Mats Strandberg: Die Überfahrt

Mats Strandberg: Die Überfahrt

FISCHER TOR

Leseprobe: Die Überfahrt (Mats Strandberg)


Die Passagiere an Bord der schwedischen Ostseefähre Baltic Charisma wollen vor allem eins: sich amüsieren, und zwar um jeden Preis. Ob sie mit der besten Freundin in der Disco tanzen gehen oder Junggesellenabschiede feiern, ob sie nach der Liebe ihres Lebens suchen oder vor den Dämonen ihres Alltags fliehen  – die Nacht ist lang, und der Alkohol fließt reichlich.

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Baltic Charisma

Die Baltic Charisma wurde 1989 in Split, Kroatien, gebaut. Sie ist 170 Meter lang, 28 Meter breit und bietet Platz für mehr als zweitausend Passagiere. Aber es ist schon lange her, dass die unter schwedischer Flagge fahrende Fähre einmal ausgebucht war. Heute ist Donnerstag, und knapp zwölfhundert Passagiere strömen an Bord. Nur wenige von ihnen sind Kinder. Es ist Anfang November, und die Herbstferien sind bereits vorbei. Im Sommer ist das obere Deck angefüllt mit Liegestühlen, doch jetzt ist es leer bis auf einige Passagiere, die heute Morgen in Finnland an Bord gegangen sind. Sie lassen ihre Blicke über das herbstlich kühle Stockholm schweifen, das die letzten Sonnenstrahlen nicht mehr aufzuwärmen vermögen. Manche von ihnen warten ungeduldig darauf, dass die Charisma aus dem Hafen ausläuft und die Bars wieder öffnen.

Die Frau, die Marianne heißt, ist unter den Letzten in der Menschenmenge, die sich langsam über die verglaste Rampe hoch über dem Asphalt des Parkplatzes vorwärtsbewegt. Der langhaarige Mann hat einen Arm um sie gelegt. Die schräg von oben hereinfallenden goldenen Sonnenstrahlen lassen ihre Gesichtszüge weicher erscheinen. Der Plexiglastunnel macht einen scharfen Knick nach links, dann erblickt Marianne die Fähre. Sie ist angesichts ihrer Größe geschockt. Das Schiff ist höher als das Hochhaus, in dem sie wohnt. Ein Stockwerk über dem anderen aus weiß- und gelbgestrichenem Stahl. Eigentlich dürfte sie gar nicht schwimmen können. Marianne sieht, dass sich der Bug geöffnet hat, ein riesiges hungriges Maul, das mit Fahrzeugen gefüttert wird. Sie fragt sich, ob es wohl das Bugvisier ist, und unter ihren Füßen beginnt es zu schwanken, als befände sie sich bereits draußen auf dem Meer. Sie muss an die Kabine denken, die sie gebucht hat. Die billigste Variante unterhalb des Autodecks. Unter der Wasseroberfläche. Ohne Fenster. Die Fähre scheint mit jedem von Mariannes Schritten zu wachsen. BALTIC CHARISMA steht in verschnörkelten Lettern darauf, die mehrere Meter hoch sind. Der riesige, Pfeife rauchende Vogel grinst sie an. Am liebsten will sie umkehren. Zurücklaufen ins Terminal. Doch dann meint sie das Ticken der Wanduhr in einer leeren Wohnung zu hören und geht weiter. Bemüht darum, das Gefühl zu ignorieren, dass sie alle Tiere sind, die durch einen Pferch zur Schlachtbank geführt werden. Andreas, der Manager der Reederei, steht am Eingang und informiert die Passagiere über den Karaoke-Abend und die Sonderangebote im Taxfree-Shop und lächelt dabei, so breit er nur kann. Eigentlich ist das der Job des Kreuzfahrtstewards, doch der hat heute Morgen angerufen und sich krankgemeldet. Es ist bereits das zweite Mal in diesem Herbst. Andreas weiß, dass er Alkoholprobleme hat, seitdem er hier arbeitet.

Auf der Kommandobrücke steht der Befehlshaber der Charisma, Kapitän Berggren, mit seinem Personal zusammen und geht die Checkliste vor der Abfahrt durch. Gleich werden sie die Fähre vom Kai aufs Meer hinausmanövrieren. Sie kennen sich bestens aus mit den Tausenden von Schären, all den Untiefen und kleinen Inseln vor Stockholm und Åbo. Nachdem die Charisma den Hafen verlassen hat, wird sie mit Autopilot fahren, und der Kapitän übergibt dem Ersten Steuermann das Kommando.

In den Personalräumen herrscht fieberhafte Aktivität. Die Angestellten, deren Zehntagedienst mit dieser Fahrt beginnt, haben sich ihre Arbeitsuniformen abgeholt und sich umgezogen. Von der Kombüse aus – dem von Dämpfen erfüllten Küchenbereich, in dem die Speisen für die Restaurants zubereitet werden – läuft das Servicepersonal mit großen Servierplatten in den Händen zu den Buffettischen. Einige von ihnen haben nach dem nächtlichen Gelage noch immer einen Kater. Unter den Angestellten wird getratscht, wer von ihnen diesmal zum morgendlichen Pusten in die Krankenstation beordert worden ist, um seinen Promillegehalt überprüfen zu lassen, und wen sie drangekriegt haben. Im Taxfree-Shop macht Antti gerade einen Durchgang mit seinem Personal. Wenn der Shop eine halbe Stunde nach der Abfahrt wieder öffnet, wird bereits eine ungeduldige Schlange von Kunden davorstehen und warten.

Das Wasser im runden Whirlpool im Spa-Bereich bewegt sich nicht. In der glatten Oberfläche spiegeln sich die Wolken am Himmel draußen vor den Panoramafenstern. Die Massageliegen sind noch leer. Der Elektroofen der Sauna tickt leise vor sich hin.

Unten im Maschinenraum werden die Motoren ein letztes Mal gewartet. Wenn man die Kommandobrücke als Gehirn der Fähre bezeichnen möchte, ist der Maschinenraum ihr pochendes Herz. Der Erste Maschinist Wiklund hat gerade auf der Kommandobrücke angerufen und mitgeteilt, dass das Fahrzeug neu aufgetankt wurde und die Schläuche wieder entfernt worden sind. Er beobachtet seine Maschinisten durch die Glasscheibe des Kontrollraums hindurch. Leert seinen Kaffeebecher, stellt ihn ab und wirft einen Blick auf die orangefarben gestrichenen Türen des Personalaufzugs. Sobald die Charisma das Hafengebiet verlassen und ihre gewohnte Route in Richtung Åbo eingeschlagen hat, übernimmt der Erste Maschinist die Wacht, und Wiklund kann hinauf zu seiner Kabine fahren. Er braucht nicht wieder zurückzukehren, bevor sie Åland erreicht haben, und hat vor, sich ein ausgiebiges Schläfchen zu gönnen.

Die Charisma hat bereits fast alles gesehen. Im Niemandsland der Ostsee werden jegliche Hemmungen in einer Art und Weise fallen gelassen, die nicht nur auf den preisgünstigen Alkohol zurückzuführen ist. Es ist, als veränderten sich auf der Fähre Zeit und Raum. Als hörten soziale Codes und Regeln auf zu existieren. All das ereignet sich unter der Aufsicht von vier Wachleuten, die sich in unterschiedlicher Weise auf den Abend vorbereiten. Vier Personen, die in dem Chaos für Ordnung sorgen sollen, das entstehen kann, wenn sich zwölfhundert Passagiere – die meisten davon betrunken – an einem Ort drängen, den man nicht verlassen kann.

Alles verläuft routinemäßig. Die Baltic Charisma fährt Tag für Tag, jahrein jahraus dieselbe Route. Sie legt kurz vor Mitternacht auf Åland an. Erreicht gegen sieben Uhr morgens Åbo in Finnland, während die meisten schwedischen Passagiere noch im Bett liegen und schlafen. In dreiundzwanzig Stunden wird die Charisma wieder zurück am Kai in Stockholm sein. Doch auf dieser Fahrt befinden sich zwei Passagiere an Bord, die niemandem ähneln, die sie je zuvor an Bord gehabt hat.

Auf dem Autodeck, das an den Maschinenraum grenzt, erteilt das Personal Anweisungen auf Schwedisch, Finnisch und Englisch. Sie haben bereits diverse Sattelzüge, Pkw, Wohnmobile und zwei große Reisebusse hereingelotst. Alles ist genau ausgerechnet, um die Stabilität des Schiffes zu gewährleisten. Hier unten, wo kein Sonnenstrahl hinunterreicht, ist es kühl und riecht stark nach Benzin und Abgasen. Erschöpfte Lastwagenfahrer und Familien, die mit dem Auto unterwegs sind, bewegen sich auf die Aufzüge und Treppenhäuser zu. Bald wird das Autodeck für alle Passagiere geschlossen und erst kurz vor der Ankunft auf Åland wieder geöffnet werden. Die großen Sattelschlepper, die mit Ketten im Stahlboden verankert sind, harren bewegungslos wie schlafende Raubtiere im Dunkeln aus. Ein kleiner blonder Junge im Alter um die fünf Jahre und eine dunkelhaarige, stark geschminkte Frau haben gerade ihr Wohnmobil verlassen. Sie wirken müde. Werfen sehnsuchtsvolle Blicke in Richtung des hellerleuchteten Aufzugs, betreten aber stattdessen das enge Treppenhaus. Beide schauen zu Boden und begegnen nicht den Blicken der anderen Passagiere. Der Junge hat sich die Kapuze seines Pullis über den Kopf gezogen. Hält die Riemen seines Rucksacks mit einem Motiv von Pu der Bär fest umschlossen. Die dicke Schicht Schminke, die die Frau aufgelegt hat, kann nicht verbergen, dass mit ihrem zerfurchten Gesicht etwas nicht stimmt. Beide riechen nach Flieder und Menthol und noch etwas anderem Undefinierbaren, aber dennoch Wohlbekannten, und einige Mitreisende scheinen es wahrzunehmen, denn sie linsen verstohlen zu den beiden rüber. Die Frau befingert das ovale Medaillon aus Gold, das an einer feingliedrigen Kette um ihren Hals hängt. Außer der Kette und einem Goldring um ihren linken Ringfinger trägt sie keinen weiteren Schmuck. Ihre rechte Hand hat sie in die Tasche ihres Mantels geschoben. Sie betrachtet die kleine Gestalt neben sich. Die Sohlen seiner kleinen Schuhe prallen hart gegen das PVC, das auf den Stufen liegt. Die Treppe ist für seine kurzen Beine viel steiler. In ihrem Blick liegt Liebe und Trauer. Aber sie hat auch Angst um ihn. Angst, ihn zu verlieren. Angst, dass er kurz davor steht, eine Grenze zu überschreiten, und Angst vor dem, was passiert, wenn er es tut.

Oben auf der verglasten Rampe gehen Marianne und der Mann, der Göran heißt, durch ein Portal aus Sperrholz mit einem buntgemalten Blumenmuster darauf. Eine Frau mit dunklem krausen Haar hält eine Kamera auf sie gerichtet, und Göran lächelt in die Linse. Es macht Klick, und Marianne möchte sie bitten, noch ein Foto zu machen, da sie nicht darauf vorbereitet war, aber die Frau hat ihre Kamera bereits auf Görans Freunde hinter ihnen gerichtet. Dann gehen sie an Bord. Dunkelrote Auslegware unter ihren Füßen. Die indirekte Beleuchtung lässt die Messinggeländer, die Holzpaneele, den künstlichen Marmor an den Wänden und das rauchfarbene Glas der Aufzugtüren glänzen. Eine Putzkolonne in grauen Uniformen verlässt das Schiff. Darunter kein einziges hellhäutiges Gesicht. Marianne hört kaum die Ausführungen des Reedereimanagers zu den Angeboten des Abends, und auch der Name des Promis, der das Karaoke-Singen moderiert, sagt ihr nichts. So viele Eindrücke stürmen auf sie ein, dass sich ihre Unruhe allmählich legt, ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen. Nur die Vorfreude ist geblieben. Wie soll man denn all das mitnehmen, was einen hier an einem einzigen Tag erwartet? Jetzt ist sie hier. Und Görans Griff um ihre Schultern wird fester. Das Abenteuer kann beginnen.

Dan

Dan Appelgren läuft und läuft, aber er kommt nirgends an. Das ist eine perfekte Metapher für sein ganzes verdammtes Scheißleben. Hinzukommt, dass er auf einer Fähre läuft, die immer hin- und wieder zurückfährt, hin und her. Er kommt sich vor wie der mythische Fährmann, der dazu verurteilt ist, bis in alle Ewigkeit über dasselbe trostlose Gewässer zu fahren.

Er hört das Signal für das Auslaufen der Baltic Charisma. Eine Warnung an alle kleineren Schiffe, sich vor dem Ungeheuer in acht zu nehmen.

Dan erhöht die Geschwindigkeit auf dem Laufband des Fitnessstudios fürs Personal. Das jaulende Geräusch wird lauter. Seine Füße schlagen härter und schneller auf dem verschlissenen Gummi auf. Der Schweiß rinnt von seinem Körper herab und brennt ihm in den Augen. Er riecht säuerlich. Reste chemischer Substanzen, die aus seinen Poren drängen. Der Blutgeschmack in seiner Kehle nimmt zu, und der Pulsschlag dröhnt ihm in den Ohren. Wenn er jetzt einen Herzinfarkt erlitte, würden die Schlagzeilen verdammt niederträchtig lauten. SCHLAGERSTAR AUF FINNLANDFÄHRE TOT UMGEFALLEN.

Er legt prüfend eine Hand auf seinen Bauch unter dem durchnässten Trainingsshirt. Gar nicht so übel für einen Fünfundvierzigjährigen, aber er kann nicht umhin, sich in die dünne Schicht Unterhautfett über dem, was einmal sein Waschbrettbauch gewesen ist, zu zwicken. Er läuft noch schneller. Nur weil er ein verdammter Loser ist, gibt es noch lange keinen Grund, auch wie einer auszusehen.

Das Aufprallen seiner Schuhsohlen auf dem Laufband ist der einzige Rhythmus, nach dem er sich richtet. Er hält es schon lange nicht mehr aus, dabei Musik über Kopfhörer zu hören. Die Abende und Nächte auf der Charisma verpassen ihm immer wieder aufs Neue eine Überdosis Musik. Stunde um Stunde in der Karaoke-Bar, wo er die Besoffenen durch ihr falsches Gekrächze manövriert, sie ermuntert und so tut, als fände er ihren Auftritt gelungen, und ihr dabei vorgaukelt, den ganzen Mist nicht schon tausend Mal mitangesehen und -gehört zu haben. Immer dieselben Songs. Dieselben Menschen, nur mit anderen Gesichtern. Er muss sich jedes Mal vorher eine ganze Ladung Koks reinziehen, um das Ganze einigermaßen zu überstehen. Und um schließlich einschlafen zu können, kippt er sich hinterher in einem der Clubs einiges an Alkohol hinter die Binde. Die Musik ist überall gegenwärtig. Ein ohrenbetäubendes, dröhnendes Inferno, das die Seele abtötet. Der Vorhof zur Hölle, in dem dieselbe Band und dieselben DJs ein ums andere Mal dieselben Songs spielen. Und der Meute geben, was sie haben will.

Dieses verfluchte Schiff.

Die Charisma hat ihn fest in ihrem Griff. Es gibt nichts, was ihn an Land erwartet. Selbst die Schwulenclubs buchen ihn inzwischen nicht mehr. Er hat kein Zuhause, und die Freunde, die noch willens sind, ihm eine Bleibe anzubieten, werden immer weniger. Was soll er nur machen, wenn er nirgendwo mehr willkommen ist? Woher soll er das Geld nehmen? Er hat ja nichts anderes gelernt, und um keinen Preis will er sich irgendwann bei McDonald`s an die Kasse stellen. Hier auf der Fähre wohnt und isst er umsonst, aber das Geld, das er hier verdient, gibt er gleich wieder aus, um zu verdrängen, was aus seinem Leben geworden ist. Es ist teuer, die Dinge zu verdrängen, also wird er wohl hierbleiben müssen, bis er stirbt oder bis die Fähre verschrottet wird. Was auch immer zuerst passieren wird. Es wird eine Art Wettlauf werden. Die Charisma ist ein pathetisches altes Monster aus den späten Achtzigern, und er hat bereits diverse Gerüchte gehört, weiß um die unterschwellige Angst des Personals davor, arbeitslos zu werden.

Dan wird schwindelig, als hätte er den gesamten Sauerstoff in dem fensterlosen Studio aufgebraucht. Er schaltet die Geschwindigkeit des Laufbands herunter auf Gehen. Der Schweiß strömt ihm in Wellen aus dem Körper und tropft von seiner aufgeheizten Haut oder verdunstet. Schließlich schaltet er das Band ab und steigt hinunter auf den Fußboden. Seine Beine zittern. Erneut erfasst ihn ein Schwindelgefühl, während sein Körper zu verstehen versucht, dass sich der Boden unter seinen Füßen nicht bewegt.

Dabei steht er natürlich nie ganz still. Die Vibrationen der Motoren sind immer zu spüren. Sie bleiben im Körper gegenwärtig, selbst wenn er an freien Tagen an Land geht. Dann wacht er nachts auf und glaubt, er wäre noch immer auf dem Schiff, da er die Vibrationen wie Phantomschmerzen mit jeder Faser seines Körpers spürt.

Sein durchnässtes Shirt ist kalt geworden. Es klebt ihm an der Haut. Dan trinkt aus seiner Wasserflasche und zieht sich seinen Collegepulli über. Er geht raschen Schrittes hinaus in den Korridor und passiert den Aufenthaltsraum und die Mannschaftsmesse, in der sich das Personal aus reiner Gewohnheit in säuberlich voneinander getrennten Grüppchen zum Essen trifft. Es ist fast so wie in der Schule. Blumentöpfe mit Plastikpflanzen und karierte Decken auf verschrammten altmodischen Holztischen. Brot, Aufschnitt und Obst stehen auf einer Anrichte sowie Körbe mit Ketchup-Tütchen und HP Sauce. Er sieht Jenny und die Fettwanste aus ihrer lächerlichen kleinen Band dort sitzen. Sie wendet sich ab, als sie ihn erblickt. In ihm kommen unangenehme Erinnerungen an seine erste Nacht auf der Fähre hoch, und in seinem Inneren breitet sich Wut aus. Jenny hat recht. Er ist in der Tat ein Hasbeen. Aber sie ist ein Wannabe, die ihre Zeit mit Nevergonnabes verschwendet. Aber das ist noch lange kein Grund zu glauben, etwas Besseres als er zu sein. Oder so zu tun, als besäße sie Integrität, nur weil sie auf einer verdammten Finnlandfähre arbeitet. Was für ein verfluchter Unsinn! Er weiß wenigstens, was er ist.

Die Fähre ist voll von Leuten, die an Land ein Niemand wären, aber sich hier aufführen, als gehöre ihnen die Welt. Wie beispielsweise dieser Securityfatzke Henke, der so heftig in seine Uniform verliebt ist, dass er im realen Leben ganz offenbar schikaniert wird, vermutlich von einer frigiden Ehefrau und potthässlichen Kindern. Oder der Kapitän selbst, Berggren, und sein verdammtes Pack. Sie verfügen sogar über eine eigene Offiziersmesse, damit sie nicht mit dem übrigen Personal zusammen essen müssen. Die allerdings nicht einmal hochwertiger eingerichtet und sogar noch kleiner ist. Wenn auch mit echten Grünpflanzen in den Töpfen. Alle auf der Fähre sind besessen von einer Hackordnung, davon, wie viele Streifen sie auf den Schultern ihrer Uniformen haben. Berggren ist selbstverständlich der Herr auf diesem fliegenden Teppich, und alle behandeln ihn wie einen König. Aber ein König mit einem lächerlich kleinen Königreich wie der Charisma ist keiner, vor dem Dan beabsichtigt zu buckeln.

Er steigt eine Treppe hinunter bis Deck neun und geht den Korridor entlang zu seiner Kabine. Sie ist zwar klein, aber sie hat zumindest ein Fenster. Im Unterschied zu den Personalkabinen auf Deck zehn, wie zum Beispiel Jennys.

Vor zwanzig Jahren noch hätte er die einzige Luxuskabine an Bord haben können. Damals hätte er abends umsonst in den öffentlichen Restaurants essen und sogar Gäste mit auf seine Reisen nehmen können. Und doch hätte er vermutlich abgelehnt. Wie Fieber in meinem Herzen stand damals auf Platz eins der Hitparade, und es wäre schlicht und einfach unter seiner Würde gewesen.

Dan zieht seinen Pulli aus. Reißt sich das Shirt vom Leib, das mit einem Klatschen auf dem Fußboden landet. Er streift sich die Laufschuhe ab und zieht die Socken aus. Der blaue Bodenbelag aus PVC fühlt sich unter seinen Fußsohlen kalt an. Als er seine Trainingsshorts auszieht, breitet sich in seinem Schritt der abgestandene Geruch von Sex aus. Wie hieß sie noch gleich? Alle Mädels, die er hier auf der Charisma fickt, scheinen Anna, Maria, Marie, Linda, Petra oder Åsa zu heißen. Doch das letzte Mädel war jünger als die anderen. Elsa? Sie meinte, dass sie Wie Fieber in meinem Herzen geliebt hatte, als sie noch in den Kindergarten ging. Was ihn zum einen beschämte, zum anderen aber seinen Schwanz so steif werden ließ, dass ihm im Prinzip sofort der Lusttropfen abging. Sie wusste genau, was sie mit ihm machen musste. Manche Mädels, die in den Neunzigern geboren wurden, sind regelrecht pornogestört. Verwandeln das Bett in einen ADHS-Zirkus. Keine Stellung taugt länger als für ein paar Minuten. Sie wollen festgehalten, an den Haaren gezogen und gefesselt werden. Er hat nie den Eindruck, dass sie irgendetwas anderes genießen als Aufmerksamkeit und die Hoffnung, einen bleibenden Eindruck bei ihm zu hinterlassen.

Er spült alle Spuren von Elsa in der Dusche weg. Bekommt halbwegs einen Steifen, als er sich im Intimbereich rasiert. Sein Schwanz fühlt sich groß und schwer an. Er fragt sich, was Elsa wohl den restlichen Tag über unternommen hat, nachdem er ihre Kabine verlassen hatte, die sie mit einer Freundin teilte, der er nie begegnet war. Hat sie auf der Suche nach ihm die Fähre durchstreift? Oder ihrer Freundin umgehend alle intimen Einzelheiten über ihr Sexerlebnis mit Dan Appelgren anvertraut? Vielleicht ist sie ja auch schon wieder zu Hause, wo auch immer sie wohnt. Und die Fähre hat sie längst wieder ausgespuckt. Und neue Lustobjekte an Bord in Empfang genommen. Damit in Kürze alles wieder von vorn beginnen kann.

Filip

Sein Kaffee ist kalt geworden, während er die Kasse vorbereitet hat, aber er kippt den Rest aus dem Duralex-Glas in einem einzigen großen Schluck hinunter, in der Hoffnung, dass ihm das Koffein helfen wird, den verwaschenen Nebel in seinem Kopf zu lichten. Die Motoren der Fähre lassen die Gläser, die oberhalb des Bartresens hängen, leicht gegeneinander klirren. Er überlegt, ob er sich einen Shot mit Fernet genehmigen soll, nimmt jedoch stattdessen ein Tuch zur Hand und wischt den Tresen trocken.

Filip hat mittlerweile den achten Tag in Folge Dienst hinter der Bar im Club Charisma Starlight, in dem eine Liveband spielt, und ist völlig erschöpft. Er fühlt sich regelrecht ausgepowert, als hätte man seinen Körper in alle Richtungen auseinandergezogen, bis jeder einzelne Muskel gerissen ist. Vermutlich müsste er sich mehr Sorgen darüber machen, wie lange sein Körper noch in der Lage ist, durchzuhalten. Während die Fähre im Hafen lag, konnte er für eine Weile schlafen. Als er sich ins Bett legte, war sein Rücken so steif und taub, dass er kaum die Matratze unter sich spürte. In einer halben Stunde öffnet die Bar wieder, und er wird bis fünf Uhr morgens hierbleiben.

In ein paar Tagen kommt er wieder nach Hause. Dann wird er endlich ausschlafen. Manchmal bleibt er mehrere Tage lang wie ein geprügelter Hund im Bett liegen. Steht nur auf, um sich aufs Sofa zu fläzen und Fernsehen zu glotzen. Im Augenblick erscheint ihm diese Vorstellung wie das Himmelreich. Und dennoch wird er die Charisma vermissen, sobald er eine Woche freigehabt hat. Rastlos die Tage zählen, bis er endlich wieder an Bord gehen kann.

Marisol erscheint hinter ihm, streckt sich nach seinem leeren Kaffeeglas und verschwindet im Personalbereich. Als Filip sich streckt, knackt es in seinem Rückgrat. Von der Decke vor dem Tresen leuchtet eine Konstellation aus gedimmten kleinen Spots, die der Charisma Starlight ihren Namen gegeben haben. Als er sich umdreht, ist Marisol wieder zurückgekommen. Sie schaut hinunter aufs Display ihres Handys. Der blasse Schein erleuchtet ihr Gesicht. Sie grinst, während sich ihre Daumen über die Tastatur bewegen.

Filip geht auf den Stapel mit Kästen zu und füllt die Kühlschränke mit Bacardi Breezer.

„Wann hörst du eigentlich endlich auf, so abartig frischverliebt zu sein?“, fragt er und lacht. „Das macht einen ja wahnsinnig.“

Marisol lässt ihr Handy in die Tasche ihrer Schürze gleiten und rafft ihre dunklen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen. Als sie das Haargummi darüber streift, gibt es ein leises Schnalzen von sich.

„Da ich die Hälfte der Zeit nicht zu Hause bin, müsste der Zustand bei uns ja mindestens doppelt so lang andauern wie bei anderen, oder?“

Sie wohnt schon ihr Leben lang in Schweden, aber in ihrer Sprachmelodie finden sich Anklänge ihrer chilenischen Wurzeln.

„Vielleicht verzeih ich es dir, wenn du irgendwann mal mit mir feiern gehst“, meint er. „Du bist `ne verdammte Langweilerin geworden, seit ihr zusammen seid.“

Marisol grinst zurück.

Er fragt sich, wie sie es schafft, dass es mit ihrem neuen Freund funktioniert. Während all seiner Jahre auf der Charisma ist es ihm nie gelungen, eine Beziehung zu einer Frau an Land aufzubauen. Auf lange Sicht war das immer unmöglich. Die gestressten Telefonate zwischen den verschiedenen Arbeitsschichten und der viel zu kurze Schlaf. Der Versuch, Geschichten zu sammeln, alles in Erinnerung zu behalten, was an Bord geschehen war, so dass er etwas zu erzählen hätte, wenn er nach Hause käme. Doch wenn er dann an Land ging, kamen ihm all diese Geschichten so belanglos vor. Hatten ihren Glanz verloren. Es war schwierig, die beiden Welten miteinander zu vereinbaren. Viele der Angestellten leben ein Doppelleben. Haben ein Verhältnis an Land und eines auf See.

Filip und Marisol arbeiten eine Weile lang in angenehmer Ruhe. Ihm gefällt die tägliche Routine vor dem erneuten Öffnen der Bar. Es ist ruhig, aber man hat dennoch etwas zu tun. Er schließt die Kühlschranktüren und trägt die leeren Kästen in den Lagerraum.

„Apropos Turteltäubchen“, sagt er, als er zurückkommt. „Ich frag mich, wie es bei Calle wohl läuft.“

„Hast du noch nichts gehört?“

Marisol schneidet mit mechanischen Bewegungen Zitronen in Scheiben und legt sie in eine der Plastikschalen unter dem Tresen.

„Nein, noch nicht“, antwortet er, wäscht sich die Hände und legt eine Handvoll Limetten auf sein Schneidebrett.

Die Geräusche der Messer, die die Früchte zerteilen, verdoppeln sich. Die Gläser klirren.

„Es kommt mir vor, als hätte Calle erst vor Kurzem hier gearbeitet“, meint er. „Meine Güte, wie die Zeit vergeht. Nicht zu fassen.“

„Ja, das hört man öfter von alten Kerlen“, entgegnet Marisol und schenkt ihm ein charmantes Lächeln.

Es schmerzt ihn mehr, als er zugeben will.

„Wart‘s nur ab, in ein paar Jahren bist du ebenfalls jenseits der Vierzig.“

„Willst du mich wirklich jetzt daran erinnern, wo ich ein Messer in der Hand habe?“, fragt sie. „Hast du seinen Freund eigentlich schon kennengelernt?“

„Nein, ich habe ja selbst Calle kaum getroffen, seit er hier aufgehört hat. Er ist nach Südschweden gezogen, um zu studieren. Ich hätte öfter von mir hören lassen sollen, aber … du weißt ja, wie es ist.“

Marisol nickt zustimmend, und Filip kommt der Gedanke, dass er vielleicht eines schönen Tages etwas Ähnliches über sie äußern wird. Für sie ist die Charisma nur ein Job. Aber für ihn ist die Fähre sein Leben, seine Bleibe. Der einzige Ort, an dem er sich wirklich zu Hause fühlt. Er kann sich gar nicht mehr vorstellen, wie es wäre, woanders zu arbeiten. Ein weiteres Thema, über das er sich eigentlich Sorgen machen müsste. Insbesondere jetzt, wo das Gerücht kursiert, dass die Tage der Charisma gezählt sind.

„Was ist denn eigentlich aus ihm geworden?“, fragt sie. „Ich meine, was hat er studiert?“

„Landschaftsarchitektur“, antwortet Filip. „Oder so etwas in der Art. Verdammt, ich müsste es doch eigentlich wissen, oder?“

„Vermutlich schon.“

Er hofft, dass Pia es weiß, so dass er Calle nicht selbst fragen muss.

Marisol will gerade etwas sagen, als das Stahlgitter am Eingang zu klappern beginnt. Sie wechseln einen Blick.

„Du bist dran“, sagt sie.

Doch als Filip aufs Gitter zugeht, sieht er, dass kein ungeduldiger Passagier davorsteht, der in die Bar hineingelassen werden will, sondern Pia, die eine Papiertüte in der Hand hält und auf den Sohlen ihrer Stiefel vor und zurückwippt.

„Ich habe eben eine SMS von Calle bekommen“, sagt sie. „Sie sind gerade ins Poseidon gegangen.“

„Gib mir eine Minute“, bittet er sie und geht zurück an die Bar, wo er sich die Schürze abnimmt. „Es dürfte zwar relativ schnell gehen. Aber vielleicht schaffe ich es nicht, zurück zu sein, bevor wir öffnen.“

„Ich werde schon eine Viertel- oder halbe Stunde allein zurechtkommen“, antwortet Marisol.

Es prasselt laut, als Filip einen Sektkühler aus Plexiglas mit Eiswürfeln füllt. Marisol nimmt zwei Champagnergläser aus den Halterungen überm Tresen und reicht sie ihm, nachdem er die Flasche ins Eis gebohrt hat.

Sie folgt ihm zum Gitter. Es bleibt wie gewöhnlich einen Meter über dem Boden hängen. Pia und Marisol lachen auf, als er flucht. Jeden verdammten Tag steht er hier und zerrt an dem verfluchten Gitter. Er rüttelt daran, versucht es zu bewegen, versetzt ihm einen Stoß mit der Hüfte, während er daran zieht, und endlich lässt es sich mit einem ohrenbetäubenden Lärm bis ganz nach oben rollen.

Albin

Draußen vor dem Fenster gleitet, hinter seiner Mutter und seinem Vater, langsam der Stockholmer Schärengarten vorbei. Die letzten Sonnenstrahlen lassen die Baumwipfel erglühen. Albin betrachtet die Villen aus Holz, die zwischen den Bäumen hervorlugen, sowie die Pavillons unten am Ufer. Er fragt sich, wie es wohl sein muss, auf einem der Bootsstege zu sitzen und zu beobachten, wie die große Fähre vorbeifährt. Sein Vater hat gemeint, dass diese Häuser hier mindestens zehn Mal so viel kosten wie das Reihenhaus, in dem sie wohnen.

Seine Mutter meint, dass Geld nicht glücklich macht, doch Albin kann sich nicht vorstellen, dass er in einem dieser Häuser unglücklich sein würde. Am wenigsten, wenn es auf einer Insel läge, die einem ganz allein gehört und die niemand ohne seine Erlaubnis betreten dürfte.

„Diese Idioten in der Einkaufsabteilung haben aber auch überhaupt keinen Durchblick“, flucht sein Vater. „Da weiß die eine Hand nicht, was die andere tut. Ich bin es allmählich leid, immer derjenige sein zu müssen, der es hinterher ausbaden muss.“

Er behauptet zwar, dass er seine Arbeit liebt, aber wenn er darüber redet, wirkt es keinesfalls so. Es gibt immer nur Probleme. Probleme, die die anderen verursachen. Er selbst ist immer unschuldig, und alle anderen sind dumm oder faul.

Als Albin noch klein war, glaubte er, dass sein Vater in allem der Beste war. Er hat ihm Märchen erzählt, in denen die Welt von feuerspeienden Drachen und verheerenden Erdbeben heimgesucht wurde, bis er selbst auf der Bildfläche erschien und alle rettete. Aber die besten Geschichten waren die, die davon handelten, wie er und seine Mutter Albin aus dem Kinderheim in Vietnam geholt hatten. Wie sein Vater sofort wusste, dass Albin ihr kleiner Junge war, und sie mehrere Monate lang blieben, damit Albin sie kennenlernen konnte, bevor sie ihn mit zu sich nach Schweden nahmen. Albin glaubte damals, dass sein Vater alles konnte und alles wusste. Aber mittlerweile weiß er es besser. Alles, was sein Vater von sich gibt, sind bloß Märchen.

In der vergangenen Nacht hat er wieder von Oma gesprochen. Diese Nächte sind immer die schlimmsten.

Ich sollte es wirklich so machen wie Mutter. Dann wären doch alle froh, oder?

Seine Stimme war ziemlich verwaschen und abstoßend.

Wie konnte ich nur so dumm sein zu denken, dass ich es wert bin, geliebt zu werden?

Du hättest mich schon längst verlassen sollen, wenn du der Meinung bist, dass ein anderer dich haben will. Ihr beide wollt mich doch nur loswerden, Abbe und du.

Albin lag wach und horchte den Schritten seines Vaters im Erdgeschoss. Er wollte gewappnet sein, wenn er sie die Treppe hochkommen hörte. Die Schritte seines Vaters auf der Treppe sind wie eine eigene Sprache. Man hört, ob er gerade wütend ist oder weinend die Treppe hinaufsteigt. Es ist, als wären es zwei völlig verschiedene Väter, auch wenn sie fast dasselbe von sich geben. Und beide Väter jagen ihm gleich viel Angst ein, da keiner von ihnen versteht oder auch nur zuhört, was man sagt. Manchmal verschwindet er mitten in der Nacht. Dann sagt er vorher, dass er es tun wird und dass er keine Kraft mehr hat.

Du musst wissen, dass es nicht dein Fehler ist, wenn ich keine Kraft mehr habe, Abbe. Das darfst du niemals denken.

Draußen vor dem Fenster fliegen einige Sturmmöwen vorbei. Ihre Schnäbel öffnen und schließen sich wieder, doch ihre Schreie sind drinnen im Selbstbedienungsrestaurant Charisma Buffet nicht zu hören. Hier hört man nur das Klappern von Besteck gegen Porzellan und lautes Stimmengewirr. Wenn Lo hier gewesen und noch die Alte wäre, hätte er ihr erzählt, dass die Leute früher glaubten, die Fischmöwen wären die Seelen verstorbener Seeleute. Er hätte ihr auch erzählt, dass es massenweise Wracks auf dem Grund der gesamten Ostsee gibt. Jede Menge toter Seeleute, die niemals gefunden worden sind.

Aber Lo ist noch nicht da. Sie haben ohne sie angefangen zu essen.

Lo, die eigentlich gar nicht mitfahren wollte.

Albin starrt auf seinen Teller. Kartoffelgratin, Köttbullar, Cocktailwürstchen, Graved Lachs, halbe Eier mit Krabben darauf. Er hat Hunger, doch in seinem Magen ist kein Platz fürs Essen. Seine Gedanken liegen darin wie ein großer Klumpen Zement. Das letzte Mal hatte er Lo vorigen Sommer getroffen. Seine Eltern und Linda hatten für eine Woche ein Ferienhaus in Grisslehamn an der Küste gemietet. In der Zeit regnete es fast jeden Tag, und Lo und er hatten im Etagenbett gelegen und gelesen. Er schlief oben und konnte manchmal nicht umhin, über die Bettkante zu linsen und in Los Gesicht zu schauen, das sich unbewusst bewegte, so dass er an ihrer Miene erkennen konnte, was gerade in ihrem Buch passierte. Jeden Abend aßen sie trotz des Regens unten im Hafen Softeis mit Zuckerstreuseln. Lo hatte bereits haufenweise Horrorfilme gesehen und erzählte ihm in den Nächten das Schrecklichste daraus. Manchmal bekamen sie beide solche Angst, dass sie zusammen in ihrem Bett schlafen mussten. Dann lagen sie nebeneinander wach und betrachteten die Schatten in den Ecken und die Bäume, die sich vor dem Fenster im Wind wiegten. Es war, als lüfteten sie eine unsichtbare Gardine, hinter der sie eine andere, ihnen unbekannte Welt sehen konnten. Eine abgrundtiefe Welt, in der sich alles Mögliche verbarg. Albin hatte so große Angst, dass diese Angst für ihn wie zu einem Magneten wurde, der genau das anzog, wovor er Angst hatte. Und dennoch waren dies die Stunden, die ihm in den gesamten Ferien am meisten gefielen. Zusammen mit Lo unter einer Decke zu liegen, während ihnen der Schreck in die Glieder fuhr und ihr hysterisches Lachen kein Ende zu nehmen schien.

„Und wie ist es so in der sechsten Klasse, Albin?“, fragt Linda und schiebt sich ein glänzendes Stück Hering in den Mund.

„Ganz okay“, antwortet Albin.

„Bist du immer noch so gut in der Schule?“

„Klassenbester“, antwortet sein Vater. „Er bekommt sogar Zusatzaufgaben von den Lehrern, damit er sich nicht langweilt.“

Albin legt sein Besteck zur Seite. „Aber nicht in Mathe. In Mathe sind viele andere besser als ich.“

„Ich habe Mathe gehasst, als ich zur Schule gegangen bin“, sagt Linda. „Deswegen hab ich auch alles wieder vergessen. Ich kann Lo kaum noch bei den Hausaufgaben helfen.“

„Abbe muss eigentlich nur lernen, wie man paukt“, erklärt sein Vater. „Er hat sich bislang nie anstrengen müssen.“

„Und welches Fach gefällt dir am meisten?“, fragt Linda.

Albin schaut Linda an. Überlegt. Seine Tante ist nett. Aber sie gehört zu der Sorte Erwachsener, die immer dieselben langweiligen Fragen stellen, nur um etwas zu fragen.

„Englisch und Schwedisch, glaube ich“, antwortet er.

„Aha“, meint Linda. „Ja, du hast ja schon immer gern gelesen und Geschichten erfunden. Lo war ganz ähnlich, aber jetzt hat sie nur noch Schminke und Jungs im Kopf.“

Der Zementklumpen in seinem Magen wächst.

„Und weißt du schon, was du werden willst, wenn du groß bist?“, fährt Linda fort, genau wie Albin es erwartet hat.

Er spürt, wie ihn sein Vater erwartungsvoll anschaut, presst aber stur die Lippen aufeinander.

„Er will Programmierer werden. Darin liegt die Zukunft“, antwortet sein Vater. „Er hat mindestens genauso viel Fantasie wie diese Typen, die Spotify oder Minecraft erfunden haben. Nicht wahr, Abbe?“

Albin hasst ihn. Das entspricht eigentlich eher dem Wunsch seines Vaters, aber er bildet sich ein, dass Albin es selbst auch will. Doch Albin hat keine Ahnung, was er will, außer, dass er sich danach sehnt, endlich die Mittelstufe hinter sich zu bringen, um dann die Schule zu wechseln.

„Wie spannend“, sagt Linda. „Aber vergiss uns nur nicht, wenn du Multimillionär bist.“

Albin bemüht sich zu lächeln.

„Und Lo?“, fragt seine Mutter.

„Sie will unbedingt Schauspielerin werden“, antwortet Linda und lacht auf. „Ist doch klar, sie ist schließlich die Drama Queen schlechthin.“

Es klingt wie auswendig gelernt, und Albin wird klar, dass Linda es nicht zum ersten Mal sagt. Es ist gemein gegenüber Lo, aber seine Mutter nickt nur und lächelt.

„Ich wundere mich, dass du es zulässt, wie sie sich kleidet“, sagt sein Vater.

„Wieso, wie meinst du das?“

„Sie sieht ja mit der Schminke und allem schon ziemlich erwachsen aus. Ich weiß nicht recht, ob das die richtigen Signale sendet.“

Seine Mutter wirft ihm einen nervösen Blick zu. „Ich finde, dass Lo sehr hübsch aussieht“, sagt sie. „So kleiden sich die Mädchen doch heutzutage.“

„Hast du denn keine Angst, dass Lo zu früh erwachsen wird?“, fragt sein Vater, ohne Linda aus den Augen zu lassen. „Sie hat ja schließlich zu Hause kein männliches Vorbild.“

Am Tisch wird es absolut still. All das Unausgesprochene drückt Albin zu Boden, so dass er kaum noch aufrecht auf seinem Stuhl sitzen kann. Er wirft erneut einen Blick aus dem Fenster. Inzwischen ist es draußen um einige Nuancen dunkler geworden.

„Ich will ja nur sagen, dass die Welt voller Verrückter ist“, erklärt sein Vater.

„Danke“, meint Linda. „Das weiß ich selbst.“

Seine Mutter räuspert sich. „Wie lustig sie neuerdings spricht“, sagt sie. „Hat das irgendetwas mit Eskilstuna zu tun, oder …?“

„Nein“, antwortet Linda und verdreht die Augen, so dass sie fast wie Lo aussieht. „Sie macht es einfach nur ihren Freundinnen nach. Irgendwann treibt es mich noch in den Wahnsinn.“

Sein Vater steht auf, und Albin folgt ihm mit dem Blick. Unter einem der Zapfhähne auf dem Büffet füllt er sein Weinglas bis zum Rand.

„Wie geht es ihm?“, fragt Linda.

„Gut“, antwortet seine Mutter und wirft einen Blick auf Albin.

Als wäre es wichtig, bestimmte Dinge vor ihm geheim zu halten. Als wüsste er nicht schon alles.

Linda seufzt und wirft einen Blick auf ihre Armbanduhr, während sein Vater sich wieder hinsetzt.

„Nein, jetzt werde ich Lo aber anrufen“, sagt sie. „Sie muss mal langsam herkommen, wenn sie noch etwas essen will.“

„Ihre Mutter hat ihr doch beigebracht, die Uhr zu lesen, oder?“, sagt sein Vater mit dieser Miene, die er immer aufsetzt, wenn er vorgibt, einen Scherz zu machen, es in Wirklichkeit aber ernst meint.

„Ich kann sie holen“, sagt Albin und springt auf, bevor irgendwer widersprechen kann.

Er muss von hier weg.

Dan

Er läuft die weißgestrichene Stahltreppe im Personalbereich hinunter zu Deck sieben. Nimmt den Weg durch das deprimierende fensterlose Büro des Reedereimanagers. Mit alten Seekarten an den Wänden und reihenweise Aktenordnern in den Regalen. Der Manager selbst, Andreas, sieht auch nicht viel fröhlicher aus. Er schaut kaum auf, als Dan vorbeigeht und die Tür zum öffentlichen Bereich öffnet. Der hohe Geräuschpegel und die Musik schlagen ihm entgegen. Er richtet seinen Blick auf den dunkelroten Teppichboden und gibt sich geschäftig und gestresst, während er die wenigen Schritte zur Rezeption zurücklegt. Bitte nicht stören.

Jemand fasst ihn am Ellenbogen.

„Sind Sie nicht Dan Appelgren?“

Er zaubert ein breites Lächeln auf seine Lippen und wendet sich einer Frau mit Kurzhaarfrisur und blau-weiß geringeltem Pulli zu. Fragt sich, ob all diese Weiber immer in blau-weiß geringelten Pullis herumlaufen, oder nur hier auf der Fähre. Glauben sie etwa, sie hätten maritimen Chic?

„Erwischt“, sagte er mit einem gewinnenden Lachen.

„Ich wusste es!“, ruft die Frau aus, als verdiene sie dafür stehende Ovationen.

Sie ist vermutlich in seinem Alter, wirkt aber bereits ziemlich verlebt. Mit kleinen Fältchen vom Rauchen auf der Oberlippe. Grauem herausgewachsenen Haaransatz. Ihr Pulli liegt eng an, so dass er die Fettwülste an den Seiten oberhalb ihres BHs erkennen lässt.

„Mein Mann und ich haben uns damals zu Wie Fieber in meinem Herzen ineinander verliebt“, erklärt sie.

„Das freut mich“, meint Dan.

„Tja, mittlerweile ist er allerdings mein Exmann. Aber ich finde den Song immer noch super.“

Er lacht höflich. Ist überzeugt davon, dass ihr Exmann die Scheidung keinen Tag lang bereut hat.

„Der Song hätte bei der Vorentscheidung zum ESC einfach gewinnen müssen“, fährt sie fort. „Aber das bekommen Sie bestimmt andauernd zu hören.“

„Man hört es immer wieder gern“, entgegnet Dan und zwinkert ihr zu.

Nein, denkt er. Es macht mir ganz und gar nichts aus, immer wieder an meine Niederlage erinnert zu werden. Daran, dass ich sogar auf dem Höhepunkt meiner Karriere ein Verlierer war.

„Das wollte ich Ihnen nur sagen“, meint die Frau.

Aber sie bleibt stehen. Es ist offensichtlich, dass sie noch etwas von ihm hören will.

„Danke“, sagt Dan. „Das bedeutet mir viel.“

Schließlich nickt sie und geht weiter in Richtung Taxfree-Shop. Dan stellt sich an die Rezeption, und Mika reicht ihm ohne ein Wort das Mikrofon. Er wirkt wie immer leidend. Er ist der Einzige, der die Charisma ebenso zu hassen scheint wie Dan.

Dan räuspert sich und schaltet das Mikro ein.

„Liebe Passagiere! Hier spricht Dan Appelgren, und ich hoffe, heute Abend so viele wie möglich von Ihnen in der Karaoke-Bar zu sehen!“

Einige Passagiere bleiben stehen und betrachten ihn neugierig. Ein kleiner asiatisch aussehender Junge hält sein Handy in seine Richtung, und Dan feuert ein Lachen ab, bis er das Klicken der Handykamera hört.

Er spricht weiter ins Mikrofon und bietet seine gesamte Energie auf, um seinen üblichen Vers mit Ausrufezeichen am Ende jeden Satzes aufzusagen.

„Wir haben alles hier, von klassischen Liedern bis hin zu den aktuellen Charts! Für jeden ist etwas dabei, und denken Sie daran: Jeder von Ihnen kann singen! Und natürlich haben wir absolute Sonderpreise auf Bier, Wein und Drinks! Um einundzwanzig Uhr beginnt die Party in der Karaoke-Bar, die auf Deck sieben der Fähre ganz vorne liegt! Wir sehen uns dort!“

Baltic Charisma

Die Fähre gleitet im gemächlichen Tempo von fünfzehn Knoten durch den Schärengarten. Das Licht aus den vielen Fenstern und der Schein der Laternen glitzern im dunklen Wasser.

Oben auf der Brücke ist alles im grünen Bereich. Befehlshaber Berggren ist gegangen und hat sich in seiner Kapitänskabine schlafen gelegt. Die Wache hält Ausschau nach kleinen Booten, die nicht auf dem Radar zu erkennen sind, und der wachhabende Steuermann achtet darauf, dass die Fähre die Geschwindigkeitsbegrenzungen einhält.

In der Kombüse auf Deck acht herrscht zu dieser Stunde Hochbetrieb. Die Köche und das Servicepersonal brüllen sich gegenseitig Kommandos zu. An den Herden und Fritteusen zischt und dampft es, und in den großen Körben mit Geschirr, die in die Spülmaschinen hineingeschoben und wieder herausgezogen werden, klirrt und klappert es. Die raschen Bewegungen der Messer auf den Schneidebrettern klingen wie ein Schwarm Buntspechte.

Im Spa-Bereich sitzt ein Pärchen mittleren Alters im Whirlpool. Sie halten unter der Wasseroberfläche Händchen und schauen durch die großflächigen gewölbten Fensterscheiben hinaus. Schräg unter ihnen liegt das Außendeck am Bug der Fähre, auf dem sich einige Leute versammelt haben, um den Anblick der letzten kleinen Schäreninseln und Klippen in der Abenddämmerung zu genießen, bevor die Fähre aufs offene Meer hinauskommt. Die Sonne ist schon untergegangen, aber der Himmel ist noch nicht ganz dunkel.

Pia und Filip haben gerade einen Eiskübel mit Champagner in die Etagensuite im Obergeschoss gestellt und hängen nun gemeinsam ein riesiges Plakat an der Wand über dem Doppelbett auf.

Der Manager der Reederei, Andreas, sitzt an seinem Schreibtisch und schaut kurz auf, als Dan Appelgren vorbeigeht. Er öffnet einen Aktenordner. Ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit befällt ihn, als er einen Blick auf all die Rechnungen wirft, die zu bezahlen sind, und an die Reederei denkt, die ihn beauftragt hat, Personal einzusparen.

Der Junge namens Albin steht an der Treppe auf Deck sechs. Wirft einen Blick auf den Übersichtsplan mit den verschiedenen Stockwerken und entdeckt den roten Punkt, der ihm signalisiert, wo er sich befindet. Sucht mit seinem Blick die Reihen der kleinen Rechtecke mit den Kabinennummern ab. Es sind extrem viele. Dazwischen gibt es ein paar blinde Flecken, die ihn an ein Puzzle erinnern, das noch nicht vollständig zusammengesetzt ist. Albin fragt sich, was sich wohl hinter diesen weißen Flecken verbirgt. Er findet die Nummern 6512 und 6510 ganz weit hinten am anderen Ende der Fähre. Er biegt in den Korridor auf der Backbordseite ein, der auf dem Plan schon ziemlich lang aussah. Doch in Wirklichkeit kommt er ihm unendlich vor. Zwei ältere Damen schauen ihm, als er an ihnen vorbeiläuft, mit freundlichen Blicken nach.

In mehreren Kabinen wird mit den Einkäufen aus dem Taxfree-Shop schon ordentlich vorgeglüht. Die Erwartungen schrauben sich mit dem Ansteigen von Temperatur und Lautstärke hoch. In einer Kabine auf Deck fünf wird ein Junggesellenabschied gefeiert. Der Bräutigam trägt einen weißen Schleier auf dem Kopf. Die Männer grölen ein Trinklied.

Die dunkelhaarige Frau mit dem stark geschminkten Gesicht hört das Gegröle. Sie steht nur wenige Meter entfernt vor dem Spiegel in einer anderen Kabine und legt eine weitere dicke Schicht Puder auf. Sie zieht sich eine dunkle Strickjacke über ihr schwarzes Kleid, die sie bis zum Hals zuknöpft. Darunter hängen ihre Brüste wie leere lederne Beutel herunter. Sie stellt sich den Tag vor, an dem sie für immer so aussehen wird. An dem sie eine der Alten sein wird. Der bloße Gedanke daran erfüllt sie mit Schrecken, doch die Alternative, nicht lange genug am Leben zu bleiben, flößt ihr ebenfalls Angst ein. Sie schaut aus dem Fenster. Reibt die Hände aneinander, wie um sie aufzuwärmen. Das Muskelfleisch unter ihrer Haut bewegt sich auf seltsame Weise, als hinge es lose zwischen den Knochen und Sehnen. An ihrer rechten Hand fehlen zwei Finger. Sie sind oberhalb des untersten Fingergelenks gekappt. Es wird gleich dunkel, sagt sie und wendet sich dem Jungen zu, der zugedeckt im Doppelbett liegt. Er erwidert ihren Blick nicht. Ich beeil mich, sagt sie und streicht sich ein Pflegeöl mit Fliederduft auf die Haut an ihrem Hals. Sie lässt den unverletzten Zeigefinger ihrer rechten Hand entlang der Kette um ihren Hals gleiten und am Medaillon innehalten. Lächelt prüfend. Ihre Zähne sind gelblich verfärbt. An einigen von ihnen fehlen bereits Teile des Zahnschmelzes. Der Junge entgegnet nichts, und das Lächeln der Frau erlischt. Sie richtet ihren Blick auf den Boden und geht in den Korridor hinaus. Steckt ihre Hände in die Taschen der Strickjacke. Wirft einen besorgten Blick in Richtung der hellen Deckenbeleuchtung und beschleunigt ihre Schritte. Ihre Schuhe verursachen auf dem dunkelroten Teppichboden ein leises Schlurfen, während sie eine Tür nach der anderen passiert. Alle sehen gleich aus. Hinter einigen von ihnen hört sie Stimmen. Eine Gruppe junger Männer, die irgendwelche Anfeuerungsrufe brüllen und höchstwahrscheinlich ein Fußballspiel im Fernsehen angucken. Das Lachen einer Frau. Laute Musik und eine Stimme, die den Song Herzklopfen mitsingt. Die Frau ist nervös. Sie findet es eigentlich zu riskant, es hier an Bord zu machen, wird es aber sonst kaum schaffen, gemeinsam mit ihrem Sohn ihr Ziel in Finnland zu erreichen. Aufgrund ihrer Erschöpfung fühlt sich jeder einzelne Knochen in ihrem Körper bleischwer und wie versteinert an. Sie lässt ihre Muskeln übersäuern. Ist bis in ihre Seele hinein zu spüren. Falls ich überhaupt noch eine habe. Vor ihr wird eine Tür aufgerissen, und eine Gruppe junger Männer im Alter um die zwanzig kommen herausgestolpert, so dass sie sich rasch der nächstbesten Tür zuwendet und so tut, als suche sie in den Taschen ihrer Jacke nach ihrer Schlüsselkarte. Als sie weit genug entfernt sind, geht sie weiter. Schnuppert diskret in der Luft. Die Gerüche der Männer sind in dem schmalen Korridor extrem stark. Nach billigem Rasierwasser, erhitzter und frischgeduschter Haut, nassen Haaren, Lutschpastillen mit Teergeschmack, Zahnpasta. Doch am stärksten von allem sind die Ausdünstungen ihrer Körper, ihre Vorfreude und ihre aufgekratzte Trunkenheit. Ihre Empfindungen lassen ihr Herz schneller und deutlich spürbar schlagen. Die Gerüche sind so stark, dass sie fast ihren Geschmack auf der Zunge spüren kann. Sie muss um ihre Selbstbeherrschung ringen. Schließlich erreicht sie einen Seitenkorridor, der zum Treppenhaus führt. Hier sind noch mehr Leute. Während sie dem Strom der Menschen nach oben folgt, senkt sie den Blick in Richtung Teppichboden. Bemüht, fokussiert zu bleiben und die hundertfach auf sie einströmenden synthetischen Duftstoffe abzuwehren, die ihre Nase attackieren. Unter ihnen sind auch die Gerüche nach Schweiß, Blut, Hormonen und Urin. Ebenso strenge metallische Anklänge an eingetrocknetes Sperma auf der Haut. Talg am Haaransatz. Ihr Hunger wird immer stärker. Verdrängt zunehmend den Zweifel.

Der Sohn der Frau verlässt das Bett und öffnet die Tür der Kabine einen Spaltbreit. Er blinzelt hinaus in den Korridor. Das Licht erhellt sein ausgetrocknetes, faltiges Gesicht, das an Krepppapier erinnert. Er fragt sich, wie viel Zeit ihm wohl bleibt, bis sie wieder zurückkommt.

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Unverkäufliche Leseprobe aus: Mats Strandberg – Die Überfahrt. Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung von Text und Bildern, auch auszugsweise, ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlags urheberrechtswidrig und strafbar. Dies gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Übersetzung oder die Verwendung in elektronischen Systemen.© S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

 

 


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