EXPEDITION NACH EDEN - Oder wem gehört die Welt? (Olaf Kemmler)

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FICTION FRIDAY

EXPEDITION NACH EDEN - Oder wem gehört die Welt? (Olaf Kemmler)


Olaf Kemmler
16.06.2017

Eine Welt, die aus nur noch dreiundzwanzig Konzernen besteht. Jeder geführt von einem Menschen, der jeweils unzählige Angestellte wie Sklaven hält. Wie lange kann eine so starke Konkurrenzsituation zwischen den Menschen bestehen? Wie lange braucht es, bis die Sklaven zur Revolution aufrufen?

Eine faszinierende wie beängstigende Zukunftsvision von Autor Olaf Kemmler. 

***

Seit vielen Jahrzehnten schon lebten auf der Erde nur noch dreiundzwanzig Menschen. Die meisten davon waren der Meinung, dass es zweiundzwanzig zu viel sind.

 ***

Viola van Arden stand im Penthouse ihres Kristallpalastes an einer gläsernen Wand und blickte hinab auf ihr Reich. Ein Gefühl des Stolzes durchdrang jede Faser ihres Leibes und ließ ihr keine andere Möglichkeit, als eine anmutige, vor Energie gespannte Haltung anzunehmen. Von ihrer freien Schulter fiel ein hauchdünnes weißes Kleid in akkuraten Falten hinab bis zum Boden. Ihre dunklen, in diesem Moment etwas unordentlichen Haare hatte sie hochgesteckt. Keiner der anderen hatte ein schöneres Reich. Die Fabriken, Wohnhäuser, Parkanlagen und Forschungsstätten waren in Form und Farbe bis ins Detail durchkomponiert und boten dem Auge eine vollendete Symphonie. Sie war die Erste gewesen, die sich vor der Bedrohung durch die anderen so sicher gefühlt hatte, dass sie ihre Aufmerksamkeit wieder den schönen Seiten des Lebens widmen konnte. Zunächst hatte der eine oder andere geglaubt, ihr Verhalten als Schwäche auslegen zu können, als ein Abgleiten in die Dekadenz. Zwei davon hatten ihren kleinen Irrtum mit dem Leben bezahlt, als sie versucht hatten, sich ihr Reich unter den Nagel zu reißen. Danach gab es nur noch dreißig Menschen auf der Welt. An den anderen sieben Todesfällen war sie selbst unschuldig. Leider. Viola van Arden war nicht dekadent. Sie wusste nur zu gut, dass man sofort degeneriert, wenn man es sich eine Weile lang zu gut gehen lässt. Die Seele setzt Fettpölsterchen an, wird bequem und scheut die Anstrengung. Nach wie vor bildete sich Viola weiter, plante die Neuentwicklungen mit ihren Forschern, hielt sich über alles auf dem Laufenden, was in ihrem riesigen Konzern vorging. Vor allem aber beschäftigte sie sich mit den Sicherheitseinrichtungen, die bis zum Jüngsten Tag eine ewige Baustelle bleiben würden. Seit Jahrzehnten war es niemandem mehr gelungen, einen anderen Konzern feindlich zu übernehmen. Jetzt hatte sie, aber leider auch die meisten anderen, ihre Ruhe. Sie hatte durchaus viel Zeit übrig für den Genuss, aber niemals durfte ihre Wachsamkeit nachlassen.

Ein Anruf kam herein. Sie konnte es kaum glauben, aber einer der anderen rief sie direkt an. Bis die Rechner die Sicherheit der Datenleitung geprüft hatten, würde es noch ein paar Sekunden dauern. Im Hintergrund räkelte sich ein junger Mann in ihrem Bett. Mit einer Geste, die man eher bei einer Frau vermutet hätte, warf er seine langen schwarzen Haare nach hinten. Sein Körper war ein einziger, braun gebrannter Muskelstrang. »Herrin, komm wieder her«, bat er schnurrend.

Viola machte eine ungeduldige Geste. »Zisch ab!«

Ihr kleines Spielzeug war zu erfahren, um sich bei diesem barschen Ton nicht sofort zu fügen. Wie alle anderen sogenannten Angestellten wusste er, dass die Herrin eine gütige Frau war, solange es nichts gab, was sie reizte. Der Anrufton hatte sie gereizt. Was der Mann nicht wusste, war, dass in den alten Zeiten Angestellte einen Lohn erhalten hatten, dass man nur begrenzt und zu bestimmten Bedingungen über sie verfügen konnte und dass sie ihren Konzern sogar wechseln durften. Viola und die anderen zweiundzwanzig Menschen hätten sich derartig barbarische Zustände heute nicht mehr vorstellen können. Solche archaischen Arbeitskräfte konnten nur unzuverlässig und unbrauchbar sein.

Nachdem ihr Liebesdiener den Raum verlassen hatte, goss sie sich ein Glas Sekt ein. Natürlich keinen echten, denn der wäre ihrem langen Leben abträglich gewesen. Für Menschen und ein paar privilegierte Arbeitskräfte gab es ausschließlich funktionale Nahrungsmittel. Sie berührte eine Stelle ihres goldenen Armbandes, das die Kontrollen ihrer Schaltzentrale enthielt. Ein halbrunder Tisch, der aussah, als sei er nur aus drei rauen schwarzen Marmorplatten gefertigt, erwachte daraufhin zum Leben. Ein paar leuchtende Quadrate glommen nun unter der Oberfläche auf. Über der Tischplatte erschien das Abbild eines dunkelhäutigen Mannes mit gewellten schwarzen Haaren, der ziemlich frech grinste.

»Louis Mosambique!«, begrüßte Viola ihn mit offensichtlich geheuchelter Fröhlichkeit. »Mein intimer Fressfeind, wie schön, von dir zu hören!«

»Die charmante Viola van Arden. Hey, was ist mit deinen Haaren los? Ein wenig unordentlich. Hast du alle Friseure deines Konzerns hinrichten lassen?«

»Diese Art zu regieren überlasse ich gerne unfähigen Mogulen wie dir«, entgegnete Viola mit einem zuckersüßen Lächeln.

»Die Unfähigen, denke ich, sind schon alle tot. Meinen Konzern habe ich im Griff. Bist du eigentlich zufrieden mit unseren neuen Produkten?«

»Das muss man dir lassen, deine Nahrungsmittel leisten ganze Arbeit. In den letzten Jahrzehnten bin ich nicht einen Tag gealtert. Was wäre ich nur ohne dich.«

»Ohne deine informationsverarbeitenden Systeme wäre das gar nicht möglich. Glückwunsch zu deiner neuesten Generation von Neuronalchips. Wer weiß, vielleicht finde ich mit ihrer Hilfe endlich einen Weg, dich und die anderen zu vergiften. Aber ich verspreche dir, du wirst die Erste sein, die es erfährt.«

»Sobald ich einen Weg gefunden habe, deine Sicherheitssysteme zu knacken, wirst du der Letzte sein, der es erfährt! Alle anderen wüssten es vor dir.«

»So ist das Geschäftsleben. Wo wären wir nur ohne das gesunde Misstrauen.«

Dann verengten sich ihre Augen ein wenig und ihr Gesicht wurde ernst. Nur wer das einmal gesehen hatte, wusste, wie ihr Blick nun wirkte; als ob eine lange Polarnacht angebrochen wäre, die kein Sonnenstrahl jemals wieder durchdringen würde. »Aber für eine nette Plauderei gehst du nicht das Risiko ein, eine Datenleitung zu öffnen, nicht wahr?«

»Nein, deshalb rufe ich nicht an.« Louis spielte mit einer Fernbedienung herum. »Bestimmt hast du das von Simon gehört.«

»Mr. Simon Strange? Natürlich. Es heißt, er sei spurlos verschwunden und sein Reich verwaist.«

»Tja, ein herrenloser Konzern. Wenn das wahr wäre ... Sollte ihm wirklich das Schlimmste widerfahren sein? Eine Meuterei der oberen Führungsschicht? Arbeitskräfte, die ihren Menschen umbringen?«

»Du glaubst nicht allen Ernstes, dass an der Geschichte was dran ist?«

Louis sah seine Fressfeindin lange an, ohne eine Regung zu zeigen. »Dr. Habermann hat Kontakt zu mir aufgenommen.«

Eine Kaskade der unterschiedlichsten Gefühle durchfuhr Violas Körper. Übrig blieb ein Kribbeln im Bauch. »Simons rechte Hand!«

»Sein Vorschlag lautet, dass wir beide, du und ich, den Eden-Konzern des Mr. Strange friedlich übernehmen, da der Besitzer spurlos verschwunden ist. Die Möglichkeiten, die Erde mit dieser Fusion zu dominieren, sind enorm. Ich produziere die Lebensmittel, die uns alle gesund halten und ein unverschämt langes Leben bescheren. Du stellst die informationsverarbeitenden neuronalen und digitalen Systeme her, Simon ist der Genetikspezialist, ohne den du keine neuronalen Netze züchten könntest, und ohne den ich nicht die Pflanzen züchten könnte, mit denen ich die Welt ernähre. Zusammen hätten wir eine enorme Marktmacht. Und zudem sind unsere beiden Konzerne die einzigen, die räumlich direkt an Simons Garten Eden grenzen.«

»Was weiß Dr. Habermann über den Verbleib Simons?«

»Er habe mit neuen Pflanzenzüchtungen Experimente angestellt, die so geheim waren, dass er nicht einmal seine rechte Hand eingeweiht hat. Das sei jetzt einige Jahre her. Der Konzern ist an und für sich gut genug organisiert, um lange Zeit völlig autonom zu funktionieren, auch ohne Führung. Nur würde es langfristig an Innovation und Richtungsentscheidungen fehlen. Deshalb schlägt er eine friedliche Übernahme vor.«

Viola ging aufgeregt hin und her und kippte ein weiteres Glas Sekt hinunter. »Was hältst du davon?«

»Er hat alle Lügendetektortests bestanden.«

Viola lachte dreckig. »Das riecht so sehr nach einer Falle wie in den letzten vierzig Jahren nichts mehr!«

»Und ob das eine Falle ist!«, meinte Louis nüchtern.

»Der Kerl wirft uns einen billigen Köder hin und hofft, dass wir danach schnappen. Er will uns an der Angel hängen sehen und uns dann filetieren.«

»Ja, es ist ein Köder, und sogar einer, der unangenehm stinkt.«

»Und wie der stinkt! Hält der uns für blöd?«

»Nein, ich glaube, er rechnet fest mit unserer Paranoia. Kein Mensch wäre so dumm!«

»Nein, keiner von uns wäre so dumm.« Die Hände in die Hüften gestemmt blickte Viola in die Ferne. »Oh Scheiße! Wir sind so dumm, nicht wahr?«

»Natürlich sind wir das. Er hat sich ein neues Spiel ausgedacht. Lass uns spielen!«, rief Louis enthusiastisch.

»Der Mistkerl, der sich rühmt, die Sahara wieder grün gemacht und in einen neuen Garten Eden verwandelt zu haben, weiß genau, dass wir nichts unversucht lassen werden, seinen Konzern zu übernehmen.«

Louis nickte. »Er lockt uns an, um uns umzubringen, weiß aber, dass wir das wissen und unsererseits versuchen werden, ihn umzubringen.«

»Vielleicht hofft er ja auch, dass wir beide uns gegenseitig an die Gurgel gehen, wenn wir uns erst einmal begegnen. Ich könnte der Versuchung kaum widerstehen!«

Louis neigte seinen Kopf und lächelte entwaffnend. »Viola, wir unterscheiden uns von unseren Arbeitskräften vor allem dadurch, dass wir keine Disziplin brauchen, weil wir Selbstdisziplin haben.«

»Sei nicht albern! Natürlich können wir uns beherrschen, aber ungestraft einen Mitmenschen beseitigen und sich dessen Konzern einzuverleiben, da wäre jede Selbstbeherrschung fehl am Platz. Ich könnte dir nicht trauen und du mir nicht.«

»Daran wird das Unternehmen dann wohl scheitern.«

Viola stieß einen langen Seufzer aus. »Es ist ein schöner Traum, sich zu verbünden und gemeinsam gegen einen Konkurrenten vorzugehen, aber es muss wohl ein Traum bleiben.«

Sie beendeten das Telefonat. Viola van Arden fand in dieser Nacht keinen Schlaf. Am nächsten Morgen wollte sie ihren potenziellen Verbündeten wieder anrufen, doch Louis Mosambique war eine Sekunde schneller gewesen.

»Ich habe eine Idee!«, verkündete er.

»Ich auch, aber du zuerst!«

»Eine Möglichkeit gibt es, dass wir uns gegenseitig vertrauen können. Eine technische.«

»Das sehe ich genauso!«

***

Das Reich von Simon Strange, der Garten Eden, wirkte, als ob ein Jugendstilkünstler die Möglichkeit bekommen hätte, sieben Tage lang Gott zu spielen. Wo man hinsah, erblickte man nur fließende, florale Formen. Die Gebäudekomplexe sahen aus wie Blüten oder erinnerten an liegende Schlingengewächse. Bei manchen Objekten konnte man sich nicht einmal sicher sein, ob es Riesenpflanzen oder Häuser waren. An jeder Ecke des Gartens liebkosten andere Wohlgerüche die Nase. Knallbunte Vögel, die Simon Strange selbst erschaffen hatte, zierten den Himmel und die Baumkronen. Von allen dreiundzwanzig Menschen dieser Welt musste er der glücklichste sein. Davon war er überzeugt. Seine Kunst war die edelste.

Eine Art ausgedehntes Glashaus, dessen teilweise sehr bunte Facetten ein überirdisches Licht im Innern zauberten, war derzeit sein bevorzugtes Labor und sein Domizil. Sein Nachtlager hatte er in einem Baum errichtet, neben einem Wasserfall. Ein paar Dutzend Elfen mit rosa Haut, perlmuttfarbener oder türkisener lebten ebenfalls hier. Seine kleinen Geschöpfe waren ihm die liebste Gesellschaft. Als Kleidung dienten ihnen nur Riesenblüten, etwas anderes gab es nicht, etwas anderes wollten sie auch gar nicht. Oft tollten sie ganz hüllenlos herum und erfreuten sich ihres sorglosen Lebens.

Aus dem goldbraunen Gesicht Mr. Stranges stachen stahlblaue Augen hervor. Ob wenigstens seine äußeren Merkmale natürlich waren, konnte niemand sagen. Er war der Herr der Gene. Hier war alles möglich. Vermutlich hatte er selbst längst vergessen, mit welchen unzulänglichen Merkmalen ihn die Natur ausgestattet hatte.

Ein ausgesprochener Fremdkörper im Paradies war Dr. Habermann. Im weißen Kittel stand er neben Mr. Strange und hielt einen gläsernen Tabletcomputer in der Hand. Seine Stirn war hoch, seine Nase gebogen, die Haare grau und seine Haut ungesund blass. Er hatte sich immer geweigert, sich andere Gene verpassen zu lassen.

»Wenn ich dich sehe, wird mir übel«, meinte Strange mit der Verärgerung eines kleinen Kindes, dem man gerade einen Lolli vorenthalten hatte. »Wenn du nicht zufällig ein wahres Genie wärst, würde ich einen großen Spaß daran haben, dich in ein zweibeiniges Krokodil zu verwandeln.«

»Es tut mir aufrichtig leid, wenn mein Anblick Sie beleidigt, Mr. Strange. Sie wissen, das meine ich ernst. Aber meine hinfällige fleischliche Hülle hat mich nie interessiert. Ich werde gerne an meine Sterblichkeit erinnert. Wenn ich nicht mehr ich wäre, könnte ich den Anblick im Spiegel nicht ertragen, egal wie schön er wäre.«

»Mach dir keine Sorgen, meinetwegen kannst du bis zum Ende aller Tage so hässlich bleiben. Ohne dich würde ich gar nicht mehr bemerken, wie schön dieser Garten ist. Du siehst also, dass du auf eine sonderbare Weise hierhergehörst, und sei es nur als Denkmal. Hey, meine kleinen Gemeinheiten nimmst du dir nicht zu Herzen, oder?«

Dr. Habermann antwortete darauf nicht und tippte auf die Glasscheibe, die er in der Hand hielt. »Es wird Sie freuen zu hören, dass unser Plan funktioniert. Frau van Arden und Monsieur Mosambique haben den Köder geschluckt. Sie wagen sich tatsächlich in die Höhle des Löwen.«

»Großartig!«, rief Strange aus. Sein Körper spannte sich sogleich, als ob er jetzt und hier bereit sein müsste, einen Kampf auszutragen. »Endlich geschieht mal wieder was.« Er klopfte dem grauhaarigen Wissenschaftler auf die Schulter. »Der Plan ist gut, mein Lieber. Eine wahre Hölle wird sie empfangen, eine lebendige Hölle. Und wenn sie merken, dass ich noch lebe, werden ihnen die gierigen Augen aus dem Kopf fallen.«

»Und Sie wollen die Gelegenheit wirklich nicht nutzen, um die beiden zu töten?«, fragte Dr. Habermann.

»Du kennst meine Haltung in der Angelegenheit. Nein, mein Geschäft ist das Leben. Es reicht mir, ihnen einen großen Schrecken einzujagen, damit wir für die nächsten Jahrzehnte unsere Ruhe haben. Es wird sich unter den anderen schon herumsprechen, wozu wir hier in der Lage sind.«

»Aber sie werden auf jeden Fall versuchen, Sie zu töten. Wer weiß, was sie sich ausgedacht haben!«

»Wo bliebe der Spaß, wenn es kein echtes Risiko gäbe? Wenn sie es zu bunt treiben, werde ich vielleicht doch noch gezwungen sein, ihrem langen Leben ein jähes Ende zu bereiten.«

***

Breite Todesstreifen, die ihren Namen wahrlich verdienten, trennten die Gebiete der Konzerne voneinander. Auf den betonierten Flächen wuchs kein Grashalm. Kein Floh konnte dort springen, ohne sofort verdampft zu werden. Eine Barriere aus Energiestrahlen ließ nichts passieren, das größer war als ein paar Wassermoleküle. Eintagsfliegen, Sporen, Pollen, nichts konnte dieses flimmernde Hindernis überwinden. Lediglich ein paar wenige Tunnel unter den Todesstreifen gab es, die gelegentlich geöffnet wurden. Strengstens bewachte Nadelöhre, die dem Austausch von Waren dienten. Auf beiden Seiten Sicherheitsschleusen, die mit einer schier unglaublichen Armee von Detektoren ausgestattet waren. Da wurde durchleuchtet, gescannt, chemisch getestet, Proben analysiert und mit Strahlen aller Art geschossen. Dennoch drangen immer mal wieder geheime Informationen von einem Konzern zu einem anderen. Wer sich beim Schummeln erwischen ließ, dem drohten Handelssanktionen, die aber nie lange aufrechterhalten werden konnten, weil man ja auch die Waren des anderen brauchte. Ein kindisches Spiel, aber es wurde gespielt, denn der Einsatz war die eigene Existenz.

Die Sicherheitsschleusen hatten Violas drei Radpanzer passieren lassen, wie Dr. Habermann es versprochen hatte. Das Wort Radpanzer war allerdings etwas missverständlich, da es sich genaugenommen um rollende Luxusappartements handelte. In zweien fuhren Double von ihr, in einem saß sie selbst. Zudem gingen ein paar schwer bewaffnete Roboter voraus. Die zweieinhalb Meter großen Maschinen machten nicht nur wegen ihres Designs keinen freundlichen Eindruck. Aus der Brust ragte eine Maschinenkanone, einen Raketenwerfer trugen sie auf dem Rücken, mehrere Arme mit allerlei sonstigen Waffen waren drohend auf die Welt gerichtet. Kurz gesagt, Viola hatte sie mit allem beladen, was man für eine gute Silvesterparty brauchte. Der kleine Konvoi nahm die Handelsstraße, die zu einem Verteilungszentrum führte. Bei dem großen Gebäudekomplex angekommen, wartete sie auf Louis, der es tatsächlich wagte, mit nur einem Fahrzeug zu erscheinen. Allerdings war er umgeben von den verschiedensten fliegenden Drohnen. Manche wirkten wie silbrige fliegende Untertassen, andere erinnerten an stilisierte dicke, kleine Männchen. Der Anweisung Dr. Habermanns folgend, verließen die Eindringlinge nun die Straße und betraten den Dschungel. Nach kurzer Strecke hielten sie an, was nicht verabredet war. Sie ließen ihre Sensoren und Drohnen die ganze Umgebung nach einer tödlichen Gefahr absuchen. Sie fanden kein Gift in den Pflanzen und kein gefährliches Tier. Viola öffnete die Luke und sah hinaus. Louis saß bereits grinsend auf seinem Fahrzeug. »Ist alles harmlos hier«, sagte er.

»Ich muss zugeben, dass Simon Geschmack hat«, meinte Viola. »Eden kann mit meinen schönsten Gärten mithalten.«

»Was glaubst du, wie er versuchen wird, uns umzubringen?«

»Ich bin auf alles vorbereitet. Ich trage eine zweite, sehr widerstandsfähige Haut über meiner, habe einen kugelsicheren Schutzanzug, der mit allen möglichen Gegengiften versehen ist und in meinen Atemwegen befindet sich natürlich ein Filtersystem. Was kann er uns schon anhaben?«

Louis jonglierte mit zwei kleinen Apparaten. »Wie sieht’s aus? Injizieren wir uns die Dinger? Eine Präzisionsarbeit des Maschinenkonzerns aus dem Herzen Europas. So was hat Karlson drauf, das muss man ihm lassen.«

»Gib her, ich lasse es untersuchen.«

Er warf ihr einen der Apparate herüber. Einer ihrer Roboter reagierte hektisch auf die Bewegung und Louis’ Drohnen umzingelten sofort ihrerseits den mechanischen Krieger. Sowohl Louis als auch Viola zuckten grinsend mit den Schultern. Beide konnten sich offenbar auf ihre Wächter verlassen. Sie verschwand mit dem kleinen Apparat in der Hand im Innern und ließ ihn von ihren Sicherheitssystemen untersuchen. Nach einer halben Stunde gaben diese grünes Licht. Sie konnte sich auf das Spiel einlassen. Von nun an würden sowohl Louis als auch sie selbst von ein paar Drohnen begleitet, die als offizielle Schiedsrichter dienten. Sobald einer durch die Schuld des anderen zu Schaden kam, würde im Körper des Schuldigen eine Miniaturgiftbombe explodieren und dessen Leben binnen einer Sekunde beenden. Die Programme waren nicht verschlüsselt und Violas Rechner bestätigten die ordnungsgemäße Funktion. Versteckte Schaltkreise gab es nicht. Dann kletterte sie aus ihrem Panzer heraus. »Alles in Ordnung«, sagte sie. »Meinetwegen können wir es tun.«

Beide befestigten den Apparat am Unterarm und injizierten sich somit einen kleinen Microbot.

»Jetzt kann keiner von uns dem anderen schaden, ohne selbst zu sterben. Wir können uns für vierundzwanzig Stunden vertrauen.«

Er streckte ihr die Hand entgegen. »Freunde auf Zeit?«

Sie blickte ihn stirnrunzelnd an.

»Zur feierlichen Bekräftigung unseres Paktes«, erklärte er.

Sie grinste und nahm die Hand. »Wir haben einen Pakt!«

»Ich hatte vergessen, was für eine schöne und stolze Frau du bist«, sagte er. »Es ist lange her, dass ich einem anderen Menschen begegnet bin.«

Über dieses unverhoffte Kompliment war sie einen kurzen Moment lang irritiert. »Was soll das?«, fragte sie.

»Stell dir vor, jetzt, wo wir diese Dinger im Blut haben und uns vertrauen können, ist es sogar möglich, dass wir miteinander schlafen.«

Viola lachte laut. »Bist du irre?«

»Nein, ehrlich. Wann hast du das letzte Mal mit einem richtigen Menschen geschlafen? Hängen dir diese willigen Spielzeuge nicht manchmal zum Hals raus?«

Sie blickte ihn abschätzend an, als ob sie es tatsächlich in Erwägung ziehen würde.

»Findest du diese ganze Situation nicht auch furchtbar aufregend?«, bohrte er weiter. »Das wird ein unvergesslicher Moment. Vielleicht die letzte Chance für immer.«

»Ich will nicht mit dir schlafen! Ich möchte eine dünne Nadel langsam in dein Herz stechen!«

»Ich würde liebend gerne meine Hände um deinen schönen Hals legen und fest zudrücken. Das ist ja gerade das Perverse.«

Sie schien zu schwanken. Jedenfalls lächelte sie.

»Na, komm schon. Macht dich das nicht an, diese ganze Sache hier? Ich jedenfalls stehe unter Strom. Frauen soll ein Orgasmus doch aufputschen. Männern nimmt er die Leistungsfähigkeit. Du schlägst zwei Fliegen mit einer Klappe.«

»Du hast’n netten Hintern.«

»An mir ist noch sehr viel mehr nett.«

Sie biss sich auf die Unterlippe wie ein schüchterner Teenager und fing damit an, ihr Oberteil zu öffnen. Als sie ihre perfekten Brüste entblößt hatte, blickte sie ihn herausfordernd an. »Wirst du mich besser lecken als mein bestes Hündchen?«

»Nee, bestimmt nicht. Ich werde dich genüsslich von hinten nehmen und du wirst es lieben!«

Er machte sein Versprechen wahr und sie schrie vor Geilheit wie seit Jahren nicht. Und sie brachte ihn dazu, auf Knien vor ihr zu rutschen und zu betteln, sie lecken zu dürfen. Das wilde Liebesspiel zwischen Riesenorchideen und Schlinggewächsen dauerte seine Zeit und hinterließ nicht wenige Blessuren. Die Überwachungsdrohnen schwirrten reichlich verwirrt um sie herum.

In den Armen lagen sie sich nach dem Liebesspiel nicht.

»Oh Scheiße, Simon – sofern er noch lebt – wird seinen Spaß an dieser Vorstellung gehabt haben«, meinte Louis.

»Er wird blass vor Neid geworden sein.«

»Ich weiß nicht. War schon reichlich seltsam. Mit einem anderen Menschen Sex zu haben, ist ganz schön schwierig.« Sie funkelte ihn böse an. Er hob die Hände. »Hey, es war gut, aber seltsam war es schon.«

»Nachdem wir Simon erledigt haben, wirst du auf meiner Liste ganz oben stehen! Lass uns gehen.« Sie stand auf und zog sich wieder an. »Komm mit in meinen Panzer. Wir haben etwas zu besprechen.«

Er folgte ihr.

»Mann, du gönnst dir einen ganz schönen Luxus, wenn du in den Krieg ziehst«, sagte Louis staunend, als er sich in ihrem sogenannten Panzer umblickte.

»Hör jetzt auf zu labern!«, zischte sie ihn an. »Wie wollen wir vorgehen? Hast du einen Plan?«

»Es ist sinnlos, einen festen Plan auszuarbeiten, wenn wir nicht wissen, was uns erwartet. Die Situation erfordert vor allem eins: Flexibilität.«

»Gut, dann frage ich anders: Welche kleinen Gemeinheiten hast du dir ausgedacht?«

»Ich werde ein paar kleine Drohnen zurücklassen. Ganz gleich, ob wir Eden lebend verlassen oder hier sterben. Sie sind darauf programmiert, sich zu verstecken, den Herrn der grünen Sahara aufzuspüren und zu erschießen.«

Viola malte sich das Szenario in Gedanken aus und lächelte verzückt. »Großartig! Ich habe kleine Stechinsekten im Gepäck, die vollgepumpt sind mit Giften und Krankheiten. Sie reagieren auf Simons Schweiß. Irgendwann wird eines der Biester seine Chance bekommen, wenn er unseren Besuch schon lange vergessen hat.«

»Je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger kann ich glauben, dass Simon so unglaublich blöd sein soll, uns eine Eintrittskarte in sein Reich zu schenken. Fast glaube ich, dieser Dr. Habermann meint es ernst.«

»Wir werden sehen.«

Der Konvoi machte sich auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt. Violas Roboter stapften voraus und sägten oder brannten alles nieder, was ihnen nicht geheuer vorkam. Louis’ Drohnen umkreisten sie ständig und meldeten jede mögliche Gefahr. Die vier Fahrzeuge bahnten sich einen Weg durch das Dickicht aus phantastischen Gewächsen und hinterließen eine Schneise der Verwüstung. Nach einer halben Stunde erreichten sie einen alten, sehr verwachsenen Baum, dessen Äste in den letzten hundert Jahren die seltsamsten Verrenkungen angestellt hatten. Daneben stand ein Glashaus, dessen Streben aussahen, als seien sie von selbst gewachsen und nicht errichtet worden. Der hässliche, alte Wissenschaftler, der das Treffen vorgeschlagen hatte, wartete vor dem Baum auf sie. Viola und Louis konnten kaum glauben, dass der Kerl sogar eine vorsintflutliche Brille trug. Hatte Simon nicht einmal genug Mittel, die Augen seines besten Mitarbeiters richten zu lassen? Oder war Dr. Habermann einfach nur verschroben?

     Viola stieg aus dem Panzer. Zwei der schwer bewaffneten Roboter wichen nicht von ihrer Seite. Louis wurde von seinen Drohnen begleitet.

»Hier sind wir«, begann Viola das Gespräch.

»Ich bewundere Ihre Verwegenheit, meine Einladung anzunehmen«, sagte der Wissenschaftler. Ein wenig steif, die Hände auf dem Rücken, stand er vor ihnen. »Um ehrlich zu sein, ich hatte nicht damit gerechnet. Ich halte die dreiundzwanzig noch lebenden Menschen für verkommen und wegen ihrer Langlebigkeit für ausgesprochen feige. Es freut mich, dass ich mich geirrt habe.«

»Du hast ganz schön Mut, so mit uns reden!«, meinte Viola mit einem Tonfall, bei dem jeder ihrer eigenen Arbeitskräfte vor Angst Schweißausbrüche bekommen hätte.

»Mr. Strange beliebte, sehr nachsichtig mit seinem Volk zu sein, als er noch unter uns weilte.«

»Und du hast keine Ahnung, wo dein Herr abgeblieben ist?«, fragte Louis.

»Nein, Monsieur Mosambique. Es war immer seine Eigenart, lange Ausflüge durch seinen Garten zu unternehmen. Für das letzte Experiment wollte er sich zurückziehen, wie er sagte.«

Viola blickte sich skeptisch um und verschränkte die Arme vor der Brust. »Nun, dann erläutere uns mal deinen Plan! Wer von uns beiden soll welchen Teil von Eden übernehmen?«

Dr. Habermann schüttelte energisch den Kopf. »Das haben Sie falsch verstanden. Eine Aufteilung des Edenkonzerns kommt natürlich auf gar keinen Fall infrage. Seine volle Produktivität erreicht er nur als Ganzes. Ich werde den Konzern künftig leiten, aber ich werde kaum in der Lage sein, mich gegen Menschen zu behaupten. Ich bin Wissenschaftler. Leider habe ich nicht die geringsten Führungsqualitäten. Die Gesamtleitung müssen Sie beide sich teilen. Es wäre ein Novum in der Geschichte der Konzerne, aber eines, das uns, wie ich Ihnen bereits darlegte, enorme Vorteile verschafft. Solange Sie beide damit einverstanden sind, Eden gemeinsam zu regieren, könnten wir zur führenden Macht der Welt aufsteigen. Unsere Produkte ergänzen sich wie bei keiner zweiten denkbaren Konstellation.«

Viola und Louis warfen sich gegenseitig einen angewiderten Blick zu. »Das wäre aber eine mächtige Kröte, die wir schlucken müssten«, meinte Louis.

»Gewiss. Aber sie wird mit der Herrschaft über Eden versüßt.«

»Und was sollte uns daran hindern, dich gleich umzubringen und uns alles zu nehmen?«, fragte Viola.  Der Wissenschaftler zuckte mit den Achseln. »Die Vernunft?«

»Die Vernunft sagt mir, dass ich die Herrin über die informationsverarbeitenden Systeme bin. Es sollte mir also nicht schwerfallen, die Erkenntnisse deiner Wissenschaft zu enträtseln.«

»Mag schon sein. Aber könnten Sie auch künftig mit der gleichen Kreativität neue Produkte entwickeln?«

»Wenn ich die kleinen Würmer, die dir zuarbeiten, nur zärtlich genug behandle, wird ihnen schon etwas einfallen. Und nun, mein hässlicher kleiner Wissenschaftler, möchte ich als Erstes ein vollständiges Organigramm sehen. Wie ist der Konzern strukturiert?«

»Bedaure, es ist nicht meine Absicht, Ihnen sofort derart tiefe Einblicke zu gewähren. Ich biete Ihnen eine langfristige Kooperation an mit der Möglichkeit, sich die Führung mit Monsieur Mosambique zu teilen. Darüber sollten wir erst einmal in Verhandlung treten.«

Viola machte ein genervtes Gesicht. Sie gab einem Roboter ein Zeichen, der daraufhin Dr. Habermanns Oberarm mit seinen eisernen Klauen umfasste. Einer seiner Werkzeugarme zauberte einen Elektroschocker hervor.

»Was glaubst du eigentlich, mit wem du hier redest?«, rief Viola zornig. »Wir beginnen die Verhandlungen mit einem Organigramm oder mit unvorstellbaren Schmerzen!« Begleitet von einem brutzelnden Geräusch leuchteten kleine blaue Blitze zwischen den Kathoden des Elektroschockers auf, den der Roboter dem Wissenschaftler unter die Nase hielt.

Plötzlich tauchte eine weitere Stimme wie aus dem Nichts auf. »Ich schätze, ich habe die Wette gewonnen.«

Viola und Louis fuhren erschrocken zusammen und blickten sich um. Die Roboter und Drohnen hatten das neue Ziel sofort ins Visier genommen.

Oben auf dem alten Baum hockte Mr. Simon Strange, nur mit einem Lendenschurz bekleidet, und lächelte sie zugleich vornehm und offenherzig an wie ein naiver, aber artiger Junge. »Ich wusste genau, dass ihr niemals vernünftig genug wäret, jemanden ernst zu nehmen, der in euren Augen kein Mensch ist, dass ihr euer wahres Gesicht innerhalb der ersten fünf Minuten zeigt und den vermeintlich schutzlosen Wissenschaftler mit Gewalt droht.«

Viola konnte sich eines Lachens nicht erwehren. »Was willst du darstellen? Tarzan? Der Primitive aus dem Wald?«

»An deiner Stelle würde ich den Mund nicht so voll nehmen«, meinte Simon Strange. »Ich kann mich in meiner Welt frei bewegen. Was euch beide angeht, könnte es leicht sein, dass meine Geschöpfe euch als Bedrohung empfinden.«

Louis gab ein Zeichen und die Drohnen schossen auf den Mann im Baum. Der Donner der Schüsse wirkte wie die erste Sünde in diesem neuen Paradies und ließ Scharen von Vögeln auffliegen. Simon Strange wurde durch die Projektile herumgewirbelt, schrie auf und fiel herab wie ein Stein. Die beiden Eindringlinge liefen sofort hinüber, um nachzusehen, ob ihr Feind noch lebte. Simon stand wieder auf und klopfte sich Dreck von der Haut. »Verflucht, das gibt blaue Flecken«, meinte er grinsend. »Ihr habt nicht ernsthaft geglaubt, dass ich nackt hier aufkreuze? Natürlich trage ich über der Haut eine zweite aus einem sehr widerstandsfähigen Polyverbundgewebe. Wie ihr selbst bestimmt auch. Deshalb erspare ich es mir, euch zu erschießen. Nein, mit euch habe ich etwas anderes vor.« Er gesellte sich zu Dr. Habermann, sah hinauf zu dem Kopf des großen Roboters und machte ein verkniffenes Gesicht. »Könntest du jetzt bitte deinen Schrotthaufen zurückpfeifen.«

Viola dachte nicht daran zu gehorchen, und blickte ihren Konkurrenten mit unendlichem Hass stumm an. Sie konnte sich ausmalen, was sie erleiden müsste, sollte Simon sie in die Finger kriegen.

Einige der umstehenden Pflanzen wurden nun lebendig. Ihre Äste schlängelten sich in Richtung des Roboters, umfassten dessen Gliedmaßen und drehten scheinbar mühelos die mächtigen Arme aus den Gelenken. Erleichtert atmete Dr. Habermann auf und öffnete den Kragen seines Hemdes. Simon umfasste sein Kinn mit Daumen und Zeigefinger und machte ein nachdenkliches Gesicht. »Habt ihr euch eigentlich Gedanken darüber gemacht, wie ihr zurückkommen wollt?«

Die Frage brachte Louis zum Lachen. »Wären wir sonst hier?«

»Was habt ihr euch eigentlich dabei gedacht, als ihr das Angebot angenommen habt? Glaubtet ihr ernsthaft, ich wäre verschollen?«

Die beiden Eindringlinge tauschten einen Blick aus und zuckten mit den Schultern.

»Ich liebe die Gier meiner Mitmenschen«, meinte Simon. »Es ist die einzig verlässliche Größe in einer Welt voller Ungewissheiten. Wart ihr eigentlich schon mal zum Fischen? Von Kalmaren behauptet man, dass sie recht intelligent sind. Ich weiß nicht, ob ich das glauben soll, denn wenn man ihnen einen Köder ins Wasser wirft und daran zieht, können sie gar nicht anders, als danach zu schnappen. Ein angeborener Reflex. Sie können sich einfach nicht dagegen wehren. Selbst wenn sie genau gesehen haben, was einem Artgenossen widerfährt, der auf den Köder hereingefallen ist, schnappen sie danach. Ja ... was wollte ich eigentlich sagen? Wie es aussieht, seid ihr mir nun in die Falle gegangen. Und ich kann euch so viel verraten, dass ich nicht beabsichtige, euch wieder gehen zu lassen.« Er kratzte sich am Kopf. »Aber vielleicht wollen wir vorher noch einen Tee zusammen trinken? Ich habe ganz delikate Kekse.«

»Gegenfrage«, sagte Louis, »Glaubst du wirklich, wir wären schutzlos hierhergekommen? Du Narr hast uns quasi einen Kaperbrief ausgestellt. Und wir gedenken, deine Firma unter uns aufzuteilen.«

»Ich höre den Kalmar sprechen«, sagte Simon mit gekünstelter Langeweile. »Na los, du kleiner Tintenfisch, schnapp mich!«

»Habe ich bereits!«, antwortete Louis grinsend. »Du hast es bloß noch nicht gemerkt. Alles, was wir jetzt noch zu tun haben, ist mit heiler Haut davonzukommen.«

»Das ist das Stichwort!«, sagte Viola. Zwei ihrer Panzer ließen die Motoren aufheulen und jagten aus dem Stand davon. Die Roboter blieben zurück, um Deckung zu geben, bis Viola ihren Panzer erreicht hatte. Doch dazu kam es nicht. Eine Schlingpflanze ließ ihre Ranken durch die Luft peitschen und auf Viola niedergehen. Ihr geschmeidiger Körper wurde in der Mitte glatt durchtrennt. Schutzanzug, zweite Haut und Knochen, nichts konnten den säuregetränkten, vibrierenden Mikroklingen der Teufelspeitsche, wie Mr. Strange seine Züchtung nannte, widerstehen. Beine und Rumpf fielen in verschiedene Richtungen, dazwischen verteilten sich Blut und Eingeweide. Ein kleiner Käfer kam angekrabbelt und untersuchte die unappetitlichen Überreste. Die Ergebnisse funkte er zu einem Implantat in Simons Kopf.

»Mist!«, fluchte Simon leise. »Nur ein Double. Hätte ich mir auch denken können.«

Die Roboter, Panzer und Drohnen der Eindringlinge flohen durch das Dickicht, den Weg zurück, den sie gekommen waren.

»Die Jagdsaison beginnt!«, rief Simon grinsend. Er schnippte mit den Fingern, woraufhin ein riesiges Insekt laut brummend angeflogen kam. Er setzte sich in einen Sattel auf dessen Rücken und flog hinter seinen Feinden her.

Die Fliehenden kamen gut voran. Hatten sie sich auf dem Hinweg nur sehr vorsichtig bewegt, so ging ihre Flucht wesentlich zügiger vonstatten. Bis zur Grenze war es jetzt nicht mehr weit. Keiner von beiden hatte damit gerechnet, wieder auf dem normalen Weg durch die Schleusen und Tunnel auf das Gelände des eigenen Konzerns zurückzukehren. Jetzt würde sich zeigen, ob die Tricks, die sie sich ausgedacht hatten, den Todesstreifen gewaltsam zu überwinden, wirklich funktionierten.

Doch ihre Flucht wurde plötzlich gestoppt. Dichte Netze aus grünen Stängeln und Blättern spannten sich auf und versperrten ihnen den Weg. Die Panzer brachen ohne Mühe durch die ersten Reihen hindurch, zerrissen das lebende Hindernis, aber je weiter sie sich vorarbeiteten, desto dichter wurde die Mauer aus Pflanzen. Irgendwann hingen sie fest wie Käfer in einem Spinnennetz. Mit ihren vielfältigen Werkzeugen machten sich die Roboter daran, die Fahrzeuge wieder zu befreien. Jetzt erst bemerkten Viola und Louis die vielen kleinen Blüten, die mit messerscharfen Zähnen bewaffnet waren und begannen, die Oberflächen der Maschinen zu bearbeiten. Im ersten Moment nahmen die beiden Industriemogule die neue Gefahr kaum ernst, denn sie sahen, wie sich die Blüten nicht nur sprichwörtlich die Zähne ausbissen. An den Panzern mussten sie scheitern und ihr Leben lassen. Doch angesichts der Myriaden an Blühpflänzchen fiel auch eine große Zahl an Opfern nicht ins Gewicht. Es war ihre stetige, unermüdliche Arbeit, die das Material schließlich zusehends abnagte.

Simon Strange schwebte auf dem Rücken seines Rieseninsekts über ihnen und hatte einen großen Spaß an der Vorstellung. »Wie es aussieht, will mein Wald euch gar nicht mehr gehen lassen! Ich vergaß, euch vor seiner heftigen Umarmung zu warnen.«

Die Fliehenden warteten nicht, bis ihre mechanischen Werkzeuge die Fahrzeuge vollständig freigelegt hatten. Violas Roboter begann damit, sich selbst umzubauen und in eine Art gepanzertes Motorrad zu verwandeln. Die Reifen muteten an wie metallene Fräsen. Louis’ Panzer öffnete sich und ein kleinerer kam herausgefahren, der mit Raketenantrieb beschleunigt wurde und alles in Fetzen riss, was grün war. Am Dreiländereck erreichten sie endlich die Grenze zu ihren eigenen Reichen. Der einzige Weg zurück war der durch die Luft. Das aber hieß, die Energiebarriere überwinden zu müssen. Vor ihnen erhob sich eine flimmernde Wand, an der immer wieder kleine Sterne aufleuchteten, wenn ein Staubkorn oder eine Pflanzenspore dagegen geweht und verdampft wurde. Sowohl Viola als auch Louis hielten in einiger Entfernung erst einmal an und begutachteten die Barriere. Noch nie hatte jemand gewagt, was sie jetzt tun würden. Gewiss, jeder der dreiundzwanzig Menschen hatte ein ganzes Arsenal an Methoden, notfalls illegal eine Grenze zu überqueren, nur ausprobiert wurde bis jetzt nicht eine einzige.

Sie warfen sich einen letzten Blick zu und gaben Gas. Staubwolken hinter sich herziehend, schossen sie auf die Wand zu wie abgefeuerte Leuchtspurmunition. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Die nächste Sekunde würde die Wahrheit ans Licht bringen. Was taugten ihre ausgefeilten Methoden? Viola erreichte die Barriere als Erste. Kurz vor dem Aufprall schoss ihr Motorrad unzählige Täuschkörper ab und eine herabfallende Metallplatte unter ihr diente als Schirm gegen die Energiebarriere. Dennoch prasselte Abwehrfeuer auf sie ein und zerlegte das Motorrad. Hinter dem Todesstreifen fiel nur ein rauchender Klumpen Metall herab.

Louis umgab sich mit einer Wolke aus Kristallen, die alle Energiestrahlen zerstäubte. Doch der Weg über den Todesstreifen war weit und auch sein Panzer schlug als glühender Meteorit in die Heimaterde ein.

***

Viola van Arden stand an der Glaswand ihres Kristallpalastes und blickte auf den Horizont. Die Flucht steckte ihr noch in den Knochen. In der Hand hielt sie ein Glas Sekt. Echter Sekt. Dieses Mal, als sich Louis Mosambique bei ihr telefonisch meldete, war sie darüber nicht verärgert. Im Gegenteil, sie hatte auf den Anruf gewartet. Ein seltsames Mitteilungsbedürfnis regte sich in ihr und sorgte gar für eine gewisse Unruhe.

»Das war eine verdammt clevere Falle!«, fand Louis und grinste wie immer. In seiner Stimme lag aufrichtige Bewunderung. Das fand Viola ziemlich unpassend. »Fast hätte er uns gehabt«, stimmte sie zu. »Aber so gut, wie er gehofft hat, scheint sein kleines Biolabor nicht zu sein.« Dann grinste auch sie. Ein kindliches Gefühl freudiger Erwartung ergriff von ihr Besitz. »Wenn ich daran denke, welche ausgefeilten Mordwerkzeuge wir zurückgelassen haben, wird mir plötzlich sehr wohl. Irgendwann wird ihn eines davon erwischen. Ein kleines Insekt, das der Duftspur seines Schweißes folgt oder eine deiner Drohnen, die sich im Wald versteckt halten.«

Louis prostete ihr zu. »Das war das Risiko wert!«

***

Simon Strange war in Hochstimmung. Ein derart authentisches, intensives Erlebnis hatte er seit Jahrzehnten nicht gehabt. Zurück in seinem Labor, dem bunten Glashaus, berichtete er Dr. Habermann immer wieder von den gleichen Szenen. Vor allem Violas Gesichtsausdruck, als sie bemerkte, welchen Schaden die kleinen, bezahnten Blüten anrichteten, amüsierte ihn außerordentlich. Er hatte zwei seiner ungeliebten Mitmenschen mal wieder von Angesicht zu Angesicht gegenübergestanden und ihnen seine Macht demonstriert. Was hatte das Leben Schöneres zu bieten?

Der Wissenschaftler hörte es sich geduldig an und blieb reglos. Er blieb auch dann noch reglos, als plötzlich ein Baum seine Äste nach dem Herrn über Eden ausstreckte, sie um seinen Leib, seine Arme und Beine schlang und ihn gefangen nahm. Jetzt war es Simon Strange selbst, der ein dummes Gesicht machte. »Hey, was hat das zu bedeuten?«, fragte er verwirrt.

»Ich muss Ihnen etwas erklären«, begann Dr. Habermann sehr ruhig und sachlich. »Viola van Arden und Louis Mosambique sind nicht Ihnen auf den Leim gegangen, vielmehr sind Sie alle, einschließlich Ihnen, Mr. Strange, mir auf den Leim gegangen.«

»Aber ... aber ...« Die Verwirrung führte ein eigenartiges Schauspiel in Simons Gesicht auf: Stirnrunzeln, angstgeweitete Augen, Zorn, Auflehnung, dann wieder Angst.

»Es tut mir sehr leid, und das meine ich wirklich aufrichtig, ich tue das nicht gerne, aber ich muss Sie jetzt leider töten.«

»Was soll das? Dr. Habermann, das ist nicht witzig.«

»Unter Ihrer Herrschaft ist mir der Humor in den letzten Jahrzehnten vergangen. Ich muss mich von Ihnen befreien. Ich muss den Konzern von Ihnen befreien, ich muss die ganze Welt von Ihnen befreien.«

Jetzt lachte Mr. Simon Strange. »Du Narr! Du kannst mir nichts tun. Nicht erschießen oder vergiften oder erstechen. Hier wird alles überwacht und ich würde auch die schlimmsten Verletzungen überstehen.«

Der Wissenschaftler hob ein verschlossenes Glas hoch, in dem ein paar kleine Insekten herumflogen. »Ja, das war in der Tat das Problem. Es war mir unmöglich, heimlich ein Mittel zu ersinnen, das Ihnen das Leben endgültig nimmt. Die allgegenwärtige Überwachung. Dann ist mir der Spaß mit Ihren beiden verhassten Mitmenschen eingefallen. Und diese beiden reizenden Personen waren so freundlich, mir die richtigen Mittel mitzubringen. Diese kleinen Stechinsekten hier reagieren auf Ihren ganz persönlichen Schweiß. Und das Beste ist, dass so schnell niemand mehr versuchen wird, in unseren Garten einzudringen. Wir haben unsere Macht demonstriert.«

Jetzt war es nur noch Angst, die aus Simons Augen sprach, als er auf die kleinen Insekten starrte. Er begriff gerade, wie ernst es seinem engsten Mitarbeiter war. Mit aller Kraft versuchte er, sich aus den lebenden Fesseln zu befreien. Seine Muskeln spannten die Sehnen bis zum Zerreißen, er wand sich unter seelischen Qualen so heftig wie ein zum Tode Verurteilter auf dem elektrischen Stuhl, aber er konnte dem Griff des Baums keinen Millimeter mehr Bewegungsspielraum abringen. Dr. Habermann sah dem vergeblichen Kampf geduldig zu, bis der Konzernchef erschöpft in sich zusammensackte. »Was für ein perfider Plan«, brachte Simon heiser hervor.

»Ich hatte sehr lange Zeit, ihn mir auszudenken.«

»Aber warum? Ich war das Beste, was dir passieren konnte. Bestimmt bin ich der Mensch, der seine Angestellten am besten behandelt.«

»Ja, das tun Sie. Von allen dreiundzwanzig Menschen sind Sie der freundlichste.«

»Dann verstehe ich es nicht. Du hattest doch immer freie Hand bei deiner Forschung.«

»Ich kann sagen, dass ich die besten Möglichkeiten hatte, die es auf diesem Planeten gibt.«

»Was ist dann die Motivation für diese Tat?«

»Ich möchte Ihnen nur eine Frage stellen. Wenn Sie die beantworten können, werde ich vielleicht gnädig sein.«

»Ich höre!«

Dr. Habermann schob die Brille auf seiner Nase zurecht. »Auf welche moralische Legitimation stützen Sie Ihre Alleinherrschaft über so viele Menschen?«

Offenbar hatte Mr. Simon Strange mit allem gerechnet, aber nicht mit dieser Frage. Er sah einfach nur entgeistert aus. Dann lachte er dreckig. »Moral? Du fragst ernsthaft nach Moral? Du bist doch ein kluger Mann. Noch kein Philosoph konnte die Frage beantworten, warum ein Mensch moralisch handeln sollte, wenn doch offenbar die unmoralische Handlung erfolgreicher ist. Oder ... oder glaubst du ernsthaft an eine Art Naturgesetz des guten Benehmens?«

»Nein, natürlich nicht. Aber als Gedankenmodell ist es ganz hilfreich. Man kann damit arbeiten. Also, wie lautet Ihre Antwort?«

»Ich antworte, dass unsere Ordnung eine sinnvolle ist, weil jeder weiß, wo sein Platz ist. Ein menschlicher Körper hat schließlich auch nur einen Kopf.«

Dr. Habermann blickte enttäuscht drein und schüttelte mit dem Kopf. »Wussten Sie, dass mindestens neunzig Prozent unserer täglichen Entscheidungen nicht von unserer ach so famosen Großhirnrinde getroffen werden, sondern vom Bauchgefühl?«

»Kein vernünftiger Mensch wollte das bestreiten. Habe ich nicht ständig auf deinen Rat gehört?«

»Ja, das haben Sie.«

Simon wand sich wieder unter Qualen in seinen Fesseln. »Verdammt!«, rief er verzweifelt aus. »Wo siehst du dann das Problem?«

»Vielleicht mag ich es einfach nicht, dass ein Heer von Individuen für die persönlichen Marotten und Vorlieben eines Einzelnen eingespannt wird. Erinnern Sie sich noch daran, wie Sie unbedingt eine Gensequenz entwickeln wollten, die für eine blaue Pigmentierung sorgt? Wir hätten die Ressourcen des Konzerns dringend gebraucht für ein neues Produkt, über das wir mit dem Abfallentsorger einen Vertrag hatten. Die Einnahmen daraus hätten wir dringend gebraucht, um unsere Sicherheitseinrichtungen auf den neuesten Stand zu bringen. Eine Alleinherrschaft ist keine gute Idee.«

»Aber es funktioniert! In meinem Konzern geht es jedem gut!«

»Ja, mit Ihnen haben wir wirklich Glück gehabt.« Jetzt ereiferte sich Dr. Habermann zum ersten Mal. Aufgeregt ging er hin und her und er wurde laut. »Und genau dieses Wort ist der Kern der Angelegenheit. Wir hätten nämlich auch Pech haben können. Wir haben keinen Einfluss auf die Herrschaft. Verstehen Sie nun, warum diese Revolution notwendig ist? Gut behandelt zu werden, darf keine Glückssache sein, sondern muss als unumstößliches Recht fest im System verankert werden.«

Eine Träne rann Simons Wange hinab. »Ich wünsche euch eine Herrscherin wie Viola an den Hals!«, rief er voller Verachtung. »Einer der anderen wird kommen und mein Lebenswerk übernehmen. Und ihr werdet eure Strafe bekommen.«

»Aha!«, machte Dr. Habermann und lächelte triumphierend. »Im Angesicht des sicheren Todes haben Sie sich verraten. Sie reden von Ihrem Lebenswerk. Tief in Ihrem Innern glauben Sie wirklich, dass Ihnen Eden persönlich gehört, samt aller Arbeitskräfte, die in Ihren Augen keine Menschen sind, sondern Zahlen, mit denen man rechnen kann.« Er schüttelte verständnislos mit dem Kopf. »Niemals sollte ein Mensch so weit über andere erhoben werden, dass er die Bodenhaftung verliert. Das ist immer der Anfang vom Ende.«

»Blödsinn!«, widersprach Mr. Simon Strange vehement. »Die, die du Menschen nennst, sind keine Individuen, wie du und ich es sind. Sie sehnen sich nach Führung. Es ist ein natürliches Verhalten der meisten Menschen, sich bereitwillig unterzuordnen.«

Der Wissenschaftler wurde wieder sehr ruhig und nickte zustimmend. »Das ist leider wahr. Die Frage ist, wie weit ein Mensch über dem anderen stehen darf. Wir werden jedenfalls eine flache Hierarchie versuchen und wir werden eine Gewaltenteilung und vor allem gegenseitige Kontrolle im Konzern etablieren.«

»Ach herrje, du redest von Demokratie!« Jetzt lachte der ehemalige Herr über Eden wieder. »Die ist seinerzeit gescheitert.«

»Ja, an der Macht der Konzerne.«

Mr. Simon Strange lachte immer noch und steigerte sich in eine göttliche Heiterkeit hinein. Als Dr. Habermann fragend eine Augenbraue hob, erklärte er den Grund seines Lachanfalls. »Ich versuche gerade, mir das vorzustellen. In allen Konzernen herrscht nicht der Kopf, sondern der Bauch. Alle sind glücklich und zufrieden. Weißt du, woran deine Utopie scheitern muss?«

»Woran?«

»An einer Triebfeder!«

»Wie meinen Sie das?«

»Der Hass der dreiundzwanzig Mogule aufeinander hält das gegenwärtige System am Laufen, sorgt für den notwendigen evolutionären Druck, ohne den jedes Ökosystem degeneriert.«

Dr. Habermann lächelte milde. »Eine schlechte Rechtfertigung für Willkürherrschaft. Aber gewiss ist der Kampf gegen die Degeneration eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen.«

»Und jetzt wirst du mich mit diesen Fliegen umbringen?«

Der Wissenschaftler schnippte mit den Fingern und der Baum zog seine Äste zurück. Mr. Simon Strange fiel zu Boden.

»Nein. Wir werden es Ihnen gestatten, hier in diesem Gebäude zu leben, mit allen Annehmlichkeiten, die Sie gewohnt sind. Auch Ihre Elfen dürfen Sie behalten. Aber die Fliegen werden draußen auf Sie warten. Außerdem ein paar Drohnen des charmanten Monsieur Mosambique.« Dr. Habermann ging fort und ließ den ehemaligen Konzernchef allein. Er wandte sich noch einmal um. »Ich würde sagen, Sie haben mit Ihren Meuterern Glück gehabt. Die Angestellten eines anderen Konzerns hätten Sie vielleicht wirklich umgebracht. Wie fühlt sich das an? Sind Sie jetzt glücklich?«


Die nächste Story erwartet dich am Freitag, den 30. Juni 2017, genau hier.


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© Olaf Kemmler

Mit freundlicher Genehmigung des Autors

Erstveröffentlichung in EXODUS 33, 2015

Alle Rechte vorbehalten.

 

 

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