Durch die Galaxie mit Kai Meyer
NERD TALK

Durch die Galaxie mit Autor Kai Meyer


TOR Team
08.02.2017

In unserer Interviewreihe "Durch die Galaxie" haben wir regelmäßig Autoren an Bord, die uns einige mal mehr, mal weniger verrückte Fragen beantworten und uns mit auf eine Reise durch ihren eigenen Kosmos nehmen. Heute hat Kai Meyer, Autor von „Die Krone der Sterne ", unser Raumschiff betreten. Wir starten in 3...2...1...



FISCHER TOR: Du kannst einen persönlichen Song auswählen, der immer dann abgespielt wird, wenn du einen Raum betrittst. Welcher wäre das?

Kai Meyer: Ich höre schon immer eine Menge Progressive Rock, und die Lieblingsstücke meiner Lieblingsbands dauern im Schnitt eine Viertelstunde. Das müsste also ein ziemlich großer Raum sein. Ist natürlich nicht gerade der Ritt der Walküren.

Welches ist dein absolutes Lieblingsmärchen?

In meinen Romanen, in denen Märchen und Legenden eine Rolle spielen – etwa Loreley, Der Rattenzauber, die Faustus- und Arkadien-Trilogien – habe ich mich immer bemüht, die Märchen zu dekonstruieren, und dabei versucht, die vorgeblich wahren Geschichten dahinter zu erzählen. Mein Lieblingsmärchen müsste also eines sein, das eher als Schwelle funktioniert, hinter der sich eine ganz andere, größere Erzählung verbirgt, also eines, das mich als Autor gleichzeitig zum Forscher macht. Ein wenig wie der Protagonist in Hans Traxlers Satire Die Wahrheit über Hänsel und Gretel: Ein Wissenschaftler durchforstet die Wälder nach den Ruinen des Hexenhauses. Das klingt für mich erst einmal interessanter als: Zwei Kinder werfen die alte Hexe in den Ofen.

Endlich hat die Menschheit Kontakt zu fremden Wesen aus einer anderen Galaxie aufgenommen. Was ist die erste Information, die du diesen Wesen über uns Menschen und die Erde mitteilen möchtest?

Den meisten Wesen hier bei uns hat die Begegnung mit der Menschheit nicht besonders gut getan, vermutlich wäre es also sinnvoll, die Koordinaten der Erde für mich zu behalten. Ob allerdings Bach und Beethoven die Antwort sind, wie auf dieser goldenen Schallplatte an Bord der Voyager, weiß ich nicht – damit können ja schon vier von fünf Leuten in unseren Fußgängerzonen nichts anfangen, geschweige denn Sador von den Malmori.

Welche Art von Apokalypse (Zombies, Roboter, Eiszeit, Meteoritenschauer, etc.) ist zu deinen Fähigkeiten zum Überleben am meisten kompatibel?

Erdbeben. Ich bin einigermaßen geübt in der Handhabung einstürzender Büchertürme. Nicht so gut wären Flutwellen. Ich habe einen Tauchschein, allerdings auch eine Allergie gegen den Leim in den Nähten von Taucheranzügen. Ich bin also nicht ganz so gut gerüstet für das Überleben in Unterseekolonien.

Hast du einen Lieblingsroman aus dem Genre Science Fiction / Fantasy?

Nicht den einen Lieblingsroman. Das letzte Buch, das mich fast vorbehaltlos begeistert hat, war „Die Chroniken von Ash“ von Mary Gentle. Zu lang, etwas sperrig, verliebt in endlose Schlachtbeschreibungen – aber wenn man sich durchkämpft, bekommt man an vielen Stellen eine Gänsehaut nach der anderen. Der einzige Roman, für den ich mir mal eine Woche freigenommen habe, weil ich nicht davon loskam.

Was ist dein Lieblingsmonster aus Literatur, Kino, TV?

Das Schwarze Loch in Das Schwarze Loch.

Hast du ein Lieblingswort?

Ich würde lieber Wörter aufzählen, die ich ganz entsetzlich finde. Nämlich, zum Beispiel. Steht das auf den ersten Seiten eines Buchs, schlage ich es zu und schaue nie wieder rein. Mag ein böses Vorurteil sein, aber die Verwendung ist fast immer ein Indiz für die stilistische Qualität des Ganzen. Null Toleranz für Nämlich.

Welche Technologie aus futuristischen oder phantastischen Roman- oder Filmstoffen sollte am besten jetzt schon existieren?

Lassen wir mal medizinische Technologien wie Bacta-Tanks außen vor, würde ich mich für eine entscheiden, deren massentaugliche Geburt wir gerade eben erlebt haben: die Virtual-Reality-Brille. Vielleicht hat das mit meiner Fixierung auf Unterhaltung und Geschichtenerzählen zu tun, aber ich glaube, dass die Bedeutung der VR-Technologie der des Internets mindestens ebenbürtig sein könnte. Wahrscheinlich erlebt meine Generation noch das erste Holodeck. Finde ich ziemlich spannend. (Und in fünfzig Jahren liest sich das wie etwas, das ein SF-Autor des Golden Age vermutlich über die Erfindung des Fernsehens gesagt hat. Dafür also schon mal meine Entschuldigung.)

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