Interview mit Künstler Jens Maria Weber

© Jens Maria Weber

INTERVIEW

Interview mit Künstler Jens Maria Weber


Jens Maria Webers wundervolle Illustrationen lassen Kai Meyers Space-Fantasy-Roman »Die Krone der Sterne« auch optisch zu einem phantastischen Weltraum-Abenteuer werden. Im Interview spricht er über seine Arbeit an »Die Krone der Sterne«.

Die Krone der Sterne von Autor Kai Meyer

© Jens Maria Weber

Was hast du gemacht, bevor du Künstler geworden bist und ist es dazu gekommen?

Ich bin eigentlich studierter Designer und ich denke und arbeite auch so. Vorher war ich mal so eine Art Linguist, das kommt manchmal auch noch durch. Wichtig für die Entwicklung waren die Umstände. Im nine to five-Job entstehen selten Künstler; mein Wechsel aus dem Agenturalltag in den Freiberuf war da maßgeblich. Ich war immer skeptisch und habe mich lange nicht als Künstler bezeichnet. Jetzt kann man das vermutlich kaum noch abstreiten. Man rutscht da so rein. Man kann auch nicht absehen, ob man aus der Nummer jemals wieder rauskommt.

Woher hast du die Inspiration für „Die Krone der Sterne“ genommen? Hast du eine besondere Beziehung zur Space Opera?

Nein, da ist keine besondere Beziehung zu der speziellen Sparte des Genres. Ich bin allerdings ein großer Freund startender Raketen, von Millionen PS und Metersekunden, gewaltiger schwereloser Bauten, ich liebe Cockpits und all diese Feuerstühle ohne Notbremse. Ich habe eine Beziehung zu großen bedrohlichen Massen im Orbit, zu kleinen einsamen Männern alleine in Blechschachteln auf dem Weg zum Mond oder sonstwohin, ich schaue mir Fotos vom Pluto und den Fahrspuren der Marsrover an und versuche staunend zu begreifen, wie Sonden aus den 70ern nun endlich im interstellaren Raum angekommen sein können. Das wäre schon die Inspiration: die Bereitschaft zum Wundern. Der Rest ist kreative Industrie.

Interview mit Künstler Jens Maria Weber

© Jens Maria Weber

Mit welchen Materialien arbeitest du besonders gern, Bleistift, Pinsel, Metall?

Ich zeichne mit Bleistiften Studien und Skizzen, bis hin zu kompletten Illustrationen. Das würde mir als Werkzeug fast schon genügen, weil man damit eigentlich alles artikulieren kann.
Für Kommissionen arbeite ich digital weiter, weil der heutige Termin-  und Abstimmungsrahmen kaum was anderes zulässt. Aber wie gesagt, ohne Bleistifte oder Tusche ginge nichts. Ich denke quasi mit dem Zeug.

Du zeichnest viel, aber auch Skulpturen spielen eine wichtige Rolle in deiner Kunst. Wie bist du dazu gekommen, beides zu machen?

Die Plastiken sind unmittelbare Ergebnisse des zeichnerischen Experiments. Die Formgebung, die verschachtelte Art, all das sind plastische Ausformungen dessen, was ich transzendierendes Zeichnen nenne: Die Schaffung von Form aus zeichnerisch Gefundenem, auf Basis der Beobachtung und der Erfahrung im Raum. Klingt komplex, ist aber simpel. Alles was ich mache, beruht auf dem Zeichnen. In der plastischen Arbeit löst sich die Zeichnung einfach aus der Fläche und tritt in den Raum. Die Sujets sind dabei fast nebensächlich – ich hatte jetzt einiges aus dem Bereich der Mythen und des Fantastischen bearbeitet; geflügelte Stiere und Sphinxen, aber auch Abwandlung klassischer Probleme wie Totpunktsituationen oder accomplished action, was eher inhärent-ästhetisch interessant sein dürfte. Ich sehe für die Möglichkeiten in diesem Bereich für mich gerade noch keine Grenzen; die Welt ist wieder offen, und das ist daran das allerbeste.

Wie ist der Kontakt zu und die Zusammenarbeit mit Kai Meyer entstanden?

Die üblichen Zufälle oder Zwangsläufigkeiten des Lebens. Eine befreundete Agentur aus Berlin (vm-people) hat mich 2014 für die  Kampagne für den zweiten Band der „Seiten der Welt“ angefragt. Ich hatte dann die Stadtkarte zu Libropolis angefertigt – das war der erste Kontakt mit Kai. Ich konnte nämlich aufgrund der knappen Zeit das Manuskript nicht zusammenhängend lesen und war auf seine Hilfe angewiesen. 2015  haben die Agentur und ich dann die Kampagne für den dritten Band mit Zusatzmaterial versorgt – das Labor in der Dachkammer und die Portalschiffe – und 2016 kam die Krone der Sterne, diesmal als Vollausstattung des Buches. Roman und Ausstattung sind etwa gleichzeitig entstanden, da hatten wir mal genügend Raum zur gegenseitigen Konsultation.

Welchen Künstler aus der Vergangenheit hättest du gern einmal getroffen?

Eine gefährliche Frage. Ich würde als Kunstvoyeur gerne mal Toulouse-Lautrec beim späten Frühstück zusehen. Oder seinem etwas verklemmteren preussischen Pendant Menzel beim Zeichnen in der Gruft der Garnisonskirche. Treffen würde ich sie alle aber lieber nicht, die Dorés, Blakes, Böcklins, Beksinskis und so weiter. Die  sollen besser Legenden bleiben. Ich finde ausserdem, daß es eine ganze Reihe Lebender gibt, die man treffen kann. Mit Robert Crumb sollte man sich beeilen; Giger ist leider letztens gestorben, aber Stuart Pearson Wright, Mark Gmehling und Peter Ferguson sind ja noch jung.

Share:   Facebook