Interview mit Charlie Human, dem Autor von "Apocalypse Now Now – Schatten über Cape Town"

INTERVIEW

Interview mit Charlie Human: „Ich fand Hogwarts ja immer ein bisschen langweilig“


Der 16-jährige Baxter aus "Apocalypse Now Now" handelt in der Highschool mit Monsterpornos und entdeckt im Laufe der Story seine magischen Fähigkeiten als Seher. Ist er die dunkle Urban-Fantasy-Version von Harry Potter? Die Antworten gibt Autor Charlie Human im Interview.


TOR-Online: Monsterpornos. Das Auge des Sehers. Der große Mantis ... Was hat dich zu der Welt inspiriert, die wir in "Apocalypse Now Now"
betreten?

Charlie Human: In dieser Welt wird die Südafrikanische Mythologie ziemlich durchgeschüttelt, sowohl die urbane als auch die ganz traditionelle bzw. historische. Da gibt es Einflüsse von Mythen der Afrikaaner, Xhosa, Zulu und der eher englischen Kultur, die ich stark miteinander verwoben habe. 

Besonders wurde ich von den südafrikanischen Boulevardzeitungen beeinflusst, die jede Menge urbaner Mythen und Magie enthalten. Ich frotzel gerne herum, dass sie in Wahrheit unsere besten und erfolgreichsten phantastischen Stoffe liefern.

Südafrikanische Mythologie ist schon eine Besonderheit auf dem (zumindest europäischen) Buchmarkt. Kannst du uns mehr darüber erzählen, wie du recherchiert hast? Oder bist du einfach damit aufgewachsen und musstest gar nicht groß Nachforschungen betreiben?

Es gibt ein Buch von Credo Mutwa namens Indaba My Children, was mir sehr viel gebracht hat. Credo Mutwa ist ein traditioneller Heiler der Zulu. Die Zulu haben eine starke orale Tradition, erzählen ihre Geschichten weiter, und er hat viele davon in seinen Büchern verschriftlicht.

Ich habe auch viel von Niklaas von Rensburg gelesen, einem Afrikaaner und sogenannten „Siener” (also Seher), der damals im Burenkrieg auf Seiten der Buren gekämpft hat.

Aber ich habe die Geschichte rund um Baxter auch einfach machen lassen, was sie wollte. Sie sollte eben nicht an der südafrikanischen Geschichte festkleben.

Ist Baxter eine dunkle Version von Harry Potter?

Haha, gute Frage. Ich fand Hogwarts ja immer ein bisschen langweilig. Ich meine, da trifft ein Haufen hormonüberschüssiger Jugendlicher aufeinander, die irgendwie magische Fähigkeiten haben. Wäre das eine reale Situation gewesen, wäre es wohl ziemlich drunter und drüber gegangen.

Baxter ist für mich eine realistischere Darstellung dessen, was man als Jugendlicher erlebt. Nicht prüde, nicht sicher, und vielleicht mögen keine echten Dämonen da draußen sein, aber irgendwie kämpft man doch gerade in dieser Phase des Lebens ganz gehörig mit dem eigenen Inneren.

Welche Figur oder Szene war besonders schwierig zu schreiben? 

Die Beziehung zwischen Baxter und Ronin herauszuarbeiten, war ein hartes Stück Arbeit. Die ist ja gewissermaßen der Kern des Romans, und ich wollte, dass zwischen ihnen eine Verbindung entsteht, die aber nicht künstlich oder gezwungen wirkt. Allerdings haben die Dialoge zwischen ihnen auch wahnsinnig viel Spaß gemacht, daher habe ich meinen Rhythmus ganz gut gefunden. 

Welche Figur aus "Apocalypse Now Now" wärst du gerne?

Keine Frage: Klipspringer natürlich, halb Junge, halb Springbock. Er ist meine Lieblingsfigur. Über seine Hintergrundgeschichte habe ich übrigens auch einen Artikel veröffentlicht, im Original gibt’s den bei Boing Boing, aber inzwischen auch auf Tor-Online.de.

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