American Gods

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SERIE

American Gods


Lena Richter
05.06.2017

Der Name Neil Gaiman ist vermutlich den meisten Fantasy-Freunden schon über den Weg gelaufen, und American Gods ist einer der bekanntesten Romane des Schriftstellers. Nun läuft seit drei Wochen die Serienadaption, für die unter anderem Bryan Fuller (Hannibal, Pushing Daisies), Michael Green (Logan, Blade Runner 2049) und Gaiman selbst als Verantwortliche mit an Bord sind. Bereits vor Serienstart wurde American Gods in diversen Artikeln als bedeutsamste Serie des Jahres bezeichnet, und viele Rezensenten, die vorab die ersten vier Folgen sehen konnten, zeigten sich begeistert. Aber ist American Gods wirklich bedeutsamer als die vielen anderen Urban Fantasy-Geschichten, die man als Buch oder Serie finden kann? Oder wird mehr in den Stoff hineininterpretiert als von den Machern selbst beabsichtigt war? Und davon mal ganz abgesehen: Lohnt es sich, die Serie zu schauen?

Trailer: AMERICAN GODS Staffel 1

Treffen sich ein Gott, ein Sträfling und ein Kobold in einer Bar …

Neil Gaimans Roman wurde 2001 veröffentlicht und ist inzwischen in diversen Auflagen, unter anderem auch in einer editierten und erweiterten Version, die 2011 erschien, erhältlich. Seit März diesen Jahres erscheint die Geschichte auch beim Dark Horse-Verlag als Comic-Adaption. Mit Der Herr des Tals (Teil der Kurzgeschichtensammlung Zerbrechliche Dinge, erschienen 2009) liegt noch eine weitere Geschichte über den Protagonisten Shadow Moon vor, während Anansi Boys die Figur des Gottes Anansi aufgreift und die Geschichte seiner Familie erzählt. Um eine Verfilmung des Romans gab es mehrfach Gerüchte, die Rechte für eine Serie wurden sogar an HBO verkauft, dann aber an Gaiman zurückgegeben. Schließlich landete die Serie nun bei Starz, wo sie am 30.04.2017 Premiere feierte. Die acht Folgen der ersten Staffel sollen etwa ein Drittel des Buches abdecken, eine zweite Staffel ist bereits bestellt. Insgesamt planen die Produzenten drei bis fünf Staffeln.

Worum geht es nun eigentlich in American Gods? Der eigentliche Plot ist schnell zusammengefasst: Shadow Moon sitzt wegen eines Raubüberfalls im Knast und steht kurz vor der Freilassung. Dann erfährt er, dass er vorzeitig entlassen wird und dass seine Frau Laura bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Auf der Reise zur Beerdigung trifft er den mysteriösen Mr. Wednesday, der ihm einen Job als Bodyguard und Chauffeur anbietet. Shadow willigt ein und findet sich kurz darauf in einer Art Krieg der Götter wieder. Diese existieren nämlich wirklich, erweckt vom Glauben der Menschen an sie, und kämpfen um ihre Existenz. Während viele alte Entitäten, wie etwa der slawische Czernobog und aus Afrika stammende Anansi immer mehr in Vergessenheit versinken, gewinnen neue „Götter“ wie die Medien oder die Technologie immer mehr Macht. Genau das will Mr. Wednesday verhindern, und so begeben er und Shadow sich auf eine Art Road Trip durch die USA, um Verbündete zu gewinnen und den Kampf auszufechten.

Doch die Frage nach dem Plot des Romans beantwortet längst nicht die Frage, worum es in American Gods nun geht. Das sieht man bereits an den zahlreichen Interludien, die immer wieder die Haupthandlung unterbrechen und in kurzen Erzählungen davon berichten, wie der Glaube an Götter und andere mystische Wesen es über den großen Teich nach Amerika geschafft hat. Obwohl auch der Glaube der nordamerikanischen Ureinwohner thematisiert wird, zeigen viele Kapitel von American Gods ganz klar, wie sehr die Vereinigten Staaten eine Nation von Einwanderern sind, die nicht nur ihre Bräuche und Traditionen, sondern eben auch ihre Götter mitbrachten. Und genau das sorgte auch dafür, dass die Serie in den Wochen vor Start als „bedeutsamste Serie des Jahres“ gehandelt wurde.

This is a bad land for gods – Gaimans Amerika

Das Auftauchen von Göttern und Mythengestalten in der modernen Welt ist geradezu ein Klassiker der Urban Fantasy (unter anderem praktiziert in der ebenfalls verfilmten Percy Jackson-Reihe oder auch Kevin Hearnes Romanen um den Eisernen Druiden). Spätestens seit Thor und Loki in diversen Marvel-Verfilmungen mitmischen, dürfte das Konzept „Gott trifft Welt“ wohl reichlich bekannt und nicht zwangsläufig originell sein. Gaimans Roman nähert sich dem Thema allerdings auf ungewöhnliche Art und lässt die alten Götter, die immer mehr in Vergessenheit geraten, zu einem Symbol der US-amerikanischen Kultur werden, die das Profane zum Kult erhebt und mit Großstädten, Medien und Technologie neue Glaubensrichtungen erschafft. Währenddessen fristen die alten Götter teilweise ein elendes Dasein als Wahrsager, Schlachter oder Prostituierte. Außerdem wird hier ein Amerika abseits der üblichen Schauplätze gezeigt: Heruntergekommene Kleinstädte im Mittleren Westen, ein Beerdigungsinstitut in den Südstaaten, eine kleine Wohnung in Chicago (in einem Interview mit Gaiman sagte dieser übrigens, dass er „Chicago happened slowly, like a migraine.“ immer noch für einen der besten Sätze des Buches halte). Und schließlich wird immer wieder klar: Die USA wurden von Immigranten errichtet, und längst nicht alle davon sind freiwillig eingewandert. Eins der bedrückendsten Zwischenkapitel erzählt zum Beispiel die Geschichte von  Wututu und Agasu, die 1778 als Sklaven aus Afrika nach Amerika kamen.

Gaiman selbst ist ein amerikanischer Immigrant, auch wenn der Sprung von Großbritannien nach Amerika sicherlich weniger weit ist als aus einem gänzlich anderen Kulturkreis. Trotzdem schwingt in dem Roman immer wieder die Verwunderung über dieses seltsame Land mit, das profanste Dinge zum Kult erklärt und in dem gleichzeitig kulturelle Identitäten schnell verloren gehen. In einem Interview sagte Gaiman, dass genau das eines seiner Anliegen war: „Es geht um Kultur. Um Immigration. Es geht darum, in dieses Land zu kommen, mit all dem, was dich ausmacht, und es aufzugeben und zu verlieren.“ Während der Arbeit am Roman begab sich der Autor selbst auf einen Roadtrip, um sein neues Heimatland abseits der Autobahnen, Flughäfen und Metropolen kennenzulernen. So haben auch einige echte Örtlichkeiten ihren Weg ins Buch gefunden, auch wenn man sie – wie das Vorwort verrät – vielleicht ein bisschen suchen muss.

Zwischen sterbenden Göttern und neuen Ersatzreligionen taucht auch immer wieder die Frage auf, woran Menschen überhaupt glauben und ob das Konzept der Religion nicht vielleicht schon überholt ist. In einem der späteren Kapitel – auf dessen Umsetzung die Zuschauer der Serie noch warten müssen – trifft Shadow, der zumindest zu Beginn der Geschichte an nichts glaubt, auf Sam, eine junge Frau, die ihm in einem wunderbaren Monolog erklärt, an wie viele Dinge sie gleichzeitig glauben kann, selbst wenn sie sich teilweise widersprechen. Gerade in Bezug auf die neuen Götter kann sich wohl jeder Leser selbst die Frage stellen, wie bedeutsam im heutigen Alltag eigentlich das Smartphone, der Netflix-Account oder der eigene Internetauftritt geworden ist und wie man fast rituell jeden Morgen zum Smartphone greift, um als erstes die Twitter-Timeline zu checken (ich meine - das macht ihr doch auch alle, oder??).

And then the world changed

Aus den Artikeln und Interviews, die im Vorfeld des Serienstarts veröffentlicht wurden, lässt sich herauslesen, dass die Macher wohl selbst nicht damit gerechnet haben, dass American Gods womöglich eine der politischsten Serien des Jahres werden könnte. Abgedreht wurde die erste Staffel im Oktober 2016, also noch vor der US-Wahl, mit der Donald Trump zum Präsidenten gewählt wurde. Das Thema Immigration sollte trotzdem eine große Rolle spielen, jedoch wollten die Showrunner damit vor allem die Zuschauer emotional ansprechen. Dass die Serie dann auf einmal in einer Zeit ausgestrahlt wird, in der die geplante Zwangsausweisung mexikanischer Einwanderer und der Moslembann der Trump-Regierung dem Thema eine ganz neue Brisanz verleihen, war bei Ende der Dreharbeiten noch nicht abzusehen. Neil Gaiman selbst sagte dazu, dass American Gods schon immer thematisiert, dass fast jeder US-Bürger von Einwanderern abstammt und diese das Land geprägt haben und immer noch prägen. Jedoch habe er das nie so kontrovers angesehen wie es jetzt geworden ist. Oder, um es mit seinen eigenen Worten zu sagen: „We simply started telling our fucking story and then the world changed.“

Trotzdem gab es auch während der Dreharbeiten schon Anzeichen dafür, dass American Gods vielleicht mehr sein kann als eine abgefahrene Urban Fantasy-Geschichte. In Folge 2 zum Beispiel spricht der afrikanische Gott Anansi zu einer Schiffsladung voller Sklaven und offenbart ihnen, dass ihnen und ihren Nachkommen ein schweres Los in Amerika bevorsteht, dass auch Jahrhunderte später noch keine echte Gleichheit herrschen wird und Menschen nur aufgrund ihrer Hautfarbe von der Polizei niedergeschossen werden. Nachdem Schauspieler Orlando Jones seinen Anansi-Monolog beendet hatte, erhoben sich die ca. 40 afroamerikanischen Schauspieler und Komparsen und gaben ihm Standing Ovations – „da wurde uns klar, dass einige der Sachen, die wir machen, vielleicht brisanter sind als wir dachten“, so Showrunner Bryan Fuller. Auch die – in Buch wie Serie sehr positiv dargestellte – Liebesnacht zwischen zwei aus dem Oman stammenden Männern mag angesichts der aktuellen Verhaftungswelle von Homosexuellen in Tschetschenien und des gerade ein Jahr zurückliegenden Anschlags auf einen LGBT-Nachtclub in Orlando ein Zeichen in die richtige Richtung setzen.

Blut und Sex und Götter – Die Serienadaption

Bereits der Trailer zur Serie und Bryan Fullers bisherige Projekte (wie die ziemlich blutige Hannibal-Serie) lassen ahnen: American Gods ist nicht zimperlich mit Blut und abgetrennten Körperteilen, genauso wenig wie mit nackten Tatsachen. Da stellt sich natürlich die Frage, ob die filmische Umsetzung des Romans gelingt oder sich zu sehr im Erreichen besonders krasser Bilder verliert. Nach drei Folgen kann man noch nicht allzu viel über die Serienadaption sagen. Bisher habe ich schon viele begeisterte Stimmen, aber auch durchaus Kritik (zu blutig, zu viel Sex, zu verworren) gehört. Ach ja: Wie gut man die Serie als Nicht-Buchkenner nachvollziehen kann, entzieht sich leider meiner Kenntnis, zumal ich das Buch eigens zum Serienstart nochmal gelesen habe.

Ein Pluspunkt der Serie ist sicherlich, dass Neil Gaiman selbst mit an Bord ist und auch viele seiner Wünsche durchsetzen konnte. So ist Hauptfigur Shadow Moon auf seinen Wunsch hin mit einem Schauspieler (dem Briten Ricky Whittle, der u. a. jamaikanische Wurzeln hat) besetzt worden, dessen Aussehen ausdrücklich den Schmelztiegel von verschiedenen Nationen und Kulturen symbolisieren soll, aus denen Amerika zusammengesetzt ist. Gleichzeitig legte Gaiman auch gegen einige Ideen der Showrunner ein Veto ein – so bekommt Shadow z. B. in der ersten Folge der Serie von der besten Freundin seiner verstorbenen Frau einen Blowjob angeboten. In der ersten Version des Drehbuchs geht er darauf ein, die Szene wurde aber nach einem vehementen Widerspruch von Gaiman umgeschrieben, der darin einen starken Bruch mit Shadows Charakter aus dem Roman sah.

Dennoch ist bereits nach den ersten Folgen klar, dass die Serie nicht sklavisch am Buch klebt, sondern die Zusammenarbeit mit Neil Gaiman auch genutzt wird, um den Stoff des Romans zu erweitern. Dies zeigt bereits die geplante Länge der Serie, denn auch wenn American Gods ein 400-Seiten-Wälzer ist, erscheinen angestrebte fünf Staffeln doch eine sehr großzügige Bemessung. Allerdings wurde bereits angekündigt, dass gerade die weiblichen Figuren des Buches, wie z. B. Bilquis oder die noch nicht in Erscheinung getretene Easter, stärker ausgebaut werden sollen. Die Romanvorlage sei, da sind sich die Showrunner einig, schon sehr stark männlich geprägt, was in der Serie nun anders werden soll. Bereits die ersten Folgen beinhalteten einige neue Szenen, die im Buch nicht vorhanden sind.

Auch Protagonist Shadow wurde für die Serienversion etwas angepasst. Im Buch ist er ruhig, geradezu stoisch und lässt viel einfach mit sich machen und auf sich zukommen. Damit er für die Zuschauer eine größere Identifikationsfigur sein kann (und weil die Serie bisher auf innere Monologe durch Voice Overs verzichtet), wurde er etwas lebhafter. „Er stellt mehr Fragen und er flippt mehr aus“, beschreibt es Ricky Whittle, der Shadow verkörpert. Andere Anpassungen sind dem Zeitgeist geschuldet: So findet Bilquis in der Buchvorlage ihre „Opfer“ auf dem Straßenstrich, in der Serie datet sie ganz modern über Tinder. Und der Technical Boy, im Buch ein nerdiger Teenager, kommt in der Adaption eher daher wie der Hipster, der gerade sein erstes Start-up-Unternehmen an Google verkauft hat. Auch darin kann man eine Aussage finden – das Internet ist eben nicht mehr nur ein Platz für einsame Nerds, sondern wird ganz massiv zu Verkaufs- und Marketingzwecken genutzt.

Positiv ist sicherlich die sehr diverse Besetzung der Serie zu werten, die bisher in keiner Weise versucht, mehr „massentaugliche“ (was in Hollywood meist heißt: weiße) Schauspieler zu casten als die Vorlage es vorgibt. Das ist vielleicht nicht unbedingt eine große Errungenschaft, kann aber in Zeiten, in denen der ägyptische Gott Horus von dem Dänen Nikolaj Coster-Waldau gespielt wird oder in denen eine Debatte um die Besetzung der Hauptrolle in Ghost in the Shell mit Scarlett Johannson noch sehr aktuell ist, ruhig mal lobend erwähnt werden. Ebenso wie die Tatsache, dass meiner Meinung nach die Schauspieler bisher sehr gut auf die Buchcharaktere passen und alle eine überzeugende Darstellung abliefern. Hinter der Kamera sind übrigens in leitender Position mit Fuller, Green und Gaiman allerdings bisher dann doch wieder nur männliche und weiße Produzenten beschäftigt.

Die optische Umsetzung ist nach drei Folgen durchaus als recht opulent zu bezeichnen, beginnend beim Intro, das in Neonfarben und untermalt von treibender Musik alle möglichen Glaubenssymbole vermischt und zu einer Art gesamtamerikanischen Altar auftürmt. Auch fantastischen Elemente, die bisher noch eher dezent eingesetzt werden, fügen sich meiner Meinung nach gut ins Gesamtbild ein. Besonders der immer wieder betonte Himmel, in dem so viel mehr zu passieren scheint als die Sterblichen auf der Erde es ahnen, ist da erwähnenswert, denn dort braut sich bereits der Sturm zusammen, den Mr. Wednesday entfesseln möchte. Auch musikalisch gibt es in den ersten Folgen schon ein paar coole Sachen zu entdecken, wie das schon im Trailer zu hörende In the pines/Where did you sleep last night, das nicht nur perfekt zur untermalten Szene (Lauras Beerdigung) passt, sondern selbst ein Stück amerikanische Kulturgeschichte einbringt. Der Folksong ist mindestens 200 Jahre alt, soll ursprünglich in den Südlichen Appalachen von einem bis heute unbekannten Interpreten geschrieben worden sein und erlangte in einer Coverversion von Nirvana auch in der modernen Rockmusik Kultstatus.

Fullers Vorliebe für Kunstblut, man muss es zugeben, kommt auch in dieser Serie wieder zum Tragen. Bereits die erste Szene, in der Wikinger die Küste Nordamerikas angelaufen haben und nun in zunehmend blutiger werdenden Ritualen Odin um Wind für die Heimfahrt bewegen wollen, spart nicht mit Blutfontänen und abgeschlagenen Körperteilen. (Übrigens war ein Besuch in einem isländischen Museum über die Überfahrt der Wikinger eine der ersten Inspirationen Gaimans für den Roman.) Auch im Rest der bisher ausgestrahlten Folgen wird nicht mit Blut und teilweise fiesen Details gespart, wenn beispielsweise Czernobog minutenlang darüber philosophiert, wie man einer Kuh am besten den Schädel mit einem Hammer einschlägt. Die meisten der gezeigten Szenen hätte man auch problemlos mit weniger reißenden Strömen von Kunstblut darstellen können – nötig ist die übertrieben splatterige Aufbereitung wohl eher nicht. Wohl transportieren die Bilder teilweise auch die gewünschte Stimmung, aber manchen Zuschauer mag all das Blut vielleicht abschrecken (andere schauen im Gegenteil vielleicht gerade deswegen weiter).

Was die Sexszenen angeht: Ja, bisher gab es in jeder der drei Folgen nackte Menschen und auch einige recht explizite Szenen zu sehen. Vermutlich könnte man das auch alles mehr andeuten und weniger deutlich zeigen – und ich kenne auch durchaus einige Reviews, die sich genau das wünschen. Andererseits kann ich mich, und das ist jetzt ein seltsames Lob, nicht erinnern, jemals in einer Serie so viele nackte Männer und so viele Penisse gesehen zu haben. Normalerweise sind es immer nur die Frauen, die blankziehen und, sinnvoll oder nicht, für das nötige Maß an nackter Haut herhalten müssen. Yes, Game of Thrones, I am looking at you! Bei American Gods gab es jetzt eine komplett nackte Frau, dafür aber gleich drei ebenfalls komplett nackte Kerle zu sehen, was ich von der Verteilung her für eine angenehme Abwechslung halte. Ach ja: Eine Sexszene zwischen zwei schwulen Männern mit muslimischem Kulturhintergrund habe ich übrigens überhaupt noch nirgendwo anders gesehen, weder explizit noch angedeutet. Hier hat mir beispielsweise die Umsetzung der entsprechenden Buchszene sehr gefallen, da die Liebesnacht genauso zärtlich und befreiend anmutet wie im Roman. Insofern kann ich den bisher gezeigten Sexszenen bisher eher Gutes abgewinnen. Ob man die Szenen nun mag oder sich eher davon gestört fühlt, muss wohl jeder Zuschauer selbst beurteilen.

Believe. Believe everything.

Worum geht es nun in American Gods? Um Götter? Politik? Neue Errungenschaften gegen alte Bräuche? Liebe? Immigration? Geschichte? Betrug? Die Eigenheiten Amerikas? Trauer? Glauben, an nichts oder alles oder irgendwas dazwischen? Tatsächlich geht es um alles davon, mehr oder weniger, und jeder Leser und jede Zuschauerin wird wohl verschiedene Aspekte der Geschichte mehr oder weniger ansprechend finden. Man kann American Gods sicherlich als spannendes Road Movie mit Göttern und viel Blut verfolgen, genauso wie man es als großen Roman über Immigration und die Seele Amerikas lesen kann. Die Serie scheint, auch wenn es von ihren Machern gar nicht in dem Maße beabsichtigt war, Diskussionen um Immigration, Religionsfreiheit und tiefliegende Probleme der amerikanischen Gesellschaft neu anzufachen. In welchem Maße das in einem vor allem auf Unterhaltung angelegten Format gelingen kann und ob die Showrunner in kommenden Staffeln die Aufmerksamkeit ihres Publikums noch stärker auf bestimmte Aspekte lenken werden, wird sich zeigen. In jedem Fall scheint mir die Serie persönlich die Stimmung des Buches bisher gut einzufangen – übernatürlich, gefährlich, verwirrend, mit schrägem Humor und exzentrischen Gestalten. Ich bin gespannt, wie sich Shadows Reise weiter gestalten wird.

Schaut ihr die Serie? Habt ihr das Buch gelesen? Wie gelungen ist die Umsetzung eurer Meinung nach und steckt wirklich mehr dahinter als eine fantastische Geschichte? Schreibt es gerne in die Kommentare.

American Gods wird derzeit von Amazon Prime ausgestrahlt. Eine neue Folge erscheint jeden Montag.

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