Die besten Fantasy-Bücher für Frauen

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Die besten Fantasy-Bücher für Frauen?


Oha. Das ist fast schon Clickbait, oder? „Sieh dir diese 10 Fantasytitel für Frauen an und rege dich in den Kommentaren über Gender-Klischees auf! Kommentar 7 ist heftig!“

Vielleicht sollte dieser Artikel eher heißen:

Fantasy für Frauen – gibt’s das? Brauchen wir das? Haben Männer und Frauen unterschiedliche Literaturvorlieben?


Ist das alles kulturell geprägt? Anerzogen? Fragen über Fragen – und bin ich die Richtige, um eine Antwort darauf zu geben? Mal sehen …

Ich bin ja Autorin, und als solche habe ich Freunde, die auch Autoren sind. Und einer von ihnen meinte vor kurzem: „Meine Bücher sind Männerbücher. Das heißt nicht, dass sie für Männer sind. Sie sind für Männer und Frauen, die gerne Bücher lesen, von denen man allgemein sagen würde, dass es Männerbücher sind.“ (Die Rede war übrigens von Horus W. Odenthals Ninragon.)

Den Unterschied (vermeintliches) Männerbuch – (vermeintliches) Frauenbuch sehe ich nirgendwo so deutlich wie im historischen Roman. Bernard Cornwells Reihen um Uhtred und Sharpe? Militärisch, blutig, realistisch: Männerbuch. Iny Lorentz’ Die Wanderhure? Frauenschicksal, Liebe, romantisches Mittelalter: Frauenbuch. Dabei sagt man Männerbüchern dann Authentizität nach und Frauenbüchern, na ja, das ist halt was fürs Herz, so was liest die Gattin gern.

Ich hab damit so meine Probleme – und muss dennoch als gelernte Buchhändlerin zugeben, dass es den Unterschied im Kaufverhalten und Leseverhalten gibt. Vielleicht anerzogen, vielleicht kulturell geprägt. Ich glaube, es gibt manchmal so Hirn-aus-Vergnügen. Guilty pleasures. Meine Mutter zum Beispiel fährt sich regelmäßig hohe Literatur wie Walser und Co. rein und dazwischen frühstückt sie Iny Lorentz und Eifelkrimis. Mein Vater guckt stattdessen Tour de France. Was ich damit sagen will: Hirn-aus-guilty-pleasure-Tätigkeiten unterscheiden sich vielleicht zwischen den Geschlechtern (auch hier wieder: genetisch oder kulturell?), und somit lesen Frauen vielleicht einfach mehr Liebesherzschmerz für Zwischendurch. So statistisch gesehen. 

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Und in der Fantasy?

Erfahrungsgemäß, sowohl aus dem Bekanntenkreis als auch aus Buchhändlererfahrung kann ich eines ganz sicher sagen: Frauen lesen häufiger Jugendfantasyromane als Männer. Ist 1 Fakt. Ich habe in einer Kinder- und Jugendbuchhandlung gearbeitet, in der wir sehr häufig die sogenannte „All Age“-Fantasy an junge, ältere, mittlere Frauen, an Mütter, Omas, Tanten, Lehrerinnen verkauft haben, die sich auf den neuen Percy Jackson-, Bis(s) zum Morgengrauen- und Panem-Band freuten. Ganz zu schweigen von den Mitternachtspremieren des englischsprachigen Harry Potter, die sich ja praktisch nur an Erwachsene richteten, da die wenigsten Kinder die Reihe wohl auf Englisch lesen.

Tipps:

Licia Troisi: Die Drachenkämpferin

Rick Riordan: Helden des Olymp

 

Nun sind Harry Potter und Twilight ja ohnehin Phänomene, die sich durch alle Altersgruppen ziehen – und zwar anteilig mehr Frauen und Mädchen erreichen, aber auch von Männern und Jungs gelesen und gesehen werden. Zum Thema Twilight: Ich kenne ich viele Männer, die Bis(s) zum Morgengrauen wegen des Vampirthemas lasen. Wer mit Anne Rice’ Chronik der Unsterblichen bereits angefangen hatte, war zumindest beim ersten Bis(s) noch neugierig.

Überhaupt: Fangen wir mal mit Vampiren an!

Denn die sind die Wurzel allen Romantasy-Übels. Auch Anne Rice’ Romane, die von Blut, Sex, verzweifelter Liebe und Unsterblichkeit berichten (wie alle guten Vampirgeschichten), sind wohl eher von weiblichen Lesern konsumiert worden, sind jedoch für Frauen wie Männer interessant. Wer die Romanvorlage um Sookie Stackhouse zur HBO-Serie True Blood kennt (Autorin ist Charlaine Harris), wird hingegen zustimmen, dass sie nicht weit über mittelmäßige Fanfiction hinauskommen und die Autorin sich eher an Hausfrauen älteren Semesters richtet. Womit ich da ja schon wieder total ins Geschlechterklischee tappe – sagen wir: die sind eher ein guilty pleasure. Hirn aus, Eric Northman an.

Bei Charlaine Harris ebenso wie bei Stephenie Meyer gilt: Die Formel „Mädchen trifft Vampir“ begeistert vor allem Frauen. Die romantische Vision, jemand Übernatürliches könne sich für dich, ja, genau dich, interessieren, erlebte nach dem Bis(s) einen solchen Boom, dass die sogenannte Romantasy bei jedem großen Verlag und im Selfpublishing-Sektor verheizt wurde, bis nur noch Asche übrig war. Jahrelang schmachtete uns der süße Engel-Boy vom Cover an, lechzte uns der sexy Dämon entgegen und wollte der Werwolf mit uns den Mond anheulen. Das funktionierte eine Zeitlang offenbar ganz gut – mit größtenteils Frauen als Kundschaft und häufig mindestens romantischem, oft auch erotischem Inhalt. (Auch da wissen wir ja, das Männer und Frauen anders ticken. Frauen holen sich ihr Kopfkino gerne lesend, was auch ein Grund für den Erfolg erotischer Fanfiction ist, während Männer das Optische bevorzugen.)

Außerdem bekennen sich Frauen – ja, ich denke, kulturbedingt – eher dazu, gern zu Liebesgeschichten zu schmachten und konsumieren sie demzufolge auch häufiger.

Tipps zu Romantasy:

Kerstin Gier: Rubinrot

Isabel Abedi: Lucian

Tipps zu erotischer Fantasy:

Nalini Singh: Leopardenblut

Jeaniene Frost: Blutrote Küsse

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Dann kamen die Jugendbuchdystopien

Und wir hatten genug geschmachtet. Also, natürlich nicht ganz, denn getreu dem Twilight-Liebesdreieck Edward-Bella-Jacob gab es auch in den Dystopie-Hits häufig Love-Triangles zu erlesen, komplett mit Team-Bekundung (wobei wir wieder beim Thema „Shipping“ wären!). Warum uns Dystopien faszinieren, ist in einer Zeit, die sich in sehr raschem technologischem Umbruch befindet und in der jede Katastrophe in den sozialen Medien sehr nah an einen herankommt, wohl einfach zu erklären. Schwieriger dann schon die Frage, warum die Zielgruppe für die meisten Dystopien weibliche Teenager sind – vielleicht, weil die jugendliche Protagonistin, der jugendliche Protagonist als rebellischer Teenager sich besonders gut eignet, um gegen unhaltbare Zustände aufzubegehren?

Tipp zu Love Triangles:

Cassandra Clare: Clockwork Angel

Tipps zu Dystopien:

Marie Lu: Legend – Fallender Himmel

Veronica Roth: Die Bestimmung

Der Hobbit – junge Frauen lieben Tauriel

Als ich jung war … da war Der Herr der Ringe zwar Allgemeingut, aber eigentlich auch eher etwas, worüber sich der Nerd-Schüler mit dem Lehrer unterhielt. Viele atmeten auf, dass sie sich 1200 Seiten in grünem Schuber ersparen konnten, als die Filme von Peter Jackson herauskamen. Dass Jackson sich danach an die Verfilmung des Hobbits machte, ließ viele Fans des Buchs verhältnismäßig kalt, da er sich so weit von der Vorlage entfernte (ich sagte nur: Love Triangle!). Doch tatsächlich brachten die Hobbit‑Filme viele junge Frauen zur Fantasy, die vorher wenig oder nichts mit dem Genre zu tun hatten, und Schuld hat Tauriel. Die zum Hobbit hinzugefügte Waldelbe, die zwischen Legolas und Kili hin- und hergerissen ist und schließlich den Tod des Zwergs miterleben muss, hat mit ihrem Outfit und ihrem Charakter viele neue Cosplayerinnen, Elbenwald-Kundinnen und Fantasy-Leserinnen hervorgebracht.

Tipps:

Trudi Canavan: Die Rebellin

Jim Butcher: Codex Alera

Steampunk – eher ein Frauengenre?

In vielen Steampunk-Büchern gibt es einen heimlichen Hauptdarsteller: Mode und Konventionen! Junge Mädchen im sprichwörtlichen Korsett gehobener Gesellschaft und im wörtlichen Korsett aus Walknochen: Ich wage zu behaupten, dass auch Steampunk nicht nur mit „Frauenbüchern“ aufwartet, aber auf jeden Fall sehr zugänglich für die romantisch Veranlagten unter uns ist. Zudem werden häufig Themen wie Emanzipation, frühe Frauenbewegung, Widerstand gegen den Zeitgeist etc. angesprochen.

Tipps:

Ju Honisch: Jenseits des Karussells

Kage Baker: Die Frauen von Nell Gwynnes

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Eure Meinung!

Was sagt ihr? Habe ich um den heißen Brei herumgeredet? Zu viele Klischees bedient? Zu wenige? Gibt es Männerbücher und Frauenbücher? Ich freue mich auf eure Kommentare unter dem Artikel oder Unterhaltungen auf Twitter, tweetet einfach an @judithcvogt!


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© Judith Vogt

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