Interview mit Ready Player One Autor Ernest Cline

INTERVIEW

„Natürlich bin ich ein Nostalgiker!“: Ein Interview mit Ernest Cline über Ready Player One


Wir haben mit Ernest Cline, den Autor von Ready Player One und Armada, über die Verfilmungen seiner Romane, Inspirationen und Herausforderungen gesprochen.

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TOR-Online: Ursprünglich haben Sie Drehbücher geschrieben, zum Beispiel das für Fanboys. Warum haben Sie sich dann entschieden, Ihren ersten Roman zu schreiben, Ready Player One?

Ernest Cline: Es waren die Produktionsbedingungen von Fanboys, die mich dazu brachten, meinen ersten Roman zu schreiben. Die Verfilmung von Fanboys dauerte über ein Jahrzehnt – inklusive eines langwierigen Kampfes mit den Produzenten, die meine Geschichte und meine Figuren drastisch abändern wollten. Als Drehbuchschreiber hatte ich das Gefühl, keine Kontrolle zu haben, deshalb probierte ich es mal mit dem Schreiben von Romanen. Mein Ziel war, die Kontrolle über meine Geschichte zu behalten und direkt mit meinem Publikum zu kommunizieren.

Ready Player One war ein Riesenerfolg. Mit seinen Hauptthemen Gaming und Virtual Reality hat es Ihren Lesern eine völlig neue Welt erschlossen. Man könnte sagen, Sie haben die Bibel für die Gamer-Generation geschrieben. Wie kamen Sie auf die Idee, über VR zu schreiben?

Schon als ich in den Neunzigern mit dem Schreiben von Ready Player One begann, wurde mir klar, dass Virtual Reality einmal die Zukunft der Games sein würde. Sie wurden immer realistischer, und alles schien auf die totale Immersion hinauszulaufen. Ich ließ mich auch von Romanen wie Neuromancer und Snow Crash und von Filmen wie Matrix inspirieren, die verschiedene Facetten von VR und Computersimulationen erforschten.

Was war die größte Herausforderung beim Schreiben von Ready Player One? Also zum Beispiel bestimmte Szenen oder Figuren?

Die größte Herausforderung war wohl, die richtige Balance zu finden: Einerseits ging es darum, eine ganze Welt zu erschaffen. Und andererseits darum, eine packende, lustige Abenteuergeschichte zu erzählen.

Sie haben mal erwähnt, dass die Firma Oculus VR allen Angestellten bei Jobantritt Ihren Roman in die Hand gedrückt hat. Ihr Werk dient als Inspiration für die aktuelle Entwicklung von VR. Wie fühlt sich das an?

Es ist sehr schmeichelhaft und macht mich demütig. Ich bin fast so ein Glückspilz wie Arthur C. Clarke, als er die Satellitenkommunikation vorhersagte. Als ich Ready Player One schrieb, hatte ich aber auch das Gefühl, von Giganten wie William Gibson und Neal Stephenson förmlich getragen zu werden. Ich konnte auf Ideen und Modelle aufbauen, die bereits andere Science-Fiction-Schriftsteller vor mir entwickelt hatten.

Armada und Ready Player One stecken voll obskurer, geekiger Bezüge, vor allem aus den Achtzigern. Anscheinend sind Sie ganz vernarrt in die Filme und Games Ihrer Kindheit. Sind Sie ein Nostalgiker?

Ja, natürlich bin ich das! Außerdem halte ich die Achtziger für eine wirklich faszinierende Zeit. Ein Jahrzehnt, in dem die Menschheit günstige, schnelle und leistungsfähige Computer erschuf, die wir zuhause, im Alltag nutzen konnten. Damals begannen wir auch, all diese Computer zum Internet zusammenzuschließen, was später so ziemlich jeden Aspekt unserer Kultur verändert hat. All das begann in den späten Siebzigern und in den Achtzigern.

Mr. Cline, Hand aufs Herz: Sind Sie ein Nerd? Hat das Wort für Sie irgendeine Bedeutung?

Natürlich. Die Leute aus meinem Umfeld haben mich immer schon als Nerd oder Geek bezeichnet. Anfangs empfand ich das als Beleidigung, irgendwann begriff ich es aber als Ehre. Bezeichnungen wie "Nerd" oder "Geek" drücken ja letztendlich nur aus, dass jemand sehr leidenschaftlich bei der Sache ist. Wenn man auf eine Sache nerd- oder geekmäßig abfährt, dann beweist man Leidenschaft, Enthusiasmus – und auch, dass man diese Leidenschaft unbedingt mit anderen teilen möchte. Man ist also ziemlich genau das Gegenteil eines Haters.

Wie war das, als Sie erfuhren, dass Steven Spielberg Ready Player One verfilmen will? Wie war Ihre Zusammenarbeit?

Ich dachte damals, ich träume. Und so ähnlich hat es sich seitdem eigentlich die ganze Zeit angefühlt. Unsere Zusammenarbeit war großartig. Es war eine unglaubliche Ehre, mit jemandem zusammenarbeiten zu dürfen, der mich und mein Werk so stark beeinflusst hat. Der uns alle beeinflusst hat.

Können Sie uns etwas über den bevorstehenden Film verraten? Wir würden liebend gern ein Geheimnis erfahren.

Tut mir leid – ich habe geschworen, nichts zu verraten!

Was können wir von Ihnen als Nächstes erwarten? Dürfen wir uns auf einen neuen Roman freuen, vielleicht sogar auf weitere Filme?

Hoffentlich auf beides. Ich habe gerade zwei neue Romane in der Mache, aber ihr Inhalt ist noch streng geheim! Stay tuned!

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