Der zweite Blick – Phantastische Fernseh-Archäologie: Falling Skies

© Warner Home Video

REWATCH

Falling Skies - Wir kommen in Frieden. Nicht.


Been there, done that, got the T-Shirt … Geschichten über Aliens, die mit ihren riesigen Raumschiffen und ihrer überlegenen Technik kommen, um uns arme Menschlein zu fressen/versklaven/penetrieren (aktuell Zutreffendes bitte selbst umkringeln, danke) sind vermutlich so alt wie das Genre Science Fiction. Und ihre Klischees punkten ebenfalls nicht gerade durch Originalität: Die wackeren Resistance-Kämpfer, die sinistren außerirdischen Oberbosse, die menschelnden Momente des Durchatmens zwischen den Schlachten, in denen die während der ganzen Action vernachlässigte Charakterentwicklung mit dem moralischen Holzhammer vorwärts geprügelt wird … Ist alles nichts Neues. Es bedarf schon mehr als der reinen Variation, versierte Fans des Genres mit einer Story dieser Ausrichtung hinter den metaphorischen Öfen hervorzulocken.

Der amerikanische TV-Kabelsender TNT versucht genau das im Sommer 2011 mit Falling Skies, einer zumindest auf dem Papier von Regiegenie Steven Spielberg mitkonzipierten und auf fortlaufende Narrative setzenden Realserie – und das durchaus mit Erfolg.

Die Welt von Falling Skies

Noah Wyle, bekannt aus er – Emergency Room, spielt den Geschichtsprofessor Tom Mason. Der ist Vater dreier Söhne und zweithöchster Militär der Widerstandszelle Massachusetts, die verbissen gegen die sogenannten Skitters ankämpft, ebenso mysteriöse wie gnadenlos scheinende Außerirdische. Die Skitters tauchten gut sechs Monate vor Beginn der Serienhandlung in riesigen Schiffen über den Städten der Welt auf und nutzten die seitdem verstrichene Zeit fleißig, die Menschheit zu dezimieren. Wer ihnen als Erwachsener in die Hände fällt, wird liquidiert; einzig Teenagern gilt ihr Interesse. Diese bekommen eine Art Joch aufgesetzt und werden zu willenlosen Marionetten ihrer neuen Herrscher.

Schon in der Art, wie Falling Skies in seinem Pilotfilm die Invasion abhandelt – also Bilder, die nicht zuletzt seit Roland Emmerichs Independence Day filmisch längst in einer Definitivversion vorliegen, die schwerlich zu toppen sein dürfte – belegt die Qualitäten der kleinen Serie. Statt nämlich Schlachten und kostspielige Spezialeffektorgien auf dem Fernsehbildschirm abzufeiern, lässt Drehbuchautor Robert Rodat (OSCAR-nominiert für Der Soldat James Ryan und somit durchaus nicht unbegabt in der Schilderung solcher Inhalte) schlichte Kinderzeichnungen einblenden – krude Buntmalstift-Werke von Explosionen, Aliens und Massenpanik. Dazu erzählt uns eine Kinderstimme via Off-Kommentar, was wir verpasst haben. Dieser Einstieg ist bedeutend atmosphärischer, da intimer, als es jedes Spezialeffektfest für unsere an derartige Spektakel überwöhnten Szenen sein könnte.

Trailer: Falling Skies

Die nackten Fakten

Bei all dem Lob darf nicht unerwähnt bleiben, dass Falling Skies im Laufe seiner Existenz nie die inhaltliche Relevanz und seine Figuren nie die charakterliche Tiefe der Protagonisten mancher ähnlich ausgerichteter Kabelserien erreichen. »Battlestar Galactica« (Syfy, 2004 – 2009), um nur eine zu nennen, hatte weit ausgearbeitetere Figuren und vielschichtigere zwischenmenschliche – und »zwischenspeziäre« – Dramen zu bieten. Tom Mason und Co. bleiben im Vergleich zweidimensional. Doch mehr, so scheint es, will Falling Skies auch nicht sein: schlicht unterhaltsames Popcornfernsehen mit überzeugenden Effekten, kurzweiliger Handlung (gelegenheitszuschaueraffine episodenspezifische Schwerpunkte, aber fortlaufende und nicht uninteressante Rahmenplots) und Schauspielern, die zu glänzen verstehen, wenn ihnen eine Szene die Chance dazu gibt.

Das Erbe

Man kann einer Fernsehserie, insbesondere einer Genreserie, deutlich schlimmere Etiketten anheften als dieses: solide. Genau das ist Falling Skies. Wem das genügt, der ist mit Steven Spielbergs TV-Projekt sehr gut bedient. Nicht zuletzt das grandios gescheiterte Remake des Klassikers V – Die außerirdischen Besucher kommen bewies ja erst kürzlich, wie viel schlechter Invasionsgeschichten im Fernsehen variiert werden können …

 

--


Manche Serien ziehen so schnell an uns vorbei, dass wir sie kaum registrieren. Andere liegen zu lange zurück – und waren zu wenig massentauglich –, als dass sie sich noch heute häufiger Wiederholungen oder gar eines DVD-Releases erfreuen könnten. Doch was, wenn sie dennoch sehenswert sind? Diesen Produktionen gewähren wir ab sofort … den zweiten Blick.

Share:   Facebook