Zwischen Big Bads und Big Ideas – Whedonisten sind mit der Popkultur per Du

© Twentieth Century Fox

KOLUMNE

Zwischen Big Bads und Big Ideas – Whedonisten sind mit der Popkultur per Du


Sie finden Dinge nicht schön, sondern „shiny“. Ihre Lieblingsvampire glitzern nicht, sondern verstehen sich – neben dem Blutsaugen – auf ebenso freche wie zitatreiche Sprüche. Und sie wissen, dass Heldinnen niemals einsam sterben, mitunter aber durchaus mehrfach. Kurz gesagt: Die Fans des amerikanischen Autors, Regisseurs und Szenegottes Joss Whedon bringen den Pop in die Popkultur und den Fun in die Fantastik. Und das schon seit mehr als zwanzig Jahren.

Der Fanotyp

Ob furchtloser Avenger oder datelose Vampirjägerin, ob Raumschiffcaptain in braunem Mantel oder einäugiger Handwerker mit höllisch guter Gemahlin: Wer sich im Joss-Whedon-Cosplay versuchen möchte, dem stehen ganze Höllenschlunde an Möglichkeiten offen. Denn die Welten des stets ein wenig misanthropisch auftretenden Obergottes der internationalen Serienphantastik sind zum Glück ebenso bunt wie ihre Protagonisten heroisch.

Wer zeigen will, dass auch zierliche Hüllen ordentlichen Wumms beherbergen können, dem sei die „Jägerin“ Buffy Summers als Kostüm empfohlen (Achtung: nur echt mit liebevoll von Hand geschnitztem Holzpflock!). Wer es dahingegen eher grau schattierter mag, könnte im Dollhouse fündig werden, wussten dort doch auch die Drehbuchautoren nie so ganz, was sie eigentlich meinten. Und wer schon von Natur aus immer grün anläuft und sich auf Grunzlaute beschränkt … Nun ja. Auch ein Hulk hat Freunde. (Und vermutlich Mundgeruch.)

Schwieriger wird es allerdings, will man den Meister selbst zum Thema seines Cosplays machen. Schütteres Haar, Stoppelbart und ein stets etwas (aber bloß etwas!) mürrisch klingender Tonfall sind da unabdingbare Attribute und gehen sicher nicht jedem Interessierten leicht von der Hand.

Dinner for Fan

Wer einen Whedonisten bekochen möchte, sollte zunächst nach dessen primärer Joss-Obsession (Jossession?) fragen. Buffy-Fans freuen sich vielleicht über einen Kaninchenbraten (natürlich in Gedenken an die unselig verschlafene Dämonin Anya) oder über ein paar Blutkonserven. Avenger-Anhänger speisen vermutlich gern beim Libanesen vom Ende der Straße, und so ein echter Browncoat lebt ohnehin von der Hand in den zwangsweise nicht gerade wählerischen Mund und nimmt, was immer er findet.

Daneben bietet sich aber auch alles an, was man gemeinhin Comfort Food nennt. Merke: Ohne Schokolade, Pommes & Co. hätte es die Scooby Gang rund um Buffy Summers bestimmt nie so weit gebracht. Von daher geht das schon in Ordnung. Wer voller Innbrunst Musicals singen kann, während er Vampire pfählt, der darf auch mal sündigen.

Sag, was du willst, aber …

Fragen Sie einen Whedonisten niemals nach seinem liebsten Zitat. Ernsthaft: nie! Denn die Antwort wird Sie mindestens drei Stunden Ihres Lebens kosten. („Ein Zitat? Nur eins? Oh Gott, ich weiß doch aber so viele coole. Warte mal. Da wäre zum Beispiel damals, als Willow zu Tara sagte … Oder, halt: Angel und Cordelia hatten mal diese witzige Szene, in der … Nee, Moment, das hier war sogar noch cooler. Also, Mal kommt zu Wash und sagt …“) Sogar Shakespeare-Zeilen finden sich darunter!

Sind Sie aber selbst ein Jünger des Bärtigen, dann: Glückwunsch! Wenige fiktive Welten bieten mehr zitierfähiges Material als die seinen. Und vor allem: Wenige Zitate haben in der heutigen Zeit, in der die Szene quasi im Monatstakt von neuen Neuigkeiten geflutet wird, noch eine so beeindruckend lange Haltbarkeitszeit. Das finden auch wir ausgesprochen shiny!

Bloß nicht nachmachen!

Whedonisten sind tolerante Träumer, mutige Randexistenzen, weitsichtige Helden-im-Geiste. Sie ziehen es vor, nicht im Mittelpunkt zu stehen. Dennoch werden sie die Initiative (beziehungsweise Thors Hammer) ergreifen, falls die Umstände sie dazu zwingen. Falls Sie also einen Whedonisten reizen möchten, empfiehlt sich diese Vorgehensweise, für die wir keinerlei Haftung übernehmen:

  1. Erklären Sie, eine Serie, deren Originaltitel „Buffy the vampire slayer“ laute, sei schon allein vom Namen her unter Ihrer Würde.

  2. Bezweifeln Sie lautstark, dass Männer sich Geschichten mit weiblichen Helden aus mehr als rein optischen Gründen ansähen.

  3. Bezweifeln Sie zudem, dass ein Mann überhaupt eine Frau schreiben könne.

  4. Nehmen Sie ihnen den Himmel weg.

     

     

 

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Das Phantastische wird immer populärer, doch längst nicht jeder Normalsterbliche weiß, wie wir Fans unendlicher Weiten und Co. so ticken. Länder, Jedi, Abenteuer will da Abhilfe schaffen und bietet einen ebenso liebe- wie humorvollen Einblick in schillernde Subkulturen und die Charaktere hinter dem Cosplay.

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