheiß. Also hatte Jack in Windeseile Tausende unerprobter Zacuity-Pillen in der ganzen Freihandelszone verteilt. Wenn der Zusammenbruch der Schülerin wirklich ihre Schuld war, dann hatte Jack nicht nur in wissenschaftlicher, sondern auch in ethischer Hinsicht auf ganzer ­Linie versagt.

Mit einem Piepen öffnete sich der Drucker, und zwei durchlöcherte Betonklötze kamen zum Vorschein. Jack schleppte sie die Treppe hinauf, und bei jedem Schritt fragte sie sich, warum sie plötzlich mit bloßen Händen so schwere Gewichte trug.

2 - Systemstart

2. Juli 2144

Unter Paladins Rückenpanzer war Sand geraten, und seine Aktoren schmerzten. Es war sein erstes Training – oder vielleicht auch sein vierzigstes. Während der Formatierungsphase fiel es schwer, ein lineares Zeitbewusstsein zu entwickeln; manchmal verdoppelten oder verdreifachten sich Erinnerungen, bevor sie jene gerade Linie bildeten, die sich hoffentlich eines Tages hinter ihm erstrecken würde – gerade so wie die Spur aus vierzehigen Fußabdrücken, die er bei seinem Gang durch die Dünen hinterließ.

Mittels Millionen Codezeilen hielt sich Paladin bei seinem Gleitgang in der Balance und erklomm eine Schräge aus winzigen Körnchen, die der Wind zu sanften Wellen aufgehäuft hatte. Mit jedem Schritt bohrte er ein Loch in die Düne und musste in der Taille einknicken, um sich zu stabilisieren. Sand rieselte über seinen Körper und hinterließ winzige Narben in der Carbonlegierung seines Panzers. Lee, sein Botadmin, hatte ihn um 15 : 00 Uhr aus dem Jet geworfen, irgendwo im Norden der Afrikanischen Föderation. Das Runterkommen war kein Problem gewesen. Er erinnerte sich, dass er das schon einmal getan hatte – den Körper in einem bestimmten Winkel ausrichten, um sich vor Überhitzung zu schützen, die Rückenschilde so weit ausbreiten, dass sie den Wind einfingen, dann der Aufprall, der Schock in den Stoßdämpfern.

Aber dies hier war keine weitere Wiederholung des altvertrauten Hindernisparcours. Paladin befand sich auf einer Testmission.

Irgendwo verborgen in den Dünen, so hatte ihm Lee gesagt, lag das Versteck der Schmuggler. Paladins Aufgabe war es, sich von Süden zu nähern, das Gebiet zu erkunden, das Versteck zu finden und dann mit so vielen Informationen wie möglich zurückzukehren. Der Botadmin hatte gegrinst, als er ihm die In­struktionen gegeben hatte, und Paladin an der Schulter gepackt. »Ich hab extra für den Test ein paar von deinen Treibern optimiert. Du wirst diese Dünen raufschweben wie ein gottverdammter Schmetterling.«

Inzwischen war es eine Stunde vor Sonnenuntergang. Paladins Rückenpanzer beugte die Lichtstrahlen, bis sie unter das sichtbare Spektrum rutschten – für menschliche Augen würde sein dunkler Körper hier auf der Düne nicht mehr sein als ein Flimmern, besonders aus der Entfernung. So hoffte er jedenfalls – er musste sich von dem Gebiet einen Eindruck verschaffen, bevor irgendjemand bemerkte, dass er hier war.

Die Landschaft bestand in allen Richtungen aus sanften, blass-­rötlichen Wellen. Der Sand war völlig unberührt – wenn vor ihm irgendjemand hier entlanggegangen war, dann hatte der Wind seither alle Spuren verweht. Es musste sich um ein unterirdisches Versteck handeln, wenn es überhaupt existierte. Paladin stand regungslos da, seine Objektive zoomten und schwenkten hin und her, suchten nach dem Glitzern von Antennen oder anderen Anzeichen für eine Behausung. Die Daten speicherte er für eine spätere Analyse ab.

Dann sah er es: ein sichelförmiges Stück Chrom, das der Wind freigeweht hatte. Er kraxelte die Düne hinunter, Hunderte von Feinjustierungen verhinderten, dass er auf dem unsicheren Grund ausrutschte. Schließlich hatte er die genaue Ortung ­einer Bodenklappe, wahrscheinlich der Eingang zu einem unterirdischen Bauwerk. Sobald er es durchsucht hatte, würde er ins Labor zurückkehren können. Lee würde seine Muskeln vom Sand befreien, und das knirschende Unbehagen hätte endlich ein Ende.

Gerade als Paladin die Hand ausstreckte, um an dem Schließmechanismus zu ziehen oder zu drehen, riss ihm der Bolzen ­eines verborgenen Scharfschützen den Arm von der Schulter. Es war der erste heftige Schmerz in seinem Leben. Er konnte die klaffende Wunde im gesamten Torso spüren, gefolgt vom Kribbeln und Sengen der zerfetzten Molekularverbindungen an den verkohlten Rändern des Stumpfes. Inmitten der Agonie schoss ihm plötzlich die Erinnerung an seinen ersten System­start durch den Kopf, als sich ein Programm nach dem anderen geöffnet hatte, das jeweils folgende wie aus dem Nichts auf­rufend. In dieses Nichts wäre er am liebsten zurückgekehrt. ­Alles war besser als der feurige Schmerz, der jetzt in seinem ganzen Körper ­loderte – und darüber hinaus. Zu Paladins Sensorium gehörte noch immer der abgetrennte Arm, der über ein Kurz­strecken­signal seinen Status an den Bot sandte. Er hätte sein Perimeternetzwerk abschalten müssen, um den Arm zum Schweigen zu bringen. Doch ohne Perimeter war er praktisch wehrlos, und so steckte er fest in dieser Marter, die sich zwischen Körperinnerem und Außenwelt aufspannte. Paladin warf sich in den Sand, um mit den Flügelschilden seine verbleibenden Schaltkreise zu schützen – und seinen einzigen biologischen Körperteil, der sich tief verborgen an dem Platz befand, wo Menschen manchmal einen Fötus trugen.

Mit der ihm verbliebenen Hand scharrte er nach dem Eingang, bis dieser sich mit einem Schnaufen öffnete; der Druck­unterschied schien den Bot einzusaugen. Ein weiterer Bolzen krachte neben ihm in den Boden, um den Einschlag herum bildeten sich Pfützen aus geschmolzenem Sand. Paladin warf sich zur Seite und erhaschte einen letzten Blick auf seinen Arm. Die Finger krümmten sich noch immer und griffen nach etwas – noch im Tod folgten sie den Kommandos ihrer Software. Als sich die Tür schloss, unterbrach sie den sinnlosen Datenstrom, der Schmerz ließ nach.

Paladin fand sich in einem Aufzug wieder, dessen trübe Ultra­violett-Beleuchtung darauf schließen ließ, dass er sich in einer Boteinrichtung befand – oder zumindest im Boteingang einer unterirdischen Einrichtung. Für Menschen wäre alles stockfins­ter gewesen. Den zerfetzten Stumpf an sich gepresst, sackte Paladin in einem Nebel disparater Gefühle zu Boden. Mit einiger Anstrengung schaffte er es, sich abzulenken, indem er sich auf das winzige Display des Aufzugs konzentrierte. Vierzig Meter, sechzig Meter, achtzig Meter. Bei hundert kamen sie zum Halten, doch aus den fernen Geräuschen der Maschinerie schloss Paladin, dass sie noch weit tiefer hätten fahren können.

Die Tür glitt zur Seite, und da stand Lee, flankiert von zwei Bots – der eine schwebte in einem Wirbel schnell schlagender Flügel, der andere ähnelte mit seinen vier Beinen und den gefalteten Armen einer Gottesanbeterin. Auf Lees Gesicht breitete sich ein Grinsen aus, die beiden Bots blieben stumm. Paladin sah die drei an, um eine möglichst würdevolle Pose bemüht, und versuchte, seine körperlichen Qualen zu ignorieren.

»Scheiße auch, was für ein Hammerschuss«, sagte Lee, noch bevor Paladin in den breiten Tunnel aus Hartschaumlegierung trat. »Hast du gemerkt, wie gut der neue Kletteralgorithmus funktioniert?« Er gab Paladin einen Klaps auf den unverwundeten Arm. »Sorry wegen deines Arms. Ich kümmere mich gleich drum.«

Die Bots sagten noch immer kein Wort. Paladin folgte der Gruppe den Tunnel hinunter, vorbei an mehreren Türen, deren aufgemalte Kennzeichnung ausschließlich UV-Licht reflektierte. Nur für Botaugen sichtbar. Vielleicht befand er sich in ­einer Trainingsstation für Bots? Würde man ihn hier einer Kampfeinheit zuteilen?

Sie bogen in einen anderen Tunnel ab, bei dem es sich offensichtlich um ein gemischtes Areal handelte: Hier reflektierten die Markierungen das sichtbare Spektrum, und manche der Zugänge waren zu schmal, als dass ein gepanzerter Bot wie er oder die Gottesanbeterin durchgepasst hätten. In einem Maschinenraum machten sie halt. Lee begann, einen neuen Arm auszudrucken, während Paladin sich die Gelenke mit Druckluft und Schmiermittel reinigte.

Die Gottesanbeterin sandte eine Nachricht an Paladin. Hallo. Lass uns eine abgesicherte Session per AF-Protokoll einrichten.

Hallo. Ich verfüge über die AF-Version 7.6, erwiderte Paladin.

Dann mal los. Ich heiße Fang. Die Session nennen wir 4 788 923. Hier ist meine Identifikation. Hier kommen meine Daten.

Fangs Anfrage kam zusammen mit einem öffentlichen Legi­timierungsschlüssel und einer komprimierten Datei, aus der eine dreidimensionale Karte der Einrichtung erwuchs. Ein Konferenzraum vierzig Meter unter ihnen war rot markiert. Laut den Metadaten der Karte befanden sie sich in einer ausgedehnten Militäreinrichtung, die von der Regierung der Afrikanischen Föderation betrieben wurde. Anscheinend leisteten die Bots hier die Art von Arbeit, für die auch er ausgebildet worden war: Aufklärung, Analyse und Kampfeinsätze. Paladin war soeben zu seiner ersten Einsatzbesprechung eingeladen worden. Es war Zeit, dass er sich seinem neuen Kameraden ordentlich vorstellte.

Ich bin Paladin. Hier kommt meine Identifikation. Hier kommen meine Daten. Wir sehen uns dann dort.

Lee beendete seine Arbeit an dem neuen Arm und testete mit einem Voltmeter Paladins Stumpf. Der Bot stand auf einem Lade­pad und saugte Energie in die Batterien, die seinen Körper wie ein Herz-Kreislauf-System durchzogen. Im Allgemeinen verließ er sich auf die Solarpaneele, die in seinen Panzer einge­arbeitet waren, doch mit den Pads ging es schneller.

»Kein Problem, kein Problem«, murmelte der Botadmin. Das war seine Lieblingsphrase und tatsächlich die ersten gesprochenen Worte, die Paladin je gehört hatte, in den Sekunden nach dem ersten Systemstart vor drei Monaten. Der Arm verband sich nun mit dem Stumpf, und von der qualvollen Verletzung blieb nur ein Kribbeln. Mit Hilfe eines Molekularregulators verwob Lee die Atomstruktur des Arms mit dem integrierten Körpernetzwerk des Bots, und als die Verbindung hergestellt war, konnte Paladin seine neue Hand spüren. Er ballte sie zur Faust. Seine rechte Körperhälfte fühlte sich wie schwerelos an, als wäre mit dem Schmerz eine Last von ihm genommen worden. Ihm wurde schwindelig, und er kostete die Empfindung aus.

»Muss los, Paladin – hab noch jede Menge anderes Zeug am Hacken.« Lee fiel eine Strähne seines dunklen Haars übers Auge. »Sorry, dass ich auf dich schießen musste, aber das gehört zum Training. Hab nicht gedacht, dass gleich der ganze Arm draufgeht!«

Wie oft hatte Paladin bereits in dieses menschliche Gesicht geblickt? Er wusste es nicht. Selbst wenn er seine Videoaufzeichnungen durchgegangen wäre, hätte er wohl keine Antwort gefunden. Doch nach der heutigen Mission würden für ihn menschliche Gesichter nie wieder aussehen wie zuvor. Sie würden ihn daran erinnern, wie es sich anfühlte, zu leiden und vom Leiden erlöst zu werden.

Als Paladin im Besprechungsraum eintraf, saßen dort zwei Menschen auf Stühlen, daneben hielten sich Fang und der Schwebebot bereit. Paladin schickte ihnen eine Nachricht und begrüßte die Menschen mit gesprochener Sprache; für die weitere Kommunikation sah das Protokoll menschliche Reichweite vor. Paladin postierte sich neben Fang und knickte die Beine ein, bis er sich mit den Menschen auf Augenhöhe befand. In dieser Haltung, mit nach hinten ragenden Kniegelenken und flach angelegten Rückenschilden, ähnelte er einem großen humanoiden Vogel.

»Willkommen im Camp Tunesia, Paladin«, sagte einer der Menschen. Am Kragen trug er einen winzigen roten Button, auf dem in goldenen Lettern IPC stand, was ihn als hochrangigen Verbindungsmann vom Föderationsbüro der International Property Coalition auswies. »Für die nächsten paar Tage wird dies hier deine Basis sein, während wir dich und deinen Partner ­Eliasz auf eure Mission vorbereiten.« Er deutete auf den anderen Menschen, einen schlanken Mann mit heller Haut, gelocktem Haar und weit auseinanderstehenden braunen Augen, der einen Kampfanzug der Föderation trug. Wie Paladin auffiel, ballte Eliasz seine rechte Hand auf ganz ähnliche Weise wie er zur Faust. Vielleicht erinnerte sich auch Eliasz an etwas Schmerzhaftes.

Der Verbindungsmann projizierte einige ungeöffnete Dateien in die Luft über dem Tisch. »Wir haben es mit einem schweren Vergehen im Bereich Pharma zu tun, gegen das wir rasch und klug vorgehen müssen«, erklärte er. Eines der Dateisymbole löste sich auf und formte erst das Firmenlogo von Zaxy, dann eine kleine Pillenschachtel mit der Aufschrift Zacuity.

»Ich nehme an, Sie haben von Zacuity gehört.«

»Eine Arbeitsdroge«, erwiderte Eliasz mit ausdrucksloser Miene. »Manche der großen Firmen haben Lizenzen für ihre Angestellten erworben. Soll sich richtig cool anfühlen. Selbst ausprobiert hab ich’s nie.«

Der Verbindungsmann verzog das Gesicht. »Es handelt sich um einen Wirkstoff zur Leistungssteigerung.«

Fang ergriff das Wort. »Wir haben Berichte erhalten, nach ­denen in den nördlichen Städten der Freihandelszone Raub­kopien von Zacuity verkauft werden. Ein paar Aufklärungsbots haben etwa zwanzig Pillen in einer Sonderwirtschaftzone der First Nations nahe Iqaluit gefunden. Eine strafrechtliche Ver­folgung ist dort nicht möglich – die Region liegt außerhalb des IPC-Jurisdiktion – , also hat es noch keine Festnahmen gegeben.«

Der Verbindungsmann rief nun Aufnahmen aus dem Zimmer eines Krankenhauses auf, mit ans Bett gefesselten, zuckenden Menschen. Er fuhr fort: »Zaxy wird später eine Strafverfolgung einleiten. Doch eingreifen müssen wir jetzt sofort. Dieses Medikament treibt die Leute in den Wahnsinn, manche liegen im Sterben. Wenn herauskommt, dass es sich dabei um Zacuity handelt, könnte das für Zaxy finanzielle Verluste bedeuten. Substantielle Verluste.«

Der Verbindungsmann sah zu Eliasz hinüber, der auf die ­Projektion aus dem Krankenhaus starrte, auf die sich abkämpfenden Leiber, die wie in Endlosschleife immer wieder von Krämpfen heimgesucht wurden.

»Die Analysten bei Zaxy gehen davon aus, dass das Zacuity hier, in einem Schwarzmarktlabor innerhalb der Föderation, ­kopiert wurde. Das könnte die Geschäftsbeziehungen zwischen Föderation und Freihandelszone ernsthaft gefährden. Wir müssen uns, auf welchem Weg auch immer, darüber Klarheit verschaffen. Das wird eure Aufgabe sein.« Der IPC-Mann sah nun Paladin an. »Du bist von der IPC autorisiert worden, die Quelle des raubkopierten Medikaments aufzuspüren und auszuschalten. Wir haben ein paar Hinweise aus Iqaluit, die alle auf eine Person hindeuten.«

Die Krankenbetten lösten sich in Luft auf, stattdessen erschien der Kopf einer Frau, offensichtlich ein nachbearbeitetes Bild, aus mehreren Aufnahmen in geringer Auflösung zusammengesetzt. In ihrem kurzgeschnittenen schwarzen Haar sah man hier und da etwas Grau, und vom Nacken aus wand sich eine breite Narbe bis unter den Kragen ihres Overalls.

»Das ist Judith Chen – bekannt unter dem Namen Jack. Sie steht im Verdacht, mit einem der größten Pharmapiraten der Föderation zusammenzuarbeiten. Mit Sicherheit wissen wir, dass sie Verbindungen zu einigen illegalen Produktionsstätten in Casablanca unterhält, zugleich verfügt sie über eine Flotte scheinbar legitimer Frachtschiffe. Sie transportiert Gewürze und Kräuter in die Zone – also haufenweise stinkende kleine Schachteln. Die perfekte Tarnung. Wir glauben, dass sie diejenige sein könnte, die die Medikamente von hier in die Arktis schmuggelt.«

Fang sprach weiter: »Wir beobachten sie schon seit Jahren, haben es aber nie geschafft, sie auf frischer Tat zu ertappen. Was wir wissen, ist, dass sie mit potentiellen Dealern in der Handelszone in Kontakt steht. Außerdem hat sie eine Ausbildung in synthetischer Biologie. Passt alles zusammen. Wenn wir an sie rankommen, dann können wir wohl auch diesen ­Piratenring zerschlagen.«

»Außerdem ist sie eine Anti-Patent-Terroristin«, fügte Eliasz ruhig hinzu. »Sie hat mehrere Jahre im Gefängnis verbracht.«

»Die offizielle Anklage war nicht Terrorismus. Sie lautete Verschwörung zur Verletzung von Eigentumsrechten«, sagte Fang. »Sie war nur für wenige Monate im Gefängnis. Kurz nachdem sie entlassen wurde, ist sie nach Casablanca ausgewandert. Wir glauben, dass sie dort die Verbindungen geknüpft hat, die sie jetzt für ihren Handel mit Raubkopien nutzt.«

»Wenn wir sie erst einmal hier haben, könnten wir sie der Handelszone auf dem Silbertablett überreichen«, fügte der Verbindungsmann hinzu. »Dann war’s das vorerst mit den Piraten, Chen wird ein paar Jahre weggesperrt, und alle sind glücklich.«

»Klingt für mich immer noch nach Terrorismus«, befand ­Eliasz und sah Paladin direkt an. »Findest du nicht auch?«

Niemand hatte ihn je so angesehen – so als könnte er zu ­irgendetwas, das über seine Netzwerkfunktionen hinausging, eine Meinung haben. Gedankenschnell ging der Bot alles durch, was man ihm über Terrorismus beigebracht hatte, erstellte einen Index für Bilder und Daten und ließ einen primi­tiven Algorithmus drüberlaufen, um ein Muster zu erkennen. Er fand eines: Schmerz. Schmerz und dessen jahrelangen Nachhall in Millionen Körpern. Auf den Kontext und die politischen Umstände hatte Paladin keinen Zugriff und verspürte auch ­keinen Drang zu weiteren Recherchen. Für ihn gab es nur das Gesicht dieses Mannes vor ihm, dessen dunkle Augen eine unverständliche Botschaft aussandten, die Paladin verzweifelt zu entschlüsseln suchte.

Wie konnte er Eliasz ansehen und nein sagen?

»Es klingt tatsächlich nach Terrorismus«, stimmte Paladin zu. Als Eliasz lächelte, verzogen sich die Flächen seines Gesichts auf asymmetrische Weise.

Für einen kurzen Augenblick brach Fang das Protokoll und übermittelte eine inoffizielle Botschaft. Interessante Analyse für jemanden, der in seinem Leben noch nie mit Terrorismus zu tun hatte.:(

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Unverkäufliche Leseprobe aus: Annalee Newitz - Autonom. Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung von Text und Bildern, auch auszugsweise, ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlags urheberrechtswidrig und strafbar. Dies gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Übersetzung oder die Verwendung in elektronischen Systemen.© S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

 

 


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