"Ich habe mir in meinem Wohnzimmer ein Raumschiff-Cockpit gebaut." Ernest Cline im Interview

© Sven Sauer / Philipp Scherer / Christoph Pieper / Dan Winters

INTERVIEW

"Ich habe mir in meinem Wohnzimmer ein Raumschiff-Cockpit gebaut." Ernest Cline im Interview


Nach seinem Welterfolg "Ready Player One" liefert Ernest Cline mit "Armada" das neue Kultbuch für alle Gamer. Im Interview spricht der Autor über "Armada" und die Games, die den Roman beeinflusst haben.

 „Wenn man sein erstes Buch schreibt“, erklärt Autor Ernest Cline, „wird einem immer gesagt, man soll das Buch schreiben, das man immer lesen wollte. Aber ich schätze, es gibt nicht viele Leute, die über Videospiele schreiben. Ich habe den Bedarf gedeckt, ohne dass ich es gemerkt habe.“

Der Roman über Videospiele, über den er hier spricht, ist sein Debüt Ready Player One (erscheint am 27.4. als Taschenbuch bei FISCHER Tor). Der Titel wurde zu dem Buch, das man allen seinen Gamer-Freunden zum Geburtstag schenken kann.

Mit Armada bedient Cline nun auf jeden Fall wieder die Nachfrage nach Gaming-Romanen – mit einem unterhaltsamen und witzigen Buch, in dem ein junger Mann feststellt, dass die Aliens, die die Erde überfallen, genauso aussehen wie die Wesen in der Weltraumsimulation, die er jede Nacht spielt.

Im Interview spricht Ernest Cline über die Entstehung von "Armada" und die Games, die den Roman beeinflusst haben.

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Welche Idee steckt hinter "Armada"?

Ernest Cline: In Armada geht es um die Idee, dass Videospiele, und eigentlich die gesamte Popkultur, konzipiert wurden, damit wir uns an die Idee von Aliens gewöhnen – und gleichzeitig lernen, Drohnen zu steuern, die auf dem gesamten Planeten versteckt sind, unter der Erde und in Wolkenkratzern. Wir brauchen sie, um eine Alieninvasion abzuwehren.

Was hat dich zum Roman inspiriert?

Ich habe 1977 im Alter von fünf Jahren Star Wars gesehen und im Jahr danach mein erstes Videospiel gespielt, Space Invaders. Viele Leute vergleichen Armada mit dem Film Starfight und dem Roman Enders Game, und ich liebe beides. Enders Game war eines meiner Lieblingsbücher als Teenager, und ich fand auch Starfight  toll. Ich gehörte zur ersten Generation von Kindern, die Spielkonsolen hatten und frühe Weltraumsimulationen wie Star Raiders spielen konnten. Also ist es mir leichtgefallen, mir vorzustellen, dass ich durch die ganze Propaganda zu einem neuen Luke Skywalker erzogen und trainiert werden sollte.

Und wodurch unterscheidet sich "Armada" von Starfighter und Enders Game?

Ich denke dadurch, dass in diesen Geschichten niemand Drohnen kontrolliert. Und das ist eine große Sache heutzutage – man kann für zwanzig Dollar eine Taschendrohne bei Amazon kaufen.

Wenn ich heute Star Wars sehe, können sie da holografische Gespräche in Echtzeit führen. Wenn sie das können, dann könnten sie sicher auch genügend Daten senden, um einen X-Wing aus der Ferne zu steuern – warum also soll man Leute in den Todesstern schicken, um zu sterben? Das gleiche gilt für Enders Game. Hinzukommt, dass alle Steuerelemente für Militär-Drohnen Videospiel-Controller sind. Dieses ganze Drohnen-Ding ist in meinen Augen etwas Neues.

Durch Filme haben wir außerdem eine bestimmte Vorstellung davon, wie eine Alieninvasion aussehen würde. Aber ich habe noch nie eine Geschichte über eine Alieninvasion gesehen, in der alle diese ganzen Filme über Alieninvasionen kennen. Deshalb hat es mir Spaß gemacht, in Armada über Figuren zu schreiben, die diese Science-Fiction-Filme gesehen haben.

Welche Spiele haben dich, was die Darstellung des Games in Armada angeht, am meisten beeinflusst?

Ich habe mir in meinem Wohnzimmer quasi ein Raumschiff-Cockpit gebaut und Weltraum-Shooter wie Star Raiders, Starmaster, Starhawk und das Panzerspiel BattleZone gespielt. All das hat mich zu Wing Commander gebracht. Dann gab es noch die Cockpit-Version des Star Wars Vektorgrafik-Spiels.

Aber ich wusste auch, dass es nicht nur Luftangriffe geben würde, daher habe ich im Buch zwei Spiele erfunden: Armada, eine Flugsimulation, mit der die Drohnen gesteuert werden, und Terra Firma, einen Egoshooter vom gleichen Entwickler wie Armada, dem die gleiche Geschichte über eine Alieninvasion in der nahen Zukunft zugrunde liegt.

"Ready Player One" ist das Buch geworden, das Leute ihren Gamer-Freunden empfehlen. Haben dich daraufhin Spiele-Entwickler angesprochen, ob du für sie schreiben kannst?

Ja, das haben viele getan. Aber da saß ich schon am Drehbuch zu Ready Player One und hatte gerade angefangen, Armada zu schreiben, also hatte ich keine Zeit.

Sowohl "Ready Player One" als auch "Armada" drehen sich zentral um Videospiele. Machst du dir Sorgen, dass du damit in einer Schublade landest, als der „Videospiel-Typ“?

Vielleicht. In meinem nächsten Buch wird es nicht um Videospiele gehen. Gut, es wird vielleicht Figuren geben, die ein Spiel spielen, aber es wird keine zentrale Rolle für die Handlung spielen wie in Ready Player One und Armada. Ich denke, es wird eher so etwas wie Fanboys, eine persönlichere Geschichte ohne Videospiele.

"Ready Player One" wird von Steven Spielberg verfilmt. Gibt es schon Pläne für eine Verfilmung von "Armada"?

Was Armada angeht, schreibe ich an den ersten Entwürfen des Drehbuchs. Ich hab schon immer gewusst, dass ich gern einen Film daraus machen würde, daher habe ich die Filmrechte zur gleichen Zeit und mit dem gleichen Exposé an Universal verkauft.

Wenn man "Ready Player One" und "Armada" gelesen hat und beide mochte, welches Buch sollte man deiner Meinung nach als nächstes lesen und warum?

Andy Weirs Der Marsianer. Ich empfehle das jedem. Witzig ist, dass Andy mir gemailt und erzählt hat, dass er eine Ready Player One Fanfiction geschrieben hat. Er hat eine Herkunftsgeschichte über den Bösewicht aus Ready Player One geschrieben.

Ich finde außerdem, dass Neal Stephensons Amalthea ein großartiges Buch ist, und ich kann Ken Grimwoods Replay und Die Pforte von Patrick Lee empfehlen. Das sind einige der Sachen, die ich in letzter Zeit gelesen habe.



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© Paul Semel 2015

Zuerst erschienen unter dem Titel „Interview: Ready Player One author Ernest Cline on his new video game-inspired novel, Armada” auf Gamecrate.com

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