Die Weisheit der Nerds: Sherlock Holmes

© Mario Zucca

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Sherlock Holmes


„Elementar, mein lieber Watson.“

Sherlock Holmes, ständig

 

Mit welchem anderen Satz könnte man den armen Watson besser piesacken? Nein, fair ist das nicht. Watson gilt zwar allgemein als tollpatschig und als Einfaltspinsel. Mit dem Watson aus Arthur Conan Doyles Geschichten hat das jedoch nichts zu tun. Der nämlich ist ein kompetenter Arzt und deutlich einfühlsamer als das Genie, dem er Gesellschaft leistet. Dieses „Sidekick-Syndrom“ kann viele Freundschaften erheblich beeinträchtigen. Wenn dir ein Freund bis ins kleinste Detail die Vorzüge einer bestimmten Rebsorte nahe bringt. Oder Jonathan Demmes Filmkarriere nacherzählt. Oder dir erklärt, wie dein iPod wirklich funktioniert. Dann kommt das nicht selten so von oben herab, dass es nur schwer zu ertragen ist. Manchmal sogar so schwer, dass du für immer das Interesse daran verlierst. Unter popkulturell interessierten Menschen setzt sich allerdings die Erkenntnis durch, dass Sherlock Holmes zwar ein Genie war, aber trotzdem die einfachsten Dinge nicht wusste – und dass Watson seinem Kumpel mehr als einmal den Arsch gerettet hat. Wenn du dich also immer schon mit Sherlock identifiziert hast, ist es vielleicht Zeit für eine Entschuldigung bei deinem höchstpersönlichen Watson.

 

Hier mal wieder ein Beleg für die Macht des Kinos: Das obige, weithin bekannte Zitat stammt aus dem Film The Return of Sherlock Holmes von 1929 – und nicht aus den ursprünglichen Erzählungen von Arthur Conan Doyle.


Die nächste Weisheit zur Wochenmitte gibt es wieder am kommenden Mittwoch. Dann erwartet euch eine neue nerdige Erkenntnis aus Stephen H. Segals Buch "Die Weisheit der Nerds".

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

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First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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