Länder, Jedi, Abenteuer: Zwerge

© Warner Home Video

KOLUMNE

Zwerge - Klein aber solo


Kaum höher als anderthalb Käse, dafür aber schon einzeln lauter als so mancher Stadion-Fanblock: Zwerge sind die alles andere als unbesungenen Helden der heroischen Fantasy. Ob in dunklen Bergstollen oder in kerzenhellen Tavernen, am Goldversteck oder am Bierhumpen – überall verstehen es die meist langbärtigen und stets ein wenig mürrisch wirkenden Gesellen, dem Rest der Welt eindrucksvoll klar zu machen, wo der Hammer hängt. Meist sogar buchstäblich.

Im Fandom ist das nicht anders …

Der Fanotyp

So unterschiedlich die Fantasy, so unterschiedlich die Zwerge. Ob man sich der eher klassisch-tolkienesken Variante der kleinen Kerlchen verbunden fühlt oder beispielsweise den eher humorvolleren Kollegen aus Terry Pratchetts Gefilden – wo sie auch gern mal an die zwei Meter groß sein dürfen, aber immer noch als Zwerg durchgehen –, hat entsprechend starken Einfluss auf das individuelle Cosplay eines Zwergenfans. Einigkeit herrscht allerdings überall in den Detailfragen: Bärte sind – Sorry, Corporal Karotte! – eigentlich ein absolutes Muss, durchaus auch bei Zwerginnen. Scharfkantige Bewaffnung, beispielsweise von der Holz spaltenden Natur, gilt ebenso als obligatorisch wie ein eher blässlicher Hauttyp (weil man unter Tage ja so selten braun wird).

Die Kleidung eines Zwergs sollte robust wirken und darf auch gern metallische Komponenten beinhalten. Merke: Ein Gürtel ist nur dann ein Gürtel, wenn er auch mit drei dran hängenden Schmiedehämmern noch nicht verrutscht.

Dinner for Fan

Zwergenbrot ist selbstredend das klassische Gericht dieser Kategorie. Allerdings ist es auch nur denjenigen Fans wirklich zu empfehlen, die über die Kiefermuskulatur eines Richard Kiel verfügen oder gleich mehrere kompetente Zahnärzte in ihrem engeren Freundeskreis haben.

Ungefährlicher ist da schon der Getränkekeller eines Zwergs, enthält dieser doch Bier, Bier, Bier und auch Bier. Wenngleich wir auch hier einschränken müssen, denn ungefährlich ist selbiges für Nicht-Zwerge auch nur bis zum dritten Krug. Danach kann ein Verlust der Muttersprache, des Augenlichts, der Blasenbeherrschung und der guten Kinderstube nicht ausgeschlossen werden.

Sag, was du willst, aber …

Ein Zwerg mag wortkarg wirken, ist es aber keineswegs. Ganz im Gegenteil: Sein Wortschatz steht seiner Trinkfestigkeit meist in nichts nach, und die ist durchaus furchteinflößend! Besonders „zwergisch“ klingt Sprache allerdings nur, wenn sie möglichst im Basston vorgebracht wird – schön tief und ofenrohrmäßig. Dabei darf die Stimme gern rauer klingen als das Schmirgelpapier eines Balrogs, und an wild eingestreuten Kraftausdrücken sollten Sie ebenso wenig sparen wie an blumigen Metaphern und barthaarsträubenden Verallgemeinerungen. „Entschuldigung, wissen Sie zufällig, wann der nächste Bus kommt?“ mag effizient und zielgerichtet formuliert sein; richtig zwergisch wird der Satz aber nur, wenn Sie ihn so klingen lassen: „Beim Barte des großen Königs! Wisst Ihr bedauernswert lang geratenes Nacktkinn vielleicht, zu welcher – rülps – Stunde diese erbärmlich klapprige Blechkutsche hier wieder vorbei kommt?“

Bloß nicht nachmachen!

Zwerge können gesellig sein … oder Ihr schlimmster Albtraum. Um einen Zwerg zu reizen, muss man a) keine allzu große Anstrengung aufbringen und b) echt ziemlich lebensmüde sein. Die folgenden Hinweise sind sichere Wege zum Kiefer- oder Schädelbasisbruch. Und wir verraten sie Ihnen selbstredend nur zur Abschreckung.

  1. Beleidigen Sie nie einen Zwerg. Beleidigen Sie lieber seine fünfunddreißig Brüder und seine dreiundzwanzig Schwestern. Dann wird er Ihnen vermutlich sogar zustimmen, bevor er Sie zu Klump schlägt. (Achtung: Zu Klump schlägt er Sie auf jeden Fall.)

  2. Suchen Sie sein Goldversteck. Sie werden es zwar nie und nimmer finden, liefern ihm aber noch einen willkommenen Grund mehr, Sie zu Klump zu schlagen.

  3. Trinken Sie ihn unter den Tisch. (Dann schlägt er Sie zwar auch zu Klump, aber erst, wenn er seinen Hammer nicht länger doppelt sieht.)

  4. Nennen Sie ihn einen Elb.

     

 

--

Das Phantastische wird immer populärer, doch längst nicht jeder Normalsterbliche weiß, wie wir Fans unendlicher Weiten und Co. so ticken. Länder, Jedi, Abenteuer will da Abhilfe schaffen und bietet einen ebenso liebe- wie humorvollen Einblick in schillernde Subkulturen und die Charaktere hinter dem Cosplay.

Share:   Facebook