Kinder der Ewigkeit – Die besten Science-Fiction-Bücher aller Zeiten

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Kinder der Ewigkeit – Die besten Science-Fiction-Bücher aller Zeiten


Unlängst habe ich euch Science-Fiction der jüngeren Zeit empfohlen – für all jene, die vielleicht nicht die ollen Asimovs und Lem lesen wollen. Aber so wirklich kommt man um die Klassiker nicht herum. Das ist ein bisschen, als wolle man "Das Erwachen der Macht" gucken, ohne die Star Wars Original-Trilogie gesehen zu haben. So wie viele Fantasyromane an Tolkien erinnern, so bauen viele Science-Fiction-Filme und -Romane zum Thema künstliche Intelligenz auf Asimovs Robotergesetzen auf und viele Space Operas blinzeln ehrfürchtig in Richtung Frank Herbert. Ganz zu schweigen von all den Filmen, die auf Philip K. Dick und Co. basieren und neugierig aufs Buch machen.

Also, hereinspaziert, hereinspaziert zu einer Reise in die Zukunft!

Fangen wir in der Vergangenheit an

Mit dem Urvater der Science-Fiction, der aus heutiger Sicht „Retro-Science-Fiction“ ist, weil die Zukunft, die er beschrieb, bereits eingetreten ist. Man könnte ihn auch posthum dem Steampunk zuordnen (und das bringt uns zu der Frage, ob Steampunk Fantasy oder Science-Fiction ist, die wir für heute unbeantwortet lassen – es sei denn, ihr habt die Antwort parat: Dann ab damit in die Kommentare!). Ich rede natürlich von Jules Verne. Der mit dem Sohn von Alexandre Dumas befreundete Franzose aus Nantes kam nach der Veröffentlichung seines ersten Romans mit Erfindern und Naturforschern ins Gespräch und sammelte seine phantastischen neuen Ideen in einem Zettelkasten.

Zusammen mit Verne gelten auch H.G. Wells und Kurd Laßwitz als Begründer der Science-Fiction. Ersterer nannte seine Romane „wissenschaftlicher Abenteuerroman“ und die Radioadaption von Krieg der Welten sorgte für eine Massenpanik, als Hörer glaubten, sie würden Zeuge einer wahren Berichterstattung. Kurd Laßwitz war erkenntnistheoretisch tätig, schrieb Bücher und Essays über Philosophie und Physik und wollte mit seinen Zukunftsvisionen auch belehren und kritisieren. 

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Klassikertipps:

Jules Verne: Die Reise zum Mittelpunkt der Erde, 20.000 Meilen unter dem Meer

H.G. Wells: Die Insel des Dr. Moreau, Krieg der Welten, Die Zeitmaschine

Kurd Laßwitz: Auf zwei Planeten

Roboter, überall nur Roboter!

Ein paar Jahrzehnte später dachten Philip K. Dick, Stanislaw Lem und Isaac Asimov darüber nach, was Roboter mit der Menschheit anstellen, was sie träumen und ob wir uns mit ihnen einlassen sollten. Vor Asimov liefen Robotergeschichten nach dem Frankenstein-Muster ab: Roboter wurden erschaffen, erlangten Selbsterkenntnis und töteten ihre Schöpfer. Seit Asimov kennen wir die drei Gesetze der Robotik, ohne die alle modernen Roboter-Selbsterkenntnis-Geschichten nicht denkbar wären:

  1. Ein Roboter darf kein menschliches Wesen (wissentlich) verletzen oder durch Untätigkeit zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.
  2. Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren.
  3. Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert.

Philip K. Dick fragte sich, ob Androiden mechanische Schafe zählen und führte den Leser als erstes mit einem Protagonisten aufs Glatteis, der vielleicht selbst unwissentlich ein Android ist. Diese Geschichte kennen wohl die meisten durch den Film Bladerunner, doch das Buch lohnt die Lektüre, da der Film als Kind der Achtziger sehr viel stärker Richtung Cyberpunk geht, dadurch aber weniger thematisiert, wie Menschen durch Medien und Eingriffe in Organismus und Psyche gesteuert werden.

Die großen Werke der englischsprachigen Asimov und Dick und des Polen Lem entstanden in den 60ern und warfen bereits den Blick voraus auf die Themen Nanotechnologie, KI und virtuelle Realität, wobei besonders Lem durch seine Vielseitigkeit besticht. 

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Tipps rund um Roboter:

Philip K. Dick: Blade Runner (manchmal auch: Träumen Androiden von elektrischen Schafen?)

Isaac Asimov: Ich, der Roboter (Kurzgeschichten), Die Stahlhöhlen

Stanislaw Lem: Robotermärchen (Kurzgeschichten)

 

Tipps ohne Roboter:

Philip K. Dick: Das Orakel vom Berge (die Vorlage für The Man in the High Castle)

Stanislaw Lem: Solaris

Verfilmungen noch und nöcher

Nicht nur Philip K. Dick legte mit Kurzgeschichten, Romanen und Novellen den Grundstein für zahlreiche Verfilmungen – viele Autoren der 60er, 70er, 80er kreierten Werke, die von Hollywood adaptiert wurden.

Asimov zählt mit Arthur C. Clarke und Robert A. Heinlein zu den „Big Three“ der englischsprachigen Science-Fiction. Clarke entwickelte mit Stanley Kubrick zusammen 2001 – Odyssee im Weltall und begleitete den Prozess des Drehbuchschreibens mit dem gleichzeitigen Schreiben des Romans.

Heinleins bekanntestes Werk ist sicherlich Starship Troopers. Dabei war Starship Troopers der umstrittene Abschluss einer ganzen Reihe von Werken für Jugendliche und junge Erwachsene und bildete den Wendepunkt zur komplexeren Romanreihe Fremder in einer fremden Welt, das ein literarisches Kind der 60er ist und auch Themen wie sexuelle Befreiung in der Geschichte eines von Marsianern aufgezogenen Menschen und dessen Rückkehr zur Erde erzählt. 

Trailer: Ender's Game

Orson Scott Card gelang mit Enders Spiel ein doppelbödiges Szenario, bei dem Spiel und Realität eins werden und der Protagonist Ender Vergebung für eine schreckliche Tat sucht, die er selbst lediglich für eine Simulation hielt. Also, wenn ihr das nächste Mal in einem Strategiespiel eine Entscheidung trefft, die ganze Planeten vernichtet: Denkt nochmal darüber nach! 

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Weitere Film- und Serienvorlagen:

James S.A. Corey: Leviathan erwacht (Romanvorlage für The Expanse)

Michael Crichton: Jurassic Park

Richard Matheson: Ich bin Legende

Doch auch umgekehrtes Arbeiten ist möglich und führt manchmal ebenfalls zu Weltruhm – erst Buch, dann Film, wie im Fall von Alan Dean Foster, der uns mit der Alien-Trilogie Horror-SF zum Lesen bescherte, die obskure Nicht-Das-Imperium-kehrt-zurück-Star Wars-Fortsetzung Splinter of the Mind’s Eye (Skywalkers Rückkehr) und weitere Star Wars- und Star Trek-Romane schrieb, sowie eigene Romanreihen. Was uns zum nächsten Thema bringt! 

Space Opera

Wer fehlt noch in dieser Aufzählung illustrer Science-Fiction-Namen? Frank Herbert! Über zwanzig Jahre lang kehrte er immer wieder in DAS klassische Space Opera-Universum zurück, in die Welten von Dune – Der Wüstenplanet! Dabei legte Herbert den Grundstein für zahllose philosophische Weltraumabenteuer, in denen die Grenzen zwischen Fantasy und Science-Fiction verschwimmen. Ohne den Padishah-Imperator kein galaktisches Imperium unter Palpatine, ohne die Reise von Paul Atreides keine Heldenreise des Luke Skywalker.

Und um das Kapitel Star Wars abzuschließen: Timothy Zahns Trilogie Erben des Imperiums ist immer noch hervorragende Lektüre (mit einem phantastisch umgesetzten deutschen Hörspiel mit Original-Synchronsprechern!), obwohl sie nicht mehr zum offiziellen Star Wars-Kanon gehört.

Auch Douglas Adams würde ich als abgefahrene Space Opera bezeichnen. Per Anhalter durch die Galaxis begann als Radiosendung des BBC und wuchs zu einem aberwitzigen Romankosmos an, der „einzigen vierbändigen Trilogie in fünf Teilen“. 

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Noch ein Space Opera-Tipp:

Peter F. Hamilton: Die Void-Trilogie (Das dunkle Universum)

Doch so farbenfroh die Space Opera auch daherkommt, eines wissen wir mit Sicherheit, meist noch aus der Schule:

Eine dunkle Zukunft erwartet uns!

Cyberpunk’s not dead – und die Dystopie schon gar nicht. 2016 schnellte Orwells 1984 wieder auf die Bestsellerlisten, als Donald Trump frisch gewählt von Mauern sprach und der Spruch „But her e-mails“ zum geflügelten Wort wurde. Den Überwachungsstaat-Klassiker haben viele von uns in der Schule gelesen, oder wahlweise Ray Bradburys Fahrenheit 451, der Temperatur, bei der Bücher zu brennen beginnen, oder Aldous Huxleys Schöne neue Welt. Diese Autoren zeichnen eine düstere politische Zukunft unserer Welt, die uns nach wie vor beunruhigt und nicht weniger aktuell erscheint.

Zu den Dystopien gesellte sich in den 80ern der Cyberpunk, der die Menschheit zunehmend mit der Maschine interagieren und sogar in Symbiose gehen ließ. Eine Erfahrung, die wir heute bereits vollziehen – statt uns Cyberware implantieren zu lassen, agieren wir taktil und audiovisuell mit unseren Smartphones und der Cloud und damit mit dem Rest der Welt. Der Klassiker ist dabei Gibsons Neuromancer, der wohl auch die Hauptinspiration für Cyberpunk-Rollenspiele wie Shadowrun bildet, das ebenfalls einen lebhaften Romankosmos hervorgebracht hat. 

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Cyberpunk-Tipps:

Neal Stephenson: Snow Crash

Haruki Murakami: Hard-boiled Wonderland

Cory Doctorow: Little Brother

Letzteres, Doctorows Little Brother, wurde zu Recht unter meinen ersten Artikel zur Science-Fiction in die Kommentare gepostet. Es ist eines meiner Lieblingsbücher, aber so nah an unserer Realität dran, dass es auch unter „Politthriller“ firmieren könnte. Es ist wohl eher ein …

Grenzfall der Science-Fiction

Parallelwelten, Zeitreisen oder das Wiederholen der eigenen Lebenszeit – das sind auch Themen der Science-Fiction, wenn auch seltener besucht als ferne Welten und nahe Zukunftsvisionen.

Im Englisch-Leistungskurs begeisterte mich Kurt Vonnegut mit Schlachthof 5, in dem ein Veteran des zweiten Weltkriegs sein Leben nicht in der richtigen Reihenfolge, sondern gewissermaßen im Shuffle-Mode durchlebt und dabei auch noch von Außerirdischen in einen Zoo gesteckt wird. „Everything was beautiful and nothing hurt.“

In Ken Grimwoods Replay – Das zweite Spiel entdeckt der Protagonist, dass er im Falle seines Todes immer wieder als Jugendlicher im Schlafsaal seines Internats erwacht und sein Leben neu leben kann – zuerst dank geschickt abgeschlossener Wetten ein Segen, später ein Fluch …

Stephen Baxter und Terry Pratchett widmen sich in Die lange Erde verschachtelten Parallelversionen unserer Welt, in denen unsere Menschheit bald in einem wahren Goldrausch aufbricht.

In Jeff VanderMeers Southern-Reach-Trilogie erobert eine fremde Fauna und Flora nach einem fehlgeschlagenen Experiment einen Bereich der USA – und Expeditionen sollen das Rätsel dieser neuen Lebensformen aufdecken. Dabei erreicht die Trilogie sowohl kafkaesken als auch lovecraftschen Schrecken.

Deutschsprachige Science-Fiction

Hierzulande war man auch nicht faul, und im Golden Age der Science-Fiction nimmt die weltweit unerreichte SF-Buchreihe Perry Rhodan ihren Anfang und wird bis heute fortgeführt. Space Opera, Groschenheft, die längste kontinuierliche Erzählung der Welt – vieles trifft auf Perry zu, und ich ziehe meinen Hut vor der exzellenten Koordinationsarbeit der Redakteure und dem Fleiß und Können der Schreiberlinge! 

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Und wo sind die Frauen?

Ihr habt vollkommen Recht – in dieser Liste fehlt eine signifikante Hälfte der Weltbevölkerung. Bei den wohl berühmtesten Science-Fiction-Büchern befindet sich traurigerweise nicht wirklich ein Frauenname. Das heißt weder, dass Frauen keine Science-Fiction schreiben, noch, dass Science-Fiction aus Frauenhand nicht gut ist. Im dritten und vorerst letzten Teil meines Ausflugs ins Beste, was die Science-Fiction zu bieten hat, nehme ich mir daher hervorragende Autorinnen und ihre zu Unrecht weniger bekannten Werke vor!


Wie immer erhebe ich in diesem Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit, hoffe aber, dass ich euch – und mir! – einen guten Überblick verschaffen konnte. Postet euren Lieblingsklassiker in die Kommentare oder schreibt mir auf Twitter (an @judithcvogt)!

 

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