A. Lee Martinez: Galaktisch-geniale Superheldin

BUCH

Aliens, Ninjas und Verschwörungen: Constance Verity – Galaktisch-geniale Superheldin


US-Autor A. Lee Martinez lieferte im letzten Jahrzehnt allerhand witzig-fantastische Einzelromane. Jetzt startet er seine erste literarische Serie, in der er sich einer kosmischen Superabenteurerin widmet, die so gar keinen Bock mehr auf den Job hat.

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Bisher waren die kurzweiligen, selten über Gebühr anspruchsvollen Romane des texanischen Autors A. Lee Martinez echte Wundertüten zwischen Fantasy, Horror, Urban Fantasy und Science-Fiction: Jedes witzige, mal mehr, mal weniger spritzige Buch widmete sich einem anderen Subgenre und präsentierte sich als eigenständiges Werk mit frischen Figuren und frischer Ausgangslage, sodass man als Leser jedes Mal wusste: neues Buch, neues Glück. Hat’s einem gefallen, gut, hat’s einem nicht gefallen, kein Problem, mal sehen, wie das nächste wird. Angesichts der vielen Endlosserien da draußen, kein übler Deal. Während Martinez in seinem Debütroman, der Horror-Komödie Diner des Grauens, 2006 über einen Werwolf und einen Vampir im rinderwahnsinnigen Angesicht der Apokalypse schrieb, ging es in seinem jüngsten Einzelroman „Miss Minotaurus“ 2016 um eine antike Queste als Selbstfindungs-Roadmovie durch die Moderne. Dazwischen bot Der automatische Detektiv ein wenig rostige Roboter-Science-Fiction, und Eine Hexe mit Geschmack entpuppte sich als einer der besten und wohl am sträflichsten unterschätzten Fantasy-Romane seines Jahrgangs. 

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Im magischen Reich der Elfen

Nach genauso vielen lesenswerten wie vernachlässigbaren Büchern, die alle von Karen Gerwig ins Deutsche übertragen und von Piper möglichst bunt abgepackt wurden, ist nun Martinez’ neuester Roman Constance Verity – Galaktisch-geniale Superheldin erschienen. Mit diesem Buch wird der 1973 geborene Mr. Martinez allerdings erstmals zum Serientäter und legt den Auftaktband einer geplanten Trilogie vor. Gleichzeitig verbeugt sich der schreibende Comic- und Film-Fan auf gewohnt kurzweilige Weise vor den Superabenteurern der Pulp Magazines und der Panel-Literatur, angefangen bei Doc Savage, dem Mann aus Bronze, dem Martinez sein neuestes Buch sogar gewidmet hat. Marvel-Fans indes dürften sich allein wegen des Covers an die taffe Monsterjägerin Elsa Bloodstone erinnert fühlen.

Der erste Roman um Constance Verity beginnt damit, dass die schöne, unbesiegbare Titelheldin nach einem Leben voller Abenteuer, Heldentaten, Gefahren und Weltrettungen hinschmeißen und lieber ein normales Dasein ohne Zeitreisen, ohne Monster, ohne Parallelwelten und ohne Klone führen möchte, die sie treffsicher überall und jederzeit finden. Wie man aufhört, eine galaktisch-geniale Superabenteurerin-Schrägstrich-Superheldin zu sein? Ganz einfach: Man zieht los, um die gute Fee zu killen, die einen als Baby mit dem massiv magnetischen Heldentum verwünscht hat! Dass die auf gewisse Weise übermenschliche Connie und ihre ganz normale beste Freundin dafür erst mal Oberons magischem Reich der Elfen (in dem Connie eine eiserne Schlagringe tragende persona non grata ist) und der intergalaktisch frequentierten Geheimbasis Area 51 (mit einem riesigen Connie-Fanshop) einen Besuch abstatten müssen, scheint als Abschiedsvorstellung eigentlich ganz annehmbar, und danach kann man sich ja in Ruhe dem wundervoll langweiligen neuen Leben und dem ganz normalen Lover widmen, der bereits wartet ...

Kosmische und kuriose Abenteuer

Die zauberstabschwingende alte Fee im Ruhestand und der magische Fluch des ewigen Abenteuers – die reinrassigen Fantasy-Elemente, wenn man so will – wirken zwischen Aliens, Area 51, Ninja und einer kosmischen Verschwörung der Geheimgesellschaften manchmal etwas deplatziert, was die Mischung anbelangt. Ansonsten macht die jüngste Genre-Satire von A. Lee Martinez zunächst richtig Laune, allem voran das überzogene Spiel mit der hyperaktiven Pseudo-Vergangenheit und der Pseudo-Kontinuität von Connies früheren Off Panel- bzw. Off Page-Abenteuern als Überheldin. In Nebensätzen und Andeutungen erschafft Martinez für seine Helden eine üppige Continuity aus vergangenen, kosmischen bis kuriosen Abenteuern, die vor und außerhalb der Geschichte im Buch stattgefunden haben und einem bei entsprechender Genre-Verbundenheit ständig zum Schmunzeln bringen.

Gegen Ende des Romans packt und unterhält einen die Handlung nicht mehr ganz so wie zuvor, die ersten 300 Seiten haben jedoch einen wirklich guten Drive und einen ziemlich hohen Fun-Faktor bei minimalem Lesewiderstand – das kann man auch nach einem anstrengenden Tag noch angenehm und locker weglesen. Und vielleicht kann der literarische Spaßmacher aus Amerika seinerseits im zweiten Band, der im Original für Mai 2018 angekündigt ist, ja wieder an die bessere erste Hälfte von Constance Verity – Galaktisch-geniale Superheldin anknüpfen.

Darüber hinaus wäre Connie eine gute Kandidatin für die eine oder andere Kurzgeschichte, in der ihre angerissene Vergangenheit beleuchtet und ausgebaut wird, obwohl das natürlich den „Schaufenster-Effekt“ in die angedeutete Kontinuität außer Kraft setzen und die Historie der Heldin entzaubern würde. Um sich die Wartezeit auf die Fortsetzung zu vertreiben, lohnt trotzdem ein Blick in Martinez’ Blog, wo er im Laufe der Zeit jede Menge andere Kurzgeschichten aus seiner Feder online gestellt hat, die man dort kostenlos lesen kann.

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