KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Obi-Wan Kenobi


„Die Macht wird mit dir sein, immer.“

Obi-Wan Kenobi, Star Wars

 

Wir werden einsam geboren, wir sterben einsam, und wir versuchen unser ganzes Leben lang, der Einsamkeit zu entkommen. Wie auch immer sich dieses Verlangen äußert, ob in der Suche nach körperlicher Zweisamkeit oder nach göttlichem Trost: Es ist das, was Ben Kenobi anspricht, als er sich von Luke Skywalker verabschiedet – und etwas, das George Lucas verstand, als er 1977 Star Wars schuf. Er erfand die Macht – das mystische Energiefeld, das als spirituelle Basis für sein gesamtes, fiktionales Universum dient (Kenobi: „Sie umgibt uns, sie durchdringt uns. Sie hält die Galaxis zusammen.“). Diese Macht war etwas Allgemeingültiges, mit dem sich religiöse und areligiöse Zuschauer gleichermaßen identifizieren konnten, ohne irgendjemanden ausschließen zu müssen. Das änderte sich allerdings, als Die dunkle Bedrohung uns weismachen wollte, die Macht seien Parasiten in unserer Blutbahn, sozusagen das intergalaktische Pendant einer Dermatophytose. Kein Wunder, dass wir nicht besonders glücklich mit dieser Erklärung waren, denn die Macht widersteht allen Versuchen, sie wissenschaftlich erklären zu wollen. Sie übersteigt unseren Verstand und berührt etwas viel Tieferes in uns: die Sehnsucht nach etwas, das größer ist als wir selbst.

 

 

Als die Die Dunkle Bedrohung (1999) die Macht verwissenschaftlichte, lüftete Lucas auch das Geheimnis um die „Midi-Chlorianer“: Darth Vader wurde – wie Jesus – von einer Jungfrau geboren. Gab es jemals einen dreisteren Versuch, es allen recht zu machen?

Die nächste Weisheit zur Wochenmitte gibt es wieder am kommenden Mittwoch. Dann erwartet euch eine neue nerdige Erkenntnis aus Stephen H. Segals Buch "Die Weisheit der Nerds".

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

Copyright © 2011 by Quirk Productions, Inc.
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First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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